Kind nach Suizid-Versuch aufgenommen: Wie geht es weiter?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Dani123, 22.03.2010.

  1. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Hallo,

    ich habe mal eine Frage und hoffe, ich bin hier richtig. Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Wäre schön.

    Ein Freund unseres Sohnes (beide 16 Jahre alt) hat Anfang des Monats versucht, sich das Leben zu nehmen, wurde aber rechtzeitig gefunden. Er hatte Schlaftabletten geschluckt. Nach einem Kurz-Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie sollte er wieder nach Hause zurück, was er keinesfalls wollte, weil sein Stiefvater der Grund war, warum er sich überhaupt umbringen wollte. Sein Stiefvater ist Frührentner und Alkoholiker und drangsaliert das Kind bis zum geht nicht mehr. Die Mutter arbeitet den ganzen Tag und ist vor abends 21.30 Uhr selten zu Hause, so dass der Junge mit dem Stiefvater, der ihn auch misshandelt, alleine ist.
    Seine Mutter hat uns jetzt gefragt, da die Kinder sich gut verstehen, ob wir ihn "so für 14 Tage oder so" nehmen würden, da er nicht nach Hause will und sie aber noch keine Wohnung für sich und ihren Sohn gefunden hat. Das war für uns selbstverständlich. Seit Freitag ist er also jetzt bei uns. Ich bin nur sehr verwundert, dass das Jugendamt sich nicht eingeschaltet hat und der Frau bei der Suche hilft bzw. sich des Jungen annimmt. Er hat erst im August einen Therapieplatz bekommen, das dauert doch viel zu lange. Ich ertappe ihn manchmal dabei, wie er einfach nur dasitzt und ganz stoisch in eine Ecke schaut und das sehr lange. Ich habe nicht das Gefühl, dass er stabil ist. Leider redet er auch nicht, lt. seiner Mutter hat er das auch früher nie getan, er kapselt sich ab. Er lässt auch keine körperliche Nähe zu, was mich nun nicht wundert.
    Ich bin ratlos, wie wir mit ihm umgehen sollen. Wir versuchen, ihn "normal" zu behandeln, wie unseren Sohn auch, aber ist das in der Situation auch richtig ? Können wir mehr tun, als im zu vermitteln, dass wir da sind und auch jederzeit bereit sind, mit ihm zu reden, wenn er das will ?
    Wie geht es weiter ? Was ist wenn die Mutter keine Wohnung findet (oder finden will, aber ich will ihr hier mal nichts unterstellen). Welche Rechte oder Pflichten haben wir ihm gegenüber ?:weissnix:

    Ich wäre sehr dankbar für ein paar Tipps, wie wir weiter verfahren sollen.

    Danke schön
    Gruß
    Dani
     
  2. Flop

    Flop Stammgast

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    Hallo Dani,
    ich wünsche dir erstmal ganz viel Mut in diesen 14 Tagen und hoffe, dass es auch wirklich nur vierzehn bleiben, denn gesund ist sowas garantiert nicht. Für dich nicht und auch nicht für den Jungen. Und, ehrlich gesagt, ist es auch nicht deine Aufgabe. Für ihn ist das natürlich besser, als solange bei seinem Stiefvater zu bleiben. Aber du hast nicht die Pflicht, dich um ihn zu kümmern.Ich weiß auch nicht, ob du eine Ausbildung in diese Richtung hast. Leider kenne ich mich in diesem Thema noch nicht aus, sodass ich dir keine Tipps zum Verhalten geben kann.
    Mal so eine generelle Frage: Wird das Jugendamt von der Psychartrie informiert? Ansonsten würde ich nochmal mit der Mutter sprechen oder beim zuständigen Jugendamt nachhaken. Aber wie gesagt, es ist toll, wenn du helfen willst, aber es ist eigentlich nicht dein Job. Trotzdem wünsch ich dir noch alles Gute- und dem Freund deines Sohnes natürlich auch!:troesten:
     
  3. Rechte hast Du m.E. keine, da der junge Mann Gast ist und Pflichten hast Du nur die, die man im gesellschaftlich üblichen Rahmen als Gastgeber hat. Wenn nichts hilft, würde ich das Jugendamt einschalten.
    Ob das aber was hilft, weiß ich nicht. Wenn die Presseberichte stimmen, sind die Herrschaften dort eher zurückhaltend, müssen es auch teilweise sein, weil sie geltendes Recht beachten müssen und daher nur eingeschränkte Möglichkeiten haben.
     
