- Registriert
- 21.11.2010
- Beiträge
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Liebe Forengemeinschaft,
heute ist mal wieder so ein Tag, wo ich hier sitze und mir wirklich wegen der Arbeit die Tränen laufen.
Ich möchte mir heute einfach einmal alles, was mich so sehr belastet, von der Seele schreiben.
Ich arbeite seit über einem Jahr in der ambulanten Pflege. Mein Arbeitgeber ist kirchlich, nicht privat.
Hätte man mir das vor ein paar Jahren erzählt, dass ich mal in so einen Beruf komme, hätte ich denjenigen ausgelacht, denn rein von der Ausbildung her, habe ich keinerlei Kenntnisse in der Pflege.
Ich habe einen Verwaltungsberuf erlernt.
Viele Jahre war ich in der Familienpause. Als meine Ehe dann scheiterte, war ich gezwungen, so schnell wie möglich wieder einen Job zu finden, um mich und meine Kinder ernähren zu können.
Ich hatte mich für einen Verwaltungsjob bei meinem jetzigen Arbeitgeber beworben. Ich freute mich sehr, als ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Man sagte mir, dass in absehbarer Zeit eine Stelle am Empfang/Telefonzentrale frei werden würde und ich bis dahin doch ein wenig in die Pflege schnuppern könnte.
Ich fuhr einen Tag mit einer Kollegin mit und fand die Arbeit mit den alten Menschen wirklich sehr interessant.
Ich konnte mir wirklich sehr gut vorstellen, diesen Beruf, der so vollkommen anders ist als das, was ich bisher gemacht hatte, auszuüben und sagte zu.
So bekam ich einen Anstellungsvertrag für 19,5 Stunden wöchentlich als Familienpflegerin.
Die Stelle am Empfang/Telefonzentrale ist nach einem halben Jahr nicht mehr besetzt worden, da man die Stelle intern anders aufgeteilt hatte.
So arbeite ich also auch heute, nach über einem Jahr, noch als Familienpflegerin.
Ich habe niemals einen Pflegekurs oder ähnliches besucht. Ich bin ganze zwei Tage mit einer Kollegin mitgefahren und durfte Ihr über die Schulter schauen. Am dritten Tag wurde ich dann einfach ins kalte Wasser geworfen und übernahm eine eigene umfangreiche Patiententour.
Die Arbeit mit den alten Menschen macht mir unendlich viel Freude. Ich finde den Beruf wirklich wunderschön, es ist für mich fast so, als wäre es ein wenig meine Berufung gewesen.
Gerne hätte ich allerdings ein wenig mehr Weiterbildung bekommen. In meinem Handeln kann ich oft nur "instinktiv" vorgehen. Letztendlich habe ich aber niemals erlernt oder gezeigt bekommen, wie man jemanden aus dem Rollstuhl hebt. Sicherlich gäbe es sehr viele Kniffe, wie ich meine tägliche Arbeit erleichtern könnte. Vieles geht mit Sicherheit so auf Lasten meines Rückens.
Manchmal mache ich mir aber auch Sorgen, ob ich wirklich immer alles richtig mache?! Ich bin hier hereingestossen worden, wie ein Metzger, der plötzlich als Friseur arbeiten soll.
Man hat in einem Pflegeberuf ja irgendwo extrem viel Verantwortung. Was ist, wenn ich gerade in der Verabreichung von Medikamenten etwas falsch mache?
Die Arbeit an für sich macht mir Spass aber die Rahmenbedingungen finde ich allerdings teilweise wirklich entwürdigend.
Ich arbeite immer 12 Tage am Stück, bis ich mal ein freies Wochenende habe. Wie ich hier im Forum gelesen habe, ist dies aber wohl bei vielen so üblich.
Meine Arbeitszeit beginnt meist von 6.00 Uhr bis 14.00 Uhr.
In dieser Zeit werden von mir zuerst Patienten geduscht, Frühstück gemacht, Medikamente gegeben, Kompressionsstrümpfe etc. angezogen. Nach den Pflegepatienten fahre ich zu den Patienten, die auch in der Hauswirtschaft Hilfe brauchen. Dort erledige ich dann Aufgaben wie Fenster putzen, Gardinen abhängen und waschen, bügeln, Schnee wegräumen, Sperrmüll vom Dachboden auf die Strasse räumen etc.
