Kranke Krankenpflege - Was tun bei Bournout?

Laikana

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Ambulante Pflege
Hallo zusammen!

Ich bin 29 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder mit eineinhalb und viereinhalb Jahren. Ich arbeite seit bald 6 Jahren mit Elternzeitunterbrechungen von jeweils einem Jahr 40 %im ambulanten Bereich. Nachdem ich nun wieder eingestiegen bin hat sich bei mir bald das Gefühl von Hilflosigkeit und teilweise auch Angst und Aggressionem in Beruf wie Privatleben gezeigt. Irgendwann wurde das in meinen Augen einfach zu viel und ich ging zum Hausarzt. Von dem kam dann die Diagnose Depression mit ein paar Medikamenten, mit denen ich mehr schlecht als recht eingestellt war. Ich fühlte mich teilweise so müde dass ich in meiner Freizeit mitten am Tage 5 Stunden schlief. Ich bekam Gott sei dank recht schnell einen Termin bei einer Psychotherapeutin mit der ich seitdem ein wenig Aufarbeite, was überhaupt los ist. Sie sorgte erst dafür dass ich andere Medikamente bekam mit denen ich mich stabiler fühlte. Ausserdem bescheinigte sie mir eine "Anpassungsstörung", da ihr Depression zu hart erschien, denn ich sei doch durchaus fähig, positives noch zu erkennen und meinen Lebenswandel Trotz dessen zu gestalten. So weit so gut, die Therapie bekomme ich ja dennoch. Ich habe das Bedürfnis euch genauer zu erzählen, wie es mir geht. Nach der Elternzeit kam ich in ein anderes Team, mit dessen Pflegeleitung ich so gar nicht klar komme. Ich bin ein sehr sensibler Mensch der sich schnell an der eigenen Nase packt, und sie ist jemand die extrem akkurat arbeitet und das auch von uns verlangt. Daran ist ja nichts grundsätzlich schlechtes, doch dazu kommt noch ihre völlig distanzierte Gefühlsfremde Art zu kommunizieren, die ja sicher auch von ihren eigenen Erlebnissen geprägt ist. Dennoch macht es mir stets Angst, wenn sie mich um ein Gespräch bittet, was wegen ihrer Forderungen der Perfektion durchaus öfter vorkommt (meist nur wegen Kleinigkeiten in der Dokumentation). Was ich nicht erwartet habe war, dass wir irgendwann ein eineinhalb stündiges Gespräch darüber führten, dass sie meine Gefühle bemerkt hätte und fragte was sie besser machen kann. Auf meine Vorschläge ist sie bis heute nicht eingegangen. Vielleicht habe ich es auch zu undeutlich erklärt. Die Angst ist weiterhin da. Besonders wenn ich etwas dokumentieren soll und nicht genau weiß wie. Dann habe ich schon Panik, weil ich die Situation darauf angesprochen zu werden schon im Kopf durchspiele. Beispiel: zuletzt kam es vor dass ich viel zu spät bei zwei dementen Patienten ankam um zwei kleine Körperpflegen durchzuführen. Sie lehnten dies ab (was sie oft tun) weil sie schon gewaschen seien. Auf meinen versuch hin sie zu überreden lehnten sie weiterhin ab. Natürlich kann ich sie nicht zwingen sich waschen zu lassen. Und in euren Köpfen wäre hier vielleicht klar gewesen, okay dokumentieren und weiter. Ich aber fühlte mich total überfordert und stand erstmal völlig ratlos da. Ich glaube geschlagene zwölf Minuten. Was sollte ich jetzt mit den zwölf Minuten machen? ich dokumentierte sie schließlich nachträglich auf den Ratschlag meines Mannes als pause. Was meine Chefin dazu sagen wird, zeigt sich heute. Meine Therapeutin jedenfalls ist der Meinung, dass ich mit der Gesamtsituation Kinder und Arbeit zu überfordert bin und zu schnell wieder angefangen habe. Dass es aber auch ein passender Beruf für mich sei und dass sie merke, dass ich ihn eigentlich gerne machen, was ich so unterschreiben kann. Das Geld aber brauchen wir, wir haben eben erst ein Haus gekauft und noch einiges zu renovieren. Ich bin jetzt bei meinem 7. Arbeitstag von 12 angekommen , kann heute nicht bei einem Vorsingen meiner Großen Tochter dabei sein weil eine Fortbildung dazukam und fühle mich wie ein Zombie. Ich frage mich momentan wieviel ich an meiner Situation wirklich ändern kann und ob es nicht klüger wäre mit weniger Prozenten bei einer pflegeleasing Firma zu arbeiten bei der ich Kontakte habe oder ob mich das nicht noch mehr in diese überforderung bringt weil komplett neue Situation. Eine Mutter Kind Kur wäre zwar möglich, aber bringt die mich in dem Punkt wirklich dauerhaft weiter? vielleicht wollt ihr mir ein wenig über ähnliche Erfahrungen berichten, Tipps geben oder einfach nur mit mir darüber reden. Ich würde mich freuen.