  4. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Ich danke Euch für Eure Antworten.

    Eine Ausbildung habe ich nicht, ich bin nur selbst Mutter und das Kind tut mir von Herzen leid. Denn Kinder sind es ja doch noch, auch wenn sie sich mit ihren 16 Jahren schon furchtbar erwachsen fühlen.
    Ich hätte auch gedacht, dass das Jugendamt von der Klinik informiert wird, anscheinend ist dies aber nicht der Fall. Ich warte jetzt mal noch ab, ich möchte der Mutter nicht vorgreifen. Vielleicht und hoffentlich findet sie ja doch noch eine Wohnung, die ihren Bedürfnissen entspricht. Der Junge selbst redet nicht mit seiner Mutter. sie hat gestern abend angerufen und wollte wissen, wie sein erster Schultag nach dem Krankenhausaufenthalt war. Ich habe ihm das Telefon gegeben und bekam es nach geschätzten 30 sek. wieder. Sie hat dann später bei mir nochmal angerufen und nachgefragt, weil er wohl nur "ganz gut" gesagt hat und hat dann aufgelegt. Na super, die scheinen ein tolles Verhältnis zueinander zu haben. Wie gesagt, meines Erachtens müsste er so schnell wie möglich in Therapie. Erst von 0 auf 100 mit der Einweisung in die geschlossene und dann von 100 auf 0, indem sie ihn entlassen und ihm sagen, er solle sich einen ambulanten Platz suchen. Dieser ist frühestens im August zu bekommen. Ist irgendwie auch nicht in Ordnung, dass er jetzt so hängen gelassen wird.

    Die Mutter ist m.E. ziemlich schräg drauf. Sie findet seine Sportsachen z.B. nicht und meinte dann zu mir, ich solle im doch eine Befreiung schreiben für die Schule. Sorry, aber das darf ich doch gar nicht. Ich bin doch nicht seine Mutter, sie ist es doch. Ich weiss nicht, ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache und bin mal gespannt, ob wir ihn nicht doch länger haben, als die 14 Tage. Wir werden sehen. Der Bub tut mir einfach nur leid.

    Gruß
    Dani:gruebel:
     
  5. renje

    renje Poweruser

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    Hallo Dani,

    ich denke da braucht der Jugendliche und die Mutter ganz dringend Hilfe. Geh zum Jungendamt und lass dich beraten. Der Junge braucht nicht irgend eine Wohnung, sondern eine betreute und/oder therapeutische WG. Dafür gibt es immer Plätze über das Jugendamt, wenn dieses ein Notwendigkeit sieht. Einschätzung durch den beh. Arzt in der Psych.

    Was soll dass denn bringen, wenn Mutter und Sohn zusammenziehen bei dieser gestörten Beziehung? Jedenfalls nach deiner Schilderung.

    Geh in die Jugendpsychiatrie in der er behandelt wurde und sprich mit dem behandelnden Arzt, dort sollte es auch sowas wie einen Sozialdienst geben. Beraten, informieren, was du tun könntest und was der beh. Arzt/Therap. empfehlen würden.

    Wie gesagt melde es beim Jugendamt. Du kannst ja nur mal zur Beratung einlaufen. Aber der Junge muss in professionelle Hände.

    Der Hilfeschrei - Schlaftabletten - war ja unüberhörbar und ist offensichtlich.

