O2-Gabe?

Katta

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Hi,

wir haben in der Klinik verschiedene Möglichkeiten O2 einen Patienten zugeben.
1. O2 Sonde
2. Nasensonde
3. Maske
(4. Beatmungsgerät)

Gibt es Richtlinien , wann ich welche Möglichkeiten anwende ?

LG, netten Sonntag
 

Rabenzahn

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Hallo Katta,

die Wahl der O² - Applikationsmöglichkeiten hängt neben der Kostenfrage auch davon ab, was der Patient toleriert.

Die Sauerstoffbrille halte ich persönlich für das insuffizienteste Möglichkeit Sauerstoff zu verabreichen, weil mehr daneben geht als das der Patient effektiv etwas davon hat. Der Tragekomfort ist vielleicht ganz angenehm, der Effekt gering.

Die Sauerstoffsonde, durch ein Nasenloch eingeführt und richtig plaziert, ist da breits effektiver. Die Einführung ist unangenehm, sollte trotzdem konsequent und schnell nach vorheriger Information des Patienten durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten das die Atmung mit geschlossenem Mund erfolgt.

Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Niedrigflusssystem, das nicht das gesamte Inspirationsvolumen mit Sauerstoff versorgt. Ein Teil des Atemzugvolumens besteht aus Raumluft.
Die Sauerstoffkonzentration hängt von der Flussrate des Wandanschlusses und vom Atemzugvolumen des Patienten ab.
Jede Erhöhung des Flussvolumens um 1 L / Min. führt zu einer Steigerung der eingeatmeten Sauerstoffkonzentration um 4 %. Die Sauerstoffkonzentration beträgt bei einem Patienten mit
normalem Atemzugvolumen und einem Sauerstofffluss von 1 - 6 L / Min. 24 - 44 %.

Besser ist die Sauerstoffgabe mit dem sogenannten Facetents, einer Maske mit O² - Anschluss.
Diese lässt Bewegungsfreiheit, ist bei unruhigen Patienten einsetzbar und steigert deutlich den inspiratorischen Sauerstoffanteil .

Der Gasfluss in der Maske sollte mindestens 5 L / Min. betragen, um eine Ansammlung der ausgeatmeten Luft in der Maske zu verhindern. Die empfohlene Flussrate beträgt 8 - 10 L / Min. Wie auch bei der Nasensonde kommt es zu einer Verdünnung der Sauerstoffkonzentration durch Raumluft. Dieses System kann Sauerstoffkonzentration von 40 - 60 % bereitstellen.

Applikation über Gesichtsmaske mit Sauerstoffreservoir

Bei diesem System kommt es zu einem konstanten Sauerstofffluss in das Reservoir, was zu einer
Sauerstoffkonzentration über 60 % führt.
Eine Flussrate von ca. 6 L / Min. ergibt eine Sauerstoffkonzentration von ca. 60 %. Jede Erhöhung der Flussrate um 1 L / Min. erhöht auch die eingeatmete Sauerstoffkonzentration um 10 %. Bei einer Flussrate von 10 L / Min. beträgt die Sauerstoffkonzentration beinahe 100 % .

Die O² - Gabe mit einem Beatmungsgerät setzt entweder eine Maskenbeatmung oder die Intubation des Patienten voraus und ist auf einer peripheren Station nicht unbedingt mittel der Wahl.

Wir geben in der postoperativen Phase im Aufwachraum jeden Patienten 4 Liter O² über eine Nasensonde, steigert sich die SpO²- Werte nicht über 95 % erhält er ein Facetents.
 

Katta

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hi,

der Beitrag ist klasse, endlich habe ich mal genaues Hintergrundwissen bekommen ! Danke, Du hast mir echt weiter geholfen !!! :up:

Ich kann doch die genaue Sauerstoffbeurteilung des Patientens mit einer Sättigung am Finger/Ohr oder BGA messen, oder ???
 

Rabenzahn

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Hallo Katta,

schön das Dir die Information geholfen hat.

Um eine sichere Aussage zur Sauerstoffsituation des Patienten zu erhalten, ist die arterielle Blut - Gas - Analyse sicher der beste Weg.