LG, laikana
 
Absätze würden helfen.
Das ist echt schwer zu lesen.

Ja, warum nicht bei einer Leasing-Firma anfangen, mit Arbeitszeiten, die zu Deinem Leben passen. Das ist aber nur etwas, wenn Du mit stetigem Wechsel und neuen Situationen gut zurecht kommst. Das scheint, jedenfalls zur Zeit, nicht unbedingt der Fall zu sein.
Warum ambulante Pflege? Warum nicht erst einmal eine Stelle, bei der Du mit Kollegen zusammenarbeiten kannst?
Damit Du wieder sicherer wirst, in dem was Du tust.
 
Entschuldige hab das mit Handy geschrieben da ist es so schwierig sich um Absätze zu bemühen.

Also, die ambulante pflegestelle hatte ich ja schon zuvor und ich fühle mich mit dem Betrieb grundsätzlich ja verbunden. Ich mag an der ambulanten Pflege auch dass man nicht gleichzeitig mehrere Patienten zu versorgen hat sondern eins nach dem anderen tun kann.

Ich weiß auch von der Zeit auf stationären Einrichtungen noch dass ich mich unwohl fühlte sobald jemand mit mir am gleichen Bett stand, weil ich nichts falsch machen wollte.
 
Hallo,
Viele Kliniken bieten doch mittlerweile Kurse für Wiedereinsteiger an. Wäre das nicht was für dich, um einfach wieder etwas mehr Sicherheit zu gewinnen?
 
Kurse sind glaube ich zwar praktisch aber nicht zweckmäßig , beim Patienten selbst fühle ich mich sicher und kompetent , auch kriegen wir ja laufend Fortbildungen. Mein Problem bezieht sich ja vorallem auf allgemeine überforderung. Ich weiß jetzt aber auch nicht genau , welchen Inhalt deine genannten Kurse hätten ? Vielleicht verstehe ich das ganz falsch.
 
Habe ich richtig verstanden, dass du 40% arbeitest?
VG Lusche
 
Wieviele Stunden arbeitest du denn an wievielen Tagen? Ich wundere mich über die 12 Tage am Stück, denn das ist für 40% TZ doch recht viel.
 
Ich arbeitete letzte Woche zB. Abenddienst, der geht je nach Planung zwischen 2 1/2 und 3 1/2 Stunden. Der Frühdienst diese Woche und am Wochenende geht zwischen 3 und 5 Stunden. Ich habe diesen Monat sicher schon 20 Überstunden gesammelt, momentan sind viele krank deren Schichten ersetzt werden müssen. Insgesamt habe ich ca. 62 Stunden soll im Monat.
 
Wolltest du so arbeiten? Mit diesen wenigen Stunden musst du ja wirklich fast jeden Tag antreten...
 
Ich empfand es zu psychisch stabileren Zeiten durchaus als angenehm, nur wenige Stunden am Tag arbeiten zu müssen. Tatsächlich habe ich auch schon mal eine Woche komplett frei, wenn keine Krankmeldung von Kollegen dazwischen kommt.
 
@ Laikana: ich hatte es so verstanden dass du "unter Beobachtung unsicher bist beim arbeiten. Die Kurse wiederholen wohl (kenne das auch nur von Beschreibungen anderer) Grundlagen der Behandlungspflege ( Handling neuer Gerätschaften / Materialien), Lageeungstechniken, ... Woher kommt deine Unsicherheit wenn sie nicht durch Verlernen von bestimmten Tätigkeiten entstanden ist?
Ich musste mir nach ca 6 Jahren Funktionsbereich bzw. Abteilung ohne Grundpflege / Lagerungen damals auch erst wieder manche Kniffe aneignen müssen
 
Meine Therapeutin meint das bedingt sich gegenseitig mit meiner überforderung mit der Situation Familie/Arbeit. Vielleicht, so denke ich, spielt da auch eine generelle Art prüfungsangst mit. Das begleitet mich schon seit Mitte der Ausbildung. Und womöglich auch ein fehlendes Selbstwertgefühl. Aber vielleicht suche ich wie so oft und manchmal auch ungerechtfertigt die Ursache bei mir selbst.
 