    Gruß renje
     
  6. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Hallo Renje,

    ich denke auch, dass er in einer therapeutischen WG besser aufgehoben wäre, als bei seiner Mutter. Aber ich bin ja nur "Gastmutter". Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich Auskunft von den Ärzten erhalte und ich möchte seiner Mutter natürlich auch nicht in den Rücken fallen. ich bin mir sicher, dass sie ihren Sohn von Herzen liebt, aber sie hat einfach keinen Zugang zu ihm.

    Ich sehe das auch so, dass es ein großer Hilfeschrei war. Wenn er es ernsthaft hätte durchziehen wollen, hätte er sich nicht so plaziert, dass er zwangsläufig rechtzeitig gefunden wurde. Schlimm für mich war, zu sehen, dass er sich außerdem die ganzen Unterarme aufgeritzt hat, von oben bis unten, richtig tiefe Wunden. Ich hätte heulen können, als ich das sah. Dieses arme Kind muss sehr sehr gelitten haben.
    Wie gesagt, wir sind da auch in einer Zwickmühle. Seine Mutter möchte bestimmt nicht haben, dass wir die Ämter einschalten. Sie will ja noch nicht mal aufs Amt gehen und nach Mietzuschuss fragen, weil "sie es alleine schaffen will und niemandem auf der Tasche liegen möchte". Bitte, die Frau arbeitet ganztags, was hat das dann mit auf der Tasche liegen zu tun. Aber gut, muss sie selbst wissen.
    Ich habe schon das Gefühl, dass er sich bei uns wohlfühlt aber ich habe Angst, dass er irgendwann wieder eine depressive Phase bekommt und dann ? Dann haben wir die Verantwortung, wenn er sich wieder was antun will.
    Oh Mann, es ist wirklich nicht so einfach.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Meines Erachtens hat die Mutter die Aufsichtspflicht an die "Gastmutter" delegiert. Im ungünstigsten Fall wird die Mutter auch sie belangen.

    Die Mutter hätte die Entlassung verzögern oder so lenken können, dass der Bub in ein betreutes Wohnen kommt. Sie hat also wider besseren Wissens der Entlassung zugestimmt und delegiert nun die Verantwortung weiter.

    Sprich die Mutter an, dass dieses 14tägige Verschieben des Problems keine Lösung ist. Fordere sie auf, sich mit den Behörden in Kontakt zu setzen. Tut sie das nicht, dann musst du selber aktiv werden.
    Ich würde mich an deiner Stelle an das zuständige Jugendamt wenden- im Sinne des Kindes. Den Jungen kannst du da mitnehmen. Die Mutter muss nicht mitkommen. Du kannst dem Jugendamt auch anbieten, dass du die Pflegschaft übernehmen willst- mit allen Konsequenzen, nicht nur bezüglich der finanziellen Zuschüsse. Eine solcher Schritt will also gut überlegt sein.

    Auskünfte bei Ärzten kannst du derzeit nicht einholen. Du bist nicht erziehungsberechtigt. Das sollte dich aber nicht davon abhalten eine ambulante Nachbetreuung zu suchen, die garantiert empfohlen wurde. Hier eignet sich ein Psychiater. Er kann deinen Gast untersuchen und feststellen, wie es ihm derzeit geht und ob er weiter suizidgefährdet ist. Sollte es sich um eine depressive Episode handeln, kann er entsprechend medikamentös helfen.

    Eien deprssive Phase bei einem Kind oder Jugendlichen zu erkennen ist für den Laien nicht immer leicht. Hier gibt es oft andere Symptome als bei Erwachsenen.

    Wenn dir an dem Jungen etwas liegt, dann tu etwas für den Jungen. Egal was die Mutter denkt oder tut. Es geht einzig und allein um das Kind.

    Elisabeth
     
  8. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Hallo Elisabeth,

    danke für Deinen Beitrag.
    Glaubst Du, dass sie das wirklich getan hat ? Dass sie ein betreutes Wohnen hätte erreichen können ? Sie selbst hat gesagt, die Ärzte hätten ihn "einfach so" entlassen, da er nicht mehr suizidgefährdet sei und der nächste offene Therapieplatz sei erst im August oder September zu bekommen. Ich habe ihr das geglaubt.

