Nachtdienst machen?

Hallo corinna,

wenn Nachtdienst alleine für Dich ein Problem ist:

Warum wechselst Du nicht in einen Bereich wo es keinen Nachtdienst oder keinen Nachtienst alleine gibt?

Wie z.B. im OP, Intensiv, Funktionsbereich oder Dialyse...

Viele Grüße

Werner
 
um alle Eventualitäten/ Risiken im Vorfeld abzusichern bräuchte es eine 1:1 Betreuung

Hm, sag mal, bist du dir darüber im Klaren, was eine 1:1-Betreuung ist? Sowas machen wir bei akut suizidgefährdeten oder fixierten Patienten. Es bedeutet, dass ich den Patienten nicht aus den Augen lasse und nur für diesen einen Patienten zuständig bin. In der Nacht hockt sich meine Beiwache neben das Bett (oder auch neben zwei Betten, die dann beide auf dem Flur stehen) und ich mache den Rest der Arbeit alleine. Eine 1:1-Betreuung ist aber in der Chirurgie nicht notwendig. Könnte ich mir höchstens nach Suizidversuch vorstellen, aber wenn 1:1-Betreuung ärztlich angeordnet ist, muss eine Sitzwache extra für diesen Patienten da sein, sonst stehst du als verantwortliche Schwester mit einem Bein im Gefängnis. In so einem Fall würde ich auf gar keinen Fall alleine Nachtwache machen, da kann von mir aus die PDL selber kommen und den Patienten betreuen.

Marlena
 
Es geht hier um die Somatik- nicht um die Psychiatrie.

Hier wird eine 1:1 Betreuung eingefodert, weil man z.B. im Isolierzimmer nicht den ganzen Flur im Blick haben kann. Es könnten ja andere Pat. ein wichtiges Problem haben zu dem man ev. zu spät kommt. Postoperative Pat. können jederzeit anfangen zu bluten. Infusionen können para laufen. Kreislaufprobleme können auftreten... usw..

Elisabeth
 
... und Corinna86 meldet sich seit Post Nr. 7 nicht mehr?
Warum wohl?:eek1:
 
Was denkts du?

Elisabeth
 
Elisabeth, kann es sein, dass wir gerade aneinander vorbeireden? Es fordert doch niemand eine 1:1-Betreuung, sondern es wurden lediglich Bedenken geäußert, dass eine gute Patientenbetreuung nicht möglich ist, wenn man alleine im Nachtdienst ist, weil man z. B. gerade im MRSA-Zimmer steht oder es in mehreren Zimmern gleichzeitig klingelt. Ich wollte dir nur klarmachen, was 1:1-Betreuung eigentlich heißt. Auf deine Postings bezogen würde es nämlich bedeuten, dass bei einer 20-Betten-Station 20 Nachtwachen anwesend sein müssten, um jeden Patienten 1:1 zu betreuen, was natürlich absurd ist. Das hat mit dem Unterschied zwischen Psychiatrie und Somatik gar nichts zu tun. Unsere offenen psychiatrischen Stationen arbeiten auch nur mit einer Nachtwache, zusätzlich haben wir zwei pflegerische Bereitschaften für die gesamte Psychiatrie.

Marlena
 
Was denkts du?

Elisabeth

nee, die Frage mit einer Gegenfrage stehen zu lassen, halte ich für unergiebig und am ehesten hätte ich mir eine Antwort von Corinna86 gewünscht.
Mit meiner Antwort, die unten folgt, unterstelle ich Meinung, Haltung, Gegebenheiten, die vielleicht gar nicht existent sind bei Corinna86, hier im Verlauf der "Diskussion" nur schon wieder weitere Schleusen von Nebenflüssen des Themas öffnen.

Wäre ich die Thread-Eröffnerin, würde ich denken, "hmmm, die reden alle aneinander (und v.a. an mir) vorbei. Will wohl keiner auf meine direkte Frage eingehen? Ich sag jetzt mal gar nix mehr, ich trau mich nicht, sonst werde ich doch nur zerfleischt, weil ich mich nach zwei Jahren Examiniertenstatus geoutet habe, noch nie ND gemacht zu haben"

Aber: vielleicht ist das ja auch alles falsch und Corinna86 hat sich ein Bein gebrochen, liegt im Krankenhaus und hat keinen Internet-Zugang und kann deswegen nicht antworten.


Soll heißen, ich finde solche "Diskussionen" merkwürdig, wenn sich die primäre Fragestellerin nicht mehr beteiligt und mittlerweile das Thema 1:1-Betreuung einen Großteil der Beiträge einnimmt.
 
