Personaluntergrenzen... und jetzt?

novalgin

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Hi Forum,

Mich interessiert wie die Umsetzung der Personaluntergrenzen bei euch konkret so funktioniert.

Bei mir auf its führt es vor allem dazu, dass wir häufiger als je zuvor aus dem frei gerufen werden. Weil im Nachtdienst noch 20 Patienten auf station waren, muss z.b. für den folgenden spätdienst dann genug Personal anwesend sein um die Vorgabe für 20 pat einzuhalten, obwohl im fd 8 verlegt wurden und evtl. keiner neu aufgenommen wurde. So werde ich dann vormittags angerufen um im spätdienst dann vielleicht nur einen IMC Patienten zu versorgen, weil dann mehr als genug Personal anwesend ist. Da kommt man sich dann schon etwas veräppelt vor. Nichts gegen nen guten Betreuungsschlüssel, aber warum sollte ich dann am Telefon noch ja sagen? Ich verstehe die Notwendigkeit und helfe gerne meinen Kollegen wenn es spontan Ausfälle gab, und die Schicht sonst nicht zu schaffen ist, aber ich will nicht mein frei opfern, wenn es eigentlich unnötig ist.

Andererseits führt das und die Finanzierung neuer stellen auch dazu, dass die AG‘s solangsam beginnen zu verstehen, dass sie sich aktiv um Bewerber kümmern müssen und es werden auf einmal Handgelder gezahlt, Umzüge finanziert, usw. Man darf sogar hoffen, dass diese Entwicklung zunimmt und sich da noch mehr tut, also schon irgendwie ein Erfolg...

Wie nehmt ihr das wahr? Was hat sich bei euch konkret geändert? Und wie geht ihr damit um?
 

Bumblebee2

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Die Frage ist eher, weshalb ihr euch aus dem Frei rufen lasst.

Wenn nicht genug Personal da ist, können die Betten nicht belegt werden.
 

novalgin

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Jain, wenn ich es richtig verstanden habe, zählt nur die Anzahl an Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt und nicht wieviele Betten bei aktuell anwesenden Personal belegt werden können
 

FLORA.BLEIBT

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renje

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Wie nehmt ihr das wahr?
Dass sich nicht groß was ändert, da zu wenig Pflegekräfte auf dem Markt.
Was hat sich bei euch konkret geändert?
Nichts
Und wie geht ihr damit um?
Dass ich die technischen Möglichkeiten nutze, wie Nummern auf den Anrufbeantworter umleite oder konkret bei mir, dass ich eine zweite Prepaid Karte im Handy habe und nur diese Nummer hat mein Arbeitgeber. Ich geh ran wenn ich will und wenn nicht bin ich nicht erreichbar.
Früher hatte ich ein billiges Zweithandy um 20€ mit Prepaid, das war mir meine Ruhe wert.
 

FLORA.BLEIBT

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Mein Arbeitgeber hat keine Privatnummer von mir.
Einer Speicherung habe ich widersprochen und meine Nummer löschen lassen.
 

Jillian

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Wie nehmt ihr das wahr? Was hat sich bei euch konkret geändert? Und wie geht ihr damit um?
Vor allem fällt auf, dass nun aus den eh schon schwach besetzten Teams des ganzen Hauses zusätzlich Kollegen abgezogen werden, um auf Stationen auszuhelfen, die entsprechend Personaluntergrenze mehr Personal benötigen.
Konkret sieht es so aus, dass jetzt eine (!) Fachkraft (ohne Hilfskräfte) den Frühdienst mit 30 Patienten alleine versieht, weil die 1-2 anderen, die mit eingeteilt waren, ausgeborgt sind, damit sie dort mit 4-5 Fachkräften dieselbe Menge Patienten versorgen können.

Was tun wir? Reduktion der Grundpflege auf Minimum bis Null. Einstellen der Visitenbegleitung. Ausfall von Rundgängen durch die Zimmer. Alles in allem: Absolut minimaler Patientenkontakt bei nahezu gefährlicher Pflege. CIRS-Meldungen. Überlastungsanzeigen wurden uns untersagt. (Hier frage ich mich noch immer nach der rechtlichen Grundlage.) Weigerung, ärztlich delegierbare Tätigkeiten durchzuführen. Und - wir sind sehr viel häufiger krank.
 

FLORA.BLEIBT

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Überlastungsanzeigen werden untersagt??
Aber jetzt erst recht... und das nehmt Ihr ernsthaft so hin??

Ich verweise gerne mal auf Paragraph 15 und 16...
 
