Was macht eine gute Praxisanleiterin aus?

Anni990

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Hallo meine Lieben,
Ich arbeite seit nun 1 1/2 Jahren auf meiner Station. Durch blöde Umstände übernehme ich seit gewisser Zeit dir Aufgabe der Praxisanleiterin, obwohl ich die Weiterbildung erst ende des Jahres mache. Das bedeutet, ich habe nicht ein bisschen Erfahrung. Das mache ich auch wirklich gerne und gebe mir Mühe, ich weiß noch von meiner Ausbildungszeit wie wichtig ist es, eine Ansprechpartnerin zu haben und gut mit ihr klar zu kommen.
Aber wie bereit geschrieben, wenn man es mal so sieht habe ich ja echt keine Ahnung von dem was ich da mache. Ich versuche mir immer wieder Feedback von den Auszubildenen zu holen. Aber diese sind meist sehr eintönig wie „du warst echt gut“. Hilft mir natürlich nicht weiter. Und negatives wird sowieso gerne verschwiegen. Ich habe auch leider niemanden an dem ich mich mal halten könnte, da keine Praxisanleiterin da ist.. Jetzt würde ich euch gerne Fragen: was macht für euch eine gute Praxisanleiterin aus? Habt ihr Beispiele für eine gute Erklärung, im Umgang etc.? Klar kann ich mich an meine Ausbildungszeit zurück erinnern aber das ist ja alles nur meine Meinung. Ich würde gerne mal ein paar andere hören.
 

Martin H.

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Hallo Anni,
finde ich gut, daß Du Dich da reinkniest und Dich dafür interessierst! :-)
Die Arbeit mit Schülern ist immens wichtig und wird häufig unterschätzt.
Aber wie bereit geschrieben, wenn man es mal so sieht habe ich ja echt keine Ahnung von dem was ich da mache. Ich versuche mir immer wieder Feedback von den Auszubildenen zu holen. Aber diese sind meist sehr eintönig wie „du warst echt gut“. Hilft mir natürlich nicht weiter. Und negatives wird sowieso gerne verschwiegen.
Ja, das ist so. Du darfst nicht vergessen, daß die Schüler ja von Dir und Deiner Beurteilung abhängen und daher Angst vor etwaigen Folgen negativen Feedbacks haben. Daher ist in dem Zusammenhang ein anonymes Feedback oft sinnvoller (machen Dozenten/Lehrer z. B. gerne). Bei Dir auf Station wenig praktikabel.
Ich habe auch leider niemanden an dem ich mich mal halten könnte, da keine Praxisanleiterin da ist..
Wie schaut es denn mit den Nachbarstationen aus, gibt es dort jemanden zum fragen?
Oder die Schule, kannst Du da nicht mal Kontakt aufnehmen? Die Lehrkräfte sind ja Profis. :wink1:
Bei uns gab es damals regelmäßige Anleitertreffen, da trafen sich Anleiter (egal ob Praxisanleiter, Mentoren oder Leute ganz ohne Weiterbildung) sowie Schulleiter zum Informationsaustausch.
Es ist ja auch für die Stationen immens wichtig, zu erfahren, was die Schule verlangt, was neu ist etc.
Da sind die Anleiter sozusagen die Verbindungsleute und Multiplikatoren.
Jetzt würde ich euch gerne Fragen: was macht für euch eine gute Praxisanleiterin aus? Habt ihr Beispiele für eine gute Erklärung, im Umgang etc.?
Uff. Das ist nicht einfach mal so nebenbei erklärt, daher ist die WB ja ziemlich umfangreich.
Vielleicht als kleine Tips:
Kritik am Schüler immer sachlich, nie persönlich üben. Also den Schüler nicht runterputzen, sondern ihm sachliche Fehler aufzeigen. Noch besser ist, wenn er/sie selber drauf kommt. Daher macht man ja nach den Anleitung normalerweise ein sog. Reflektionsgespräch und fragt "Was ist gut gelaufen?", "Was ist weniger gut gelaufen?", "Was hätte ich beser machen können?"
Dann ist es noch gut, die unterschiedlichen Lernkanäle zu berücksichtigen. Der Mensch merkt sich den Lernstoff über verschiedene Lernkanäle unterschiedlich gut: Beim reinen Zuhören meist am schlechtesten, beim Mitschreiben z. T. besser, noch besser wenn er sich das Wissen selbst erarbeiten muß (daher ja auch das Konzept der Gruppenarbeit!).
In der Praxis schaut das so aus, daß sich die Leute z. B. vom reinen Zuschauen Dinge schlechter merken, als wenn sie sie selber tun. Daher bringt es nichts, dem Schüler alles vorzuführen und hinterher zu erwarten, daß er nun "alles weiß".
Soll er /sie doch mal nur zuschauen, kann man ihm/ihr vorher ggf. sagen, worauf genau zu achten ist ("Achte doch mal, wie ich das Verbandsmaterial anfasse!" etc.).
Ansonsten gibt es auch einiges an Literatur zur Praxisanleitung, wenn Du Dich mal belesen willst, z. B.
Spielend anleiten und beraten - 9783437268830 | Elsevier GmbH
(das war jetzt nur EIN Beispiel! Gibt auch die Mamerow, aber das finde ich doch recht theoretisch:
Praxisanleitung in der Pflege von Ruth Mamerow | ISBN 978-3-662-57284-9 | Fachbuch online kaufen - Lehmanns.de )