Wolltest du so arbeiten? Mit diesen wenigen Stunden musst du ja wirklich fast jeden Tag antreten...
Das ist in der (normalen) ambulanten Pflege mehr oder weniger normal. Dort arbeitet praktisch niemand 8 h am Stück.
Tatsächlich habe ich auch schon mal eine Woche komplett frei, wenn keine Krankmeldung von Kollegen dazwischen kommt.
Also wenn Du eine Woche laut Dienstplan frei hast - dann HAST Du eine Woche frei.
Es sei denn, Du möchtest freiwillig einspringen. Dazu kann Dich aber keiner zwingen. Das Arbeitsrecht ist da eindeutig!

Hast Du mal dran gedacht, in der ambulanten Intensivpflege einzusteigen?
Allerdings hat man da i. d. R. 12 h am Stück Dienst. Dafür aber viel mehr freie Tage. Und zumindest bei mir in der Firma wird ein "Nein" des MA auch akzeptiert, wenn man nicht einspringen will.
 
Ich kann auch Nein sagen.. Das wird normalerweise problemlos akzeptiert. Aber dazu fehlt mir oft der Mut bzw das gute Gewissen. Ich weiß ja, dass gerade Land unter ist und meine Chefin echt rumknapsen muss um jemand zu finden der einspringt. Ich habe ein bisschen Bammel vor intensiv, ich bin ganz froh wenn ich keine Notfälle behandeln muss.
 
Ich kann auch Nein sagen.. Aber dazu fehlt mir oft der Mut bzw das gute Gewissen. I

Da widersprichst du dir selbst.
Warum hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du auf Einhaltung eines Vertrages bestehst?
Hast du bei Vertragserfüllung etwas Falsches getan?
Bist du dafür verantwortlich, dass nicht mehr Stellen besetzt sind/besetzt werden können?
Wofür bist du verantwortlich? - Für dich!
Dafür , dass du gesund und arbeitsfähig bleibst.
Dafür, dass du dich weiter lieben kannst - und damit auch deine Familie (dein Gegenüber)
Dafür, dass du deine eigenen Bedürfnisse erkennen kannst - und dann auch die Bedürfnisse deines Gegenüber (Familie, Patienten)
Nur wenn du selbst im Leben wachsen kannst - kannst du das Wachstum deines Gegenüber wachsen lassen und fördern.

(Sagt eine, die dies auf harte Tour lernen musste - durch den Gang durch eine mehrmals lebensbedrohliche Depression)
 
Ich kann auch Nein sagen.. Das wird normalerweise problemlos akzeptiert. Aber dazu fehlt mir oft der Mut bzw das gute Gewissen. Ich weiß ja, dass gerade Land unter ist und meine Chefin echt rumknapsen muss um jemand zu finden der einspringt.
Aber GENAU DAS ist ja das Problem in der Pflege heutzutage:
Die Arbeitgeber rechnen mit dem schlechten Gewissen und der Aufopferungsbereitschaft (man könnte auch sagen "mit dem Helfersyndrom") der Pflegekräfte.
Da solltest Du mal mit Deiner Therapeutin dran arbeiten (meine Meinung). Es gibt keinen Grund für Dich, ein schlechtes Gewissen zu haben, an den Zuständen in der Pflege trägst Du keine Schuld.
Ich habe ein bisschen Bammel vor intensiv, ich bin ganz froh wenn ich keine Notfälle behandeln muss.
Ambulante "Intensivpflege" hört sich hochtrabender an, als es tatsächlich ist:
Mit der Arbeit auf einer Intensivstation in einer Klinik hat das nichts zu tun! Wir versorgen im Normalfall einen Pat. (in der 1:1-Versorgung), es gibt aber auch z. B. sog. Beatmungs-WGs, wo dann auch mehrere Pat. von mehreren Pflegekräften versorgt werden.
Unsere Pat. sind i. d. R. tracheotomiert und/oder beatmet. Wenn man das aber mal mit der Arbeit in der Klinik vergleicht, dann ist das eigentlich ein Witz: Ich hatte in der Neurologie auch u. a. beatmete Pat. (z. B. mit ALS) zu versorgen; gleichzeitig aber noch z. B. bockelsteife Parkinsonisten, an denen man sich kaputtarbeiten konnte; demente Pat., die von Station wegliefen; dann wiederum auch fitte und orientierte Pat. (oder deren Angehörige), die höchste Ansprüche stellten, egal was um sie herum passierte (kann ja nicht angehen, daß man mal 2 Std. kein Telefon oder Internet hat - egal ob die 2 noch vorhandenen Pflegekräfte der Station ein paar Zimmer weiter grade reanimieren müssen oder nebendran die arme alte Omi ständig im Durchfall liegt und halt öfter mal saubergemacht werden muß :x ). Oder die Ärzte rücksichtslos (obwohl sie diese Zustände genau mitkriegen) meinen, die "Puppen tanzen lassen zu müssen" und grade bei allerdünnster Personaldecke ausgedehnte Visiten oder nicht lebensnotwendige Untersuchungen durchführen zu müssen - und wenn sich die Pflegekräfte erdreisten, dagegen aufzumucken, dann treten ihnen dafür Vorgesetzte noch mit Anlauf ins Kreuz!! :angryfire:

Nee, nee... also dagegen ist ambulante Intensivpflege (trotz des wichtig klingenden Namens) Kindergeburtstag! :lol1:
Unsere Pat. sind stabil, Notfälle die absolute Ausnahme - neulich sah ich mich mal gezwungen, die Rettungsleitstelle anzurufen, weil ich den Verdacht hatte, daß mein Pat. einen Schlaganfall bzw. eine Hirnblutung hätte - das ist aber auch nicht anders als bei Dir in der "normalen" ambulanten Pflege, denn was machst Du bei einem Notfall?? ;)

Aber ich will Dir hier um Himmels Willen nix aufschwatzen, sondern wollte Dir nur eine m. M. n. günstige Alternative aufzeigen. Es gibt ja sicher auch die Möglichkeit, mal irgendwo zu hospitieren bzw. probezuarbeiten und wenn einem das nicht gefällt, dann muß man an dieser Arbeitsstelle auch nicht anfangen. Das habe ich auch schon gemacht.
 
Ich wüsste nicht wo ich mir da selbst widerspreche aber natürlich hast du damit recht und es könnte ja durchaus auch wirklich sein dass der Arbeitgeber darauf zählt. Ich werde das mal ansprechen in der Therapie.

Mit der ambulanten Intensiv, das klingt schon machbar so wie du das schilderst. Müsste ich mal mit meinem Partner durchsprechen, ob ich 12 h denn machen könnte .. Die Kinder wollen ja versorgt sein. Wie ist denn da das schichtmodell?
 
Mit der ambulanten Intensiv, das klingt schon machbar so wie du das schilderst. Müsste ich mal mit meinem Partner durchsprechen, ob ich 12 h denn machen könnte .. Die Kinder wollen ja versorgt sein. Wie ist denn da das schichtmodell?
Also man hat i. d. R. eine 12 h-Schicht; entweder Tag- oder Nachtschicht (ich persönlich mache nur Tagdienst, habe dies vertraglich so festhalten lassen, als ich in der Firma angefangen habe). Hab auch Kolleginnen, die z. B. nur Nachtdienst machen.
Die Tagschicht geht z. B. von 7 bis 19 Uhr oder von 8 bis 20 Uhr, Nachtschicht entgegengesetzt. Es gibt also nur 2 Schichten und nicht 3 wie in der Klinik üblich.
Es gibt auch einzelne Versorgungen, wo man weniger Stunden hat, weil Angehörige selber ein paar Stunden Pflege übernehmen. Kenne eine, wo man nur 10 h hat. Ist aber wohl eher die Ausnahme.
Der große Vorteil ist halt, daß man viel frei hat - logisch, denn bei 3 Diensten hat man 36 h und bei 4 Diensten bereits 48 h. Und es ist meist nicht groß stressig. Man hat viel Zeit für den Pat. und kann halt wirklich in aller Ruhe alles am Pat. machen, ohne daß einen jemand hetzt und schon der nächste wartet.
Der Nachteil, man ist halt wirklich 12 Stunden dort beim Pat., man darf auch nicht weg (die Pat.. dürfen nie allein gelassen werden), und man kommt an einem Arbeitstag nicht zu viel mehr, z. B. Einkäufe erledigen. Daher sehe ich zu, daß ich nach Möglichkeit alle notwendigen Einkäufe etc. erledigt habe, bevor ich ein paar Tage Dienst am Stück habe. Die Kollegen sieht man normalerweise nur bei den Übergaben, mit Notfällen muß man alleine klarkommen (ist aber bei euch ja auch nicht anders). Und man muß halt auch mit dem Pat. bzw. dessen Angehörigen zurechtkommen, denn man ist ja dann 12 h dort in der Wohnung.
Vorerfahrung mit tracheotomierten und beatmeten Pat. werden natürlich gerne gesehen; es ist aber kein Muß. Normalerweise werden Fortbildungen oder sogar die Weiterbildung für außerklinische Intensivpflege angeboten, und man wird beim jeweiligen Pat. eingearbeitet (meist mind. 1-2 Schichten mit einer bereits erfahrenen Pflegekraft, denn wenn man erst mal alleine dort arbeitet, kann man ja keinen mal eben fragen).
Ich bin momentan fest in einer Versorgung, d. h. bei einem Pat., gibt aber auch Kollegen, die in verschiedenen Versorgungen tätig sind.
 

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