Mal wieder "Sie" oder "Du"

Das war von mir mißverständlich ausgedrückt - wenn ich keinen Namen lesen kann, fällt mir die Anrede "Schwester" immer noch am leichtesten. Es fiele mir schwer, z.B. zu sagen:" Frau, mein Tropf muß erneuert werden ". Mit dem Wort "Schwester" geht das viel leichter.
 
Ich denke auch in 30 Jahren wird es die "Schwester XY" bzw. den "Pfleger XY" noch geben. Immerhin sind wir seit einigen Jahrzenten i.d.R. beim "Sie". Die Historie/ bzw. Entwicklungsgeschichte lässt sich nicht verleugnen und ist in den Köpfen drin. Für mich persönlich ist "Sie, Pfleger N.." o.k. Vielmehr würde mich ein Imagewandel freuen.
Wenn die Patienten nicht mehr schreiben:
"Die Ärzte waren kompetent und die Schwestern waren nett und reizend.."
Wenn die Patienten nicht mehr meinen die Schwester sei selbstlos, wohnt so lange im Wohnheim bis sie einen Arzt heiratet, oder gar nie unter die Haube kommen möchte, weil sie ja schon mit Gott verheiratet ist. Und "viel Geld" brauch sie ja eh nicht..
Der Pfleger grundsätzlich ein seltsam anmutender Dauerzivi ist, der sich wiederkehrend fragen lassen muss, ob er nicht "mal Arzt werden will!?!?.." , oder zumindest schwul sein muss, denn "normal" ist der Job für Männer ja nicht..
und so weiter...
 
Ich will niemand zu nahe treten, denke aber, dass es tatsächlich nötig wäre, wie von Vorpostern bereits angeregt, hier eine namensunabhängige Anrede anzudenken - vor allem für den Teil des Pflegepersonals, das mit der bisherigen Anrede unzufrieden ist.

Frau Pflegerin und Herr Pfleger
analog zu
Fr. Doktor und Herr Doktor

"Du" geht gar nicht.
 
Schuld daran, dass sich das nie ändert, sind aber doch wieder ein Großteil der Pflegekräfte. Wenn ich schon höre, wie sich frisch examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen am Telefon mit "Schwester Anna" melden, rollen sich bei mir schon die Fußnägel hoch.
 
wie sich frisch examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen am Telefon mit "Schwester Anna" melden
Sozialisation. Finde ich ehrlich gesagt auch erschreckend. Den Wandel müßten aber wohl die "Alten" ausfechten und Vorbild sein... oder das ganze per Verordnung von oben. Ich denke aber, daß viele da andere Probleme haben und/oder sich gar nicht bewußt sind, daß der jetzige Zustand ein Problem sein könnte.
 
Und vorallem: "Das war schon immer so, so wird es weiter gemacht". Den Satz kennt wohl jeder von uns. Unter dem Deckmantel lassen sich Dienstanweisungen auch prima ignorieren. Leider ..
 
Die Kurzsichtigkeit ist aber eine schwache Ausrede :)... Man könnte dann ja auch einfach sagen, "Entschuldigen SIE, mein Tropf ist alle! " Problem mit dem Du und der Schwester gelöst!

Wir stecken in Deutschland so tief in einer Schublade das es sehr schwierig ist den Imagewechsel herbeizubringen... und ich glaube das etwas Abstand durch Sie und Nachnamen durchaus hilfreich sein kann. Beobachtet mal auf Stationen wo beide Formen vertreten sind, wie unterschiedlich Patienten darauf regieren.... Das Sie gibt automatisch etwas mehr Autorität, Fachwissen etc. (selbst wenn es nicht so ist!).

Wir wurden während der Ausbildung bei uns im Haus durchaus mit Schülerin angesprochen- Patienten und Schwestern.... Ist aber auch sehr lange her!:)
 
Die Kurzsichtigkeit ist aber eine schwache Ausrede :)... Man könnte dann ja auch einfach sagen, "Entschuldigen SIE, mein Tropf ist alle! " ..
Sry, wenn ich in einem 4 - Bett - Zimmer liege, eine GuK kommt rein, ist evtl. unter Zeitdruck, dann ist sie evtl. schon wieder raus, bevor ich "Deinen"
- meinen- Satz zu Ende gebracht habe. Mit "Entschuldigen Sie" können sich im Zimmer erstmal alle angesprochen fühlen.
Dass Du mir Ausreden unterstellst - naja.
 
Wie spricht man die Damen und Herren bei einer Behörde an? Verkäuferinnen? Lehrerinnen? Erzieherinnen?
 
genau so wie sich vorstellen. wenn die lehrerin meines bruders sich mit “joffer vorname“ (joffer=lehrerin/fräulein) vorstellt, dann rede ich sie auch damit an. wenn sie es mit frau nachname tut, dann damit.

und genau das sollten pflegekräfte auch tun. sich so vorstellen, wie sie angesprochen werden möchten. diskussion ende.
 
