Schwerkranke und sterbende Kinder

Dieses Thema im Forum "Fachliches zur Kinderkrankenpflege" wurde erstellt von Gaby, 18.08.2004.

  1. Gaby

    Gaby Gesperrt

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    Da wir in einem Beitrag doch sehr vom eigentlichen Thema abgekommen sind (http://www.krankenschwester.de/forum/themen/maenner-als-pfleger-in-der-kinderkrankenpflege.3070/) – möchte ich eine neue Diskussion eröffnen. Da ich denke dass sich die eine oder andere Diskussion ergeben wird. Mir das Thema wichtig ist und ich würde gerne die entstandene Diskussion hier fortsetzen.

    Ich möchte das Thema dort teilen, wo wir in einem anderen Beitrag vom Thema abgekommen sind und eine neue Diskussion eröffnen.

    Auch wenn die Einleitung am Anfang ein wenig komisch erscheint, ich möchte dort mit dem neuen Thema beginnen, wo wir wieder einmal vom Thema abgekommen sind.

    Liebe Grüße aus Wien

    Gaby
     
    #1 Gaby, 18.08.2004
    Zuletzt bearbeitet: 27.09.2004
  2. Gaby

    Gaby Gesperrt

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    http://www.krankenschwester.de/forum/themen/maenner-als-pfleger-in-der-kinderkrankenpflege.3070/

    Was die Kinderkrankenpflege betrifft .......

    Ich wollte niemals Kinderkrankenschwester werden – darum habe ich auch nicht mit der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht. Bin über die Erwachsenenpflege zur Kinderkrankenpflege gekommen. Musste während meiner Ausbildungszeit ein Praktikum auf einer Kinderstation machen – war anfangs ziemlich unglücklich darüber.

    Habe die Kinderkrankenpflege immer sehr kritisch gesehen. Einem Erwachsenen kannst du erklären was Sache ist – ob er dann einsichtig ist – oder nicht – ist vielleicht ein anderes Thema – aber du kannst zumindest darüber reden.

    Vor allem bei kleinen Kindern hast du diese Möglichkeit nicht – Ängste sind vorprogrammiert.

    Was Pfleger in der Kinderkrankenpflege betrifft – gibt es leider immer noch viel zu wenige. Vielleicht hat es doch mehr mit den Vorurteilen zu tun als wir denken.

    Das Arbeiten mit Kindern unterscheidet sich in vielen Punkten vom arbeiten mit Erwachsenen. So viel es dir persönlich geben kann – so viel kann es auch zeitweise von dir fordern.

    Man kann es persönlich leichter verkraften, wenn ein Erwachsener stirbt – findet „Erklärungsmodelle“ . „Erklärungsmodelle“ die bei Kindern nicht 1:1 umgesetzt werden können.

    Freue mich auf eine weitere Diskussion mit euch!

    Liebe Grüße aus Wien

    Gaby
     
  3. Brumator

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    Hallo Gaby,

    du hast folgendes in Deinem letztem Post gehabt, was mich zum Nachdenken angeregt hat:

    Zitat:
    Man kann es persönlich leichter verkraften, wenn ein Erwachsener stirbt – findet „Erklärungsmodelle“ . „Erklärungsmodelle“ die bei Kindern nicht 1:1 umgesetzt werden können.

    In allen Situationen, in dennen es um den Tot von Kindern geht, seien es Berichte von Fremden, z.B. in einem Elternforum oder auch im Bekanntenkreis schreien natürlich nach diesen Erklärungsmodellen, sag mir warum musste das Kind sterben, ruft es da und keiner aber auch wirklich keiner kann das ausreichend beantworten.

    Du kannst das auf junge, ältere und alte Patienten übertragen, dieses Warum, diese Ungerechtigkeit, ist es erst der Gedanke das Kinder normalerweise gerade zu leben beginnen, ist es später das Problem das der junge Mensch doch noch nicht mal dies und jenes machen konnte und dann kommt das der Gestorbene doch noch soviel vor hatte und wenn das nicht mehr geht dann wissen wir wie nett der Mensch war und warum nun gerade dieser Mensch jetzt sterben musste... Es lässt sich nichts dran drehen, wir werden nicht gefragt und das ist gut so.

