Pflegeintensive und pflegearme Bereiche/Stationen

sea

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08.03.2021
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Azubine zur Pflegefachfrau
Akt. Einsatzbereich
Unfallchirurgie
Ich fände es mal interessant, einen Überblick über die verschiedenen Abteilungen zu haben.

Also ich meine jetzt tatsächlich, wo wird viel Grundpflege betrieben, wo wird viel gelagert, wo steht die Medizin im Vordergrund?

'Ganz links' auf dem Strahl, sprich, am pflegeintensivsten, würde ich ein klassisches Pflegeheim einordnen, ganz spontan. Eher sehr viel Grundpflege usw., Medizin nur sehr eingeschränkt. Die meisten Stationen werden sich wohl irgendwo im Mittelfeld aufhalten, ich vermute, ganz am Ende des Strahls stünden Psychiatrie und Bereiche wie Dialyse?

Habt ihr Lust da eure Erfahrungen mal zu teilen und davon zu erzählen? Die Anforderungen sind je nach Abteilung ja ganz andere. Wo spielt eher klassische Pflege eine Rolle, wo eher medizinisch/technisches Zeug?
 
Es kommt auf die Patienten an. Psychiatrie kann auch pflegeintensiv sein, zum Beispiel die Geriatrie, die Neurologie oder, meine Schwester hat auf einer Station für Langzeitplakatabhängige gearbeitet, die waren sehr pflegeaufwendig, hatten viele schlecht heilende Wunden, saßen im Rollstuhl waren teilweise auch HIV positiv etc.
Innere ist meistens sehr pflegeintensiv, aber auch die meisten chirurgischen Stationen. Kommt wie gesagt auf das Patientengut an.
 
In der Viszeralchirurgie erlebe ich deutlich weniger Hilfe bei der Körperpflege als auf der Palliativstation, wo ich zuvor lange Jahre gearbeitet habe. Auch Lagern muss ich weniger häufig, viele der Patient:innen sind zumindest eingeschränkt mobil. Dafür gibt es auf der Chirurgie natürlich deutlich mehr Verbände, Drainagenversorgung, Atemtherapie, Mobilisation usw.
 
Ich kenne es so, dass auch da viele sehr Pflege und hilfsbedürftige Patienten gibt, auch Leute mit Demenz, aber die bekommen oft nicht die Hilfe, die sie brauen würden weil ja immer auch das OP Programm läuft.
Viele bräuchten Hilfe bei der Körperpflege, weil sie es nicht selbst können und wenn sie wegen Komplikationen auf Intensiv kommen stellen wir das dann fest. Liegt aber auch an der ständigen Unterbesetzung...
 
Ich bin in der Anästhesie. Wir haben verhältnisgemäß wenig Grundpflegerische Tätigkeiten. Unterstützung beim Ausscheiden dafür recht viel. sehr viele müssen PostOp eben pullern. Bei uns steht die Medizin mehr im Vordergrund. Viel Reanimationen, Schockraum, Notfallversorgung, Medikamente, BGA, Transfusionen, Blutprodukte, Ausgleich Elektrolythaushalt etc. IMC/ITN. Aber auch sehr viel Frühmobilisation und Atemunterstützung/Training im Aufwachraum. Gerade da lernt man viel über Frühmobilisation, dem Zusammenhang der Atmung und Atemunterstützende Lagerung
 
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Anästhesie interessiert mich leider überhaupt nicht und die Aufwachraum-Dienste in der Fachweiterbildung habe ich gehasst!
 
In der Notfallambulanz musste ich nicht ein einziges mal jemanden waschen, falls jemand dagegen eine Abneigung hat. :wink:
Dann warst du entweder nicht lange genug da oder du hattest Glück.
Ich habe zwar selten, aber immerhin schon ein paar Pat gewaschen, wenn sie eingekotet waren, sich übergeben haben und es bis in die Socke gelaufen ist oder wenn Pat nach drei Tagen mit Liegetrauma aus der Wohnung geholt werden....
 