    Wir haben sie schon mehrfach aufgefordert, die Behörden zu informieren. Sie will das nicht. Sie ist Rumänin und sagt, sie hätte es immer alleine geschafft, seit sie nach Deutschland gekommen ist und sie sei stolz darauf, die Ämter nicht zu brauchen. Ich kann ihr doch da nicht in den Rücken fallen ? Der leibliche Vater des Kindes zahlt keinen Unterhalt, sie sagt, das Jugendamt wüsste ja davon und würde sich da auch nicht drum kümmern, von daher will sie mit dem Jugendamt nichts zu tun haben.

    Wie kann ich denn herausfinden, ob eine ambulante Nachbehandlung empfohlen wurde ? Ich will das Kind jetzt nicht zum Psychiater schicken, er muss das doch auch wollen, oder bin ich da auf dem falschen Weg ? Ich war noch nie in so einer Situation, unser Kind hat GsD keine Probleme, jedenfalls keine großen, von daher sind wir wirklich ein wenig überfordert, was wir jetzt tun sollen.

    Natürlich liegt mir was an dem Jungen, sonst hätte ich ihn gar nicht erst bei mir aufgenommen. Wir würden ihn auch ganz aufnehmen, wenn er das will, aber es ist alles noch so frisch, ich will nicht in seinen Wunden wühlen, bevor sie nicht einigermaßen verheilt sind. Er tut mir von ganzem Herzen leid und ich finde, kein Kind der Welt sollte so leiden müssen, wie er es schon getan hat. Leider haben wir als Gastfamilie keinerlei Rechte.

    LG
    Dani
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei dem von dir beschriebenen Zustand des Jungen, dieser einfach so entlassen wurde. Zumal man offensichtlich in der Klinik davon ausgeht, dass eine Therapiebedürftigkeit besteht... vorausgesetzt, sei hat dir die Wahrheit gesagt.

    Gibt es einen Hausarzt, zu dem der Junge regelmäßig geht? Hat er einen Kinderarzt, der ihn kennt? Auch das wären mögliche Anlaufstellen für dich. Stell den Jungen wenn nicht anders dort vor.

    Wie weit ist sie denn mit der Wohnungssuche?

    Elisabeth
     
  10. USA-Frosch

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    Hallo Dani

    mach seiner Mutter klar, wo sie dieses "Ich will unabhängig sein" hingebracht hat; bzw. vielmehr ihren Sohn.
    Und so unabhängig kannn sie nicht gewesen sein, wenn sie es mehr als einmal zulässt, das ihr Sohn vom Stiefvater misshandelt wird.

    Da Plätze in Wg's oder auch in stationär geführte Einrichtungen rar sind, ist es zumeist so, das kein nahtloser Übergang erfolgt/erfolgen kann.
    Wahrscheinlich war er zur sogenannten Krisenintervention da, die läuft bis ca- 10-14 Tage.


    Beziehe klar Stellung und Position.Denn die Mutter kann es anscheinend nicht.
    Deshalb ist deren Wohl(fühlen) nebensächlich.
    Geh zum Jugendamt, wenn möglich mit deinem Ziehsohn.
    Geh zum sozialpsychiatrischen Dienst wie der Caritas und hole dir Infos, was du tun kannst,um den Jungen zu unterstützen.
    Geh mit ihm zu enem Psychiater, der evtl. Antidepressiva verschreibt, evtl. Entlasstungsgespräche anbietet oder zumindest auch beratend weiter helfen kann.

    Aber auch deine eigene Person benötigt Hilfe und Infos.
    Was sind deine Rechte/Pflichten
    Wo findest du Entlastung/Unterstützung
    Schau auch bei dir wo deine Grenzen sind.
    Du hast dich zwar zur Unterstützung bereit erklärt, aber du darfst auch das Gefühl der Überforderung haben und nicht weiter wissen und können.

