Die 10-Euro-Bäcker-Saga: Wenn das „Einspringen“ länger nachwirkt als die Schicht selbst

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Hallo zusammen,

ich muss mal eine neue Rubrik eröffnen, die man eigentlich unter „Humor (schwarz)“ oder „Behördenwahnsinn“ abheften könnte. Es geht um die berühmte Einspringprämie.

Stellt euch vor: Die Station brennt, der Dienstplan ist löchriger als ein Schweizer Käse und das Telefon klingelt im wohlverdienten Frei. Man lässt sich breitschlagen, opfert das Wochenende und rettet die Schicht. Als „Zuckerl“ oben drauf gibt es das Versprechen: 10 Euro Einspring-Pauschale – als Gutschein vom Bäcker.

Klingt erst mal nett? Hier fängt der Wahnsinn an:

  1. Die Wertschätzung: Wir reden hier über den Gegenwert von ca. drei belegten Brötchen und einem Coffee-to-go für die Zerstörung der Work-Life-Balance. Aber okay, man ist ja kollegial.
  2. Die Bürokratie: Man sollte meinen, so ein Gutschein läge in der Schublade der PDL. Weit gefehlt! Wer denkt, er könnte sich am Montag danach die verdiente Belohnung abholen, hat die Rechnung ohne die Verwaltung gemacht.
  3. Das Langzeit-Projekt: Man läuft diesem Stück Papier Monate hinterher. „Ist noch nicht unterschrieben“, „Die Buchhaltung prüft noch die steuerliche Relevanz“, „Der Bäcker hat das Kontingent noch nicht geliefert“.
Das Ergebnis:

Man fühlt sich nicht wie eine hochqualifizierte Pflegekraft, die den Laden am Laufen hält, sondern wie ein Bittsteller, der um ein Almosen bettelt. Es ist fast schon ironisch: Wir pflegen Menschen in Rekordzeit, aber das System braucht ein Vierteljahr, um einen 10-Euro-Coupon für Croissants lockerzumachen.

Ehrlich gesagt: Wenn ich für 10 Euro beim Bäcker drei Monate lang Inkasso-Büro spielen muss, dann kostet mich der Kalorienverbrauch beim Nachfragen mehr, als ich am Ende essen kann.

Wie sieht das bei euch aus?

Habt ihr auch solche „Prämien“, denen ihr länger hinterherlauft als einem verwirrten Patienten im Nachtdienst? Bekommt ihr Cash, Gutscheine oder nur einen feuchten Händedruck (der dann auch erst nach Quartalsende)?

Ich bin gespannt auf eure Geschichten vom „Gutschein-Lauf“!
 
Solche Dienste werden gerade eingeführt, in zwei Varianten. Bei einem kann ich zuvor angeben, dass ich an einem freien Tag zum Einspringen bei Bedarf bereit wäre. Da muss man mir spätestens am Tag zuvor Bescheid geben. Bei einer anderen Dienstform kann man mich noch einige Stunden vorm Dienst bzw. eine Stunde nach Dienstbeginn anrufen. Ich darf nur eine bestimmte Anzahl an solchen Diensten überhaupt anbieten, abhängig davon, wieviel Prozent ich arbeite.)

Die Entlohnung fürs Einspringen ist deutlich höher als 10,- Euro und wird auf dem Gehaltskonto landen ( zeitversetzt, wie alle Zuschläge). Da wir aktuell auch häufig angerufen werden, einspringen und das bisher keinerlei finanziellen Vorteil gab (keine Überstundenzuschläge bei Arbeitszeitkonto!) bin ich gespannt, wie sich die neue Regelung auswirken wird.

Ich bin auch Schichtleitung. Ich hab auch schon verzweifelt herumtelefonieren und jemanden für den Spätdienst oder Nachtdienst organisieren müssen. Wenn ich dann anhand des Dienstplans sehen kann, dass sich heute jemand zum Einspringen bereit erklärt hat, wäre das auch in dieser Position wesentlich angenehmer.
 

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