Umgang als Azubi mit Pflegekraft, wenn es um Abweichungen der Vitalzeichen geht

Elisabeth Dinse

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... Ich kann es nicht, ich kann mich dann später aber auch entschuldigen, dass sollte dann schon sein.
...
Vorbild fängt da an. Ich erwarte nicht,ich lebe vor. Und zwar, dass ich Mensch bin und zu meinen Fehlern stehen kann. Als Fachkraft weiß ich, dass es Sender und Empfänger gibt und das meine Aussage noch lange nicht so verstanden werden muss, wie ich sie verstanden wissen will.

Elisabeth
 

Bachstelze

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Wo wird dass denn in der Pflege?

Ich muss Elisabeth ein Stück weit recht geben. Haut zu Tage reagieren viele Schüler auch mehr als sensibel. Oft wird auch nicht die Situation reflektiert, in der die vieleicht etwas schroffere Reaktion des Gegenüber kommt. In einer normalen Situtation geht es gar nicht, wenn rumgeschnauzt wird, aber wenn Stress ist?! Wer kann denn da von sich behaupten immer ruhig zu sein? Ich kann es nicht, ich kann mich dann später aber auch entschuldigen, dass sollte dann schon sein.
Aber wie gesagt, viele Schüler reagieren aber auch mehr als sensibel. Wenn ich noch ein paar Jahre zurückdenke, ich weiß ich werde jetzt gleich virtuell gelyncht, da wurden die Schüler von den Examinierten noch in großer Regelmäßigkeit veralbert. Ich meine das berühmte holen von erfundenen Gegenständen (Schlüssel für den Douglasraum, Vakuum für Redons, etc.). Da sind so manche Schüler im Schweiße ihres Angesichts durch die Klinik gehechelt und wurden von einer Station zur nächsten geschickt. Sowas ist doch heute undenkbar. Da kommt doch gleich der Vorwurf des Mobbings und wie gemein doch alle sind.
Geschadet hat es doch sicher niemanden von denen die das noch erlebt haben, oder?


Ja, leider. Heute gäbe es da sicher eine Beschwerde.
Ich musste damals ein rundes Mutterband holen und die Telefonkette war immer schneller als ich.
Lustig war es trotzdem.
 

rockz

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"Die Erwartung, dass in der Pflege nur Gutmenschen arbeiten scheint bei einigen sehr ausgeprägt zu sein. Da wird jedes Wort genau unter der eigenen Lupe betrachtet und an den eigenen Maßstäben gemessen. Und wehe, wenn sie nicht bestehen- die Kollegen.

In der Schule wird doch Psychologie gelehrt. Vielleicht wäre es sinnvoll dort mal den "Teufelskreis" oder die selbsterfüllende Prophezeiung zu erläutern. Es scheint, als wenn da echte Defizite bestehen."


In der Schule werden im Fach Psychologie nur Krankheitsbilder angerissen wie Depression, Schizophrenie ... Bei uns Schülern war/ ist das Fach Kommunikation immer ein gutes Ventil gewesen um selbsterlebte,unfaire Situationen vom Stationsalltag offen anzusprechen und zu analysieren.

Im Bezug auf Gutmensch liebe Elisabeth:
Pflege in der Theorie und in der Praxis weichen drastisch, drastisch ab. Von daher ist es doch irgendwo logisch das von vornherein die alteingesessene Schwester auf Station schonmal in die Schublade "schlampig, empathielos, von gestern" reingesteckt wird. Heute habe ich erst wieder in der Schulpause ein Gespräch zweier Pflegeschüler mitverfolgt welche folgende Story erzählten:
Eine ~ 20 jährige Pat. nach Laparotomie Eingriff (lag schon Tage zurück, Wunde geklammert, Verband bereits ab) hatte Stuhldrang in der Nacht und wollte auf den Nachtstuhl von der Schwester ins Bad gefahren werden. Sie liegt in einem Doppelzimmer und wollte nicht im beisein ihrer Mitpatientin den Darm entleeren. Die Schwester weigerte sich sie ins Bad zu fahren mit der schlichten Begründung "sie habe dafür keine Zeit".

