Umgang mit Zeugen eines tödlichen Unfalls im Krankenhaus oder auch privat?

HHS

Poweruser
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Hi,

Hat auf dem ersten Blick nix mit Krankenhaus zu tun, und auf dem zweiten vielleicht doch.

Kurz zur Sache:

In einer Onlineausgabe meiner Lokalzeitung las ich, das in meinem Ort ein schrecklicher Unfall passierte. Ein kleines Mädchen ist von einem Bus überrollt worden, in dem Bus saßen Schulkinder. Als ich das las, hoffte ich, das keiner von den Jugendlichen meines Vereines in dem Bus saß und das es nicht der Busfahrer war, dessen Freundin ebenfalls in dem verein ist.

Ein Tag später war dann eine Vereinsveranstaltung, auf der sie dann erschien: fertig, denn sie kam herade 2 min nach dem Unfall an dem Ort, und ausgerechnet ihr Freund war der Unglücksfahrer. Es blieb ihr leider nicht erspart das Kind zu sehen und sie kümmerte sich um ihren Freund.

Das alles erzählte sie uns dann in einer kleinen Gruppe. Und begann laut zu fragen, das das Kind in ihr Auto reingerannt wäre, wäre sie 2 min früher dran gewesen.

Irgendwie kam es dann in der Gruppe auf, das es dann wohl besser für das Kind gewesen wäre - ich war sprachlos darüber und sagte in einer Kurzschlussreaktion, das es das nicht gewesen wäre. Im gleichen Moment wollte ich darauf eingehen und dagen, das es nix bringt sich darüber Gedanken zu machen, aber ich wurde unterbrochen und Proteste hagelten.
Ich stand da wie ein Idiot mitten in einer sinnlosen Diskussion.

Den Fehler den ich machte dürfte klar sein, aber ich frage mich:

Wie geht man in einer solchen Situation um?
Es kommt oft genug vor, das man Menschen aufgenommen bekommt, die mit Schock nach Unfall kommen und solche Fragen stellen.

Wie reagiert man als prof. Pflegekraft?

Gruß
HHS
 

spritzensusi

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Ähm, so ganz steige ich bei deiner Geschichte nicht durch.....
Aber ich denke, das diese Personen, die ein Unfall miterlebt haben ersteinmal psychologische und seelsorgerische Betreuung vor Ort bekommen müssen.
Im weiteren Verlauf würde ich eigentlich nur zuhören und wenig Senf dazu geben, man war ja schließlich nicht dabei.
Schuldgefühle oder Selbstzweifel sind normal, wie: "Wäre ich doch pünktlich gewesen, dann wäre dies oder jenes nicht passiert."
Ich würde den Betroffenen Gesprächsbereitschaft signalisieren, mehr kann man glaube ich ersteinmal nicht tun.
 

Manuel

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Die Frage nach dem "was wäre gewesen wenn, ...!?", stellen sich direkt Beteiligte häufig, sei es als Helfer oder sonstiger. In vielen Rettungsdienstbereichen gibt es Notfallseelsorger, KIT´s (Kriseninterventionsteams) oder Notfallnachsorgehelfer. Diese kümmern sich um die Menschen, die keine "sichtbaren" Verletzungen haben. Falls eine solche Gruppe existiert, kann sie hinzugezogen werden. Gerade nach dem beschriebenen Fall kann dies in der Akutphase nützlich sein. Rettungsdienst und Notarzt haben ihre Arbeit getan und konnten nicht mehr helfen. Oft sitzen die Fahrer eines Unfallfahrzeugs (oder Angehörige) da und hadern mit dem Schicksal. Andere Einsatzindikationen der o. g. Helfer sind z.B. eine erfolglose Reanimation oder Selbsttötung.

ciao
Manuel
 

HHS

Poweruser
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Manuel schrieb:
Die Frage nach dem "was wäre gewesen wenn, ...!?", stellen sich direkt Beteiligte häufig, sei es als Helfer oder sonstiger. In vielen Rettungsdienstbereichen gibt es Notfallseelsorger, KIT´s (Kriseninterventionsteams) oder Notfallnachsorgehelfer. Diese kümmern sich um die Menschen, die keine "sichtbaren" Verletzungen haben. Falls eine solche Gruppe existiert, kann sie hinzugezogen werden.
O.k. - solche Gruppen sind mir bekannt. Aber nicht in jeder Klinik gibt es Psychologen oder solche Gruppen.

Was kann die prof. Pflegekraft in so einer Situation tun? Was sollte sie definitiv vermeiden?

Gruß
HHS
 

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