Fühle mich auf der Station ausgenutzt

Cira

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Hallo,

Ich wollte einfach mal ein Thema ansprechen und fragen, wie ihr mit sowas in ihrem Job umgeht.

Seit 3 Jahren bin ich nun im Beruf und arbeite auf einer kardiologischen Station, Bei uns sind immer sehr viele Kollegen krank. Einige sind pro Jahr viele Monate krank, viele andere einige Wochen pro Jahr, wenn man alle Krankheitstage zusammenrechnet. Dementsprechend muss der geschriebene Dienstplan permanent umgeplant und improvisiert werden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Ich selbst war in den drei Jahren hier als einzige Person nicht einen Tag krank. Mit mir sind das noch zwei, drei Kollegen, die sehr selten mal krank sind. An uns bleibt es dann natürlich ständig hängen, entweder Dienste der kranken Kollegen zu besetzen und einzuspringen oder eben in geringer Besetzung zu arbeiten. Ständig wird man angesprochen. "Kannst du dort Spät statt Früh machen?" "Kannst du noch eine Nacht länger machen?" "Kannst du nächste Woche nochmal zusätzlich drei Nächte machen?" "Kannst du an deinem freien Wochenende einen Dienst abdecken?"

Mir ist klar, dass ich es gesetzlich nicht muss. Aber man fühlt sich moralisch irgendwie dazu verpflichtet, auch den anderen Kollegen gegenüber, die dann noch da sind. Man weiss ja selbst, wie es ist personell unterbesetzt arbeiten zu müssen.

Ich habe auch kein Problem damit mal einzuspringen. Was mich stört ist, dass das als Selbstverständlichkeit genommen wird und mehr oder weniger auch so erwartet wird.

Ich hatte auch schon ein paar Tage, wo es mir nicht gut ging, ich aber trotzdem zum Dienst gekommen bin, um die noch verbliebenen Kollegen nicht hängen zu lassen. Meine Leitung sagt dann Sätze wie:"Hoffentlich fällst du nicht auch noch aus, dann weiss ich nicht mehr weiter." Was wohl so viel bedeuten soll wie:"Melde du dich nicht auch noch krank."

Ich habe noch nie mal ein Lob gehört für meine Zuverlässigkeit oder ein paar nette Worte dafür, dass ich oft einspringe und die Station mit am Laufen halte. Und ich bekomme letztlich auch den gleichen Lohn wie andere Kollegen, die sich über das Jahr verteilt zwei, drei Monate krankmelden, obwohl ich viel mehr arbeite.

Nun steht Weihnachten vor der Tür und wie zu erwarten haben sich wieder etliche Kollegen krank gemeldet, die dort eigentlich für den Dienst geplant waren. Meine Leitung ist verzweifelt, es fehlen so viele Dienste. Und natürlich wurde ich wieder gefragt, ob ich arbeiten könne, obwohl ich mit frei geplant war. Da ich keine Kinder habe und ledig bin, wird auch subtil unterstellt, ich sei deswegen ja flexibel. Als hätte ich kein Privatleben.

Ich habe natürlich auch Familie und wollte Weihnachten feiern, was ich meiner Leitung auch gesagt habe, worauf sie sehr enttäuscht reagierte und meinte, dann wüsste sie auch nicht, wie die Dienste noch besetzt werden sollten, Nun habe ich wieder ein schlechtes Gewissen.

Manchmal hatte ich schon den Gedanken, mich einfach krank zu melden wie der Grossteil meiner Kollegen auch. Dann wird einem moralisch nichts vorgeworfen, man braucht sich nicht ständig rechtfertigen und bekommt sein frei wenigstens so, wie es geplant war.

Geht es hier jemandem so ähnlich? Wie geht man damit um? Auf Dauer kann ich das ehrlich gesagt nicht mehr, es laugt mich körperlich und auch psychisch aus. Man bekommt gar keine Luft mehr zum durchatmen. Jeden Tag, wenn ich zum Dienst komme, rechne ich schon damit wieder darum gebeten zu werden irgendwo einzuspringen.

Würde mich freuen, wenn ihr ein paar Anregungen dazu hättet, wie man damit umgehen soll.
 

