Kind nach Suizid-Versuch aufgenommen: Wie geht es weiter?

Hallo Dani,

da sträuben sich ja einen die Haare, wenn man das so liest. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, das du keinen Grund hast, die Behörden einschalten zu müssen.
Aber es ist schon hart von seiten der Ämter, das man eigentlich helfen soll, aber nicht darf. Welch ein Paradox.
Hut ab vor deiner Cuarage, deinem Mut und deiner Ausdauer, der Frau begreiflich zumachen, das man so nicht mit seinem Kind umgehen kann/darf.

lg anne
 
Hallo,

wollte berichten, was gestern vorgefallen ist. Die Mutter des Jungen ruft abends um 19.00 Uhr bei uns an, ganz aufgeregt, er sei gegen 13.00 Uhr daheim weggelaufen, ohne Jacke und in Hausschuhen (wir hatten so ungefähr 8 Grad draußen und ein eisiger Wind ging) und sie wisse nicht, wo er sei, vermutet aber, er würde über kurz oder lang bei uns auftauchen. So war es auch, es waren noch keine 10 Minuten vorbei, klingelt es an der Tür. Ich habe ihn erstmal in die heiße Badewanne gesteckt, der war so durchgefroren, dass er das Zittern gar nicht mehr aufhören konnte und ihm dann was zu essen gemacht. Dann, als er sich ein wenig gefasst hatte, haben wir geredet. Es kam wie es kommen musste, er hatte Krach mit seiner Mutter, sie hat ihn angeschrieen, er sei ein Versager, eine Null, ein Nichts und Niemand und ob er in seinem -ich zitiere wörtlich: besch... armseligen Leben denn nicht ein einziges Mal was richtig machen könne". Der Anlass war eine Nichtigkeit. Sie will die Wohnung malern, er soll abkleben udn hat das Klebeband ein wenig schief aufgebracht. Statt dass sie ihm zeigt, wie es richtig geht, tickt sie aus. Er hat sich gefürchtet vor ihr, weil sie so gebrüllt hat und wohl auch auf ihn losging (glaube ich ihm auf's Wort, ich habe sie selbst schon erlebt, wenn sie ausflippt) und ist deswegen weggelaufen. Da wir mittags nicht daheim waren, ist er so lange rumgelaufen, bis wir da waren. Er sagt, er habe zwischenzeitlich auch überlegt, sich vor den nächsten Zug zu werfen, hat es dann aber vorgezogen, bei uns vorbeizuschauen. Gott sei Dank. Wir haben ihn dann beruhigt udn sind mit ihm zu seiner Mutter gefahren. Die stand seelenruhig in der Küche und hat gemalert. Wir haben dann geschlagene 4 Std. bis in die Nacht versucht, mit ihr zu reden. Ich kann hier nicht alles wiedergeben verständlicherweise aber ihr Tenor war, sie lässt ihn zwangseinweisen, bis er wieder "normal" ist und so läuft, wie sie das will. Er sei faul (er hat die ganze Woche fleißig geholfen beim Renovieren), er sei dumm, er sei zu nichts nutze und er habe ihr gefälligst nicht zu widersprechen und wenn sie ihn anschreien will, dann schreit sie und das hat er auszuhalten. Mir standen die Haare zu Berge, was sie alles von sich gegeben hat. Am Schluss sass sie dann da und hat geheult, sie liebe doch ihr Kind und und und. Ich glaube kein Wort davon. Wir haben ihr nochmal gesagt, dass wir beim nächsten Mal die Ämter einschalten ohne Pardon und dass sie selbst dringend in Therapie müsse. Davon will sie natürlich nichts hören, aber glaubt mir, ihr Kind ist normaler als sie. Er hat morgen seine erste Therapiestunde bei der Psychologin und ich setze meine Hoffnungen in sie.

Warten wir ab, was weiter passiert. Beim nächsten Vorfall sitze ich beim Jugendamt und gehe nicht eher da weg, bis was passiert.