Die in der Praxis durchgeführte Messung der SpO² ( Sättigung pulsoxymetrisch O² ) hat Fehlerquellen. ( Schlechte Durchblutung der Endstromgebiete wie Finger, Ohrläppchen oder Nasenspitze ) Kalte Hände führen auch zum falschen Messergebniss.
Bei der Verwendung von Lokalanästhetika ( z.B. Plexusanästhesie ) kommt es bei bestimmten Anästhestika zur sogenannten Meth- Hämoglobin - Bildung und somit auch zu falschen Werten.
Ist Dir das Messprinzip der Sättigung geläufig ?

Hier kommt sie. Aus dem Herstellerbuch entnommen.

Messprinzip SpO²

Die Pulsoxymetrie ist eine einfache Methode, um den Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes kontinuierlich zu messen und die Blutströmung im peripheren Gewebe zu kontrollieren.
Das Pulsoxymeter mißt die arterielle Sauerstoffsättigung, d.h. den prozentualen Anteil des oxygenierten Hämoglobins ( Oxyhämoglobin ) am gesamten Hämoglobingehalt. Wenn also insgesamt 99% der Hämoglobinmoleküle in den Erythrozyten des arteriellen Blutes eine Verbindung mit Sauerstoff eingegangen sind, hat das Blut eine arterielle Sauerstoffsättigung ( SpO²) von 99 % und der auf dem Display angezeigte Wert lautet 99%. Seit längerer Zeit schon wurde die bisherige Parameterbezeichnung SaO² durch die mittlerweile übliche Bezeichnung SpO² ersetzt. Diese Änderung betrifft nicht die Funktionalität des Parameters. SaO² ist die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes.
SpO² ist die pulsoxymetrisch gemessene Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes.
Gemessen wird anhand der Lichtmenge, die von der Lichtquelle auf der einen Seite des Pulsaufnehmers durch das Gewebe wie Finger, Zehen oder Ohr zum Lichtempfänger auf der anderen Seite des Pulsaufnehmers gelangt. Die empfangene Lichtmenge hängt von verschiedenen Faktoren ab
( z.B. Dichte des Kompartimente zwischen den Meßpunkten ) , die bis auf die Blutströmung in den Arteriolen konstant sind. Diese verändert sich jedoch in Abhängigkeit von der Zeit, da es sich um ein pulsierendes Signal ( Systole / Diastole ) handelt. Das Erkennen des Pulssignals erfolgt über ein Plethysmogramm ( = graphische Darstellung der Pulskurve ) sowie eine nummerische Erfassung der Pulsfrequenz.
Gegenüber dem nach einer Blutentnahme bestimmten SaO² bietet die Pulsoxymetrie folgende Vorteile.
-noninvasiv, daher keine Infektionsgefahr, kein Blutverlust
- kontinuierlich, unbemerkte Änderungen sind bei guter Überwachung ausgeschlossen
- schnell, daher sofortige Verfügbarkeit des Meßergebnisses

Nachteile:
Bei Schock, niedrigem Blutdruck, schwerer Vasokonstriktion, starker Anämie, Hypothermie, Arterienverschluß proximal zum Sensor oder bei Asystolie kann das Pulssignal ausfallen.

Die SpO²- Messung wird ungenau bei hohen Anteilen von Dyshämoglobinen wie Carboxyhämoglobin
( z.B. Rauchgasvergiftung oder Methämoglobin, das durch eine Überdosierung bzw. Vergiftung mit Nitriten zustande kommen kann ).

Im Klartext kann es bei der SpO² - Messung dazu kommen, dass ein Erythrozyt beladen mit einem O²- Molekül an dem Sensor vorbei kommt, zeigt die Pulsoxymetrie 100 % an.

Deshalb besser BGA wenn man eine genaue Aussage über den O²-Gehalt benötigt
 

david

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hi!

Also wir verwenden auf den normalen Bettenstationen ausschliesslich 'Masken' und 'Brillen'.
Bin derzeit an der Thoraxchirurgie und da haben wir naturgemäss ziemlich viel damit zu tun; Ziel ist postoperativ die Zufuhr auf Null zu reduzieren - das liegt im Bereich der dipl. PP°. An interenen Stationen im Haus ist die Menge der Zufuhr nur nach Anordnung zu ändern!