Eigentlich wollte sie eine Antwort auf ihre Frage (siehe #1), während ihr alle lustig fortgesetzt über die 1:1-Betreung diskutiert, die moonkid in #12 initiiert.

Also, gebt euch Mühe, und beantwortet die Frage von Corinna86!
 
Kann man den berufspolitischen Aspekt nicht abhängen?

Elisabeth
 
Nochmal: um alle Eventualitäten/ Risiken im Vorfeld abzusichern bräuchte es eine 1:1 Betreuung. Dies ist weder realistisch, noch finanzierbar.

Nach Deiner Argumentation ist es egal, ob man einer einzelnen Nacht-Pflegekraft 20 oder 40 Patienten zur Versorgung überträgt, weil Sicherheit gibt es ja eh keine...:knockin:
Von einer 1:1-Betreuung habe ich auch nie gesprochen. Es geht auch nicht um 100%ige Ausschaltung jeglichen Sicherheitsrisikos, sondern um eine bestmöglichste Minimierung dieses Risikos. Und die Korrelation zwischen der Anzahl zu versorgender Patienten pro Pflegekraft mit möglichen Pflegefehlern ist eindeutig erwiesen!

Und hier werden so oft andere Länder angepriesen. Ist es möglich, dass die Argumentierer, wenn sie dies schon ins Feld führen, auch mal konkret werden. So machte es den Eindruck, als wenn man sich Situationen in anderen Ländern schön redet. Stichwort: Personalmix.

Als Beispiel sei nur dieser Bericht aus dem deutschen Ärzteblatt angeführt:
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Gesundheit in Deutschland im europäischen Vergleich: Deutlicher Aufholbedarf" (23.02.2007)

eine Überlastungsanzeige im Sinne eines Organisationsverschuldens ist m.E. nicht möglich.

Selbstverständlich sollte jeder Mitarbeiter abwägen, wann eine Überlastungsanzeige gerechtfertigt, sinnvoll und klug ist.
Aber möglich ist diese jederzeit! Die Überlastungsanzeige ist eine Möglichkeit, sich vor der Eigenüberforderung, Fehlern, Qualitätsmängeln und evtl.
Schadensersatzforderungen zu schützen.
Die Mitarbeiter/innen sind sogar gemäß §§ 15, 16 Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, den Dienstgeber darauf hinzuweisen, dass Handlungsbedarf besteht, um Schaden auch von der Einrichtung abzuwenden.
Zitiere Arbeitsschutzgesetz:
ARBSCHG § 15 Pflichten der Beschäftigten - Arbeitsschutzgesetz - LuMriX
ARBSCHG § 16 Besondere Unterstützungspflichten - Arbeitsschutzgesetz - LuMriX
Erfolgt trotz eintretender Überlastungen oder Mängel keine ÜA, trifft die Mitarbei-ter/innen u.U. eine Mithaftung.
Denn sie übernehmen arbeitsrechtlich die Verantwortung für die ordnungsgemäße Erfüllung der übertragenen Aufgaben.
Im gleichen Maße ist der Dienstgeber von der entsprechenden Teilverantwortung befreit. Erst wenn die Mitarbeiter/innen den Dienstgeber oder dessen Beauftragte/n auf Organisationsmängel oder problematische Situationen hinweisen, geht diese Teilverantwortung wieder zurück auf jene, die das Weisungsrecht haben.
Es geht also zum einen um eine Anzeigepflicht und zum anderen um den eigenen Schutz vor Haftungsansprüchen.
Ob bei Corinna all das zutrifft, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber die Behauptung, eine ÜA sei bei Organisationsverschulden von seiten des AG nicht möglich, ist jedenfalls 100% falsch!
 
Während im Jahr 2004 für die Akutversorgung in Deutschland pro Krankenhausbett im Durchschnitt 0,75 Pflegekräfte zur Verfügung stehen, liegen die Werte in Italien mit 1,36 Pflegekräften je Bett und im Vereinigten Königreich mit 1,8 Pflegekräften deutlich höher .
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Gesundheit in Deutschland im europäischen Vergleich: Deutlicher Aufholbedarf" (23.02.2007)


Beziehst du dich auf diese Aussage? Als Pflegekräfte werden in Statistiken alle gezählt, die auf der Station anwesend sind. Dadurch ergibt sich in D z.B. auch die Differenz zwischen 1,2 Mill Pflegeräften und 800.000 (?) examinierten Fachkräften. Außerdem wäre es interessant, ob die von dir angeführte vergleichende Statistik sich auf MA im Gesundheitswesen oder auf VK im Gesundheitswesen bezieht. Auch da kann man schön schummeln.