Resigniert

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Hört sich sehr bekannt an.
Es gibt aber ein einfaches Mittel dagegegen - das Umsetzen ist leider nicht so einfach.
Sprich das Zauberwort aus: NEIN !
Also: du hast mit deinem AG einen Vertrag geschlossen - soundsoviele Tage stellst du deine Arbeitskraft zu seinen Bedingungen zur verfügung. Mit dem genemogten DP ist sein Direktionsrecht erschloschen. ER ist auch für das Ausfallmanagment verantwortlich - in Vertretung eben einer z.B. Stationsleitung.
Der AG - die SL - kennt aber ihre Pappenheimer recht genau und weiß genau, wie sie diese anzusprechen hat. genau deshalb hat sie ihren Posten.
Sie weiß genau weshalb jemand in die Pflege gegangen ist - die meisten: um "den Menschen" zu helfen und in einem Team zu den "Guten" zu gehören - siehe Aufopferung in der Entstehungsgeschichte der deutschen Krankenpflege - da ist noch viel zuviel kirchliches Dienertum in den Köpfen.

Du kennst das Sagen/hören Prinzip?
So wie du erzählst, hörst du immer, auch wenn es mal niemand ausspricht, auf dem Ohr: Ich werde gebraucht, ich bin die einzige Rettung.

DU bist nicht die Rettung, DU bist nicht für die Besetzung zuständig, DU brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, DU hast ein Privatleben und wenn es die Konklave wäre.
ABER: DU hast die Pflicht für dich selbst zu sorgen - um deine Arbeit (möglichst fehlerfrei) machen zu können
DU benötogst ausreichen Erholungszeit - um deine Arbeit konzentriert und möglichst fehlerfrei machen zu können
DU benötigst die Kompetenz für DICH sorgen zu können - wie sonst kannst du die Kompetenz der Sorge für die zu pflegenden Menschen zu entwickeln.

DU fällst allen Pflegenden in den Rücken - die die Verantwortung zur Personalgewinnung und Besetzung an den AG zurückverweisen.
DU hast keine Schuld wenn das Personal fehlt und musst es deshalb auch nicht ersetzen.

DU musst nur eines lernen: Nein sagen und dich dabei wohl fühlen - weil du dich für dich entschieden hast.
Denke immer daran, jeder kann dich verlassen, du kannst jeden verlassen, außer dich selbst.
Du musst dein Leben lang mit dir selbst auskommen.

Sorry für diesen Roman.
Ich habe diese Wandlung geschafft und es geht mir sehr gut damit. Komischerweise erfahre ich seitdem auch noch mehr Anerkennung. (aber der Weg war nicht einfach)
 

Cira

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Danke für die Rückmeldung. Im Prinzip hast du mit allem Recht.

Was mich am meisten dazu drängt immer wieder Einzuspringen ist einfach der Teamgedanke. Ich möchte meine Kollegen nie hängen lassen. Umgekehrt gibt es auch zwei, drei Kollegen, die selbst auch öfter einspringen um mich nicht hängen zu lassen. Man hat so das Gefühl, dass wir als Team zusammenhalten müssen, damit "unsere Station" läuft. Man fühlt sich irgendwie dafür mitverantwortlich.

Meine Stationsleitung bekommt wahrscheinlich auch Druck von der PDL, dafür zu sorgen, dass Leute einspringen. Sie wirkt immer sehr verzweifelt, so als wäre man selbst die letzte Hoffnung und dann möchte man die Leitung widerum auch nicht hängen lassen, weil man auch zu ihr eigentlich auch ein kollegiales Verhältnis hat. Trotzdem ist sie dann aber eingeschnappt, wenn ich nicht sofort "Ja" sage oder erstmal vorsichtig formuliere, dass ich da eigentlich nicht einspringen kann.

Von einigen Kollegen habe ich persönlich gehört, dass sie auch öfter mal "krank machen", wenn sie mal ne Auszeit vom Stress im Job brauchen. Ich verpetze die natürlich nicht, aber es macht mich dann auch wütend, wenn andere immer wieder mal eine oder sogar zwei Wochen "krankfeiern" und ich dafür auf dem Zahnfleisch gehe, meine Freizeit opfere oder nun wieder auf Weihnachten verzichte.