2. Beispiel 1. Lj: Pat. hat einen niedrigen BZ und ich soll ihm Apfelsaft bringen. Ich fragte sofort nach ob ich anstelle des Saftes denn dem Pat. auch das süße Törtchen geben kann was auf dem Nachttisch liegt. Die Schwester hat ungelogen mit der Faust auf den Tisch geschlagen und mit einem schroffen Ton erwiedert "Ich habe gesagt Sie sollen dem Pat. den Apfelsaft bringen!".

3. Beispiel 1. Lj: Pat so gut wie blind befindet sich im Zimmer und sitzt auf Bettkante und möchte Frühstücken. Ich schmiere ihr also die Brote und versuche ihr immer mal wieder beim Essen zu helfen weil sie meines erachtens nicht alleine zurecht gekommen wäre. Plötzlich wird die Zimmertür aufgerissen und mir mitgeteilt das die Kollegen gerne Frühstückspause machen würden und nur noch auf mich warten. Die Pat. würde selbst zurecht kommen und soll sich nicht so anstellen.

Beispiel eines anderen Mitschülers aus geriatrischer Reha: Schüler läuft auf Gang entlang und sieht eine offene Zimmertür. Er bleibt kurz stehen und sieht das eine Fachkraft gerade einen Pat. den Hintern im Stehen am Bett abwischt. Schüler fragt ob die Fachkraft denn Hilfe bräuchte. "Nein, danke" als Antwort. Im nächsten Augenblick kommt die Stationsschwester den Gang entlang gelaufen an und pfeifft den Schüler zu sich warum er denn die Fachkraft nicht darauf hingewiesen hätte die Tür zu schließen zur Wahrung der Intimsphäre - schließlich kommen auch Besucher in diese Reha! - Und mal wieder ist der Schüler der dumme. Er hat sich glaube ich gerechtfertigt dass es nicht seine Aufgabe sei einer Fachkraft vorzuschreiben was sie zu tun habe und was nicht - die Schwester ist schließlich Fachkraft und nicht er.

Es gibt einfach gewisse Schwestern die ihren Ruf bei Schülern zu Recht weghaben und dies immer wieder unter Beweis stellen. Es gibt Schwestern welche die Pat. immer dutzen oder mit Ihnen reden als wären sie dumme Kinder (vor allem zu sehr alten Pat. "na meine Gute, wie gehts uns denn")...

Was ich damit sagen will: Man kommt als Helfender auf Station, man soll eigentlich nur als zusätzliche Hilfskraft mitarbeiten und pflegerische Maßnahmen korrekt lernen (z.B.: bei s.c. spritzen Injektionszeit beachten und Hautstelle im nachhinein komprimieren, beim RR messen Ruhepause vorher einlegen lassen, Grundpflege - Handtuch unterlegen, körperentfernde Region zuerst waschen, Wasserwechsel, Handschuhwechsel....) und man wird dann in der Praxis oftmals richtig fett enttäuscht. Das hat für mich nix mehr mit Wort auf die Goldwagen legen zu tun oder man sei zu sensibel. Ein gesunder Menschenverstand reicht aus um zu checken das hier was falsch läuft.

Sorry wenn ich hier vielleicht total abgeschwiffen bin aber so sieht meine Realität vor Ort aus und dieser unterschwellige Ton des Zitates "[...]Und wehe, wenn sie nicht bestehen- die Kollegen. [...]" hat mich in rage gebracht. Wenn ich mich recht entsinne hat die Pflege heutzutage einen nicht allzuguten Ruf - und so wie die Kollegen untereinander umgehen so gehen sie denke ich auch mit Pat. um. Eine Fachkraft hat neutral zu sein - selbst wenn sie von ihrem Mann gestern verlassen wurde oder ein Familienmitglied gestorben ist - die Kollegen/ der Pat. kann nichts dafür. Wir sind hier nicht auf ner Baustelle und reparieren Häuser, Maschinen. Worte können verletzend sein und wenn jemand empfindlicher ist als andere so kann man dies doch berücksichtigen - schließlich spielt Empathie eine große Rolle in der Pflege.

:lamer: in Deckung geht
 

Elisabeth Dinse

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Ich wandel mal ein Zitat ab.
Ein schwieriger Kollege ist für mich ein Kollege der mir meine Grenzen aufzeigt, zu dem ich emotional keinen Zugang finde, bei dem ich keinen Erfolg habe, bei dem ich Frustration erlebe.
Er stellt das Wertesystem des Pflegeberufes infrage. Das Helfen-Müssen wird von ihm infrage gestellt.