Ich kann hier leider keine Zahlen entnehmen wie es im Ausland um die Dienstbesetzung bestellt ist- denn um diese geht es hier.


Wieviel Kollegen mit welcher Qualifikation versorgen wieviel Patienten mit welchem Pflegeaufwand in der Nacht? Gibt es zusätzliche Dienste, wie einen Hol- und Bringedienst, Transportdienst in der nacht?

Vielleicht mögen ja die Kollegen aus dem europäischen und anderem Ausland antworten. Es wäre sicher sehr interessant. Mir geht es vor allem um den Personalmix in den Diensten.

Elisabeth
 
Vielleicht sollten wir hierzu einen eigenen Thread eröffnen?

Sagt mir wo ich abhängen soll und ich mache es.

Sonnige Grüsse
Narde
 
Ab Posting 12 denke ich.

Elisabeth
 
Das Problem ist,daß die verschiedenen Stationen nicht gemeinsam zu ihrer Belastung mit Pflegepatienten -Einstufung 3/2-stehen,egal ob tags oder nachts.Denn sonst wäre nicht die große Diskrepanz dieser Entlastungsanzeigen und der immer gleichen Stationen,die sie abschicken....
Gehört man zu der Station,die sie alle zwei Wochen abschickt,dann wird man besonders unters Visier genommen,ob man überhaupt den Belastungen standhalten kann.Das ist ein zweischneidiges Schwert.Dann wird man unter die Gesprächsmangel genommen.Deshalb sollte man es vorsichtig anwenden,in reinen Notsituationen.
Doch mit diesem Thema scheiden sich regelmäßig die Geister.Da gibt es immer wieder Diskussionen darüber.
Die PDL hat vor vielen Jahren schon angedeutet,mit diesen Entlastungsanzeigen könne sie gut leben.
Aber wir auf Station an der Basis nur sehr bedingt.Wir sind auch nicht stolz wenn wir mit unserer Arbeit überhaupt mal fertig werden,sondern zunehmends bedrückt,über die Abfertigungs- Situation (sauber-satt-schmerzfrei)jeden Tag.Denn Abfertigung ist keine vorbildliche und einfühlende Krankenpflege,wie sie Schülern gelehrt wird.Dabei kommt auch das Patienten- Gespräch der Prävention und Nachsorge zu kurz.Das ist niedriges Niveau ,wird auch mittlerweile als Mogelpackung angesehen. Hauptsache,die Zertifizierung ist wieder gut bestanden und hängt im Eingangsbereich der Station.
 
Willst Du damit sagen, dass in Deutschland fast nur unprofessionelle Pflegekräfte unterwegs sind?
Ganz schön anmaßend!

Du urteilst, bevor ich auf die Frage antworten konnte. ;)

Nein, natürlich wissen wir alle, das wir Profis sind!

Ich will es detalierter formulieren:
Nachtdienst alleine zu machen, ist eine unprofessionelle Handlung (hab ich auch schon gemacht). Warum machen wir es dann? Nicht weil wir wirklich unprofessionell sind, sondern weil wir oft keine andere Wahl haben. Jobverlust, Mehrarbeit der Kollegen, etc

Besonders die Angst vor Jobverlust dürfte eine enorme Rolle spielen. Bisher hatte ich das Privileg hier nicht so Rücksicht drauf nehmen zu müssen, weil ich finanziell nur für mich alleine verantwortlich bin (keine Kinder) und als Mann auch relativ schnell einen Job finde.
Die meisten meiner Kollegen haben vielfältige finanzielle Verpflichtungen (Kinder, Haus, Auto) und können sich nicht leisten schon in den ersten zwei Jahren der exam. Berufstätigkeit zwei Jobs einfach so hinzuschmeißen (hab ich gemacht), weil ihnen etwas nicht passt.
 
Die kleinen Stationen liegen sich gegenüber, da gibt es pro Station eine Nachtwache, bei Bedarf kann man die Nachtwache von gegenüber zu Hilfe holen - auch nicht optimal, weil dann eine Station eine zeitlang unbesetzt ist.