Mal zum Thema "Nein sagen":

Wie schafft man es, dabei dann kein schlechtes Gewissen zu haben? Nicht zu denken "Wegen mir haben die verbliebenen Kollegen nun einen schrecklichen Dienst" oder "Meine Leitung ist nun enttäuscht von mir."

Sagst du deiner Leitung ganz klipp und klar:"Ich möchte nur noch nach Plan arbeiten und möchte keine zusätzlichen oder getauschten Dienste mehr übernehmen. Punkt!"?
 

Martin H.

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Ich würde der Leitung ganz klar sagen, daß Du auch Familie hast und mit denen Weihnachten feiern wolltest und das ganz klar so geplant sei. Außerdem bräuchtest Du auch mal dringend eine Pause, um Dich zu regenerieren, sonst landest Du noch im Burnout.

Genau genommen musst Du eigentlich gar nichts begründen oder sagen und Du brauchst im Frei auch nicht ans Telefon zu gehen, wenn die Station anruft.
 

Isidor

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Ich kenn es auch und musste auch lernen NEIN zu sagen.
Mir ging es genauso, ich dachte das alles zusammenbricht wenn ich nicht einspringe. Aber siehe da, nichts des gleichen ist passiert. Und ich kann mein Leben so leben wie ich es möchte, freie Zeit inklusive.
Bin oft selber krank zum Dienst erschienen, abgedeckt mit Schmerzmittel, und hab dann ein Anruf vom Kollege/in entgegengenommen: „Sorry, hab solche Kopfweh, kann nicht kommen.“ Der jenischer hält nichts von Medikamente und zieht es vor sich auf der Couch mit einem Tee zurückzuziehen um sein Kopfweh zu heilen.
Bitte verstehe mich nicht falsch, natürlich kann Ruhe und ein Tee Wunder bewirken. Meine Einstellung dazu war einfach falsch. Es erwartet keine das ich krank zum Dienst komme, wenn ich es mache dann bin ich selber Schuld :weissnix:

Was ich sagen möchte ist, solange du korrekt und gut arbeitest und deine geplante Dienste einhältst (Wenn du gesund bist) muss du kein schlechtes Gewissen haben. Es ist nur eine Arbeitsstelle und nicht dein Leben, wie du richtigerweise auch schon erkannt hast.
Du bist weder deiner Kollegen noch deine SL was schuldig, außer deine geplante Arbeitsstunden.

Ich hoffe das du für dich bald eine Lösung findest :wink:
 

Resigniert

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Danke für die Rückmeldung. Im Prinzip hast du mit allem Recht.

ch gehe, meine Freizeit opfere oder nun wieder auf Weihnachten verzichte.

Mal zum Thema "Nein sagen":

Wie schafft man es, dabei dann kein schlechtes Gewissen zu haben? Nicht zu denken "Wegen mir haben die verbliebenen Kollegen nun einen schrecklichen Dienst" oder "Meine Leitung ist nun enttäuscht von mir."

Sagst du deiner Leitung ganz klipp und klar:"Ich möchte nur noch nach Plan arbeiten und möchte keine zusätzlichen oder getauschten Dienste mehr übernehmen. Punkt!"?
Ja, ich sage (z.B.) klipp und klar: nein, da habe ich etwas vor! - das kann dann auch ruhig so etwas wie auf der Couch sitzen und hier lesen und schreiben sein) ist schließlich meine Freizeit

Ja, ich sage klipp und klar: Nein, ich bin erschöpft und muss mich erholen um zum Zeitpunkt der nächsten Schicht arbeitsfähig zu sein.

Ich habe auch schon einfach nur: NEIN gesagt, denn ich muss mich in meiner Freizeit nicht erklären.

Wie ich mein schlechtes Gewissen abgelegt habe?

Ein durch einen Arzt angestoßener Prozess mit selbst mehr wahrzunehmen. Mich ernst zu nehmen, meine gesundheitlichen Probleme ernst zu nehmen und etwas dagegen zu tun - soweit sie denn als Ursache das JASAGEN zu den Wünschen Anderer hatten.