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Da kann ich Malu nur zustimmen, ich freue mich, wenn es die Kollegen der ZNA schaffen, einem Patienten das Inkontinenzmaterial zu wechseln und dabei auch mal einen nassen Lappen in die Hand zu nehmen. Es ist zutiefst unwürdig, hilflose Patienten stundenlang in Urin und Kot liegenzulassen, und höchst unkollegial, sie dann so auf Station zu schicken. Körperpflege darf auch in einer ZNA kein Fremdwort sein!
 
Ohje, nicht wieder hier Vorverurteilen.

Es gab: Feuchttücher, Inkontinenzmaterial und Flügelhemden.
Es gab nicht: Waschlappen, Waschschüsseln, Handtücher.

Grundpflege mit Waschen von Kopf bis Fuß auf der Liege war dort schlichtweg nicht möglich und das meine ich.
Nur sorry, dass ich unpräzise war.
 
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Ohje, nicht wieder hier Vorverurteilen.

Es gab: Feuchttücher, Inkontinenzmaterial und Flügelhemden.
Es gab nicht: Waschlappen, Waschschüsseln, Handtücher.

Grundpflege mit Waschen von Kopf bis Fuß auf der Liege war dort schlichtweg nicht möglich und das meine ich.
Nur sorry, dass ich unpräzise war.
Kurze Frage: warum gibt es das bei euch nicht? Bzw. warum macht ihr das nicht? Brauchen die Pat. wirklich keine Grundpflege? oder waren die Pat. bei euch nicht so lang in der NA?

Die Notaufnahmen die ich kenne und in denen ich selber gearbeitet hatte, hatten alle so etwas und war auch nötig. Also ich hab sogar Pat. in der Notaufnahme geduscht. sogar auf der Trage. Hatten eher das Problem das man echt aufpassen musss das einem der Pat. nicht von der Trage flutscht. Und die Dusche finde ich jetzt nicht selbstverständlich. Aber ne Schüssel, Waschlappen und Handtuch zu besorgen ist ja jetzt kein Wunderwerk.

Also bei mir kamen häufiger Pat. an die wirklich von Kopf bis Fuß mit dem Druckreiniger hätten gewaschen werden müssen. Und diese haben sich auch waschen lassen. Von Obdachlosen die einfach gemieft haben, über den total verwahrlosten Messi und dem 5 Tage Liegetrauma, Kampfer die von oben bis unten eingeschi.ssen. Auch Mundpflege, Zähne putzen etc. wurde alles gemacht wenns nötig war. Manch ein Pat. aus dem Pflegeheim, oder privater Pflege war froh das sich da endlich mal einer gekümmert hat. Plaque wie Käsekuchen und Borken wie Popel im Mund.

Haben wir auch im Aufwachraum ab und zu mal. Die ein oder andere Verlegung ist echt in sehr schlimmen zustand.
 
Zuletzt bearbeitet:
Da kann ich Malu nur zustimmen, ich freue mich, wenn es die Kollegen der ZNA schaffen, einem Patienten das Inkontinenzmaterial zu wechseln und dabei auch mal einen nassen Lappen in die Hand zu nehmen. Es ist zutiefst unwürdig, hilflose Patienten stundenlang in Urin und Kot liegenzulassen, und höchst unkollegial, sie dann so auf Station zu schicken. Körperpflege darf auch in einer ZNA kein Fremdwort sein!
2 Dinge.

Es ist unwürdig
und das hat mir am meisten leid getan in der ZNA.


und sowas übergibt man nicht dem Kollegen. Mache ich auch nicht aus dem Aufwachraum raus oder wenn ich auf ITS verlege.
Bekomme ich es nicht hin, was vorkommt. Entschuldige ich mich dafür und melde das wenns es geht sogar vorher an.
Geh ich auf ITS helfe ich da auch wenn es die Zeit zulässt. Häufig klappt das.
Entsprechend gut ist es unter den Kollegen. Ich erfahre auch in meine Richtung sehr viel Hilfsbereitschaft und ärgere mich wenn mir Kollegen dreck und Chaos hinterlassen. Aber den ganzen Tag nur rumsaßen. Kablechaos finde ich Genaus0 schrecklich. Wenn man die Schicht anfängt und erstmal 12Pat. aus ihren Kabeln fummeln muß.

