Also ich habe im FSJ schon viele Patienten gewaschen und habe da immer positive Rückmeldungen bekommen. Denke ich verfüge schon über ein großes Empathievermögen und kann mir vorstellen, dass die Situation grundsätzlich nicht angenehm ist für den Patienten, gerade weil ich selbst so schüchtern bin was meinen Körper betrifft. Deshalb habe ich immer sehr behutsam gewaschen und auf die Kommunikation geachtet und so, um es diesem Menschen so wenig unangenehm wie möglich zu machen. Aber jeder Patient ist auch anders. Habe auch Menschen gewaschen, die dabei gescherzt haben und mir danach sagten, dass sie sich jetzt wieder viel besser fühlen und ich das gut gemacht hätte. Anderen merkt man ihre Scham deutlich an und die haben sich dann bei mir manchmal entschuldigt, weil ich sie waschen musste. Da habe ich dann immer versucht die Situation zu entspannen und ganz besonders behutsam vorzugehen mit allem.
Naja, ich finde solche Selbsterfahrung deswegen auch total sinnlos. Ich muss doch nicht alle unangenehmen Erfahrungen eines Patienten am eigenen Leib erfahren, um Empathie für dessen Situation zu haben. Muss mir ja auch nicht das Bein brechen lassen und um einen Patienten mit starken Schmerzen zu verstehen. Ist für doch irgendwie logisch, dass man sich gedanklich in die Situation des Patienten hineinversetzt.
Ausserdem ist es doch etwas ganz anderes, ob ich wegen einer schweren Verletzung von einer Krankenschwester gewaschen werde, die ich eben nur als Krankenschwester kenne, oder ob ich von meinen eigenen Arbeitskollegen gewaschen werde ohne das es nötig ist. Welcher normale Mensch würde sich schon von seinen Arbeitskollegen waschen lassen? Doch wohl keiner freiwillig. Auch ein Patient würde das wohl nicht wollen.
Wenn ich starke Schmerzen habe, lasse ich einen Arzt auch an meinen Körper, weil es 1. nicht anders geht und 2. ich den Arzt nur als meinen Arzt sehe und nicht als meinen Kumpel oder Kollegin, mit der ich am nächsten Tag wieder beim Frühstück sitze. Ist doch überhaupt nicht vergleichbar.