Ich kann niemanden ändern - nur mich selbst.
Es hat funktioniert
 

Jillian

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Wie lernt man Nein-sagen und verlernt ein schlechtes Gewissen?
- Für mich ein Lernprozess, als mir klar wurde, dass ich vor allem mir selbst mit dem Einspringen schade, aber auch die Personalpolitik meines Hauses unterstütze. Wenn ich einspringe, nehme ich mir jeden Grund, eine Veränderung zu erwarten. Wenns auch weiterhin so läuft, wieso sollte dann die GF für verbesserte Arbeitsbedingungen sorgen? Solange die Lelleks weiterhin klaglos schaffen, ist doch alles wunderbar.
Und genau deswegen schalte ich auf stur, wenn man mich fragt: Nein, ich bin nicht dazu da, die Missplanung der letzten Jahre aufzufangen. Diese Verantwortung liegt nicht bei mir und diesen Schuh zieh ich mir nicht an. Dann läuft eben mal eine Schicht doof, aber unser Team funktioniert gut genug, als dass man das, was nicht gut läuft, an die passenden Stellen zurück schiebt. Wir sind gerne unbequem! Nur so können für uns wir etwas verbessern. Veränderung hat noch nie mit Aus- und Stillhalten begonnen.
 
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Kardionaut

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So einfach isses leider nicht, das hier beschriebene "Nein sagen" finde ich richtig und voll in Ordnung, wenn es wie oben geschrieben um den Schutz der eigenen Gesundheit oder dem Wahrnehmen der eigenen Interessen dient. Ich persönlich finde, das muss sich aber abgrenzen von einem "Ich sage aus Protest und Prinzip nein, weil dir lieber AG werde ich es zeigen, ist nämlich dein Problem und nicht meines".

Dabei steht es natürlich außer Frage das der AN eine Planungssicherheit (Dienstplan) hat und vollkommen klar ist Aufbauorganisation, Personalgewinnung, etc.. Aufgabe des AG, jedoch finde ich, es ist auch immer etwas geben und nehmen.

Als Stationsleitung muss ich halt würdigen und wertschätzen einen Mitarbeiter wie dich zu haben, dein Flexibilität und dein ständiges Einspringen darf nicht selbstverständlich sein. Und wenn jemand wie du so viel Engagement zeigst, dann ist ein "Nein" doch auch voll ok, da musst du wahrlich kein schlechtes Gewissen haben.

Sehr effektiv bei großen Stationen finde ich eine Einspringprämie, 100€ Prämie pro Dienst wirken Wunder, so meine Erfahrung. Da geht es nicht mal darum, das du mehr Geld bekommst, sondern das der Pool der Einspringungswilligen auf einmal viel größer wird. Im besten Fall muss die Stationsleitung nicht mal mehr fragen, weil es vorab schon 6-7 Personen gab, die neben dem Dienstplan Ihre Einspringmöglichkeiten gegen Prämie für den Monat dokumentiert haben. Das funktioniert noch besser wenn es schon eine Pauschale dafür gibt, wenn Tage benannt werden. Z.B. 30€ für jeden vorher benannten freien Tag den ich einspringen könnte pauschal und dann nochmal 70€ oder 100€ für jeden tatsächlich eingesrungenen Tag. Auch betriebswirtschaftlich ist das durchaus sinnvoll für einen AG. Eine einzige Leiharbeitskraft kostet mich soviel mehr, da könnte ich dieses System auf 5 Stationen gleichzeitig einführen....
Aus Sicht der Leitung ist es auch wichtig das Einspringen zu würdigen und das ist ja problemlos möglich, dafür gibt es ja durchaus Führungsinstrumente. Die Leute die ein "Nein" kategorisch aus Prinzip fordern, sei nämlich gesagt, wenn ich jedes Recht einfordere, muss ich auch zu meinen Pflichten stehen. Was meine ich damit...als Leitung muss ich mir dann z.B. überlegen, ob ein Wunschdienstplan noch umsetzbar ist und natürlich muss ich die Dienstplanwünsche der Mitarbeiter wie dir (@Threadersteller) dann auch priorisieren. Wenn jemand so viel gibt wie du, muss es der Leitung ein Ansinnen sein, deine Dienstwünsche bevorzugt umzusetzen. Das Gleiche gilt selbstverständlich für Urlaub. Und den "Arbeitgeber das ist doch dein Problem, aus Prinzip nein"-Leuten sei gesagt, auch der Urlaub kann zu einer gewissen Prozentzahl (50% ohne Gewähr) vorgegeben werden. Ich sag nicht das das als AG clever wäre, oder praktikabel, aber ich möchte aufzeigen das man auch Pflichten wie ein/e "Mann/Frau" tragen muss, wenn man auf Rechte pocht.
Alternativ bleibt dir liebe Cira natürlich noch die Möglichkeit:
1.) mit deiner Leitung die Problematik nochmals zu besprechen, evtl. fehlt Ihr ja der empathische Blick um deine Sichtweise komplett zu erfassen. Und so wie du das oben geschrieben hast, kannst du das ja nochmals schildern, deine Ansicht ist ja komplett nachvollziehbar und vernünftig.
2.) dich nach einem anderen Arbeitgeber umschauen