Was ich auch erschreckend finde in meinem Haus, was wir zur OP von Station in die Holding bekommen. Betten da kann man ne ganze Fußballmannschaft mit ernähren. Stinkend alles, komplett behaart wie ein Bär im OP Gebiet. Lassen sich im AWR von uns allerdings versorgen. Bei manchen Betten hab ich das Gefühl die Wäsche würde garnicht gewechselt werden wenn sie nicht zu uns kämen. Unsere Schleuser beziehen die Betten von sich aus dann schon. Die finden das genauso schlimm.

Hätte es in meinem Lehrhaus nicht gegeben. Das sind pat. bei sowas zurück gekommen. mindestens gab es ein Schreikonzert am Telefon. DAs erste was ich auf Station zu wecken hatte waren die Pat. die OPs oder ähnliche eingriffe hatten um diese eben Fein zu machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Patienten kommen immer total dreckig in Kot und Desinfektionsmitteln schwimmend! Die Verbände eine Katastrophe und die Kabel total chaotisch! Reden hilft nicht, aber wenn die Mal bei uns sind holen die aus dem OP oder AWR ab und dann sehen sie es... Hält leider nicht lange vor!
War immer schon so, oder es laufen Perfusoren und zwei von dreien sind leer...
 
Von Vorteil ist es, wenn das ITS Personal und das Anästhesie Personal im 3 Montasrhythmus rotiert.
Wir haben alle die Intensiv- und Anästhesie Fachausbildung und können auch in diesen Bereichen arbeiten.
So erkennt man, wo die Schwierigkeiten sind.
Schnell aufeinander folgende OP's, kurze Aufenthalte in den AWR., lassen oft eine "Pflege" nicht zu.
Wenn dann die eigene Erfahrung das lehrt, wird weniger kollegial abgewertet.
Natürlich jetzt, in einer Zeit, in der uns die C-19 Beatmungen mehr als fordern, ist es leider nicht mehr möglich die Bereiche zu wechseln.
Aber, irgendwann wird dieses Virus, hoffentlich seine Spikes ins Leere laufen lassen.
 
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Ohne diese Utensilien natürlich nicht (oder nur sehr umständlich) möglich.
Diese Dinge sind bei uns jedoch vorhanden.
Und selbst wenn diese Utensilien vorhanden wären, muss priorisiert werden.
Vollgebrochenen/-defäkierte Patienten sind nicht unbedingt täglich Brot. Waren sie bei uns nicht. Für richtiges Waschen fehlt schlichtweg die Zeit. Feuchttücher, Kleiderwechsel, good to go. Das ist NICHT unkollegial, sondern ein katastrophales System, in dem jedes Glied versucht so gut es geht zu funktionieren. Ich könnte noch schreiben, warum ich aus der ZNA weg bin, aber das ist ein gänzlich anderes Fass.

Spontaner Gedanke: Ich finde das immer spannend, dass viele selbst behaupten, an ihrer Grenze zu arbeiten. Aber dann beschwert man sich über einen Patienten, der mit leerer Infusion kommt. Für mich ein Beweis, dass man es anderen nicht zugesteht, auch überfordert zu sein. Man denkt immer erst mal das Schlechteste und so stachelt sich das immer weiter auf. Noch nie so wenig Einheit gesehen wie in Pflegeberufen.
 
Ich weiss zwar nicht, warum du meine Bemerkung zitierst und dich dann so echauffierst über etwas, was mit meinem von dir zitierten Post überhaupt nicht in Verbindung steht, aber wenn es dir jetzt besser geht, bitte.