Viel Erfolg, und mach Dich nicht verrückt! 8-)
 

Neuromaus

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was macht für euch eine gute Praxisanleiterin aus?
In kurzen Stichworten:
  • eigene Fachkompetenz
  • Bereitschaft, sein eigenes Handeln zu hinterfragen und ggf. anzupassen (Stichwort lebenslanges Lernen)
  • Geduld
  • Konsequenz und manchmal auch die notwendige Strenge (bei manchen Schülern, nicht bei allen)
  • gute Beobachtungsgabe
  • Fähigkeit, andere zu motivieren und zu bestärken (gerade bei unsicheren Schülern, die eigentlich gut sind, sich aber zu wenig zutrauen)
  • Fähigkeit, Stärken und Schwächen zu erkennen und gezielt zu fördern, ohne zu überfordern
  • gute Feedback-Kompetenz (immer auch Stärken nennen, negative Kritik sachlich, freundlich und konstruktiv äußern)
  • Fähigkeit, Probleme lösungsorientiert zu besprechen
Das sind jetzt natürlich nur grobe Schlagworte, sehr allgemein formuliert. Wenn du bei irgendwas Nachfragen hast, wie ich das meine, gerne Rückmeldung.

Und zu dem, was @Martin H. geschrieben hat, fällt mir nur noch ein Spruch ein, den ich in meinem ersten Praxiseinsatz von der Praxisanleiterin auf einer Karte bekommen habe:
Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.

Ich habe leider auch keine Praxisanleiterfortbildung/-weiterbildung. Da wir keine eigene Schule haben, sondern nur Schüler von extern bekommen, darf nicht mehr als eine Pflegekraft pro Station die Weiterbildung machen, und es hat eben schon eine Kollegin sie gemacht. Aber ich mache trotzdem sehr gerne Anleitung und würde auch behaupten, dass es nicht soooooo schlecht sein kann, weil viele Schüler von sich aus fragen, ob sie bei mir mitkommen dürfen. Freut mich natürlich, aber manchmal muss ich es im Sinne der Schüler leider ablehnen bzw. darauf hinweisen, dass es sinnvoller wäre, bei einer anderen Kollegin mitzugehen, wenn andere Kollegen einfach "interessantere Patienten" und interessantere Tätigkeiten in dem Dienst haben.
 
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Bachstelze

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Warum nicht nach dem Examen um Rückmeldung und konstruktive Kritik bitten?
 

Neuromaus

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Was ich in Bezug auf ehrliches Feedback von Schüler an Praxisanleiter ganz gut finde, ist das System, was wir in der Ausbildung für die Bewertung externer Dozenten hatten. Am Ende eines Blocks wurde in der Schule ein Bewertungsbogen ausgeteilt, auf dem jeder Schüler anonym seine Kritik in Bezug auf die Unterrichtsqualität der externen Dozenten abgegeben hat. Ein paar Kriterien zum Ankreuzen und etwas Platz, um seine persönlichen Pro und Contra Argumente aufzulisten. Sowas könnte ich mir für das Feedback an Praxisanleiter auch ganz gut vorstellen. Natürlich kann es mal sein, dass in einem Block nur ein Schüler auf einer Station war, und dann war's das mit der Anonymität, aber man könnte die Bögen in der Schule sammeln und nur einmal im Jahr an die Praxisanleiter weiterleiten. Dann ist es nur noch schwer möglich, Rückschlüsse auf den Verfasser des Bogens zu ziehen.
 