Dani
 
Hallo Dani,

na das hat sich ja nicht gerade zum Guten weiter entwickelt.:eek1:
Aber ich finde es gut, das der Junge zu dir und deiner Familie einen guten Draht entwickelt hat und im Notfall zu euch kommt und kommen kann.
Bleib bei deinem Vorhaben, das du bei nächsten Vorfall, bei Jungenamt sitz und dort Druck machst.
Schade nur, das die eigene Mutter so schräg drauf ist.
Ich drück ganz fest die Daumen, das die Mutter des Jungen sich ändern wird.

lg anne
 
Ich kanns nur nochmal wiedrholen: mach ne Anzeige beim Jugendamt wenn dir an dem Jungen liegt. Die Anzeige machst du selbst, da brauchst du kein Einverständnis von irgendwem. Das einzigste, was du tust: du bist nicht mehr die "Freundin" der Mutter. Aber das dürfte dir egal sein, wenn du bedenkts, dass du nur noch kurze Zeit im Ort wohnst.

These: Du wärst bereits verzogen gewesen. Was glaubst du, was der Junge gemacht hätte?

Elisabeth
 
Hallo Elisabeth,

ich will gar nicht die Freundin dieser Frau sein. Mit so einem Menschen kann und will ich nicht befreundet sein. Helfen will ich ihr allerdings schon, weil sie dringend der Hilfe bedarf.

Er sagt, er hätte uns angerufen und sich dann in den Zug gesetzt und wäre gekommen. Geld hat er ja immer, das wäre kein Problem gewesen. Ich bin einfach nur froh, dass er kommt, wenn er KUmmer hat und nicht wieder versucht, sich was anzutun.

Ich warte die morgige Therapiestunde mal ab. Schauen wir mal, was er erzählt und ob die Mutter mit hingeht. Unsere Ansage war klar und deutlich, beim nächsten Mal sind wir beim Amt, da gibt es kein Vertun mehr. Beide wollten das jetzt aber nicht, sie wollen es noch einmal miteinander probieren und wer bin ich, dass ich ihnen das verwehren darf.

@Anne77: Ich hoffe auch, dass sie endlich endlich ein Einsehen hat.
 
Jemand der ohne Jacke und in Haussschuhen das Haus verlässt...

Der Mutter kanst du nicht helfen, weil sie selber den Bedarf nicht sieht.

Elisabeth
 
Ich kanns nur nochmal wiedrholen: mach ne Anzeige beim Jugendamt wenn dir an dem Jungen liegt. Die Anzeige machst du selbst, da brauchst du kein Einverständnis von irgendwem.
Elisabeth


Das sehe ich absolut genau so!!! Ich würde nicht bis zum nächsten Mal warten... Die Mutter des Jungen hatte doch ihre Chance. Warum sollte sie es dieses Mal besser machen???
 
Weil er uns dringend drum gebeten hat, es nicht zu tun und wir wollen dem Kind nicht noch mehr Kummer aufhalsen. Es kann sein wie es will und ob wir es verstehen oder nicht, es ist seine Mutter und er liebt sie. Und ich bin immer bereit, jemandem eine Chance zu geben und ihr Weinen gestern abend bzw. heute nacht war echt. Von daher will ich einfach die Hoffnung nicht aufgeben, dass irgendwas, was wir gesagt haben, zu ihr durchgedrungen ist.

Zu Elisabeth: Wenn wir nicht mehr da sind und er daheim weggeht, hat er bestimmt keine Hausschuhe an und seine Jacke dabei. So vernünftig ist er glaube ich schon. Hier dachte er ja, wir seien daheim und er könne gleich rein und allzu weit ist das nicht von ihm zu uns. Klar war es blöd, das weiss er auch aber er ist ein soweit ganz vernünftig denkender junger Mann und das wird ihm nicht wieder passieren.
 
Hallo Dani,

um jemanden helfen zu können muss dieser bereit sein die Hilfe annehmen zu können.
Er muss den Wunsch haben, dass ihm geholfen wird. Dazu muss er aber erst ganz unten ankommen.

Was du hier schilderst klingt für mich nach einer alkohlkranken Mutter.
Dem Kind und der Mutter kannst du mit dem Jugendamt mehr helfen als mit allem anderen.

Viel Glück
Narde
 
Nein, trinken tut sie nicht. Im Gegenteil, sie hasst Alkohol weil doch ihr Ex-Lebensgefährte soviel säuft. Aber jedenfalls ist sie psychisch nicht stabil, keinesfalls.