    Ich muss also den Tot hinnehmen, ich kann ihn, wenn alles ausgereizt ist nicht mehr verhindern. Also bleibt mir nichts als ihn hinzunehmen, das Kind ist seinen Lebensweg gegangen, es hat Freude in die Welt gebracht und auch Sorgen, es hat gelebt, wenn auch nur kurz. Gerad haben wir uns nochmal drüber unterhalten, es ist dann schon schön wenigstens dafür gesorgt zu haben das dsa Leid geringer und erträglicher war. Ich denke das geht bei Kindern so wie bei Erwachsenen, der unterschied ist nur das Kinder viel dankbarer sind.

    Nur mal so ein paar Gedanken.

    LG Frank
     
  4. Gaby

    Gaby Gesperrt

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    Hallo Frank,

    jetzt hast du mich nachdenklich gemacht.

    Vielleicht sehe ich es zu sehr mit den Augen einer Kinderkrankenschwester ......... liegt vielleicht auch daran, dass ich schon lange in diesem Job arbeite.

    Ich habe darüber nachgedacht und glaube nicht, dass sich Erklärungsmodelle in der Form bei Kindern umsetzen lassen, wie wir sie bei Erwachsenen anwenden.

    Möchte dir in klein wenig meine Gedanken schreiben- etwas zum Nachdenken und was Sterbebegleitung bei Kindern bedeutet.




    Ein altes indianisches Sprichwort besagt:


    Wir haben die Erde

    von unseren Eltern nicht geerbt,

    sondern wir haben sie von unsern

    Kindern nur geliehen.




    Ebenso verhält es sich mit unseren Kindern!



    Wir haben sie als Geschenk bekommen um eine zeitlang einen Weg gemeinsam mit ihnen zu gehen. Sie sind nicht unser Eigentum. Sie sind in gewissem Sinne ein Teil von uns, aus Liebe entstanden. Eine Liebe, die wir an unsere Kinder weitergeben.

    Jedoch gehören sie niemals uns. Wir haben keine Besitzberechtigung. Wir können ihnen einen Weg weisen. Ihnen unsere Erfahrungen weitergeben. Unsere Liebe geben. Doch wir müssen ihnen auch die Möglichkeit geben ihr eigenes Leben zu leben. Wir können daran teilhaben.

    Irgendwann jedoch, kommt der Zeitpunkt – sie gehen zu lassen. In welcher Form auch immer. Denn es ist ihr Leben.

    Wir müssen lernen loszulassen.


    Was bedeutet Sterbebegleitung bei Kindern:



    Sterbebegleitung betrifft viele Personen. Sie ist mit sehr vielen Emotionen behaftete Aufgabe, in gewissem Sinne eine Herausforderung. Eine berührende Arbeit die einem sehr nahe geht und wo man viel über sich selbst und seine Mitmenschen lernen kann. Manchesmal an seine eigenen Grenzen geht.

    Gerade der Tod von Kindern ist etwas, was nicht sein darf. Sie werden einfach aus dem Leben gerissen. Mit dem Tod verbinden die meisten von uns ein gewisses Alter und Leid. Kinder sind noch so jung – auf sie wartet noch so viel schönes, so viel Neues, so viel interessantes – die ganze Welt wartet auf sie. Sie werden einfach aus unserer Mitte gerissen.

    Sterbebegleitung betrifft bei Kindern sehr viele Personen: Die Eltern, Geschwister, Großeltern, nahe Verwandte, Freunde, die betreuenden Ärzte und Schwestern, alle die mit dem sterbenden Kind und deren trauernden Eltern in Berührung kommen.

    Der Tod zerreißt das Geflecht von Rollen, Funktionen und Beziehungsstrukturen und verändert tiefgreifend die Dynamik und das seelische Gleichgewicht einer Familie im Ganzen sowie bei den einzelnen Betroffenen – bei Vater, Mutter und Geschwistern. Das Gefüge unzähliger Familien gerät ins Wanken. Beziehungen und Kontakte nach außen werden abgebrochen. Viele Ehen zerbrechen und der Satz, dass geteiltes Leid halbes Leid sei, wird durch die Realität in dramatische Weise infrage gestellt. Den hinterbliebenen Geschwistern und ihrer stummen, oft verzweifelten Trauer, können die Eltern oft nicht gerecht werden. Als die „doppelten Verlierer“ verlieren jene nicht nur Bruder oder Schwester, sondern weitgehend – auf Jahre hinaus – die Anteilnahme und Lebendigkeit ihrer Eltern. Oft kommen zu diesen Problemen noch psychische Störungen, körperliche Beschwerden, Alkohol- und Tablettenabhängigkeit, Schuldgefühle und Depression hinzu.

