Mal wieder "Sie" oder "Du"

Expatient

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28.05.2013
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39
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Niedersachsen
Beruf
M+E - Industrie
Akt. Einsatzbereich
Werkskundendienst mit Rufbereitschaft
Hallo allerseits;

ich weiß, es gibt schon einen Tröt dazu, der allerdings hauptsächlich auf den Umgang mit DemenzpatientInnen abzielt.
Während meines Aufenthaltes in meiner Lieblings - GCH ( der ich an dieser Stelle einen guten Rutsch und ein tolles neues Jahr wünsche ) habe ich alle Schwestern mit "Schwester*Vorname* " und Sie angesprochen. Den einzigen anwesenden Krankenpfleger nur mit Vornamen und "Du"- einerseits, weil ich einfach spontan einen guten Draht zu ihm hatte; andererseits wäre mir ein "Bruder*Vorname* " einfach nicht über die Lippen gekommen, da hat das persönliche Sprachempfinden nicht mitgespielt.
Ich muß gestehen, gerade bei Eurem Berufsstand denke / fühle ich da sehr traditionell, und es wäre mir schwergefallen, jede und jeden mit Frau / Herr X anzusprechen.
Wie empfindet Ihr das ? Bitte stellt Euch vor Eurer Antwort vor, Ihr wäret selbst Patientin oder Patient.
Danke schonmal, und ein schönes neues Jahr in die Runde !

Gruß
der Expatient
 
Hallo Expatient!
Ehrlich gesagt möchte ich nicht von Patienten gedutzt werden.
Niemals!
Auch ich dutzte keine Patienten.
Genauso wenig, wie ich die Polizei oder die Verkäuferinnen mit "du" anspreche.

Viele Grüße
 
also ich werde meine antwort mal zweiteilen.

ich als pflegekraft...

ich stelle mich bei patienten immer mit meinem üblichen sprüchlein vor (mit ein bisschen variation) "hallo ich bin (vorname) (nachname), ich gehöre zur pflege/ich bin krankenschwester und betreue sie heute morgen/nachmittag/nacht.". die meisten patienten entscheiden sich dafür mich mit dem vornamen anzusprechen, i.d.r. mit "sie" und sehr oft mir "schwester" und "sie".
duzt mich ein patient spreche ich das an (wenn es kein verwirrter/dementer patient ist), denn das möchte ich wirklich nur in ausnahmefällen. schon alleine, weil auch ich patienten nur im ausnahmefall duze. nicht nur, weil es für mich eine sache des respekts ist, da die meisten älter sind als ich, sondern auch, weil ich so eine gewisse distanz wahren kann. und das brauche ich für mich, denn patienten gehen leider nicht immer auf zwei füßen nach hause. gleichaltrige patienten (ich bin mitte 20), duze ich oft und lasse mich auch duzen.

bei angehörigen stelle ich mich auch oft nur mit nachnamen vor und werde auch oft mit "frau ..." angesprochen, wobei ich dazu sagen muss, dass ich das gefühl habe, dass das fast ausschließlich bei uns auf der intensivstation so ist, auf normalstation habe ich das nie erlebt. woran das liegt? ich kann es nicht genau beantworten.

wie ich das empfinden würde...

wenn ich als patient im krankenhaus wäre, würde ich das pflegepersonal auch mit vornamen und "sie" ansprechen, jedoch nicht "schwester" oder "pfleger" rufen. aber das ist vielleicht ein generationending? würde sich jemand bei mir nur mit dem nachnamen vorstellen, würde ich natürlich frau/herr sagen und fände das auch nicht weiter merkwürdig.
 
Ich persönlich habe es lieber mit "Schwester" + "Vorname" und "Sie" angesprochen zu werden. Das ist eine Sache die ich Deutschland sehr angenehm und viel persönlicher finde.
In französischsprachigen Ländern (wo ich herkomme), ist die "Krankenschwester" eine "Infirmière" und das gibt es das Wort "Schwester" in dem Sinne wirklich nur für Nonnen.
Da wird man dann mit "Madame" angesprochen. Und als 17-19-jährige fand ich das schon etwas befremdlich und sehr distanziert.
Sogar meine Mutter, die jetzt um die 50 ist und in solchen Dingen normalerweise sehr distanziert ist, lässt sich am liebsten mit "Madame"+"Vorname" ansprechen.
"Madame"+"Nachname" mag sie überhaupt nicht.

"Du" geht mMn nur in Ausnahmefällen. So frage ich z.B. einen 16-jährigen Patienten ob es ihm angenehmer ist, wenn ich ihn duze. Und ich biete ihm dann auch das Du an. (Ich bin Anfang 20). Ich mag es aber i.d.R. gar nich wenn Leute, die deutlich älter sind als ich, mich duzen.
 