Wenn der Bub nicht so dringend drum gebeten hätte, hätte ich noch heute das Jugendamt informiert aber er hat mir so leid getan, er war so aufgeregt und er hatte für den Tag wahrlich genug hinter sich. Deswegen hat sie die eine Chance nochmal. Aber wenn sie die vertut, gibt es kein Jammern mehr, dann wird es ernst. Ihr ist das glaube ich egal aber dem Jungen nicht. Wir haben zwar versucht, ihm klarzumachen,dass dort keine Monster sitzen aber ich weiss nicht, was sie ihm eingeredet hat. Er hat panische Angst davor. Nun gut, beide wissen, was Sache ist.
Wir werden sehen.

Dani
 
Dani, du hilfst ihm mit dem Jugendamt mehr als so, lass dich nicht in den Strudel hineinziehen.

Es klingt vielleicht hart und ungerecht, aber nur so kann dieser Kreislauf durchbrochen werden.
 
Zu Elisabeth: Wenn wir nicht mehr da sind und er daheim weggeht, hat er bestimmt keine Hausschuhe an und seine Jacke dabei. So vernünftig ist er glaube ich schon. ...

So eine Reaktion wird nicht von der Vernunft gesteuert... hoffe ich für dich zumindest. Denn sonst würde ich dieses Verhalten unter manipulativ in höchster Form einordnen.

Du verstrickst dich da zunehmend mehr in eine Situation deren Dimensionen du kaum überschauen kannst. Hier geht es nicht um einfache Nachbarschaftshilfe. Ein kranker Mensch, wenn es denn bei dem Jungen so vorliegt, ist überhaupt nicht in der Lage seine Situation und Folgen von bestimmten Handlungsweisen abzuschätzen. Da bist du eigentlich als Erwachsener gefragt.

Was würdest du machen, wenn der Junge darum bitten würde, den Umzug hinauszuzögern bzw. gar nicht umzuziehen. Würdest du auf diesen Wunsch auch eingehen. Er würde es sich ja wünschen, genauso wie er sich wünscht, dass das Amt nicht eingeschaltete wird.

Mit deiner momentanen Haltung erschwerst du eine Lösung des Konfliktes für alle Beteiligten. Ich kann mich entsinnen, dass du vorher auch von noch einer Chance gesprochen hast. Die hat sie jetzt nicht genutzt... und wieder erhält sie eine Chance. Das nennt man inkonsequent. UInd die Mutter nebst Sohn sind sich deiner Inkonsequenz durchaus bewusst.

Aber schlußendlich muss jeder selber wissen, was er sich zumuten kann und will... und hier dann allerdings mit allen Konsequenzen.

Elisabeth
 
liebe dani!

ich finde es wirklich bewundernswert wie du dich für den jungen einsetzt! und ich finde auch, dass du bis jetzt absolut richtig gehandelt hast. auch, dass du der mutter noch eine chance gegeben hast finde ich persönlich richtig. und ich glaube, dass dir bewusst ist, dass man der mutter nicht eine chance nach der anderen geben kann, nur weil der junge seine mutter liebt (und das steht ganz klar außer frage!). er wird seine mutter immer lieb haben, das sollte dich aber von einer anzeige beim jungendamt nicht abhalten. und eine solche anzeige bedeutet ja auch nicht gleich, dass der junge fremduntergebracht wird und seine mutter nie wieder sehen darf.

sei dir der situation immer bewusst. du hast ein kind in einer schweren lebenskrise aufgenommen und willst es weiter unterstützen. achte aber auch auf dich und deine familie und nimm dich vor dem von narde erwähnten "studel" in acht.

wenn die mutter ihr verhalten nicht ändert, ihr kind nicht zu den therapien begleitet obwohl es so ausgemacht ist, dann zeigt das, dass sie sich ihrer situation und der ihres sohnes nicht bewusst ist. dann besteht meiner meinung nach akuter handlungsbedarf. und das bedeutet ab zum jugendamt! denn elisabeth hat recht, man kann niemandem helfen der nicht bereit ist hilfe anzunehmen.

lg angie
 
liebe Dani

ich fürchte jetzt etwasanderes.
Bei der nächsten Katastrophe wird der Junge nicht mehr zu euch laufen. Die Einschaltung des Jugendamtes betrifft ja die Mutter nicht allein, sondern in hohem Maße auch ihn

Er wird mehr und mehr die Probleme in sich hineinfressen. Zu dir kann er nicht mehr kommen, denn dann wirst du ja das Jugendamt einschalten.

