Konflikte in der Pflege aufgrund von Diversität

Sonnenkind094

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Hallo!
Hatte von euch schonmal jemand heftige Konflikte in der Pflege (selbst als Pfleger/Arzt oder als Patient) wegen Diversität (andere Hautfarbe/Religion, Geschlecht, Behinderung,...) oder schonmal was gehört?
danke schonmal!
 
Was verstehst du unter heftigen Konflikten?

Wenn man so will, treffe ich häufig auf zutreffende Problematiken. Aber ich werte schon entsprechende Äußerungen als grenzüberschreitend zu heftig. Ich würde nicht alle Nuancen von ihnen Alltag nennen, aber durchaus häufig. Ich treffe häufig auf Neonazis (besoffen und nüchterner Natur), Reichsbürger, verkappte Faschos... mit all den widerlichen Auswirkungen auf deren Umfeld - häufiger unter Patienten, selten (eher sehr selten) aber auch unter Kollegen (ärztlich wie pflegerisch). Homophobe Tendenzen sind auch immer wieder mal erkenntlich, aber nicht so häufig wie rassistische, islamophobe, sexistische, chauvinistische, flüchtlingsfeindliche/migrantenfeindliche, faschistische oder antisemitische Äußerungen/Haltungen (all diese könnte ich bei nochmaligem Nachdenken, je nach "persönlicher Eichung" bzw. Sensibilität , aber auch mit einer täglichen Häufigkeit benennen) - auch hier wieder bei Allen (Patienten, Angehörigen, ärztliche Kollegen, pflegerische Kollegen). Auch Menschen mit sozialdarwinistische Äußerungen bzw. Haltungen sind mir schon untergekommen.

Nur, dass ich nicht falsch verstanden werde, ich persönlich werte all diese menschenverachtenden Haltungen/Äußerungen als zu heftig ein und sie haben ein immens hohes Konfliktpotenzial für mich persönlich - aber nicht immer bzw. seltenst bis nie entsteht für mich ein Konflikt (z.B. im Sinne des Phasenmodell der Eskalation nach Friedrich Glasl) daraus. Doch, wo ich kann, also genug Mut (daran scheitert es immer seltener ;) ) & Raum dazu habe, hake ich stets ein und halte dagegen. Was meinst du genau mit deiner Frage, worum geht es dir konkret?
 
Zuletzt bearbeitet:
Es gibt Patienten die sich nicht von dunkelhäutigen Pflegekräften anfassen lassen wollen. Argumente waren: die sind doch alle verseucht, die wollen mich umbringen,kein Bimbo faßt mich an. Dann gab es welche die etwas gegen Pflegekräfte mit Kopftuch hatten, weil Muslime sind alle böse. Muslimische Männer (Patienten und Ärzte)die nicht mit Frauen sprechen wollten. Ein Altnazi, der erst mal jeden fragte ob er Jude sei, denn von denen ließe er sich nicht versorgen. Ich haben auch schon Pflegekräfte erlebt die vorbehalte gegen dunkelhäutige Asylanten hatten, und sich darum drückten diese zu versorgen. Ich selbst habe keinerlei Vorbehalte gegen wen oder was auch immer. Wenn mir solche Vorurteile begegnen, dann halte ich dagegen und versuche zu überzeugen.
 
Vorfälle wie bei meinen Vorrednern kommen bei uns genauso vor. (Zumeist ältere) Patienten protestieren, wenn Mitpatienten anderer Religion oder Hautfarbe in ihr Zimmer gelegt werden sollen, oder wenn sie von Ärzten behandelt werden, die nicht offensichtlich blond und blauäugig sind. Es gibt Beschwerden über das Essen seitens der islamischen Patienten, obwohl wir uns bemühen, auch nur bei Verdacht Mahlzeiten ohne Schweinefleisch zu bestellen, bis wir genauer nachfragen können.

Mein letztes kritisches Ereignis war ein leicht renitenter Patient, der partout nicht einsah, warum er nicht direkt in einem Verbindungsgang zwischen zwei Gebäudetrakten seinen Gebetsteppich ausbreiten durfte. Als dann das Intensivbett aus dem OP vor ihm stand und drei nicht mehr ganz geduldige Kollegen ihm die Meinung kundtaten, gabs richtig Ärger.
 
Bei einem früheren Arbeitgeber gab es mal große Probleme mit einer Roma-Familie, die sich in den Räumen des Krankenhaus, nahe beim Patienten, häuslich niederließ - es wurde geklaut, Rollstühle zum Spielen "ausgeliehen" und dabei beschädigt usw. Die Leitung des Krankenhauses gab Regeln im Umgang mit der Familie aus, damit die Mitarbeiter nicht gegeneinander ausgespielt werden konnten. Das ist eine Art Diversität in Sinne eines anderen Wertesystems, die in einer Einrichtung wie einem Krankenhaus nun mal nicht toleriert werden kann.

Gelegentlich kommen - leider - abfällige oder kritische Bemerkungen gegenüber anderen Patienten oder Besuchern vor, die sich nicht zuschulden kommen lassen. Der Anblick einer muslimischen Patientin mit Kopftuch veranlasste z.B. eine andere Patientin zu der Frage: "Haben Sie auch deutsche Patienten?" Nach einer Schrecksekunde erklärte ich, ich sei bisher der Meinung gewesen, dass der Aufnahmegrund in ein Krankenhaus der Gesundheitszustand sei und nicht die Nationalität (die ja nicht mal gemeint war) - aber natürlich, natürlich, soooo sei das ja gar nicht gemeint gewesen.

Seltener wurden (mir gegenüber, die ich nunmal Deutsche bin) über die ausländischen Kollegen gelästert. Hier in der Großstadt haben wir davon sehr viele, allein unter den Pflegenden meiner Station sind bestimmt acht verschiedene Nationen vertreten, mit Ärzten, Servicekräften, Physiotherapeuten usw. sind es sicher zwölf bis 15.
 
Wir hatten mal in der Neuro einen Pat., der war schon schön stramm rechts.
Ausgerechnet der wurde aber von einer farbigen Ärztin betreut... das war für ihn aber kein Problem. :roll: :D
Gut fand ich, daß der Chefarzt ihm eine klare Ansage machte! :daumen:
 
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Mich hat hier so ein Idiot mal mit "Hitlergruss" beleidigt, ich habs gemeldet und ihm wurde die Meinung gesagt. Dass ich den noch nicht mal mehr mit dem A**** angucke, egal wie mies es ihm geht und wie oft er klingelt, haben alle Kollegen akzeptiert.
Wir haben auch farbige Kollegen von La Réunion hier (was ja französisch ist). Wenn die Probleme kriegen, sind wir solidarisch (meist nur "neue Patienten"), und manchmal sind auch die Muslime zickig, wenn sie von Frauen versorgt werden (aber das ignorieren wir, sie müssen akzeptieren, dass wir nicht die von zuhause mit dem Kopftuch sind).
Und unser Chefarzt ist Jude (was aber die wenigsten wissen). Er ist der beliebteste Arzt, weil der engagierteste.
 
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