Ganz innen drinne fühle ich „das Gute“, dies ist meine Argumentationsgrundlage
Wer sich dem widersetzt, widersetzt sich dem Guten.

Wenn ich angespannt bin und mich gestresst fühle, denke ich oft: Wieso stellt er sich nur so an, ich will ihm doch nur Gutes und erwarte eine dementsprechende Dankbarkeit. ...
Den schwierigen Kollegen gibt es nicht, es gehören immer zwei dazu.

Wer bringt eigentlich heute noch den Azubis bei, dass sie ihre Gefühle an der Pforte abzugeben haben und das nur jemand, der sich völlig hingibt, eine gute Pflegekraft ist? Kommen wir denn in D niemals vom Bild der sich aufopfernden Schwester als das Idealbild der Pflege weg?

Aber ich gebe zu...
...- Handtuch unterlegen, körperentfernde Region zuerst waschen, Wasserwechsel, Handschuhwechsel....
...das sind nun wirklcih wichtige Lerninhalte, die man beherrschen muss. Bei solchen Aussahen geht mir... ach lassen wir das. Ihr könnt nix dafür. Ich macht auch nur das, was man euch beibringt.

Elisabeth
 

Joerg

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...
Eine ~ 20 jährige Pat. nach Laparotomie Eingriff (lag schon Tage zurück, Wunde geklammert, Verband bereits ab) hatte Stuhldrang in der Nacht und wollte auf den Nachtstuhl von der Schwester ins Bad gefahren werden. Sie liegt in einem Doppelzimmer und wollte nicht im beisein ihrer Mitpatientin den Darm entleeren. Die Schwester weigerte sich sie ins Bad zu fahren mit der schlichten Begründung "sie habe dafür keine Zeit".

Wie mobil ist die Pat. denn sonst? Ich habe auch schon erlebt, dass ein Pat. vom Rauchen gelaufen kam, sich in Bett gelegt hatte und dann mit dem Toilettenstuhl ins Bad gebracht werden wollte. Bei einem Pat. nach Laparotomie erwarte ich ein paar Tage nach OP schon, dass sie sich leicht belastet und da gehört der Gang zur Toilette mit Sicherheit dazu. Gerade im dem Alter!

2. Beispiel 1. Lj: Pat. hat einen niedrigen BZ und ich soll ihm Apfelsaft bringen. Ich fragte sofort nach ob ich anstelle des Saftes denn dem Pat. auch das süße Törtchen geben kann was auf dem Nachttisch liegt. Die Schwester hat ungelogen mit der Faust auf den Tisch geschlagen und mit einem schroffen Ton erwiedert "Ich habe gesagt Sie sollen dem Pat. den Apfelsaft bringen!".

Die Art ist natürlich nicht korrekt. Ansonsten hat die Schwester aber Recht gehabt. Woher willst Du denn wissen, wie viel BE das Törtchen hat? Beim Apfelsaft bist Du erstmal auf der sicheren Seite. Aber wie gesagt, dass hätte die Schwester Dir natürlich im ruhige Ton erläutern müssen.

3. Beispiel 1. Lj: Pat so gut wie blind befindet sich im Zimmer und sitzt auf Bettkante und möchte Frühstücken. Ich schmiere ihr also die Brote und versuche ihr immer mal wieder beim Essen zu helfen weil sie meines erachtens nicht alleine zurecht gekommen wäre. Plötzlich wird die Zimmertür aufgerissen und mir mitgeteilt das die Kollegen gerne Frühstückspause machen würden und nur noch auf mich warten. Die Pat. würde selbst zurecht kommen und soll sich nicht so anstellen.

Da stellt sich dann die Frage, wie ist der Pat. zu Hause versorgt? Schmiert er sich da die Brote auch selbst und ißt selbstständig? Wenn ja, sollte er dass auch im Krankenhaus schaffen und zur Wahrung seiner Selbstständigkeit auch allein machen.
Das Argument der eignenen Frühstückpause vor dem Pat. ist sicher unglücklich, aber auch Deine Pause ist wichtig und gesetzlich vorgeschrieben.

...