Aber nochmal dazu: wenn ich einen wie auch immer "verschmutzten" Patienten in der NA behandelt mittels EKG, Blutabnahme, Vitalzeichen erheben, umlagern mittels Rollbrett etc., dann bin ich hinterher mindestens genauso lange damit beschäftigt, die benutzten Dinge wie EKG-Nüppel, RR-Manschette, Stauschlauch, Rollbrett und was weiss ich noch alles zu desinfizieren und zu reinigen, da kann ich auch gleich den Pat wenigstens notdürftig waschen, damit er dann auch beim Röntgen, CT etc wenigstens besser zu "handeln" ist.
 
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Noch nie so wenig Einheit gesehen wie in Pflegeberufen.
Das ist richtig.
Es sind auch nur wenige in Verbänden oder gewerkschaftlich organisiert.
Durch ständige Personalnot ( Untergrenzen werden oft nicht eingehalten ), versucht jeder Bereich sein Bestes zu geben, man ist auf die eigene Station, die Disziplin, die Funktion fokussiert.
Ärgert sich über Kabelsalat der Anästhesie, unzureichende Wundversorgung der Operativen oder leere Infusionsflaschen der ZPA.
Aber, auch im eigenen Bereich kommt es zu Anfeindungen.
Immer wenn ich von XY Patienten übernehme, stehen die Perfusoren kurz vor Ende, der Tubus hängt bei 19, immer ist das Weaningprotokoll nicht vollständig.
Der Ablauf der Prisma in 2 Min. zu wechseln, usw, usw.
Warum ist das so?
Für mich ist es ganz klar die unzureichende Personaldecke.
Wenn ausreichend Kollegen vor Ort sind, wird die Prismaaufrüstung bspw, überhaupt nicht erwähnt.
Spahn muss endlich die Häuser so besetzen, dass die Betten mit 1:2 bepflegt werden können.
 
Spahn muss endlich die Häuser so besetzen, dass die Betten mit 1:2 bepflegt werden können.

Wie soll Minister Spahn das machen?

Das Personal schnitzen - stricken - häkeln oder backen?
Wer ist für die Bezahlung der Krankenhauskosten zuständig?

Welche Berufsgruppe hat es (zumindest teilweise ) in der Hand die Zustände und Bezahlung zu verbessern?
Dazu benötigt es hauptsächlich 2 Organisationen, denen man allerdings beitreten muss, einschließlich Mitgliedsbeitrag.
Wer macht dies nicht?
Ich bin in diesen 2 Organisationen Mitglied - aber wir sind zu wenig um Gehör zu finden
 
Wie soll Minister Spahn das machen?

Das Personal schnitzen - stricken - häkeln oder backen?
Wer ist für die Bezahlung der Krankenhauskosten zuständig?

Welche Berufsgruppe hat es (zumindest teilweise ) in der Hand die Zustände und Bezahlung zu verbessern?
Dazu benötigt es hauptsächlich 2 Organisationen, denen man allerdings beitreten muss, einschließlich Mitgliedsbeitrag.
Wer macht dies nicht?
Ich bin in diesen 2 Organisationen Mitglied - aber wir sind zu wenig um Gehör zu finden
Nun, wenn man nur abnickt, ja... sagt, wird das nichts.
Wir haben die grösste Gruppendynamik in den Häusern.
Wenn die Personaluntergrenzen nicht eingehalten werden können, müssen temporär Betten geschlossen werden.
Oder es werden Strafgelder verhängt
Jahrelanger Personalabbau ist den Verantwortlichen während der Pandemie auf die Füsse gefallen.
Freie Intensivbetten....es können nur 2/3 bepflegt werden, so schauts aus!
Da können noch 14 Löwenstein Elisen, noch 8 ECMOS, 15 CVVHF Geräte vor Ort sein.
Wenn wir sie nicht in Betrieb nehmen, stehen sie, so einfach ist das
Die Träger sind Wirtschaftsunternehmen, die auf ihre Renditen schielen.
Sie haben die Häuser Spitz auf Knopf genäht.
Privatisierung....ist mit Personalabbau besetzt.
Die Häuser gehören in die öffentlichen Hand.