    Familien die vom besonders traumatisierenden Verlust, dem Tod eines Kindes betroffen sind, brauchen fachlich fundierte Begleitung, um diese Lebenskrise meisten zu können.

    Wenn ein Mensch stirbt, durchleben viele Angehörige, Freunde und nicht selten auch die Menschen, die ihn ehrenamtlich oder professionell begleiten, die selben schmerzenden Gefühle wie der Sterbende: Angst, Schuld, Verzweiflung, Sorge, Trauer und Aggression. Für sie wie auch für den Sterbenden ist es in der Regel eine große Erleichterung, wenn diese Gefühle nicht versteckt werden. Zusammen schimpfen oder weinen schafft ebenso Nähe und Erleichterung wie zusammen lachen. Beides braucht seine Zeit. Im Leben wie im Sterben.


    Liebe Grüße aus Wien

    Gaby
     
    #4 Gaby, 18.08.2004
    Zuletzt bearbeitet: 27.09.2004
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  5. Brumator

    Brumator Newbie

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    Hallo Gaby,

    heute will ich mal versuchen Dir zu antworten.

    Du hast natürlich recht, der Tot kommt, gerade bei Kindern zu früh, er ist ungerecht, schliesslich hat das Leben doch gerade erst angefangen, dieser Mensch hatte keine Chance all das zu tun, was wir uns so für unser und jedes andere Leben vorstellen.

    Aber sind wir da nicht viel zu erwachsen? Irgendwann wurde ich mal gefragt ob und wie man zu einem Kind gratulieren soll, das schwerstbehindert geboren wurde und bei dem feststeht das es aufgrund seines Zustands nicht sehr lange leben würde. Ich fand es erstaunlich wie schwer sich die Menschen den Umgang mit diesem neuem Menschen machten. Halte ich es doch für normal, ihn so zu begrüßen wie jeden anderen auch. Dieser Mensch lebt, kurz und intensiv, wenn er stirbt ist sein leben bei uns beendet. Das Wunder, das wir leben nennen und das wir nicht beherschen ist nicht gerecht, es ist nicht lenkbar und wir beherschen es nicht. Es bleibt uns nichts anderes als es letztlich genauso hinzunehmen wie den Tot.

    Kinder leben intensiv, sie saugen alles auf, sind immer auf Achse, immer neugierig, selbst dann wenn sie krank sind schaffen sie es, uns zu fazinieren. Da ist es hart so einen Menschen aufzugeben. Viel härter als einen Menschen zu verlieren, der keine Träume mehr hat, der an die Decke start und schon lange auf den Tot wartet, der nicht kommen mag.

    Der Tot macht uns Angst, wir alle wissen das er da irgendwo schon auf uns wartet und wir wissen nicht was uns danach erwartet. Was auch immer es ist, die ungewissheit macht uns Angst. Und da spielt dann wieder ein Faktor eine Rolle, jede Relegion die ich kenne, geht davon aus, das mit dem Tot eben nicht alles zuende ist. Ob es nun Wiedergeburt oder ewiges Leben sind, im Grunde gehen alle davon aus, das es besser wird. Na gut bis auf die Katoliken, die auf die Hölle warten:-? Wenn das aber so ist und wenn ich sehe das doch ein großer Anteil der Bevölkerung einer Glaubensgemeinschaft angehört dann wundert es mich, dass uns der Tot immer noch so zu schaffen macht.

    Kann es sein, das es auch unsere eigene Unsciherheit ist, die es uns so schwer macht den Tot zu akzeptieren.

    Ich freue mich über jeden, der ein langes erfülltes Leben hat, aber ich muss auch akzeptieren das ein erfülltes Leben sehr kurz sein kann, da der von mir angelegte Massstab vermutlich zu groß ist.

    Ganz schon viele Gedanken und reichlich ungeordnet, zugegeben, aber dennoch mal so hier hergestellt.

    Für mich persönlich ist klar, das der Tot des Körpers nicht das Ende ist und ich gebe zu das mir diese Vorstellung durchaus hilft mit dem Tot umzugehen. Wenn ich trauer bin ich mir hingegen oftmals nicht ganz sicher, ob da nicht auch noch einwenig Egoismus durchkommt.

    Was Eltern von verstorbenen Kindern sich wünschen ist von den betroffenen Eltern übrigens unter http://www.muschel.net/ sehr schön zusammengestellt worden.

    Viele Grüße

    Frank
     
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