Hättest du bei dieser Situation das Jugendamt eingeschaltet wäre es für den Jungen längst nicht so schlimm gewesen sein.

silverlady
 
Hallo,

mir fällt zu dem Ganzen,

Mutter ein Chance geben, noch mal versuchen, Verhalten des Anderen ändern - nur ein

Ich kann nur mein Verhalten ändern und nicht das des Anderen.

Soll heißen, dein Handeln verändert die Situation und nicht das Warten darauf, dass der Andere (Mutter) was macht.

Bei den Schilderungen sage ich mit aller gebotener Vorsicht - Der Junge muss aus dieser Familiensituation raus - und zwar schnell. Mit raus meine ich nicht in eine wohlmeinende andere Familie, sondern in professionelle Hände.

Gruß renje
 
Mit 16 kann er auch selbst zum Jugendamt gehen und bitten, woanders zu wohnen - evtl. in einem betreuten Jugendwohnheim oder bei euch, wenn ihr eine Pflegschaft übernehmt. Ich habe mich vor gar nicht langer Zeit mit einem Mädchen unterhalten, die genau das gemacht hat und froh war, zuhause wegzusein.
Ihn da mit einzubeziehen finde ich wichtig, damit er kapiert, dass er kein Spielball der Erwachsenen ist. Ihm ist das wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass er selbst zum Jugendamt gehen kann oder hält das für etwas ganz Bedrohliches. Wahrscheinlich hat er auch das Gefühl, er muss sich gegen seine eigene Mutter entscheiden. Das ist für ein Kind hammerhart (ich bin selbst mit 14 von meiner Mutter weg...), aber es heißt ja nicht, dass er den Kontakt völlig abbrechen muss. Sie brauchen beide die Möglichkeit, sich um sich selbst zu kümmern, dann kann vielleicht etwas Neues entstehen.
Lasst euch einen Beratungstermin beim Jugendamt geben mit ihm zusammen! Und bald!
Bis die Therapeutin die ganze Situation erstmal überblicken kann, gehen wieder Wochen ins Land.
 
Ich finde auch, das es genug Chancen für die Mutter gab, ihr Leben und das zusammleben mit Ihren Jungen auf die Reihe zubekommen. Du hast ihr mehr als nur einmal deine Hilfe angeboten.
Ich kann mich nur den anderen vor mir anschließen, geh endlich zum Jugendamt. Ich glaube, erst dann, fängt vielleicht die Mutter endlich an umzudenken.
Besprich das mit dem Jungen, frag warum er solche Angst davor hat zum Jugendamt mit dir zugehn. Wer weiß, was seiner Mutter für HOrrogeschichten vor dieser Institution ihrem Sohn eingebläut hat.
Erklär ihm, das der Gang zum Jugenamt nicht gleich bedeutet, das er seine Mutter nie wiedersehn darf. Erklär Ihm, das ihr euch über Hilfsangebote erstmal kundig machen wollt. Klar ist, das du ihn sicherlich nicht dazu zwingen kannst.
Vielleicht gibt es auch eine kompetende Mitarbeiterin vom Jugendamt, die beim ersten Gespräch bei euch daheim mit dem Jungen reden tut. Im vertrauten Umfeld fühlt er sich dann nicht so verunsichert. Klär das doch einfach mal ab.

lg anne
 
Hallo Dani,
auch ich bin der Meinung, dass es kein "nächstes Mal" geben sollte!
Was ist, wenn der Junge sich beim "nächsten Mal" vor die Bahn wirft?
Es reicht schon, sich erst einmal beim Jugendamt einen Rat einzuholen.
Das habe ich damals auch, wegen einer Freundin meiner Tochter.
Natürlich liebt die Mutter ihren Sohn, aber das reicht in diesem Fall nicht aus.
Der Junge ist natürlich mit der Situation überfordert.
Ich würde sofort das Jugenamt einschalten, bevor es zu spät ist!

Ich finde es übrigens sehr sehr gut, wie du dich für den Jungen einsetzt.
Das machen nicht alle. Viele schauen weg.
Viele Grüße,
Sanne
 

Ähnliche Threads

Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 19 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!