Auf jeden Fall musst du auf dich aufpassen;)
 
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Wenn Du schreibst, Urlaub könne bis zu einem bestimmten Grad vorgegeben werden, so beziehst Du Dich sicher auf Betriebsurlaub, oder?
Dessen Höhe ist gesetzlich nicht vorgegeben, es gibt aber Urteile dazu (ca. 3/5 des Jahresurlaubs; andere sagten maximal zwei Wochen).
Dieser müßte dann aber immer rechtzeitig bekannt sein und der Betriebsrat hat auch mitzureden. Betriebsurlaub: Was darf der Chef anordnen? - Arbeitsrecht 2021

Ich denke aber, daß in Kliniken dieser Fall höchstwahrscheinlich nie eintreten wird und von daher hier irrelevant ist.

Grundsätzlich gebe ich Dir recht, es sollte immer ein Geben und Nehmen zwischen AG und AN sein, schließlich möchten AN ja auch DP-Wünsche haben.

Ich habe es jetzt aber bei keinem der Kollegen so rausgehört, daß sie pauschal immer und grundsätzlich nein sagen.
 
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Wenn Du schreibst, Urlaub könne bis zu einem bestimmten Grad vorgegeben werden, so beziehst Du Dich sicher auf Betriebsurlaub, oder?
Dessen Höhe ist gesetzlich nicht vorgegeben, es gibt aber Urteile dazu (ca. 3/5 des Jahresurlaubs; andere sagten maximal zwei Wochen).
Dieser müßte dann aber immer rechtzeitig bekannt sein und der Betriebsrat hat auch mitzureden. Betriebsurlaub: Was darf der Chef anordnen? - Arbeitsrecht 2021

Ich denke aber, daß in Kliniken dieser Fall höchstwahrscheinlich nie eintreten wird und von daher hier irrelevant ist.

Grundsätzlich gebe ich Dir recht, es sollte immer ein Geben und Nehmen zwischen AG und AN sein, schließlich möchten AN ja auch DP-Wünsche haben.

Ich habe es jetzt aber bei keinem der Kollegen so rausgehört, daß sie pauschal immer und grundsätzlich nein sagen.
"Für den Arbeitgeber stellt sich auch die Frage, inwieweit er einseitig Urlaub für einzelne Beschäftigte anordnen kann, zur Überbrückung von Zeiten mit weniger Beschäftigungsbedarf, zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen oder zur Vermeidung von Kurzarbeit. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber auch ohne Geltendmachung des Urlaubsanspruchs durch den Beschäftigten den Urlaub einseitig festsetzen."

