Wie ensteht ein Dekubitus?

Ja, hier sind die ganzen Risikofaktoren gemeint, die aufgezählt wurden. Für die Komponente Druck würde da z.B. das zu große Körpergewicht passen. Oder etwa nicht?
 
Ich bin mir nur nicht sicher ob KrankenBro mit Disposition nicht was anderes meint, nach seinem Beitrag.
Hört sich für mich so an, als ob er Dispostion mit schlechter Positionierung übersetzt.
 
So wie ich das im Kopf habe sind Adipositas sowie Kachexie ein Risikofaktor. Bei Adipositas hast du Druck auf eine größere Fläche, bei Kachexie an wenigen Punkten, dafür stärker
 
Das setzt voraus, dass primäre Schädigung in der gefäßführenden Schicht erfolgt.
Der Druck, der mindestens zwei Stunden in einer Stärke von mind. 25mmHg wirkt, bewirkt, dass die obere Hautschicht zusammengedrückt wird. Dadurch werden dann die Blutgefäße komprimiert, weil die obere Schicht Druck auf sie auswirkt. ....
*g* Die Komprimierung der Gefäße bringt das Problem laut deiner Aussage. Dabei spielt die Dicke der darüberliegenden Epidermis erst mal keine Rolle. Sie ist so dünn, dass sie net dämpfen kann.

Warum bekommt ein gesunder Mensch keinen Dekubitus, wenn er längere Zeit auf einer harten Unterlage sitzt? Tipp für einen Selbstversuch: mal drauf achten, wann man den "Zwang" verspürt, sich bewegen zu müssen.
Auf der Grundlage: Welche neurologischen Erkrankungen gibt es? Und welche Auswirkungen haben diese auf die Wahrnehmungsfähigkeit? Um welche Medikamente mag es sich handeln, die relevant sind für die Dekubitusentstehung?

Zum Gewicht. Nette Berechnungsversuche. *g* Aber was bedeutet das nun für die Praixs. Wer ist mehr gefährdet einen Dekubitus zu bekommen wenn man davon ausgeht, dass die weiteren Dispositionspunkte identisch sind? Pat. mit einem Normgewicht? Pat. der untergewichtig ist? Oder jemand mit einer Aidpositas? Was ist bei Pat. mit einer Adipositas per magna?

Zu den 2 Stunden- kann ein Dekubitus nur entstehen, wenn die Druckeinwirkung mindestens 2 Stunden anhält? War das net so, dass diese Ansicht heut als überholt gilt?

@Eisenbart- schau mal bei Tante wiki vorbei. Die erklärt am besten, warum ich den begriff Ekzem verwende und net Dematitis.

Elisabeth
 
Zu den 2 Stunden- kann ein Dekubitus nur entstehen, wenn die Druckeinwirkung mindestens 2 Stunden anhält? War das net so, dass diese Ansicht heut als überholt gilt?
Also, so lautete die Ansicht noch nie. Die zwei Stunden galten als das empfohlene Intervall zur Lagerung bei der Dekubitusprophylaxe, aber ich habe noch nie gehört, dass eine Prophylaxe (egal welche), korrekt durchgeführt, immer zum Erfolg führt.
 
@elisabeth: so ein zufall - das wollte ich dir gerade ebenfalls empfehlen.

wir können uns aber sicherheitshalber einfach gleich auf dermatose einigen. ;)
 
Gur- damit wir weiter kommen, einigen wir uns auf entzündliche Veränderung der Haut infolge Inkontinenz, gekennzeichnet durch Verlust von Anteilen der Epdermis infolge Mazeration und Reibung. *g*

Oder noch besser: fragen dir die Derma-Fachkräfte, wie sie es nennen.

Elisabeth
 
noch kein verlust. aber functio laesa & tumor verstärken zum einen den druck auf die gefäße und zum anderen dessen folgen.
 
Narde 2003-Danke für die Aufklärung und Entschuldigung an Eisenbarth. Mir war die Krankheitsbezeichnung net bekannt. Ich kannte nur die Beschreibung der Symptome
Ich erlaube mir, einen neuen Thread zu diesem Thema aufzumachen.

Die Frage, die aber bleibt- stellt das Entzündungsödem zusätzliches Dekubitusrisiko dar? Meint: ist die Schwellung so relevant, dass sie zu einem signifikant schnelleren Verschluss der Kapillaren kommt. Oder liegt das Problem woanders? z.B. in der erhöhten Durchblutung des Bereiches? Aktuell diskutiert man ja, ob der Dekubitsu die Folge eines Reperfusionsschadens? Hier kommt eine verstärkte Durchblutung des Gewebes bekanntlich gar net so gut.