Es gibt einfach gewisse Schwestern die ihren Ruf bei Schülern zu Recht weghaben und dies immer wieder unter Beweis stellen. ...

Oder gehen viele Schüler bei solchen Schwestern auch schon direkt von aus, dass sie ihren Ruf zu Recht hat und wollen gar nichts anderes erleben?
Meine Station hatte vor gut 15 Jahren einen recht miesen Ruf bei Schülern. Da gab es 3 Kolleginnen die vom wirklich alten Schlag waren und als Stationstyrannen daherkamen. Aber nicht nur gegenüber Schülern, sondern gegenüber allen KollegInnen. Auch so gab es im Team viel ärger. Dazu noch das bei vielen Schülern hoch beliebte Fachgebiet der Gastroenterologie mit vielen ISO. Damals auch noch gern für Alkoholentzug genommen und wenn ein obdachloser und/oder verwahrloster Pat. irgendwo aufgegabelt wurde, kam der auch zu uns. Dazu waren wir personell schon immer nicht ganz so prickelnd besetzt, wodurch eine gezielte Anleitung kaum möglich war. Also alles in allem ein "echtes Schülerparadies". Bei der Einsatzplanung der Schule gab es regelmäßig Tränen wenn die Schüler erfahren haben, dass sie zu uns müssen. Da PDL hat dann einen Schnitt gemacht und das Team ausgetauscht. Bis auf einige wenige, blieb kein Stein auf dem anderen. Das Team hat sich komplett geändert. Klar Fachgebiet und Pat.klientel nicht. Es hat aber trotzdem fast 10 Jahre gedauert, bis wir den Ruf der "Schülerkiller" los waren und dass obwohl in dieser Zeit ja schon viele Schülergenerationen durch die Ausbildung gelaufen sind.
Auch wenn ich jetzt abgeschweift bin, ich wollte damit nur sagen, dass es schwer ist, einen schlechten Ruf loszuwerden. Das kann auch bei der ein oder anderen Schwester so sein.

Was ich damit sagen will: Man kommt als Helfender auf Station, man soll eigentlich nur als zusätzliche Hilfskraft mitarbeiten und pflegerische Maßnahmen korrekt lernen (z.B.: bei s.c. spritzen Injektionszeit beachten und Hautstelle im nachhinein komprimieren, beim RR messen Ruhepause vorher einlegen lassen, Grundpflege - Handtuch unterlegen, körperentfernde Region zuerst waschen, Wasserwechsel, Handschuhwechsel....) und man wird dann in der Praxis oftmals richtig fett enttäuscht. Das hat für mich nix mehr mit Wort auf die Goldwagen legen zu tun oder man sei zu sensibel. Ein gesunder Menschenverstand reicht aus um zu checken das hier was falsch läuft.

Der Traum von der guten Ausbildung in dem der Schüler zusätzlich mitläuft ist zwar schön, aber in der heutigen Zeit unmöglich. Wie soll denn eine gescheite Anleitung laufen, wenn die Stationen so eng besetzt sind, dass die KollegInnen die Routinearbeit schon nicht geregelt bekommen. Da kommt der Frust doch ganz automatisch. Ich behaupte mal, dass 99% der Pflegekräfte auf Station eine gute Patientenversorgung gewährleisten wollen, dies aber einfach nicht können, weil Personal und Zeit fehlt. Das Beschränken auf das nötigste frustet. Dazu kommen immer neue Vorschriften von "oben". Dann soll da noch ein Protokoll geführt werden, da noch die Dokumentation erweitert werden, dort noch eine neue Liste geführt werden. Der Pat. als Person rückt immer weiter in den Hintergrund. Der Schreibtisch wird zum Hauptarbeitsplatz.
Dann kommt der Schüler und fordert, zurecht, angeleitet zu werden. Da bringt bei einigen Pflegekräften dann halt das Fass zum überlaufen und der Frust bricht raus. Das dies eher bei Schülern, als bei anderen KollegInnen oder Pat. passiert ist auch menschlich. Der Mensch sucht sich immer das schwächste Ventil um Dampf abzulassen (wie in der richtigen Physik halt) und das ist in der Regel der Schüler.
Das ist nicht schön, aber vieleicht sollte Schüler dann doch mal lernen, nicht immer alles gleich persönlich zu nehmen. Wie schon geschrieben, sollte der Schüler aber erwarten können, dass sich die examinierte Kraft entschuldigt, wenn der Schüler mal wieder als Ventil herhalten musste.
Sollte sie das nicht machen, einfach mal drauf ansprechen und wenn es zum nächsten Anranzer kommt, dann gibt es ja doch die SL, die Schule oder die JAV.