(Diese Arbeit zusätzlich zu den täglichen Pflegepatienten ist körperlich teilweise wirklich sehr sehr anstrengend)
Mindestens 1-2 x pro Woche kommt zusätzlich ein Spätdienst hinzu, der von 17.00 Uhr bis 22.00 Uhr geht. Desweiteren habe ich an 2 Mittagen der Woche noch Demenzbetreuungen (jeweils 2 Stunden also weitere 4 Stunden). Überdies findet an einem Mittag der Woche noch eine Teambesprechung statt.
Es gibt also die gesamte Woche KEINERLEI Tag, wo ich mal nach dem Frühdienst Feierabend habe.
Ich habe höchstens mal ein wenig Pause und muss dann mittags, abends oder sogar mittags UND abends noch einmal weg.
Obwohl ich nur 19,5 Stunden pro Woche arbeiten müsste, gebe ich permanent Wochenstunden in Höhe von 30-35 Stunden ab.
Bezahlt bekomme ich aber nur die 19,5 Stunden und so ist mein Lohn wirklich sehr mager für die vielen Stunden, die ich leiste
In über einem Jahr war es bisher noch nicht möglich, meine Überstunden abfeiern zu dürfen.
Ich habe eine Kollegin, die hat als Teilzeitkraft 980 Überstunden!!!!!
Es gibt so viel, wo ich Zeit investiere und diese nicht vergütet bekomme.
Das sind zum Beispiel Dinge wie das Teammeeting, aber auch Dinge wie Tanken oder Winterreifen aufziehen, aber auch Zeit, wenn man von der PDL geschickt wird, Patientenakten oder Patientenschlüssel zu holen etc.
Ich darf das gestellte Dienstauto nicht privat nutzen, soll mich aber 2 Stunden unvergütet in die Werkstatt setzen, wenn eine Reparatur ansteht und in meiner Freizeit dort warten.
Mir macht der Beruf wirklich so total Spaß - mir sind meine Patienten so ans Herz gewachsen, ich bekomme von diesen Menschen auch wieder so viel Wärme und Dankbarkeit zurück.
Die Begleitumstände in diesem Beruf nehmen allerdings inzwischen solche Formen an, dass ich einfach das Gefühl habe: "Ich kann nicht mehr!"
Es hatte ja Gründe, dass ich mir einen Teilzeitjob gesucht habe: ich bin alleinerziehend und habe 2 Kinder.
Wo habe ich aber noch einen Teilzeitjob, wenn ich teilweise um 6 Uhr Dienstbeginn habe und weit nach 22 Uhr erst wieder nach Hause komme? Wenn ich Früh- und Spätdienst an einem Tag habe, dann sehe ich meine Kinder nicht einmal. Sie schlafen schon, bis ich nach Hause komme.
Auch die Tatsache, nur jedes 2. Wochenende frei zu haben, finde ich sehr belastend. Ich merke auch, dass es für die Kinder schlimm ist.
Meine eigene Arbeit zuhause bleibt liegen und es gibt so vieles, was ich dann noch auf die freien Wochenenden kompensieren muss. Dies geht ganz klar auf Kosten der Kinder.
Ich merke auch irgendwo, dass ich mich durch die viele Wochenendarbeit sozial ausgrenze. Wenn meine Freunde grillen, hab ich so gut wie immer Dienst. Spontanität ist in meinem Leben gar nicht mehr möglich.
Wenn mich meine Freundin am Mittwoch anruft und mich fragt, ob wir am Montag einen "Frauenabend" machen wollen oder mal ins Kino gehen, kann ich nicht zusagen, weil ich noch nicht weiss, wie ich die darauffolgende Woche arbeite.
Dienstpläne für die kommende Woche erhalten wir immer erst am späten Mittag freitags zuvor.
Ich bin dadurch nicht mal in der Lage, mir einen Arzttermin auszumachen.
Pflegeberufe sind so extrem wichtig!!!!!
Wie traurig ist es da, dass die Rahmenbedingungen für die Angestellten so unattraktiv sind
Eigentlich würde ich den Beruf total gerne weiter ausüben, aber ich möchte eben auch noch irgendwo Mutter sein können und das Recht auf ein wenig Freizeit bzw. Privatleben haben.
Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, meine Zeilen zu lesen.