Als Patient möchte ich grundsaetlich mit Sie angesprochen werden. Das du ist etwas persönliches für mich und gehört in den Freundeskreis.

Als PP:Ich persönlich möchte mit Vornamen und Sie angesprochen werden. Sollte es in der Einrichtung üblich sein kann man auch Sie und Nachnamen nehmen.
Du finde ich nicht angebracht und verbitte ich mir.
Pat. werden gesiezt und Nachnamen, Jugendliche und Kinder sind die Ausnahmen du und Vornamen, und sind die Kinder sehr jung dürfen sie mich schonmal siezen.
Kollegen werden grundsaeztlich gesiezt und so angesprochen wie sie es möchten , Vorname oder Nachname.

Hier in Amerika stellt sich die Frage ja nicht nach dem Du, da gibt es you und meistens den Vornamen oder "Buddy", selbst bei Ärzten, gefällt mir nicht so gut, aber anpassen muss man sich ja.. was mir überhaupt nicht gut gefällt sind die Kosenamen die auf beiden Seiten verwendet werden, "Hoeny, Sweety, etc" besonders dann wenn sie von relative gleichaltrigen oder jüngeren männlichen Pt. kommen.
Ich bleibe meisten bei Mr. Mrs... was viele Pt. gar nicht so mögen sie haben halt den Vornamen und nen Kosenamen lieber... kulturelle Unterschiede halt.
 
Ich stelle mich den Pat. i.d.R. mit meinem Vornamen vor, erwarte aber erst einmal, dass ich gesiezt werde (außer von Kindern/Jugendlichen). Bei Teenagern/jungen Erwachsenen/inetwa Gleichaltrigen (ich bin 27) biete ich manchmal das Du an, vor allem, wenn ich den Eindruck habe, dass sie sich dadurch etwas wohler fühlen.

Als Pat. käme ich niemals auf die Idee, einfach so irgendwen von den Pflegern/Pflegerinnen zu duzen. Das gehört sich für mich einfach nicht. Nach Absprache geht das dann vllt. noch..

Und ich möchte in beiden Situationen (als Pat./Pflegende) einen gewissen "Abstand" zum Gegenüber wahren.
 
Ich persönlich habe es lieber mit "Schwester" + "Vorname" und "Sie" angesprochen zu werden. Das ist eine Sache die ich Deutschland sehr angenehm und viel persönlicher finde.
In französischsprachigen Ländern (wo ich herkomme), ist die "Krankenschwester" eine "Infirmière" und das gibt es das Wort "Schwester" in dem Sinne wirklich nur für Nonnen.

*räusper*

In Deutschland ist "Schwester" zum einen ein mittlerweile veralteter Name für eine Pflegekraft. Er wird umgangsprachlich immer noch verwendet, ist aber eigentlich soetwas von 2003. Liegt daran das früher die meisten Pflegekräfte tatsächlich Nonnen waren.
Demnach müsste man dann männliche Pflegekräfte wohl "Bruder" nennen- zum Glück tut man es nicht. Das es die "Krankenschwester" nicht mehr gibt ist auch gut so!

Zum anderen bezeichnet "Schwester" immer noch Nonnen, und gilt auch als solcher im Namenszusatz ("Sr. Mariahilf" ). Da wir Pflegekräfte keine Nonnen sind, brauchen wir deshalb auch nicht mit "Schwester" angesprochen werden.

Ich stelle mich grundsätzlich mit Vor- und Nachname vor, sowie meiner Berufsbezeichnung. Es gibt immer noch genügend orientierte Menschen, die männliche Pflegekräfte für Zivis o. sonstige unterqualifizierte Hilfskraft halten, und die weibliche Pflegekraft grundsätzlich für kompetenter. ("Holen Sie mal lieber die Sr....")

Ich möchte normalerweise gerne mit Sie angesprochen werden, in der Dauerpflege akzeptiere ich aber je nach Bewohner auch ein Du. (fortgeschrittene Demenz). Bei guten Pflegebeziehungen darf dann auch mein Vorname benutzt werden.
Bin da aber nicht so empfindlich, die ganzen verschiedenen Namensbezeichnungen in den letzten Jahrzehnten waren ja doch sehr unterschiedlich.
 
Ich stelle mit mit Vor- und Nachnamen vor, sowohl bei den Patienten als auch bei den Angehörigen. Mir ist ein "Fr. Sonnenschein" lieber als ein "Schwester Susi", aber ich akzeptier auch ein "Schwester Susi", gerade, weil es aus den Köpfen der Patienten anscheinend nur schwer rauszukriegen ist. Auch am Telefon melde ich mich mit Vor- und Nachnamen, dort klappt es erstaunlicherweise immer, dass der Angerufene "Fr. Sonnenschein" sagt.