beim RR messen Ruhepause vorher einlegen lassen, Grundpflege - Handtuch unterlegen, körperentfernde Region zuerst waschen, Wasserwechsel
Was bringt denn ein Ruheblutdruck? Manchmal ist ein RR bei normaler Belastung viel aussagekräftiger, da der Pat. zu Hause auch eher rumläuft.
Bei dem anderen, auch wenn sich Elisabeth zurückgenommen hat, ich muss einen Kommentar abgeben:
Wie badest Du Dich zu Hause eigentlich??


... Eine Fachkraft hat neutral zu sein - selbst wenn sie von ihrem Mann gestern verlassen wurde oder ein Familienmitglied gestorben ist - die Kollegen/ der Pat. kann nichts dafür.
Dir ist aber klar, dass Pflegekräfte Menschen sind, oder??
 

calypso

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Empathie bedeutet nicht automatisch Aufopferung oder "Gefühle an der Pforte abgeben". Aber es stelle sich mal jeder die Frage: Wärst du gern Patient (bzw. Schüler) bei dir?

@Joerg, zu deiner Frage aus Beitrag #20: Bei uns. Da läuft auch nicht immer alles fehlerlos, aber es wird keiner "angeschnauzt", erst recht nicht vor Patienten.
Ich weiß auch von ein paar anderen Stationen, da klappt das auch mit dem freundlich-zugewandten Miteinander. Interessanterweise sind das die Stationen mit der niedrigsten Fluktuationsrate.
 

Elisabeth Dinse

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Empathie bedeutet nicht automatisch Aufopferung oder "Gefühle an der Pforte abgeben"..
Genau dies wurde aber gefordert:
... Eine Fachkraft hat neutral zu sein - selbst wenn sie von ihrem Mann gestern verlassen wurde oder ein Familienmitglied gestorben ist - die Kollegen/ der Pat. kann nichts dafür. Wir sind hier nicht auf ner Baustelle und reparieren Häuser, Maschinen. Worte können verletzend sein und wenn jemand empfindlicher ist als andere so kann man dies doch berücksichtigen - schließlich spielt Empathie eine große Rolle in der Pflege. ...

So mancher Azubi hat mit mir so seine Probs. Ich erwarte viel Eigenengagement und das net jede Kleinigkeit nachgefragt wird. Wer da net mitziehen will, der bekommt auch schon mal eine entsprechende Ansage. Bemerke ich Interesse, dann kann man bei mir viel lernen... auch wie man empathisch mit Patienten umgeht, die nicht unbedingt dankbar sind für alles. Leider hat das mit dem Eigenengagement in den letzten Jahren ein bisschen nachgelassen. Vielleicht hat sich die Klientel geändert, die heute anfängt zu lernen.
Manchmal hat man den Eindruck, dass die Empathie vielen als ausreichend erscheint als Berufsvoraussetzung. Häufig haben diese Azubis besondere Probleme wenn das Echo nicht so ausfällt, wie sie es erwarten würden.

Elisabeth
 

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Puh.. Ich empfand die Ausbildung auch als recht unangenehm und habe oft geschimpft... Ich kann es also nachempfinden wie es euch geht.
Aber letztenendes lohnt es sich nicht dagegen zu rudern, zieht mit und strengt euch an. Es gab eine Schwester sie war im Ton sehr streng und war auch wirklich streng, aber letztenendes habe ich bei ihr so viel gelernt.
Es war eine typische Pflegeexperten, sie hat einfach gehandelt und gemacht, wusste was zutun war und hatte brenzlige Situationen recht schnell gelöst.
Mit der Zeit lernt man, dass man von solchen Personen viel lernen kann - wenn man nicht dagegen arbeitet.

@ Elisabeth Dinse:
Was verstehst du unter entsprechender Ansage? Ich muss sagen, ich war am Anfang meiner Ausbildung sehr engagiert, allerdings durch viele solcher Kollegen ist diese schnell verflogen :-)
 

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