Es ist einfach ein Klos in meinem Herzen, den ich mir mal von der Seele schreiben wollte.
heute ist mal wieder so ein Tag, wo ich hier sitze und mir wirklich wegen der Arbeit die Tränen laufen.
Ich möchte mir heute einfach einmal alles, was mich so sehr belastet, von der Seele schreiben.
Ich arbeite seit über einem Jahr in der ambulanten Pflege. Mein Arbeitgeber ist kirchlich, nicht privat.
Hätte man mir das vor ein paar Jahren erzählt, dass ich mal in so einen Beruf komme, hätte ich denjenigen ausgelacht, denn rein von der Ausbildung her, habe ich keinerlei Kenntnisse in der Pflege.
Ich habe einen Verwaltungsberuf erlernt.
Viele Jahre war ich in der Familienpause. Als meine Ehe dann scheiterte, war ich gezwungen, so schnell wie möglich wieder einen Job zu finden, um mich und meine Kinder ernähren zu können.
Ich hatte mich für einen Verwaltungsjob bei meinem jetzigen Arbeitgeber beworben. Ich freute mich sehr, als ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Man sagte mir, dass in absehbarer Zeit eine Stelle am Empfang/Telefonzentrale frei werden würde und ich bis dahin doch ein wenig in die Pflege schnuppern könnte.
Ich fuhr einen Tag mit einer Kollegin mit und fand die Arbeit mit den alten Menschen wirklich sehr interessant.
Ich konnte mir wirklich sehr gut vorstellen, diesen Beruf, der so vollkommen anders ist als das, was ich bisher gemacht hatte, auszuüben und sagte zu.
So bekam ich einen Anstellungsvertrag für 19,5 Stunden wöchentlich als Familienpflegerin.
Die Stelle am Empfang/Telefonzentrale ist nach einem halben Jahr nicht mehr besetzt worden, da man die Stelle intern anders aufgeteilt hatte.
So arbeite ich also auch heute, nach über einem Jahr, noch als Familienpflegerin.
Ich habe niemals einen Pflegekurs oder ähnliches besucht. Ich bin ganze zwei Tage mit einer Kollegin mitgefahren und durfte Ihr über die Schulter schauen. Am dritten Tag wurde ich dann einfach ins kalte Wasser geworfen und übernahm eine eigene umfangreiche Patiententour.
Die Arbeit mit den alten Menschen macht mir unendlich viel Freude. Ich finde den Beruf wirklich wunderschön, es ist für mich fast so, als wäre es ein wenig meine Berufung gewesen.
Gerne hätte ich allerdings ein wenig mehr Weiterbildung bekommen. In meinem Handeln kann ich oft nur "instinktiv" vorgehen. Letztendlich habe ich aber niemals erlernt oder gezeigt bekommen, wie man jemanden aus dem Rollstuhl hebt. Sicherlich gäbe es sehr viele Kniffe, wie ich meine tägliche Arbeit erleichtern könnte. Vieles geht mit Sicherheit so auf Lasten meines Rückens.
Manchmal mache ich mir aber auch Sorgen, ob ich wirklich immer alles richtig mache?! Ich bin hier hereingestossen worden, wie ein Metzger, der plötzlich als Friseur arbeiten soll.
Man hat in einem Pflegeberuf ja irgendwo extrem viel Verantwortung. Was ist, wenn ich gerade in der Verabreichung von Medikamenten etwas falsch mache?
Die Arbeit an für sich macht mir Spass aber die Rahmenbedingungen finde ich allerdings teilweise wirklich entwürdigend.
Ich arbeite immer 12 Tage am Stück, bis ich mal ein freies Wochenende habe. Wie ich hier im Forum gelesen habe, ist dies aber wohl bei vielen so üblich.
Meine Arbeitszeit beginnt meist von 6.00 Uhr bis 14.00 Uhr.
In dieser Zeit werden von mir zuerst Patienten geduscht, Frühstück gemacht, Medikamente gegeben, Kompressionsstrümpfe etc. angezogen. Nach den Pflegepatienten fahre ich zu den Patienten, die auch in der Hauswirtschaft Hilfe brauchen. Dort erledige ich dann Aufgaben wie Fenster putzen, Gardinen abhängen und waschen, bügeln, Schnee wegräumen, Sperrmüll vom Dachboden auf die Strasse räumen etc.