    Wünsche dir und deinem Ziehsohn viel Kraft und alles Gute!

    Gruß von USA-Frosch
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Eine Krisenuintervention kann verlängert werden, wenn der Bedarf besteht. Und hier bestand m.E. ein Bedarf. Voruasgesetzt, dass der behandlende Doc genug Sensibiltät mitbringt. Das ist leider auch in psachiatrischen einrichtungen nicht immer der Fall. Oder warum gibt es keine ambulante Nachbetreuung, welcher Art auch immer?

    These: weil die Mutter dies alles nicht als nötig ansieht und glaubt, sie bekommt das alles selbst in Griff... ggf. mit der kurzzeitigen "Verschickung" des Jungen in eine andere Umgebung.

    Elisabeth
     
  12. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Oh danke, Ihr Lieben. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es doch soviele gibt, die mein bzw. unser Problem nachvollziehen können.

    Erstmal, seine Ärzte kennen wir natürlich nicht. Er ist ja bisher nur ein Schulfreund unseres Sohnes gewesen, der ihn ein paarmal besucht hat. Nur, als das passiert ist, haben wir ihn in der Klinik besucht, ich weiss nicht, ich hatte einfach das Gefühl, ich muss mal da hin und ihn "anschauen" und als der Bursche da so lang, dick verbunden, da er sich ja auch die Arme aufgeritzt hat und so blass und so total fertig, ich hätte ihn am liebsten in den Arm genommen. Ich glaube, das brauchte er einfach auch mal, ich denke, er hatte nie das Gefühl geliebt zu werden bzw. angenommen zu werden, so wie er eben ist. Er ist von Haus aus ruhig und sehr zurückhaltend, er ist kein Draufgänger, was sein Stiefvater wohl gerne gehabt hätte. Er ist leider auch kein Mädchentyp, da er starke Akne hat (die ich anstelle seiner Mutter mal schon längst hätte behandeln lassen), sprich sein Selbstwertgefühl ist praktisch nie vorhanden. Ich vergesse nie, als er mich im Krankenhaus aus großen Augen angeschaut hat und gesagt hat "ich hätte nie gedacht, dass mich jemand besucht, weil, ich bin doch allen egal". Ich hätte losheulen können. Wie kann man ein Kind seelisch so kaputt machen ? Ich könnte den Stiefvater am Hals packen und ihm sonstwas tun, sowas macht mich echt aggressiv.

    Also, wenn ich merke, dass sie die Situation ausnutzen will und für sich jetzt denkt, prima, da habe ich ihn ja gut geparkt, werden wir schon Klartext mit ihr reden. Er kann selbstverständlich bei uns bleiben aber dann muss sie mit zum Amt, denn dann will ich das, sofern der Junge das auch will, amtlich verfügt haben, so dass wir dann auch praktisch das Sorgerecht für ihn haben. Was ist, wenn er mal krank wird oder einen Unfall hat ? Ohne die Mutter geht da gar nichts, wir dürfen ja nichts entscheiden.

    Das Problem ist, wir ziehen in drei Monaten in ein anderes Bundesland. Wir würden ihn ja mitnehmen, unser Haus ist groß genug, ein Zimmer hätten wir für ihn aber das bringt ja aufgrund der räumlichen Entfernung wiederum Probleme mit sich.

    Angeblich sucht sie ja dringend eine Wohnung, allerdings ist ihr die eine zu groß, die andere zu klein, die dritte zu laut, die vierte im falschen Stadtteil, etc., was ich seltsam finde, mir wäre es doch egal, wo und wie die Wohnung ist, wenn sie einigermaßen bewohnbar wäre, würde ich sofort mein Kind wieder zu mir nehmen. Ich verstehe diese Frau gar nicht.