Ich danke Euch für Eure zahlreichen Antworten ; es tut mir leid, wenn Durch meine Fragestellung hier Zoff entsteht.
 
Ooch, Zoff würde ich das nicht nennen. Ist doch ganz interessant, dass es Kollegen gibt, die ein Politikum daraus machen, wenn eine GuKp sich als "Schwester" vorstellen möchte. In der Ausbildung geht es ständig um die Individualität des Patienten, gilt die nicht auch (in gewissem Rahmen) für das Personal? Und warum werden Ärzte immer noch pauschal als "Doktoren" bezeichnet?

@ hypurg, als "Frau Pflegerin" möchte ich niemals angesprochen werden.

Sehe es ähnlich wie Pfleger N, monaluna, kräuterfrau und irgendeine. In unserem Beruf wird bei aller Fachkompetenz persönliche Nähe immer eine Rolle spielen, die im Vergleich zu anderen Berufssparten weit über das Übliche hinausgeht. Gegen die Anrede "Schwester" habe ich deshalb nichts, da dadurch trotz Nähe eine gewisse Distanz aufrecht erhalten bleibt. Es sei denn, da wird noch ein "-chen" angehängt. In solchem Fall freundlich, aber bestimmt Kontra geben, und es wird nicht mehr vorkommen.

PS: Eine bekannte Fachzeitschrift führt immer noch die "Schwester" im Titel.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu dem Thema wird man innerhalb der Pflege keinen Konsens finden. Irgendwann wird die Pflegewissenschaft, Soziologie oder Psychologie genau wissenschaftlich darlegen, welche Folgen auf der Beziehungsebene welche Anrede hat und das Ergebnis zum Standard erheben. Das Management wird den Empfehlungen dann folgen, Pflegepersonal wird dagegen 2 Wochen rebellieren, sich beugen oder jeder machte es wie er will... und wie es am Ende ausgeht .. (?)
Als Patienten bleibt einem die Unsicherheit, zu 50% in ein Fettnäpfchen zu treten.

es tut mir leid, wenn Durch meine Fragestellung hier Zoff entsteht.

Wir befinden uns ja hier in einem Diskussionsforum und man darf diskutieren. Auf Sicht der Pflegekräfte müß(t)en die Aspekte professionelle Beziehungsgestaltung und für manchen auch berufspolitische Einstellungen eine Rolle spielen. Es ist nun auch mal so, daß man wohl keinem verbieten kann, sich mit Herr/Frau Müller ansprechen zu lassen. Das ist die korrekte Anrede in unserem Lande und keiner kann gezwungen werden, sich von Fremden mit Vornamen anreden zu lassen. Meine ich zumindest. Umgekehrt kann ein AG das schon erlassen, wie Pflegekräfte sich vorzustellen haben. Was die Patienten machen, ist dann eine andere Sache.

@ hypurg, als "Frau Pflegerin" möchte ich niemals angesprochen werden.
Was wir möchten, sollte bei dieser Entscheidung doch gar keine Rolle spielen. Es sind Entscheidungen, die wir aufgrund unserer Profession (naja) fällen müssen. Ohne Zweifel, ist unser Beruf etwas besonders... manchmal aber vielleicht auch zu besonders ;-)

Für den Patienten wäre es wichtig, sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Meist wird ein Patient auf geistiger Höhe ja dem folgen, wie man sich vorgestellt hat und wie sich die Kollegen untereinander betiteln. Selbst wenn ich mich nie mit Vornamen bei einem Patienten vorgestellt habe und den auch nicht auf dem Namensschild getragen habe... spätestens am zweiten Tag hat mich der erste mir Pfleger "Vornamen" angesproche. Ich finde das schon eine blöde Situation für den Patienten, wenn ich jetzt anfange, ihm zu erklären, warum ich das nicht haben möchte. Ließe sich vermeiden.

Und warum werden Ärzte immer noch allgemein als "Doktoren" bezeichnet?
In dem Fall aus Höflichkeit, wenn man den Namen nicht weiß und man damit rechnen muß, daß man ein promoviertes Individuum anspricht.
 