@Expatient: Das mit "Bruder XY" ist wohl ein Scherz oder hat es sich noch nicht zu dir rumgesprochen, dass man "Pfleger XY" sagt, wenn man keinen Nachnamen verwendet?

Aber wir haben das Ganze schon mal sehr ausführlich diskutiert, dort ging es nicht nur um Demenzpatienen. Ich denke, die meisten Einstellungen sollten sich nicht geändert haben.
 
@Susi;
nein, es war tatsächlich so gemeint - mein Sprachempfinden ist auch sicher kein Maßstab.
Edit fügt noch an, daß ich in einem diak. Krkhs. gelegen habe - obwohl dort niemand in "Tracht" herumlief.
 
Okay man sieht ja dass es auch Leute gibt die das “Schwester“ nicht wollen. Hab ich ja geschrieben ;) Und mir ist durchaus bewusst dass das auch ursprünglich auf Nonnen zurückgeht....

Männliche Pfleger waren aber eben noch nie “Bruder“. Es ist doch auch völlig okay, wenn du nicht so genannt werden möchtest. Aber deswegen sagen sagen dass es total veraltet ist, obwohl es vielleicht auch pflegekräfte gibt die sich damit wohler fühlen....

Ich persönlicht finde ja dass “Gesundheits- und Krankenpflegerin“ sich schlimmer anhört als “Krankenschwester“ oder meinetwegen auch “Krankenpflegerin“ wenn einen das Sr. stört.
Ich möchte jedenfalls lieber mit Sr. xx angesprochen werden als mit Frau + vorname oder nachname.

P.S.: Bei uns steht auf den Plakaten die fast jede Station vom Team aushängen hat, die Frauen immer noch mit Sr. davor angeschrieben. Ganz freiwillig und noch sehr neu :)
 
Aber deswegen sagen sagen dass es total veraltet ist, obwohl es vielleicht auch pflegekräfte gibt die sich damit wohler fühlen....
Es ist veraltet, weil Schwestern (aka Nonnen) sich selbst aufgebend aus reiner Nächstenliebe handelten. Dieses Verhalten ist in unserem Beruf- so wie wir es heute sehen- unprofessionell anzusehen.

Zugegeben, sehr viele Kollegen haben immer noch die die alte Berufsbezeichnung "Krankenschwester" und damit sich als Schwester zu nennen ist daher nicht abwegig.

Aber:

Ich persönlicht finde ja dass “Gesundheits- und Krankenpflegerin“ sich schlimmer anhört als “Krankenschwester“ oder meinetwegen auch “Krankenpflegerin“ wenn einen das Sr. stört.

Mag sein, das es erstmal sperrig wirkt. Es ist nunmal die volle Bezeichnung, und die wurde nicht ohne Grund eingeführt. Du wirst es vermutlich bereits gelernt haben, warum und zu welchen Zweck.
Aber keiner erwartet, das sie Dich mit "Fr. Gesundheits- und Krankenpflegerin Irgendeine" anreden. Das kann man in der Tat niemanden wirklich zumuten.

"Sr." wäre aber Dir auch falsch, weil du mit dem Abschluss eben keiner mehr bist. Und aktuell Azubi und damit eigentlich Schülerin....
 
"Sr." wäre aber Dir auch falsch, weil du mit dem Abschluss eben keiner mehr bist. Und aktuell Azubi und damit eigentlich Schülerin....

Das ist Quark. Sr. ist keine geschützte Berufsbezeichnung und Laien nennen alles was auf 2 Beinen läuft und sich um sie kümmert im Krankheitsfall Sr., Ausnahme die männlichen Kollegens.
 
@HHS: hast du schon mal einen pat. jmd “schüler“ nennen hören? ich nicht.
natürlich melde ICH mich als schülerin.

und stormrider hat recht. sr. ist nicht geschützt, also kann man jeden so nennen. ich hab noch nie einen pat. pflegepersonal mit “frau oder herr nachname“ ansprechen.
wie gesagt jeder wie er mag.
ich mag es halt lieber mit vornamen angesprochen werden, meinetwegen mit schwester davor.

als ich nach deutschland kam, fand ich es toll dass man hier mit “schwester“ angesprochen wird, und nicht so steif und förmlich mit “madame“. das ist einfach meine meinung.
 
Sr. ist keine geschützte Berufsbezeichnung ....
Hmmmneeiin, keine geschützte Berufsbezeichnung. Stimmt.

Trotzdem nicht unsere Berufsbezeichnung, egal ob geschützt oder nicht!

Und Laien nennen uns noch anders: UrinkellnerIn, kranke Schwestern, Brüder, , Arschabwischer, Karbolmäuschen, KrankenwärterIn...
Keiner der Bezeichnungen wird dem gerecht was wirklich tun- von daher sollte man sich schon überlegen, wie man sich Patienten gegenüber vorstellt!
 
natürlich melde ICH mich als schülerin.