Wir geben praktisch ausschliesslich Brillen und erzielen damit genauso gute Sättigungsergebnisse wie mit der Maske. Wenn Leute mit offenen Mund schlafen, wird die Brille eben über den Mund gehängt (merkt der/diejenige gar nicht). Der Tragekomfort ist deutlich höher als mit der Maske; ich würde sogar sagen die Tragetoleranz. Diese Masken sind extrem unangenehm, probiers mal aus! Ich habe schon viele gesehen, die sich dadurch noch mehr in ihre Atemnot gesteigert haben, weil sie einfach eine Barriere zwischen sich und der vermeintlich rettenden "Luft" spüren, das engt sehr ein. Manche tolerieren das natürlich auch sehr gut. Ich würde nicht dazu gehören ;)

+lg david
° Gruss aus Wien/A
 

Rabenzahn

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Hallo David,

es stimmt das manche Patienten Atemnot verspüren wenn sie so eine Maske tragen. Deshalb ist es wichtig den Gasfluss vorher einzustellen und dann die MAske aufzuziehen. Dann merken sie das dort etwas fliesst.
Es ist wie beim CPAP. Wenn erst die Maske aufgesetzt wird und dann der Gasfluss eingestellt wird, bekommen die Patienten erst keine Luft und damit Angst.

Aber sonst klappe es mit der Maske gut, besser als eine Nasensonde durch ein Nasenloch eingeführt oder eine Brille in beiden Nasenlöcher.

Gruss nach Wien
 

Suse

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Hi Rabenzahn !
Hast du Erfahrungen mit der Maske gemacht, die das ganze Gesicht bedeckt??? Für die BIPAP- Vision gibts die.
Suse
 

david

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Rabenzahn schrieb:
Hallo David,

es stimmt das manche Patienten Atemnot verspüren wenn sie so eine Maske tragen. Deshalb ist es wichtig den Gasfluss vorher einzustellen und dann die MAske aufzuziehen. Dann merken sie das dort etwas fliesst.
Es ist wie beim CPAP. Wenn erst die Maske aufgesetzt wird und dann der Gasfluss eingestellt wird, bekommen die Patienten erst keine Luft und damit Angst.
hi!
also nur damit keine Missverständnisse entstehen - natürlich drehen wir den Sauerstoff auf bevor wir die Masken aufsetzen (lassen).
Das Problem, das ich zu beschreiben versucht habe, war nicht dass der tatsächlichen Atemnot, sondern den psychologischen Effekt, den so eine Maske auslösen kann. 8O

Unser Ziel ist ja eben auch, den Sauerstoff "abzugewöhnen" postoperativ. Da tut man sich sicher mit der Brille leichter. Aber wie schon gesagt - wir haben durchaus auch beides in Verwendung, eben je nach Zustand des Patienten. :wink:

+lg, david
 

Rabenzahn

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Hallo David,
ich hatte Dich schon verstanden, beobachte aber einmal Kollegen, ob die es auch so machen. Schon die Maske bei der Narkoseeinleitung führt bei unseren Patienten zur Beklemmung und dem subjektiven Gefühl der Atemnot.

Gruss nach Wien
 

Rabenzahn

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Hallo Suse,

ich habe damit keine Erfahrungen, habe sie auch nur einmal auf dem Bild gesehen und finde es ganz interessant. Vielleicht kann Dorothee mehr Auskunft darüber geben.
 

Suse

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Hu hu !
Ich hab sie nur auf ner Messe gesehen. Sie ist wie eine aufzusetzende durchsichtige Maske aus Plexi / oder Plastik. Der Pat bekommmt keine Druckstellen, wie beim Masken C-Pap auf dem Nasenrücken, durch die Gummibänder am Kopf und kein zerdrücktes Gesicht. Außerdem hat der Pat. nicht solche Angst, da er alles um sich herum sehen kann, besser komunizieren kann, er ist einfach nicht so beengt, wurde gesagt.
Tja, Dorothe, ich hoffe, du weißt mehr.
Gruß Suse
 

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