PDK in der Geburtshilfe

Rabenzahn

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Hallo,

gibt es Zahlen, wieviele Entbindungen mit Periduralkatheter durchgeführt werden und ob die Geburt dadurch wirklich verkürzt wird ?

Wie ist das Verhältnis mit und ohne PDK in anderen Häusern ?
 

urmel

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Hallo Rabenzahn,
eine Geburt wird dadurch eher verzögert.
Bei uns im Haus wird sie eher selten durchgeführt, es gibt allerdings schon Häuser, die sowas direkt anbieten und auch durchführen. Wie läuft das bei Euch?
LG
urmel
 

Rabenzahn

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Hallo,

es gibt kaum eine Entbindung ohne PDK. Die Hebamme untersucht, entscheidet ob PDK oder nicht, bietet es der Frau an und informiert uns dann.
Bei 1200 Geburten im Jahr kommt eine Menge zusammen. Und das hauptsächlich in der Nacht und immer wenn wir vor Arbeit nicht wissen wohin.
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

warum habt ihr so viele Entbindungen mit PDK? Wie lange nach der Geburt müssen die Mütter liegen? Eine ambulante Entbindung ist dann nicht mehr möglich oder? Wie sieht es aus bei der PDK steigt dann die Rate der Saugglocken oder Zangengeburten?

Grüße Gaby
 

Rabenzahn

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Hallo Gaby,

also im Normalfall entbindet die Frau innerhalb von 4 - 6 Stunden spontan nach Anlage eines PDK´s . Wir verwenden dabei ein Opiat ( Sufenta ) und ein Lokalanästhetika ( Naropin ) als Dauergabe per Perfusor und haben gute Erfahrungen gemacht.
Eine eventuelle Sectio ist unter dieser Behandlung relativ selten.

Über Geburtsverzögerungen ist hier wirklich nichts bekannt. Für ambulante Entbindungen gibt es Geburtshäuser. Die finden also seltenst bei uns in der Klinik statt.
 

Rabenzahn

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Nachtrag zur Geburtsverzögerung durch PDK.

Das Problem der Geburtsverzögerung unter PDK ist bekannt, liegt aber daran, dass Lokalanästhetika zur Anwendung kommen, die ein zu große motorische Blockade verursachen. Z.B. Carbostesin.
Bei der Verwendung von Naropin wird die motorische Blockade nicht so ausgeprägt, die Frau kann weiterhin mitarbeiten und der Geburtsvorgang wird verkürzt. Die Beimengung eines Opiates ( Sufenta epidural ) bewirkt eine gute Analgesie bei ausreichender Motorik.

Die Frauen sind entspannter, können sich erholen und pressen trotzdem adäquat mit.
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

du hast geschrieben es gibt kaum eine Entbindung ohne PDK. Warum setzt ihr so oft eine PDK. Hat das medizinische Gründe oder geschieht dies auf Wunsch der Mütter.

Wie lange müssen die Mütter nach einer PDK liegen. Ab wann dürfen sie aufstehen? Wie sieht es mit Nebenwirkungen der PDK aus seitens der Mutter, bzw. seitens des Kindes.

Das die Rate der Kaiserschnitte dr. eine PDK ansteigt, glaube ich nicht, aber wie sieht das mit Dammschnitten aus bzw. Saugglocken?

Danke für deine Antwort

liebe Grüße

Gaby
 

Rabenzahn

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Hallo Gaby,
zunächst beste Grüsse nach Wien.

Warum wir so viele PDK´s machen hat sicherlich zwei Gründe.

1. wir haben eine starke Frauengruppe in der Anästhesie, die dafür gesorgt hat das der PDK in der Geburtshilfe Einzug gehalten hat. Was aus sehr begrüßenswert ist. Viele unserer Anästhesistinnen haben selber entbunden mit PDK und waren begeistert.
Das hat sich rumgesprochen und viele Frauen informieren sich vor der Entbindung sehr ausführlich über Möglichkeiten der schmerzarmen Geburt.
Parallel werden die Möglichkeiten in den Geburtsvorbereitungskursen bereits angesprochen.

Der 2. Grund ist, dass die Hebammen auf diese Möglichkeit der schmerzarmen Entbindung hinweisen. Immer wenn die Frau einen gewissen Erschöpfungszustand erreicht hat, wird ihr die Möglichkeit des PDK`s angeboten. Voraussetzung ist das der MM 5 cm hat.

Die meisten Frau sind nach PDK-Anlage so erschöpft und müde das sie nur erstmal schlafen wollen. Theoretisch können sie aber mit dem PDK aufstehen ( mit Begleitung ) . Sie müssen nicht liegen. Tun es aber wegen der Erschöpfung. Wir nehmen ja nicht die komplette Motorik, daher wäre Laufen möglich.

Komplikationen habe ich selber noch keine erlebt. Weder Infektionen, Nachblutungen oder gar neurologische Ausfälle. Hin und wieder Schmerzen an der Einstickstelle.