In unserem Beruf wird bei aller Fachkompetenz persönliche Nähe immer eine Rolle spielen, die im Vergleich zu anderen Berufssparten weit über das Übliche hinausgeht.
Genau das ist es ja, was meine Fragestellung mit hervorruft. Meine Patientensituation ist auf jeden Fall eine grundlegend andere als die von Vorpostern erwähnten Vergleiche mit Verkäuferin, Erzieherin o. vglb.
Ausgehend von meinem Erlebten hoffe ich mal, daas ich dass ich bei allen GuK den richtigen Ton / die richtige Anrede getroffen hab - jedenfalls bin ich ohne Ohrfeigen entlassen worden.
Mir ging es hier schlicht um Meinungen und Kommentare; und aus den erhaltenen schließe ich, dass ich am besten nach meinem Bauchgefühl gehe.
Zu den weiter oben erwähnten akademischen Anreden : Ich habe alle "meine" behandelnden Ärztinnen und Ärzte schlicht mit Frau / Herr und Nachnamen angesprochen und hatte nie das Gefühl, dass das unangenehm rüberkam. Das deckte sich mit meinem Eindruck, mich sowohl in pflegerischer wie auch in ärztlicher Hinsicht in den allerbesten Händen gefunden zu haben.
Deswegen schaue ich auch gern in Abständen mal wieder dort vorbei, ausgerüstet mit einigen Leckereien ( Gummibärchen, Schoko, Kaffee... ) und freue mich, wenn ich bekannte Gesichter sehe, denen es nach wie vor gut geht.
 
Genau das ist es ja, was meine Fragestellung mit hervorruft. Meine Patientensituation ist auf jeden Fall eine grundlegend andere als die von Vorpostern erwähnten Vergleiche mit Verkäuferin, Erzieherin o. vglb.
Ausgehend von meinem Erlebten hoffe ich mal, daas ich dass ich bei allen GuK den richtigen Ton / die richtige Anrede getroffen hab - jedenfalls bin ich ohne Ohrfeigen entlassen worden.
Mir ging es hier schlicht um Meinungen und Kommentare; und aus den erhaltenen schließe ich, dass ich am besten nach meinem Bauchgefühl gehe.
Zu den weiter oben erwähnten akademischen Anreden : Ich habe alle "meine" behandelnden Ärztinnen und Ärzte schlicht mit Frau / Herr und Nachnamen angesprochen und hatte nie das Gefühl, dass das unangenehm rüberkam. Das deckte sich mit meinem Eindruck, mich sowohl in pflegerischer wie auch in ärztlicher Hinsicht in den allerbesten Händen gefunden zu haben.

Warum sind sie grundlegend anderes? Möchtest du nicht, dass dein Kind in guten Händen ist? Das hängt nicht von der Anrede an. Ich bestehe bei den Patienten wie dir als Fr. Nachname angesprochen zu werden. Ich schreibe auch gerne auf ein Papier meinen Namen auf. Nur bei den sehr alten+kognitiv beeinträchtigten Patienten lasse ich noch Schwester zu. Mit den Ärzten geht man auch eine Beziehung ein, niemnad kommt auf die Idee einen Arzt mit Doktor Sebastian, Paul, Jens.... anzusprechen.

Es ist aber vielmehr die Aufgabe einer Pflegekraft auf die professionelle Kommunikation zu achten. Meine Kolleginnen stellen sich zum großen Teil als Sr. Vorname vor. Ich stelle mich dann als Fr. Nachname vor und dann kommt der Satz "ach sie sind die Stationsärztin", "nein ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin, heute hier im Bereich zuständig".

Ich frage mich nur was bring dich dazu, dich "schlechter aufgehoben" zu fühlen, bei jemandem der sich mit Fr./Hr. Nachname vorstellt? Das erscheint mir sehr interessant.
 
Das war speziell darauf bezogen, dass keiner der AkademikerInnen auf Anrede mit Titel bestand.
In pflegerischer Hinsicht einfach wegen meines Eindruckes, bei einer 100%ig "guten Truppe" gelandet zu sein.
 
Gerade weil ich oft in Intimbereiche vordringen muss, ist es mir wichtig mich abzugrenzen.
"Ich bin Frau XY, ihre für sie zuständige Pflege(fach)kraft."
"Ach" Schwester haben sie keinen Vornamen?" "doch, natürlich habe ich privat auch einen Vornamen" "ach so, Frau XY..."
 
Ich denke, dass viele den Titel Schwester analog zum Doktor sehen. Sie sind eben nicht Fr.XYZ- die Backwaren verkauft. Sie haben eine besondere Ausbildung. Das entspricht auch den sonstigen Wünschen nach besonderer Beachtung und Anerkennung. Unter diesem Blickwinkel gesehen, wird die Vorstellung mit "Schwester" nie verschwinden. Es sei denn, es wird durch etwas ähnliches abgelöst.

Elisabeth
 
*Zustimm*
Eine Erzieherin/Verkäuferin..( ohne diese Berufsstände abwerten zu wollen ) kommt nie so dicht an meine persönlichen Bereiche heran, was zumindest für mich eine gewisse persönliche Nähe - größer/näher als bei anderen Kontakten - nach sich zieht. Das muß ja nicht heißen, dass ich dem Pflegepersonal zu nahe treten möchte.
Danke, so gut konnte ich es nicht ausdrücken.
 

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