Elisabeth
 
Zum Gewicht. Nette Berechnungsversuche. *g* Aber was bedeutet das nun für die Praixs. Wer ist mehr gefährdet einen Dekubitus zu bekommen wenn man davon ausgeht, dass die weiteren Dispositionspunkte identisch sind? Pat. mit einem Normgewicht? Pat. der untergewichtig ist? Oder jemand mit einer Aidpositas? Was ist bei Pat. mit einer Adipositas per magna?
Was das bedeutet, hatten wir doch schon zu Anfang geklärt. Das bedeutet, dass sowohl Pat. mit Adipositas (per magna) als auch Pat., die kachektisch sind, stärker gefährdet sind, einen Dekubitus zu kriegen.
Warum bekommt ein gesunder Mensch keinen Dekubitus, wenn er längere Zeit auf einer harten Unterlage sitzt?
Ganz einfach deshalb, weil ein gesunder Mensch niiiemals über so lange Zeit absolut unverändert auf einer Stelle sitzen kann, dass es zur Entstehung eines Dekubitus kommen könnte. Man macht ja immer Mikrobewegungen.
Auf der Grundlage: Welche neurologischen Erkrankungen gibt es? Und welche Auswirkungen haben diese auf die Wahrnehmungsfähigkeit?
Gut, ich muss gestehen, dass ich mich damit im ersten Lehrjahr nicht so sehr auskenne. Ich vermute einfach, dass Sensibilitätsstörungen gemeint sind. Bzw. kann z.B. nach einem Apoplex ja auch eine Hemiplegie vorliegen, dann spürt man da ja auch nichts mehr. Oder die neuromuskuläre Übertragung funktioniert nicht richtig.
Um welche Medikamente mag es sich handeln, die relevant sind für die Dekubitusentstehung?
Keine Ahnung, ich denke ganz einfach an verschiedene Psychopharmaka, Haloperidol, Diazepam. Medikamente, die ruhig stellen oder eben starke Schmerzmittel (BTM).
Zu den 2 Stunden- kann ein Dekubitus nur entstehen, wenn die Druckeinwirkung mindestens 2 Stunden anhält? War das net so, dass diese Ansicht heut als überholt gilt?
Das kann ich dir nicht sagen, ich schätze mal, dass es sich nicht um genau zwei Stunden handeln muss, das wäre ja Schwachsinn. Nach einer Stunde und 59 Minuten entsteht noch keiner und eine Minute später geht es los. Nein, das nicht, aber vllt. kann man die 2 Stunden als Richtwert sehen.
 
Zwischen Adipositas und Adiopositas per magna besteht schon ein Unterschied. Während die erste Gruppe das zuviel an Masse noch als Polsterung nutzen kann, hat die zweite das Problem, dass das Gewicht die Polsterwirkung wieder aufhebt.

Man bewegt sich ständig. Man will mal beobachtet haben, dass man ca. 10 größere Bewegungen, die einem bewusst werden, und ca. 50 unbewusste Mikrobewegungen pro Stunde macht, wenn man auf einem unbequemen Holzstuhl sitzt. Das dürfte zwar wenig repräsentativ sein- aber bei dem einen oder anderen ungefähr stimmen. Der Mensch bewegt sich, weil der Körper entsprechende "Schmerzsignale" weitergibt. Wenn du es selber ausprobierst, dann wirst so etwas, wie ein Brennen warnehmen.

Bei den neurologischen Erkrankungen geht es zum einen um die Paresen und Plegien. Sie betreffen Bewegungsfähigkeit und Wahrnehmung. Außerdem gibt es Erkrankungen die nur die Sensibilität beeinflussen- z.B. Polyneuropathie.

Neben den sedierenden udn schmerlindernden Medikamenten gibt es auch Medikamente, die bei einer ausgeprägten lebensbedrohlichen Hypotonie einsetzt. Diese bewirken eine Verengung der Gefäße in der Peripherie. Folge: niedrigerer Druck in den Kapillaren- leichter komprimierbar >>> Dekurisiko steigt.

Die 2 Stunden in der Dekubitusprphylaxe gehen angeblich auf F. Nightingale zurück, Sie brauchte ca. 2 Stunden um sich einmal durch den Saal "zu kämpfen" udn alle Verwundeten umzulagern. Es fiel auf, dass damit die Hautprobleme weniger wurden. Wissenschaftlich gesehen, ist es unmöglich festzulegen, wie lang die Gewebetoleranz für den Hautbereich ist. Je nach Disposition kannst du schon nach weniger als 30 min eine Schädigung erwarten. Deshalb kam man auf die Idee mit den Antidekubitusmatratzen.

Muss man eigentlich den Pat./Bew. auf einer ADW auch lagern? Und wenn ja- warum?

Elisabeth
 
Na dann war doch alles richtig, was ich gesagt habe. Dass die 2h auf Florence Nightingale zurückgehen, habe ich auch schon gehört. Die Dame mit der Lampe hat ja allerhand für die britischen Verwundeten auf Krim getan und hatte nebenbei auch noch umfassende mathematische Kenntnisse, was will man mehr.
Machen wir hier eigentlich eine Fragestunde? :D
Natürlich muss man Pat. auch auf einer Antidekubitusmatratze lagern. Warum?-Weil der Auflagedruck, der vom Pat. auf den Untergrund ausgeübt wird, ja dennoch da ist. Die Matratze kann ihn zwar besser verteilen, aber nicht ganz verschwinden lassen. Und die Auflagepunkte sind ja dennoch dieselben. Außerdem ist es für die Pat., die eine solche Matratze benötigen (weil sie sich selber nicht mehr ausreichend bewegen können) sicherlich unschön, 24 Stunden am Tag dasselbe zu sehen. Dabei verliert man ja auch jegliche Orientierung.
 
Ich hatte dich so verstanden, dass der Deku erst nach 2h entsteht.

Fragestunde.... Fragen regen zum Nachdenken an.

Du lagerst net nur zur Dekubitus- bzw. Habituationsprophylaxe sondern auch zur Pneumonieprophlaxe. Eine Maßnahme und gleich drei Prophylaxen erledigt- wenn das nix ist.

Elisabeth
 
Kontrakturprophylaxe macht man dann ja auch gleich noch mit, wenn die Gliedmaßen und damit auch die Gelenke mal in eine andere Position gebracht werden. So, genug theoretisch "nachgedacht", beim Arbeiten sollte man sowieso hin und wieder mal seine Arbeitsschritte reflektieren und evaluieren.
 
War nett mit dir zusammen nachzudenken. *g* Hast auch mein Wissen wieder aufgefrischt. Danke.

Elisabeth
 

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