Generell bekommen die FRauen lt. Hebamme nicht immer einen Dammschnitt. Auch hier hat sich einiges an der Strategie der Klinik geändert. Dammrisse oder mehr sind auch absolut selten.

Bei Entbindungen mit Saugglocke steht die Anästhesie in Sectio-Bereitschaft ebenso bei BEL ( Becken-End-Lage )

Ich hoffe alles beantwortet zu haben

LG
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

danke für deine Antworten.

Ich glaube die Geburtshilfe geht im Augenblick in zwei Richtungen. Einerseits nehmen die ambulanten Geburten (tw. auch Hausgeburten) wieder zu. Andererseits gibt es immer mehr Sectio's und auch PDK's werden vermehrt angeboten. Es obligt jeder Mutter welchen Weg sie gehen möchte.

Ich persönlích, als dreifache Mutter teile deine euphorische Meinung zur PDK nicht. Ich glaube man kann auch mit guter Beratung und sehr gut ausgebildeten Hebammen sehr viel zur Schmerzreduktion bei der Geburt beitragen.

Liebe Grüße aus Wien, schönen Samstag

Gaby
 

Rabenzahn

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Hallo Gaby,

ich habe keine euphorische Meinung zum PDK weil sie mich auch stark arbeitsmässig belasten. Wir müssen dann jedesmal in die Gyn, egal wie viel Arbeit in der Chirurgie auf uns wartet. Aber wenn es den Frauen hilft, ist es ein schöneres Erlebnis als ein frustraner Einsatz im Schockraum mit Exitus des Patienten.
Aber Du hast vollkommen recht, Frau kann unter guter Geburtsvorbereitung und fachlicher Leitung einer Hebamme auch normal entbinden. Nur ich denke der Trend geht wirklich dahin, Hausgeburt für die Wagemutigen und schmerzfreie Entbindung in der Klinik .

Schönes Wochenende
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

auch ich halte eine Hausgeburt für sehr gewagt, für mich persönlich ist halt eine ambulante Entbindung mit eigener Hebamme in einem Krankenhaus die optimale Lösung. Da hat man die Möglichkeit zu einer Entbindung nach seinen Vorstellungen und dennoch eine Hintertür offen wenn ein medizinischer Eingriff ansteht. Das muß aber jede Frau für sich entscheiden!

Grüße Gaby
 

urmel

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Hallo Rabenzahn,
sind die Frauen völlig schmerzfrei oder können sie die Wehen noch fühlen (nicht im Sinne von Wehenschmerz)?
Danke
LG
urmel
 

Rabenzahn

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Hallo Urmel,

die Frauen sind natürlich nicht ganz schmerzfrei, sondern spüren schon die Wehentätigkeit. Das muss auch so sein, damit sie mit arbeiten können.
Eine ganz schmerzfreie Geburt gibt es also nicht, aber sie wird deutlich erträglicher.
 

Mietzekatze

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Hallo!
Hat jemand von Euch Erfahrung mit dem PDK nach der Sectio? Bei uns im Haus war es üblich, dass der Katheter immer liegenblieb und die Frauen mit Naropin auf die Station kamen. Und das war wirklich das Allerletzte. Ich meine, es ist ja nicht wirklich toll, wenn man seine Beine nicht spürt, sich ergo auch nicht bewegen kann, dabei im Wochenfluss liegt, die Pflegekraft einen nicht alleine waschen kann und man eigentlich auch gerne sein Kind mal selber aus seinem Bett nehmen möchte. :( Leider musste ich mich immer wieder mit den Anästhesisten anlegen, die das Naropin über den PDK für das Nonplusultra gehalten haben. Dabei ist es ja nicht so, dass es keine anderen Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung gäbe. Wie seht Ihr das und kennt vielleicht jemand von Euch das Problem?
Gruss, Mietzekatze.
 

Rabenzahn

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Hallo Mietzekatze,

wir legen die PDK´s und geben den Gynäkologen die Dosierung von Naropin bis kurz vor der Geburt vor. Danach wird der PDK entfernt, wenn das Kind da ist. Wird eine Sectio in PDK gemacht, wird dieser hochgespritzt, dann verbleibt er für ein paar Stunden postoperativ und kommt raus.
Analgesie nach der Sectio dann mit Dipidolor.

Wenn wir den PDK anspritzen, können die Frauen die Beine bewegen, könnten theoretisch in Begleitung aufstehen und können sich selbst versorgen. Ganz offensichtlich war es bei Euch eine Frage der Dosierung.
 

carmen

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Hallo Rabenzahn,
hab da mal ne Frage.
Du schreibst, dass die Gebärende trotz PDK immernoch einen Teil des Geburtsschmerzes mitbekommt.
Meine älteste Tochter hat vor 4 Jahren auch eine PDK erhalten und sagte, dass sie gar nichts mehr an Schmerzen hatte, dass ihr die Hebamme sagen mußte, wann sie pressen sollte, weil sie eben überhaupt nichts mehr spürte.
Kann da eine Überdosierung vorgelegen haben?

Viele Grüße vor der NW
Carmen
 

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