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ludmilla

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Überlastungsanzeigen wurden uns untersagt. (Hier frage ich mich noch immer nach der rechtlichen Grundlage.)
Das frage ich mich auch! Der Arbeitgeber wird dann, wenn was passiert, sich aller Verantwortung entziehen und behaupten, dass er ja von eurer Überlastung nichts gewusst hat!
Gibt es das schriftlich, dass eine Überlastungsanzeige verboten ist?
 
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Jillian

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Gibt es das schriftlich, dass eine Überlastungsanzeige verboten ist?
Da muss ich direkt mal nachfragen.
Dieses irrsinnige Verbot hindert uns allerdings nicht daran, weiterhin Anzeigen und CIRS-Meldungen zu schreiben.
 

novalgin

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Also die Debatte mit den Überlastungsanzeigen und dem Einspringen haben wir ja schon häufig genug hier geführt...

Mich interessiert wie eure Vorgesetztenebene mit der Vorgabe umgeht, die Untergrenzen einzuhalten, vA. auf ITS.

@Jillian Danke für den Beitrag, solche Zustände auf den Normalstationen waren -dank der Begrenzung auf einzelne Fachgebiete- leider abzusehen. Alleine 30 Patienten im FD klingt nach absolutem Wahnsinn, ich weiß garnicht was man da wünschen kann...
 

alesig

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Auf dem Dienstplan werden erst mal die Untergrenzen eingehalten. Fällt dann jemand aus, dann ist halt keiner da. Dann versorgen 2 GKP auch mal 36 kardiologische Patienten im Frühdienst. Gefährdungsanzeige wird geschrieben, PDL motzt dass sie so was nicht auf ihrem Schreibtisch haben will, Alesig sagt ihm ,dann soll er es halt unter den Schreibtisch legen. Dass noch 3 Tage zu wenig GKP im Dienst sein werden interessiert nur nebenbei. Aber wir haben dann eine Pranktikantin bekommen. Hurrah. Am Ende des Monats stimmt es dann mit den Untergrenzen wieder. Wozu also der Stress.
 

spflegerle

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Wir haben mittlerweile 4 Stationshilfen auf ITS, diese sind - nebenbei bemerkt - tatsächlich eine Unterstützung bei allen pflegefremden Aufgaben, aber sie werden eben auch in die Besetzung mit eingerechnet, bringen aber am Bett direkt keine Entlastung. Für die Zimmereinteilung klappt es eben dadurch erst recht nicht mit der erwünschten 1:2-Betreuung. Tatsächlich ist die Besetzung durch Weggang von alten Kolleginnen, die nie ersetzt wurden, immer schlechter geworden, so dass regelmäßig Betten gesperrt werden müssen, es bei jedem jeden Monat zu Überplanung kommt, und Krankheitsausfälle nicht mehr ordentlich kompensiert werden können.
Rein rechnerisch hält man uns vor, dass de Personaluntergrenzen sogar übertroffen werden, eine 1:2-Betreuung gewährleistet ist und wir sowieso viel zu gut besetzt sind. Das Personalbemessungs-Tool errechnet gleichzeitig, dass wir nur mit 75% der notwendigen Pflegevollzeitäquivalente ausgestattet sind und uns tatsächlich 20 Stellen fehlen, diese werden nur zu ca 7-8 Vollzeitäquivalenten mit Pool- und Leasing aufgefüllt.
 

spflegerle

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[so Rechner-Gau behoben, jetzt gehts weiter im Text...]

Der Witz dabei ist, dass diese Milchmädchenrechnung (wir hätten 1:2) nur deswegen mit zahlreichen Mittlungen und Rundungen rückwirkend ausgerechnet werden kann, eben weil wir regelhaft Betten gesperrt haben oder 1:1-Betreuung vorliegen haben (va-ECMO, 4-MRGN), bzw. phasenweise eben auch mal ein Bett leer bleibt. Trotzdem schaffen wir es mit dieser "Unterbelegung" unserer Betten mit dem Personalbemessungs-Tool (INPULS) Zahlen zu generieren, die uns dieses Mehr an Pflegepersonal eigentlich zugesteht. Würden wir tatsächlich jeden Tag alle Betten bespielen, wäre der Personalbedarf nochmal um einige Stellen höher. Ein Zeichen dafür, dass die bei uns einliegenden Patienten eben einen übermäßig hohen Pflegebedarf und eine hohe Erkrankungsschwere haben (Uniklinik, Maximalversorger, ECMO-Zentrum...).

Wird Zeit, dass aus den rückwirkend erzeugten Zahlen der Personaluntergrenzen vorwärts wirkende Zahlen nach tatsächlichem Bedarf gemessen an dem Personalbemessungs-Tool werden...

Alles andere wirkt gegensätzlich, sorgt nämlich letztendlich nicht für Entlastung, sondern für Stellenabbau.

Gruß spflegerle
 

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