Mit Sicherheit nicht praktikabel, aber rechtlich möglich. Praktisches Beispiel aus München: als damals erstmalig wg. Covid das elektive OP-Programm eingestellt wurde (ihr erinnert euch), gab es genug OP-Pflegepersonal/OTAs die in den Urlaub geschickt wurden. Ich kenne ein Münchner Haus in dem Pflegepersonal wegen des ausgefallenen OP-Programmes in Kurzarbeit geschickt wurde. Ich weiß Pflegepersonal - Kurzarbeit, hört sich verrückt an, war aber tatsächlich so. Um solche Maßnahmen abzuwenden, darf der AG selbstverständlich Urlaub anordnen und kein Betriebsrat würde das blockieren (glaube ich).
  • Die verbindliche Urlaubsplanung obliegt dem Arbeitgeber. Er muss dabei nach Möglichkeit die Wünsche der Arbeitnehmer berücksichtigen.
  • Dabei können betriebliche Belange Vorrang haben (In meinen Augen ein KO-Kriterium für den AN).
  • Der Arbeitgeber darf nach geltender Rechtsprechung nicht den kompletten Jahresurlaub seiner Mitarbeiter eigenmächtig verplanen.
  • Wenn mehrere Mitarbeiter zur gleichen Zeit Urlaub nehmen möchten, muss der Arbeitgeber unter sozialen Gesichtspunkten abwägen und entscheiden, wer Vorrang hat.
(Privatwirtschaft, nicht Öffentlicher Dienst)

Zugegeben alles nicht praktikabel, zumal das wahrscheinlich kein Mitarbeiter so einfach mit sich machen lässt...
Aber du hast nicht unrecht, so einfach scheint es nicht zu sein, daraus resultierend ist das hier sehr aktuell:
 
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Zuckerbrot und Peitsche!

Nein in meinem Tarifverbundenem nicht Aktiengesellschafts Krankenhaus funktioniert das anders - inzwischen.

Ich bin kein Einzelkämpfer mehr, ich habe Mitstreiter

Der AG hat gelernt zu kommunizieren und Wir haben gelernt zu kommunizieren.

Der AG darf anfragen und wir dürfen NEIN sagen. Wir bekommen alle mit wo es brennt und wir reden dann untereinander über die Situation. Wir teilen unserer SL durchaus mit - da und dort könnte ich - auch ohne Prämie. Keiner murrt beim wechseln des "heutigen" Einsatzortes - weil dort Ausfall ohne Ersatz.
Aber: der AG musste auch erst lernen das die Peitsche nicht funktioniert und dann das Zuckerbrot auch abgelehnt wurde.
Vielleicht funktioniertes bei uns so gut, da unser kleines Haus in dem jeder jeden kennt, in einen großen Verbund übernommen wurde. Wir AN hatten schon immer zusammengehalten und oft die Gewerkschaft eingeschaltet. Es war schwierig sich selbst zu schützen, es wurde durchaus mit den vielen arbeitswilligen Menschen vor der Tüt gedroht und Strafdienstpläne geschrieben.

Komischerweise hat sich der AG geändert durch die Übernahme, es wurde niemand in der Führungsebene unseres Hauses ausgewechselt! Sie durften halt die Kommunikationsstruktur des neuen "Besitzers" übernehmen.
Nein, auch bei uns ist keine heile Welt - aber vieles echt gut. Habe hier im Forum gelernt meinen AG hoch zu schätzen.

In 2020 wurden massiv Überstunden abgebaut bei uns (ich habe noch immer ca 400), aber der Urlaub blieb unangetastet. Der wird spätestens am 15. 12. des Vorjahres verbindlich genehmigt. Dieses Jahr bei der Urlaubsbesprechung wurden auch keinerlei Einscheänkungen erwähnt.
 

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Zuckerbrot und Peitsche!

Nein in meinem Tarifverbundenem nicht Aktiengesellschafts Krankenhaus funktioniert das anders - inzwischen.

Ich bin kein Einzelkämpfer mehr, ich habe Mitstreiter

Der AG hat gelernt zu kommunizieren und Wir haben gelernt zu kommunizieren.