(Diese Arbeit zusätzlich zu den täglichen Pflegepatienten ist körperlich teilweise wirklich sehr sehr anstrengend)
Mindestens 1-2 x pro Woche kommt zusätzlich ein Spätdienst hinzu, der von 17.00 Uhr bis 22.00 Uhr geht. Desweiteren habe ich an 2 Mittagen der Woche noch Demenzbetreuungen (jeweils 2 Stunden also weitere 4 Stunden). Überdies findet an einem Mittag der Woche noch eine Teambesprechung statt.
Es gibt also die gesamte Woche KEINERLEI Tag, wo ich mal nach dem Frühdienst Feierabend habe.
Ich habe höchstens mal ein wenig Pause und muss dann mittags, abends oder sogar mittags UND abends noch einmal weg.
Obwohl ich nur 19,5 Stunden pro Woche arbeiten müsste, gebe ich permanent Wochenstunden in Höhe von 30-35 Stunden ab.
Bezahlt bekomme ich aber nur die 19,5 Stunden und so ist mein Lohn wirklich sehr mager für die vielen Stunden, die ich leiste
In über einem Jahr war es bisher noch nicht möglich, meine Überstunden abfeiern zu dürfen.
Ich habe eine Kollegin, die hat als Teilzeitkraft 980 Überstunden!!!!!

Es gibt so viel, wo ich Zeit investiere und diese nicht vergütet bekomme.
Das sind zum Beispiel Dinge wie das Teammeeting, aber auch Dinge wie Tanken oder Winterreifen aufziehen, aber auch Zeit, wenn man von der PDL geschickt wird, Patientenakten oder Patientenschlüssel zu holen etc.
Ich darf das gestellte Dienstauto nicht privat nutzen, soll mich aber 2 Stunden unvergütet in die Werkstatt setzen, wenn eine Reparatur ansteht und in meiner Freizeit dort warten.
Mir macht der Beruf wirklich so total Spaß - mir sind meine Patienten so ans Herz gewachsen, ich bekomme von diesen Menschen auch wieder so viel Wärme und Dankbarkeit zurück.
Die Begleitumstände in diesem Beruf nehmen allerdings inzwischen solche Formen an, dass ich einfach das Gefühl habe: "Ich kann nicht mehr!"

Es hatte ja Gründe, dass ich mir einen Teilzeitjob gesucht habe: ich bin alleinerziehend und habe 2 Kinder.
Wo habe ich aber noch einen Teilzeitjob, wenn ich teilweise um 6 Uhr Dienstbeginn habe und weit nach 22 Uhr erst wieder nach Hause komme? Wenn ich Früh- und Spätdienst an einem Tag habe, dann sehe ich meine Kinder nicht einmal. Sie schlafen schon, bis ich nach Hause komme.
Auch die Tatsache, nur jedes 2. Wochenende frei zu haben, finde ich sehr belastend. Ich merke auch, dass es für die Kinder schlimm ist.
Meine eigene Arbeit zuhause bleibt liegen und es gibt so vieles, was ich dann noch auf die freien Wochenenden kompensieren muss. Dies geht ganz klar auf Kosten der Kinder.
Ich merke auch irgendwo, dass ich mich durch die viele Wochenendarbeit sozial ausgrenze. Wenn meine Freunde grillen, hab ich so gut wie immer Dienst. Spontanität ist in meinem Leben gar nicht mehr möglich.
Wenn mich meine Freundin am Mittwoch anruft und mich fragt, ob wir am Montag einen "Frauenabend" machen wollen oder mal ins Kino gehen, kann ich nicht zusagen, weil ich noch nicht weiss, wie ich die darauffolgende Woche arbeite.
Dienstpläne für die kommende Woche erhalten wir immer erst am späten Mittag freitags zuvor.
Ich bin dadurch nicht mal in der Lage, mir einen Arzttermin auszumachen.
Pflegeberufe sind so extrem wichtig!!!!!
Wie traurig ist es da, dass die Rahmenbedingungen für die Angestellten so unattraktiv sind

Eigentlich würde ich den Beruf total gerne weiter ausüben, aber ich möchte eben auch noch irgendwo Mutter sein können und das Recht auf ein wenig Freizeit bzw. Privatleben haben.
Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, meine Zeilen zu lesen.
Es ist einfach ein Klos in meinem Herzen, den ich mir mal von der Seele schreiben wollte.

