Wer kennt Ionsys[r]?

Lin

Poweruser
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28.12.2007
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Krankenschwester
Akt. Einsatzbereich
Urologie
Statt den Dipi-Schmerzpumpen bekommen wir jetzt die Ionsys Fentanyl HCI iPats (Schmerzpflaster) zum Testen. Bei diesem Pflaster ist es für die Pat. möglich sich eine Bolusgabe mittels Knopfdruck zu verabreichen. Dieses Pflaster wird nach OPs verwendet und darf nur im KH verwendet werden.

Heute hatten wir dazu eine Fortbildung.
Nur leider kam mir der Vertreter mit seinen Aussagen nicht ganz "koscher" vor. Klar, dass Vertreter nur das Beste von ihrem Produkt hervorheben, aber irgendwie hat er sich bei genauerem Nachfragen in seinen eigenen Aussagen widersprochen und bei einer Frage zum Produkt gleich gar keine Antwort gewusst. Auch bei der Powerpointpräsentation klickte er bei den Seiten mit NW gleich weiter, sodass man sie gar nicht lesen konnte oder sie waren in (sehr fachlichem) Englisch geschrieben. :gruebel: Auch die Statistiken passten irgendwie nicht (wen weniger befragt werden als beim Vergleichsprodukt kann doch die Bewertung nicht stimmen???).

Da laut ihm dieses Pflaster in D schon verwendet wird (und hier ja viele deutsche Kollegen sind), nun meine Frage: hat schon jemand Erfahrung damit gemacht? Wie hat sich dieses Pflaster bewährt? Sind Nebenwirkungen oft aufgetreten und wie stark?
Natürlich freue ich mich auch über Antworten aus anderen Ländern :mrgreen:

Gruß,
Lin
 
hallo,

habe zwar keine erfahrungen damit, aber in der Krankenhaus umschau 01/08 ist ein artikel darüber.
vielleicht hast du die möglichkeit ihn dir zu besorgen?

gruß
schattenblume
 
Danke Elisabeth!
Jetzt hab ich endlich die Seiten richtig durchlesen können :mrgreen:

Mich würden trotzdem auch persönliche Erfahrungen damit sehr interessieren (man weiß ja: Papier ist geduldig)
Z.B. ob es für die Pat. einfach zu bedienen ist, ob die Vorteile wirklich denen der Dipi-PCA überwiegen, ob die Geräte häufiger kaputt sind (sind ja ziemlich teuer) und man sie verwerfen muss, und was euch noch so alles einfällt dazu.

Gruß,
Lin
 
Hallo Lin
Ich arbeite seit nunmehr 25 Jahren hier im Marienhospital in Herne und seit 1992 hier auf der urologischen Wachstation. Auch bei uns werden in Bezug auf postoperative Schmerztherapie neue Wege gegangen. Seit ca 3 Monaten haben wir das IONSYS-Pflaster im Einsatz für unsere Nephrektomie Patienten. Ich kann nur sagen das unsere Patienten sehr gut darauf ansprechen. Wichtig ist eine vorherige gute Aufsättigung des patienten mit einem anderen Analgetikum wie z.b. Metamizol oder Perfalgan um eine Grundlage haben zu können mit der man weiter arbeiten kann. Danach wird dann post-OP sofort das IONYSY-System zum Einsatz gebracht. d.h. der Patient kann dann ab sofort selber und unabhängig von einem venösen Zugang seine Schmerztherapie leiten und mitbestimmen. Die Hauptnebenwirkung ersträkt sich in erster Linie auf eine gehäufte Übelkeit bis hin zum erbrechen. Zumeist aber nur dann wenn der Patient wirklich alle 10 Minuten auf die Pumpe drückt. Blutdruckabfälle oder Atemstillstände habe ich noch nicht erlebt - lediglich die O²-Sätigung fällt bei den meisten Patienten leicht ab - einige benötigen dann noch etwas O²-Unterstützung per Nasensonde oder O²-Brille. Andere Symptome wie Tachykardien oder allergische Reaktionen habe ich noch nicht erlebt. Ich hoffe die Auskünfte reichen Dir zunächst - wenn Du noch Fragen hast - mail to me
wünsche Dir noch ein schönes Wochenende
Bernd:kloppen:
 
Hallo Bernd!

Danke für deine Antwort, war sehr interessant Ich muss sagen, wir haben mit dem Pflaster sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Zwar habe ich noch keinen Pat. betreut, bei dem vermehrt Übelkeit oder Erbrechen aufgetreten sind, aber bei vielen mussten wir wieder auf eine Schmerzpumpe umstellen, da die analgetische Wirkung nicht ausreichte. Ca. 90% der Patienten weisen Verbrennungen Grad 2 auf, an der Stelle an der das Fentanyl austritt.
Das nächste Problem ist, dass die Pat. oft darauf vergessen und sich beim Waschen das Pflaster unabsichtlich teilweise oder ganz entfernen.

Meiner Meinung nach ist der Preis einfach zu hoch, denn von den vielversprochenen Vorteile bewahrheiten sich die wenigsten (hatten wir uns eh schon vorher gedacht), wie z.B. dass der Pat. mobiler ist, keinen Venflon braucht usw.
Mich wundert natürlich auch, dass anscheinend niemand das Pflaster kennt, denn nach Aussagen des Vertreters wird es in Deutschland schon seit Jahren benutzt (jaja, wers glaubt,... :knockin:)
Laut unserer Anästhesisten ist es eine Frage der Zeit, bis wir wieder gänzlich auf PCA umstellen. Zitat: "Solange wir es von der Pharmafirma gratis bekommen, verwenden wir es."

Gruß,
Lin
 

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