Pflegenotstand in der Presse

Bachstelze

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Die Pflegekräfte, die ich kenne und die nicht wegen der fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten reduziert haben, haben reduziert um nebenberuflich dazuzuverdienen.
 

Romsen2014

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Die Pflegekräfte, die ich kenne und die nicht wegen der fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten reduziert haben, haben reduziert um nebenberuflich dazuzuverdienen.
Ich kann beides bestätigen. Zum einem, kenne ich Kollegen die auf 80% red. haben und ihr leben ohne Einschränkungen weiterleben, sowie die die red. haben und nebenbei was dazuverdienen. Die meisten verdienen aber nicht aufgrund des "zwanges" dazu (kamen auch so gut über die runden), sondern weil sie es gerne wollten (also 2 andere Arbeitsgebiete und das etwas mehr an Gehalt wurde eben in Kauf genommen).

Kenne aber auch 2 Kollegen die dies aus dem zwang machen weil es sonst nicht reicht.
Und noch meinen Special Kollegen der komplett über seine Verhältnisse lebt, sich wettrüsten mit seinen Nachbarn leistet und dementsprechend 3000€ Netto benötigt.
 

Martin H.

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Ist doch der selbe Dreck wie hier:


Die greifen jetzt nach jedem Strohhalm, um Pflegekräfte aus den wenigen guten Stellen raus- und in die Drecksjobs zurückzuzwingen! :angryfire:
Aber so lange die Pflegekräfte weiterhin wie dumme Schafe mit großen Augen in die Luft glotzen und untätig bleiben, wird sich nichts ändern, und wir werden weiterhin von völlig Berufsfremden vorgeführt! :x
 

spflegerle

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Die Gegenfinanzierung des Leasingpersonales nicht mehr zu gewährleisten (Spahn-Gesetzentwurf) kommt letztendlich einer Verdienst-Obergrenze gleich: niemand soll mehr verdienen, als es der aktuell beste Tarifvertrag hergibt...

Leasing in der Pflege ganz abzuschaffen (Kalayci-Bundesratsinitiative) negiert den verständlichen Wunsch der Leasing-Pflegekräfte, ihren individuellen Bedürfnissen bzgl. zeitl. Flexibilität der Arbeit und (ja auch) besserer Vergütung nachzukommen.

Beide Massnahmen hebeln jegliche normalen Regelmechanismen der freien Marktwirtschaft aus. Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem aber weiterhin den freien Marktkräften ausgesetzt was den Zwang zu Einsparungen angeht, dies umso mehr verschärft durch den Umstand, dass die Investitionsförderung der öffentlichen Krankenhäuser weiter viel zu niedrig gehalten wird und die Einnahmeseite der Häuser bei anhaltend hohen Qualitätsanforderungen weiterhin gedeckelt bleibt.
Am Ende sind es nur mal wieder die Pflegekräfte, die das alles ausbaden sollen.

Der Vorstoß, die außerklinische Intensivpflege einzuschränken wird dann letztendlich auf dem Rücken der betroffenen Pflegebedürftigen ausgetragen.

Was völlig außer Acht gelassen wird ist außerdem, dass die freien Marktkräfte langsam auch den Leasingmarkt betreffen. Für den Großraum Berlin kommt man mit dem Leasingangebot langsam an eine Grenze: der häufige Wunsch der Leasingkräfte nach völlig freier Dienstplanung und Urlaubsplanung funktioniert bei dem großen Angebot an Leasingkräften nicht mehr uneingeschränkt. Einzelne Leasingfirmen müssen nun dazu übergehen, zumindest teilweise auf Übernahme von "unbeliebten" Diensten zu bestehen, da sie ansonsten ihre Lesingkräfte nicht mehr vollständig vermitteln können und damit Einnahmeeinbußen befürchten müssen. Der Markt scheint hier also langsam gesättigt zu sein.
Es wiederstrebt mir eigentlich, die freie Marktwirtschaft als Argument zu nutzen, aber zumindest im Leasing-Sektor scheinen die Regelmechanismen des freien Marktes einigermaßen zu funktionieren.

Wenn das im internationalen Vergleich ohne Zweifel noch gute Gesundheitssystem in Deutschland nicht bald völlig neu gedacht wird, wird in absehbarer Zeit das System kippen. Bevor also ungeregelte Versorgungsengpässe entstehen, sollte man lieber Überlegungen anstellen, wie man die beschränkten Mittel sinnvoll einsetzt und Fehlanreize im System eliminiert. Davon würde letztendlich alle profitieren, Personal wie Patienten. Der Ausbau der Palliativmedizin zuungunsten der Intensivmedizin wäre ebenfalls eine Diskussion wert.

Komisch, dass sowohl im Gesundheitsministerium und den Kassen, als auch bei Trägern und Leitungen von Gesundheitsversorgungsbetrieben immer noch gedacht wird, dass Pflegekräfte auf Bäumen wachsen...

Gruß spflegerle
 

Ente_24

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Auf Bäumen wachsen werden wohl nie welche :-)
Aber bei fortgesetztem Abwärtstrend hin und wieder wohl trotzdem dran hängen ...
 
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spflegerle

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Union hat keine Bedenken bei Beteiligungen renditeorientierter Kapitalanleger an MVZ

Die Linke sieht die ambulante Versorgung akut gefährdet. Das Geschäftsmodell der diskutierten sogenannten Private-Equity-Fonds sei kurzfristige Gewinnmaximierung, nicht die Gesundheitsversorgung, sagte Achim Kessler, Obmann der Linken im Gesundheitsausschuss. Dies würde etwa durch Kündigungen, Arbeitsverdichtung, Lohndumping, Zukäufe von Kassensitzen und Spezialisierung auf teure Behandlungen erreicht.
Dieser Einschätzung schließe ich mich an.
Schon seltsam, dass offensichtlich immer noch nichts aus dem DRG-Desaster gelernt wurde, das eben auch nur zu "Gewinnmaximierung", "Arbeitsverdichtung" und "Spezialisierung auf teure Behandlungen" geführt hat.

Wann begreifen endlich alle Politiker, dass man das Gesundheitssystem nicht irgendwelchen Renditejägern überlassen darf?
Daseinsvorsorge und Gemeinwohlorientierung, nicht Renditemaximierung müssen im Vordergrund stehen!
Gewinne refinanzieren, nicht an irgendwelche Anleger ausschütten, das muss das Ziel sein.

...schon wieder in die Tischkante beißend...
spflegerle
 

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