    Dani
     
  13. USA-Frosch

    USA-Frosch Senior-Mitglied

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    Hi Elisabeth

    ja, ich denke auch, das da die Mutter interveniert hat.
    Vielleicht wurde er auch gegen ärztlichen Rat entlassen.
    Schade ist, das die Ärzte nicht auf extreme Eigengefährdung gepocht haben und keine Unterbringung veranlasst haben.
    Aber ich weiß nicht, ob dies gegen den Willen der Mutter möglich ist :weissnix:
    In der Ku.J-Psychiatrie kenne ich mich nicht aus...
     
  14. renje

    renje Poweruser

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    Hallo dani,

    Mutter ist völlig egal, was diese macht oder nicht.

    Es geht hier ausschließlich um das Wohl des Kindes und nicht um Rücksichtnahme auf die Mutter.

    Wenn er auch noch Ritzt ist es höchste Zeit.

    Natürlich kannst du versuchen die beh. Ärzte zu befragen. Mehr wie sagen - Sie bekommen keine Auskunft geht ja nicht. Dann setze denen die Pistole auf die Brust, dass diese Tätig werden.

    Wenn nicht - In etwa: Der Junge braucht dringend Hilfe, wenn sie jezt nichts Unternehmen und etwas passiert werde ich Anzeige erstatten wegen unterlassener Hilfeleistung - geben Sie mir ihren Namen am Besten mit Zeuge. Wirkt oft Wunder.

    Gruß renje
     
  15. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

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    Egal wie es ausgeht, ich finde es toll dass du dich so für den Jungen einsetzt und wünsche dir viel Kraft für die folgende Zeit. Mich würde auf jeden Fall interessieren wie es weitergeht. Kann dir leider keine Tipps geben, da ich mich mit dem Thema nicht auskenne.
     
  16. Anne77

    Anne77 Stammgast

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    Wenn ich das ganze hier so lese, kann und muss ich mich meinen Vorredner anschließend, die dir geraten haben, das Jugendamt einzuschalten. Ich kann auch nicht verstehn, wie viele meine Vorredner es auch angedeutet haben, das der Junge einfach so entlassen wurde. Ich kann mir gut vorstellen und das interpretiere ich für mich aus deinen "Zwischenzeilen", das die Mutter dir nur die halbe Wahrheit sagt. Das spricht schon für sich, als du geschrieben hast, das Sie an jeder Wohnung etwas auszusetzten hat.
    Vielleicht kannst du ja mit den Jungen dein Vorhaben, das aufsuchen des Jugendamtes, besprechen. Zumindest fühlt er sich vielleicht sicherer und nicht hintergangen. Du kannst ihm ja vielleicht auch das Angebot unterbreiten, das ihr ihn aufnehmen wollt. Ich glaube auch, du hast seiner Mutter genug Zeit gegeben, einige Dinge in Ordnung zubringen. Jetzt ist es an der Zeit zuhandeln und nicht mehr Rücksicht walten zulassen. Wie bereits von vielen hier erwähnt, es geht vom das Wohl des Kindes und nicht um das Wohl der Mutter.

    Mal was ganz anderes, wie kommt denn dein eigender Sohn mit der ganzen Situation zurecht???? Steht er denn auch hinter deinen Absichten???? Wenn ja, hat er vielleicht einen besseren Zugang zu seinem Freund als du. Dann bespricht doch mal dein Vorhaben mit ihm und fragt deinen Sohn, was sein Freund davon halten könnte/würde bzw auf er das so überhaupt möchte.

    Ich wünsche dir auf deinen Weg viel Kraft und alles erdenklich gute. Vieles wird sicherlich nicht einfach werden, ganz besonders dann, wenn die Mutter mitbekommt, das du mehr tust, als ihren Sohn zwischen zuparken (Entschultige bitte diese Wortwahl, aber genau so kommt es für mich rüber).
    Setz dich für dein Gewissen durch, es geht hier ja schließlich um Kind, das offensichtlich Hilfe dringend benötigt.