-Claudia-

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man könnte die Bögen in der Schule sammeln und nur einmal im Jahr an die Praxisanleiter weiterleiten. Dann ist es nur noch schwer möglich, Rückschlüsse auf den Verfasser des Bogens zu ziehen.
Dann ist es aber auch unmöglich, nachzuvollziehen, was da los war. Und das ist nicht gut.

Ein Beispiel: Ein Schüler beschwerte sich zeitnah bei der Schule, dass eine vereinbarte Anleitung nicht durchgeführt worden war. Die Schule nahm deshalb Kontakt zur Station auf. Es stellte sich heraus, dass im fraglichen Zeitraum eine Reanimation stattfand und dies als wichtiger als die Anleitung gewertet wurde - eine Ansicht, der sich die Schule vollumfänglich anschloss ;). Nach einem Jahr hätte sich daran niemand mehr erinnern können.
 

Neuromaus

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Das stimmt natürlich. Solche Fälle müssen natürlich zeitnah besprochen werden. Ich meinte eher das allgemeine Feedback. Sowas wie die Fragen, die sich @Anni990 stellt in Bezug darauf, ob ihre Erklärungen in der Anleitung gut sind, ob der Umgang mit den Auszubildenden grundsätzlich angemessen ist etc.

In dem o.g. Fall mit der Reanimation wäre es allerdings von Seiten der Station auch sinnvoll gewesen, im Anschluss, wenn die Reanimation (hoffentlich erfolgreich) beendet ist und die Lage sich wieder normalisiert hat, den Schüler darüber zu informieren, warum seine geplante Anleitung nicht stattfinden konnte. Oder wenn es in dem Dienst nicht mehr möglich ist oder man es in der Situation schlicht und einfach vergisst (bei Reanimation vollkommen nachvollziehbar), dann zumindest am nächsten Tag. Dann hat man als Schüler auch Verständnis dafür, kann versuchen, evtl. einen neuen Termin zu finden, und die Situation ist geklärt. Keine Beschwerde, kein versteckter Ärger eines Schülers, der sich nicht getraut hat, sich zu beschweren, kein Misstrauen eines Schülers, der die Erklärung im Nachhinein vielleicht nicht mehr glaubt, sondern als Ausrede auslegt.
 
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-Claudia-

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In dem o.g. Fall mit der Reanimation wäre es allerdings von Seiten der Station auch sinnvoll gewesen, im Anschluss, wenn die Reanimation (hoffentlich erfolgreich) beendet ist und die Lage sich wieder normalisiert hat, den Schüler darüber zu informieren, warum seine geplante Anleitung nicht stattfinden konnte. Oder wenn es in dem Dienst nicht mehr möglich ist oder man es in der Situation schlicht und einfach vergisst (bei Reanimation vollkommen nachvollziehbar), dann zumindest am nächsten Tag. Dann hat man als Schüler auch Verständnis dafür, kann versuchen, evtl. einen neuen Termin zu finden, und die Situation ist geklärt. Keine Beschwerde, kein versteckter Ärger eines Schülers, der sich nicht getraut hat, sich zu beschweren, kein Misstrauen eines Schülers, der die Erklärung im Nachhinein vielleicht nicht mehr glaubt, sondern als Ausrede auslegt.
Dein Wort in Gottes Gehörgang. Der Schüler war doch während des Zeitpunkts der Reanimation auf Station!
 

Neuromaus

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Stimmt. Klar, auf Station gewesen sein muss er, wenn er Anleitung hätte haben sollen. Ich bin jetzt natürlich davon ausgegangen, dass er das nicht mitbekommen hat, weil er andere Aufgaben hatte. Das wäre verdammt krass, wenn ein Schüler mitbekommt, dass reanimiert werden muss und in so einer Situation eine Beschwerde vom Stapel lässt wegen der ausgefallenen Anleitung. Das konnte ich mir einfach gar nicht vorstellen, dass jemand so drauf ist.8O:oops:
 

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