Damit meinte ich, das Patienten unter "Sr." fertig ausgebildete Pflegekräfte verstehen. Ist man keine, sollte man sich als solche auch nicht vorstellen, unabhängig von der Diskussion um "Sr."
Also nicht sich "Sr." bezeichnen, wenn der Gegenüber unter "Sr." noch eine fertig ausgebildete Pflegefachkraft versteht.


als ich nach deutschland kam, fand ich es toll dass man hier mit “schwester“ angesprochen wird, und nicht so steif und förmlich mit “madame“. das ist einfach meine meinung.

Tja, für uns Männer gab es keine ebenbürtige Anrede. Das ist auch ein Grund warum der Begriff "Sr." keinesfalls benutzt werden sollte.
Klar auch, "Sr." als Anrede klingt fast so toll wie "Dr.", stimmts?
 
:fidee:Vielleicht sollten wir einen Namenswettbewerb ausrichten, für eine tolle Kurzbezeichnung unseres Berufes, der allen Geschlechtern gerecvht wird, unseren Tätigkeiten, respektvoll klint udn leicht zu merken ist?
 
ich hab ja auch nicht gesagt dass ich mich so vorstelle. ich sage jedem dass ich schüler bin, trotzdem wird man als sr. angesprochen.
weißt du, ich muss mich niemandem gegenüber beweisen, ich weiß was ich kann und was ich noch lernen muss.
ich werde niemals ein dr. sein und ich will das auch gar nicht.
denk was du willst, aber unterstell mir nicht irgendwelchen mist.
mich sprechen pat. an wie ich das will und dich wie du das willst. und damit bin ich raus hier. viel spaß noch.
 
...

ich werde niemals ein dr. sein und ich will das auch gar nicht.
denk was du willst, aber unterstell mir nicht irgendwelchen mist.
mich sprechen pat. an wie ich das will und dich wie du das willst. und damit bin ich raus hier. viel spaß noch.

Angreifen wollte ich Dich nicht- das hast du vermutlich falsch verstanden.

Das war mehr ne rethorische Frage: Hier darf sich jede Pflegekraft angesprochen fühlen, die sich noch "Sr." nennt denn warum nennt man sich so? Nur weil die eigentliche Berufsbezeichnung so sperrig ist?

Glaube ich kaum- "Sr." als Anrede gibt eine gewisse Identität, einen gewissen Status und gewissermassen ein Selbstverständnis - eben wie für viele Akademiker ein "Dr.".

Darauf wollte ich hinaus. Schade, das Du Dich gleich angegriffen fühlst- ich wollte Dich ein wenig zum Nachdenken anregen im Umgang mit Berufsbezeichnungen und der Anrede. Sie drücken nämlich aus, was wir selber von unserem Beruf halten und wie es mit unserem Selbstverständnis aussieht.

:(
 
Das läuft hier etwas aus dem Ruder - ich wollte eigentlich darlegen, wie es mir als Patient erging. Ich hab sicher Schwierigkeiten bei der förmlichen Ansprache des männlichen Pflegepersonals. Versetzt euch doch mal in die Situation eines z.B. sehbehinderten Patienten, der/die die Namensschilder evtl. nicht richtig lesen kann.
Ich selbst bin kurzsichtig und ohne Brille dementsprechend gehandicapt - und da passt "Sr X " und das "Sie" immer noch am ehesten, wenn ich nichts lesen kann.
Ich will niemand zu nahe treten, denke aber, dass es tatsächlich nötig wäre, wie von Vorpostern bereits angeregt, hier eine namensunabhängige Anrede anzudenken - vor allem für den Teil des Pflegepersonals, das mit der bisherigen Anrede unzufrieden ist.
Die Tatsache, dass ich jemand mit "Sr X" und "Sie" anspreche, bedeutet zumindest für mich keinesfalls, dass ich die Angesprochene damit abwerte (n) will.
Ich hoffe, ich kann mein Anliegen verständlich "rüberbringen".
 
*räusper*

... ist aber eigentlich soetwas von 2003.

Das es die "Krankenschwester" nicht mehr gibt ist auch gut so!

Hmmm...:nurse:

Sr. Marty ist zwar schon ein recht altes Modell, aber gut gewartet. Wenn sie von 2003 wäre , wär sie froh, sie ist aber sowas von 1987.
Es gibt sicher offiziell die Krankenschwester nicht mehr, aber im Denken und im täglichen Umgang. Und nein, Sr. Marty ist keine Nonne und will auch keine sein.
Ich stelle mich als Sr. Marty vor und lasse mich auch so ansprechen, aber niemals von Patienten duzen. Jedenfalls nicht von denen, die bei klarem Verstand sind.

Und btw., auf ein schönes 2014!
:hicks:
 

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