Der AG darf anfragen und wir dürfen NEIN sagen. Wir bekommen alle mit wo es brennt und wir reden dann untereinander über die Situation. Wir teilen unserer SL durchaus mit - da und dort könnte ich - auch ohne Prämie. Keiner murrt beim wechseln des "heutigen" Einsatzortes - weil dort Ausfall ohne Ersatz.
Aber: der AG musste auch erst lernen das die Peitsche nicht funktioniert und dann das Zuckerbrot auch abgelehnt wurde.
Vielleicht funktioniertes bei uns so gut, da unser kleines Haus in dem jeder jeden kennt, in einen großen Verbund übernommen wurde. Wir AN hatten schon immer zusammengehalten und oft die Gewerkschaft eingeschaltet. Es war schwierig sich selbst zu schützen, es wurde durchaus mit den vielen arbeitswilligen Menschen vor der Tüt gedroht und Strafdienstpläne geschrieben.

Komischerweise hat sich der AG geändert durch die Übernahme, es wurde niemand in der Führungsebene unseres Hauses ausgewechselt! Sie durften halt die Kommunikationsstruktur des neuen "Besitzers" übernehmen.
Nein, auch bei uns ist keine heile Welt - aber vieles echt gut. Habe hier im Forum gelernt meinen AG hoch zu schätzen.

In 2020 wurden massiv Überstunden abgebaut bei uns (ich habe noch immer ca 400), aber der Urlaub blieb unangetastet. Der wird spätestens am 15. 12. des Vorjahres verbindlich genehmigt. Dieses Jahr bei der Urlaubsbesprechung wurden auch keinerlei Einscheänkungen erwähnt.
Super, wenn das so ist. Wenn man miteinander redet, und beide Seiten einander verstehen, dann passt doch alles.
Die Personalsituation ist ja nicht ein Problem im "jetzt", sondern es wird die eine große Problematik des kompletten zukünftigen Jahrzehnt. Der Wettbewerb um Personal wird der größte und wichtigste Wettbewerb für Krankenhäuser der nächsten 10 Jahre. Und dieser Wettbewerb wird am freien Markt ausgetragen. Die Häuser und Träger die das verstehen und diesen Wettbewerb erfolgreich bestreiten, werden gewinnen, der Rest geht unter. Und zu einem erfolgreichen Personalmanagement gehört eben nicht nur das Gehalt sondern auch die Rahmenbedingungen und Wertschätzung, das fängt im kleinen auf der Station an, weil Personalrekrutierung ist die eine Seite, Personalbindung aber die andere! Natürlich muss die Stationsleitung auch die Möglichkeiten und Instrumente bekommen um ihr Bestes beizutragen...Ihr scheint das zusammen mit dem AG gut hinbekommen zu haben, bzw. scheint Dein AG das Verstanden zu haben...gerade bei gemeinnützigen und öffentlichenTrägern noch nicht selbstverständlich, weil Sie sich in der Vergangenheit eben noch nie so professionell diesem Wettbewerb um Personal stellen mussten, wie es die private Unternehmen z.B. seit Jahrzehnten gewohnt sind. Aber es wird...
Aber nun ist es zu weit offtopic.
 
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Martin H.

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Die Personalsituation ist ja nicht ein Problem im "jetzt", sondern es wird die eine große Problematik des kompletten zukünftigen Jahrzehnt. Der Wettbewerb um Personal wird der größte und wichtigste Wettbewerb für Krankenhäuser der nächsten 10 Jahre.
Also das wundert mich jetzt... nach allem was ich gehört habe, ist es - zumindest in der Altenpflege - schon jetzt so, daß sich die AG um Fachkräfte reißen und daß schon alleine wenn ein neuer MA die Stelle antritt eine "Antrittsprämie" gezahlt wird... müßig zu sagen, daß da auch Mißbrauch getrieben wird.
 

aquarius2

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Also, ich würde mich nicht darüber aufregen, dass es Kollegen gibt, die öfter und länger krank sind. Bei uns sind viele Kollegen 40+ und einige wie ich schon fast 60! Da haben die Leute schon Mal die eine oder andere Krankheit. Diese Kollegen feiern nicht krank,die sind krank!

Ich bin seltener krank als solange Jüngeren Kollegen und ich erwarte kein Danke dafür. Bin ich dann Mal krank,bleibe ich auch ohne schlechtes Gewissen zu Hause.
 
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