Hier kann ich einen Situation aus meinem Berufsalltag erzählen.
Ich hatte alleine Nachtdienst auf einer Kinderstation. An diese Station war noch die erste Kinder 1. Hilfe (ca 50 Meter ohne Sichtkontakt entfernt) angeschloßen, welche auch von unserem Personal bedient wurde.
Also ich auf Station und eine Kollegin in der 1. Hilfe. Dort gibt es einen roten Knopf der gedrückt wird, wenn die Kollegin vorne nicht mal mehr die Zeit hat das Telefon in die Hand zu nehmen. Geht der los, kann man also von einer Rea-Situation ausgehen.
Prompt ging er in dieser Nacht los. Ich hatte mehrere Kinder begründet(!) am Monitor, frische OPs usw. In dieser Situation habe ich mich entschieden die Station nicht zu verlassen. Ich konnte es nicht verantworten.
In einem Zeitraum von gefühlten 5 Minuten habe ich mir per Telefon eine Kollegin von der Neo geordert, die auf meine Station aufpasst. Neo Kollegen kenne sich nicht in der 1. Hilfe aus und sind daher zum Station-Sitten besser geeignet. Also sie da war, bin ich rüber in die 1. Hilfe. Blöd nur, dass es ein Fehlalarm war (Knopf unter dem Tressen, stiller Alarm).
Ich hab gekündigt...
 
Vielleicht weil Moonkid Äpfel mit Birnen vergleicht? Es gibt nun mal finanzielle Grenzen die bestimmen was machbar ist und was nicht.
...
Was verstehst du unter großen Stationen? Welche Pflegeaufwandverteilung gibt es dort? Welche Aufgaben habt ihr nachts?

"Finanzielle Grenzen" kann man verschieben bzw das System welche sie bestimmen verändern.

Wir müssen endlich das Paradigma wechseln! Du sprichst schon wieder von Stationsgröße und Aufwand. Das ist irrelevant! Die Verantwortung zählt!
 
Ja,sehe ich auch so.Die Finninen haben vor Monaten gestreikt,haben 27 Prozent mehr Gehalt eingefordert.Haben auch sonst gute Bedingungen.
Wer das Geld bezahlen soll,kann uns egal sein.Wir sind nicht verpflichtet uns zu ducken und uns moralisch schuldig zu fühlen,weil wir mehr Personal einfordern und mehr Bezahlung.Die anderen Länder wie Schweiz Amerika oder Finnland oder......können das ja auch,ohne daß der Staat deswegen bankrott geht.
Es geht um Verantwortung an jedem Krankenbett ,tagtäglich.
 
eine Überlastungsanzeige im Sinne eines Organisationsverschuldens ist m.E. nicht möglich. Man erwartet, dass nach 3 Monaten Einarbeitung und einer Probenacht, der examinierte MA selbständig arbeiten kann.
Ein Anzeigen der Ablehnung der Verantwortungsübernahme würde eher einem Eingeständnis gleich kommmen, dass man der anfallenden Verantwortung (noch) nicht gewachsen ist. Und da stellt sich dem AG die Frage, ob der MA zurecht den Lohn empfängt, den er beansprucht.

Man könnte fast meinen du bist PDL. ;)

Welche juristische Bildung besitzt du, um untermauern zu können, das eine Überlastungsanzeige im Sinne des Organisationsverschuldens keinen Sinn macht?
Meine juristische Bildung (die üblichen Basics wärend der Ausbildung) bringen mich zur gegenteiligen Annahme und zwar aus genau den Gründen wir es meine Kollegin bereits ausgeführt hat.

Zum Lohn!? Jetzt könnt ich k.......
Lohn zu Recht empfangen? Wir verdienen alle (im Sinne der Verantwortung) zu wenig!
Da kommst du und sagst eine Pflegekraft, die keinen Nachtdienst macht, bekomme zuviel Lohn!? Höre ich da Neid und Mißgunst heraus?
 
Was glaubst du wird nach der Forderung nach mehr Gehalt folgen? Wir haben im gegensatz zu den Ärzten keine Vorbehaltsaufgaben. Unsere Tätigkeiten kann jeder nach einer kurzen Anlernzeit machen. Etwas anderes haben wir bis jetzt in D nicht nachgwiesen... im Gegenteil: wir versorgen mit noch weniger Personal noch mehr Patienten.

Für eine Überlastungsanzeige reicht nicht die gefühlte Überlastung, sondern harte Fakten.

Der Kommunismus in der Pflege: jeder bekommt den gleichen Lohn, egal was er macht... auch bei unterschiedlichen Leistungen.

Ob wir unser Geld zu recht bekommen, darüber lässt sich trefflich streiten. Selbst die Gewerkschaft tarut sich nicht an dieses heiße Eisen heran. Leistungen sind in D in der Pflege nicht definiert.

Elisabeth

PS Ich bin übrigens nicht PDL- nur politisch interissiert.
 

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