    Ich möchte dir auch an dieser Stelle noch meinen Respekt zollen, denn das was du bisher getan hast und noch tuen wirdst, ist nicht Selbstversändlich.

    lg anne
     
  17. Dani123

    Dani123 Newbie

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    Guten Morgen,

    sie hat gestern abend noch angerufen und gemeint, sie hätte wohl eine Wohnung gefunden, allerdings müsse sie noch verschiedene Papiere vorlegen, u.a. Gehaltsnachweise, die sie aber nicht hat, weil ihr Lebensgefährte, bei dem sie ja arbeitet, ihr das Geld immer einfach überwiesen hat und sie nie einen Gehaltsnachweis gesehen hat. Meines Erachtens ist die gute Frau ein wenig weltfremd. Ich möchte doch sehen,was ich verdiene. Nun ja, wenn das also alles klappen sollte, will sie die Wohnung nehmen, obwohl sie ihr nicht 100%ig zusagt. Das alles sollte bis nach Ostern über die Bühne gegangen sein.
    Der Junge freut sich natürlich sehr darüber. Hoffen wir mal, dass sie die Versprechen auch einhält.

    Mein Sohn sieht das alles sehr gelassen, ich habe kurz mit ihm sprechen können. Auch ihm tut der Bub einfach nur leid und auch er will ihm helfen, außerdem findet er es, glaube ich, "cool" einen Zimmergenossen zu haben.

    Ich werde der Mutter nochmals "wärmstens" ans Herz legen, das Jugendamt einzuschalten. Wir haben gestern seine Arme und Beine kontrolliert, also ritzen tut er derzeit nicht, Gott sei Dank. Er war gestern abend auch das erste mal richtig fröhlich und hat mal mehr als drei Worte geredet. Anscheinend freut er sich doch sehr auf das Zusammenleben mit seiner Mutter. Verstehe ich ja auch, auch wenn sie sich nicht kümmert, eine Mutter bleibt eine Mutter. Und da er es ja auch nicht anders kennt, fällt ihm das meine ich gar nicht so auf, dass sie nicht wirklich für ihn da ist.
    Wir werden die Sache aber auf jeden FAll weiter beobachten und wenn ich merke, dass da Gefahr im Verzug ist, werden wir auf jeden Fall auch handeln. Das, was da geschehen ist, darft nicht mehr passieren.

    Dani
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kontrolle ist net so gut, weil du damit eine Handlung, die du eigentlich nicht willst, aufwertest. Du gibts Beachtung und Zuwendung und verstärkst damit das Verhalten.

    Dieses Ritzen hat ja eine Funktion. Es dient dem Abbau von innerer Spannung. Ein Laie kann hier wenig ausrichten.

    Elisabeth
     
  19. Dani123

    Dani123 Newbie

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    O.k. vielleicht war Kontrolle hier das falsche Wort. Wir haben es ganz unverfänglich gemacht, indem wir über Körperbehaarung ganz allgemein gesprochen haben, mein Mann hat dann sein Bein vorgezeigt, unser Sohn auch und er wollte dann seine Haare auch zeigen und hat die Hosenbeine hochgekrempelt. Und so konnten wir dann alle sehen, dass er sich an den Beinen nichts getan hat und er hat es nicht gemerkt.
    Habe mich vielleicht da ein wenig mißverständlich ausgedrückt.
     
  20. dieEv

    dieEv Poweruser

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    OP
    Vielleicht könntest du dir von der Mutter eine Art Vollmacht schreiben lassen, dass du in der Zeit seines Aufenthaltes die Verantwortung für ihn übernimmst. Damit ihr abgesichert seid und du mit ihm z.B. auch zum Arzt gehen könntest.

    Für mich hört sich das, wie du dich kümmerst, so gut an, dass mir scheint, er ist bei euch besser aufgehoben als bei seiner Familie. Bestimmt ist es gut für ihn, wenn er weiß, dass er bei dir immer eine Anlaufstelle hat.

    Fragst du ihn manchmal direkt, wie er sich vorstellt, dass es weitergeht?
     
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