Bronchialkarzinom rechts + COPD + Metastasen + Raucher

Luna-lunera

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Hallo liebe Leute, ich habe eine Frage. Ich habe eine Hausaufgabe und meine Patientin hat Bronchialkarzinom rechts mit Cerebrale Metastasen, COPD III und sie ist Raucher.
Ich habe mich gefragt wieso hat sie keine Atmenträining wie Lippenbrensem oder Acapella :idea:. Wäre es nicht sinnvoll?
Ich bin Unterkursschülerin.
:wavey: Danke
 

Neuromaus

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Prinzipiell sind Atemtraining und Atemtherapie bei jeder Art von Lungenerkrankung sinnvoll.
Kann es denn sein, dass die Patientin vielleicht nicht besonders compliant ist? Hört sich irgendwie so an, wenn man bei Bronchial-CA und COPD III immer noch raucht.
Wird sie denn noch kurativ behandelt? Oder nur noch palliativ? Cerebrale Metastasen können ja ganz unterschiedlich lokalisiert sein und damit auch eine sehr unterschiedliche Prognose haben.
 

Neuromaus

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Das nicht rauchen würde hier auch nicht mehr helfen
Das ist wohl wahr. Ich habe mich da blöd ausgedrückt. Ich meinte das so: Wenn man bei der Diagnose COPD (oder Bronchial-CA) weiterraucht, obwohl man aufgeklärt wird, dass das die Krankheit verschlechtert und man damit gegen die Therapie arbeitet, ist das durchaus ein Zeichen mangelnder Compliance. Da werden alle Geschütze aufgefahren an verschiedenen Inhalativa, Sauerstofftherapie, Chemotherapie, Bestrahlung und so weiter und so fort. Alle Beteiligten geben sich alle Mühe, gegen die Krankheit des Patienten zu kämpfen. Nur der Patient, der kämpft gegen die Therapie. Das nenne ich mangelnde Compliance.
Diese Einsicht kommt für die Frau aus dem Fallbeispiel wahrscheinlich zu spät. Jetzt kann ihr das Aufhören mit dem Rauchen höchstwahrscheinlich leider nicht mehr das Leben retten.
 

Resigniert

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Rauchen ist eine Suchterkrankung. Eine COPD + Lungen/BronchialCa merkst du nicht sofort. Wenn die ersten Dymptoe kommen mit Luftnot verdrändt der Mensch noch gerne, einige wollen Nichtraucher werden und schaffen es oder nicht.
Wenn die Symptome stärker werden und dann die (vernichtende) Diagnosen gestellt werden, ist es im Grunde schon zu spät. Nichtrauchen verlangsamt evtl. die steigende Luftnot, besser wird es nicht, auch nicht mit Chemotherapie.
Ist recht belastend für die Psyche - und dann soll man gleichzeitig eine Sucht bekämpfen? Diese Kraft haben sehr viele nicht mehr. Die können einfach nicht aufhören zu rauchen. Ja, das ist incomplient, aber verständlich.
Dann müssen Palliativgespräche geführt werden. Was geht noch, Heilung geht eh nicht mehr.
Weder die Ärzte noch die betreffenden Patienten trauen sich ehrliche Gespräche zu führen - daran hapert es.
Wer fragt denn den Patienten ernsthaft, was ER möchte, bei Null Heilungsaussicht.
Bitte jetzt keine Organtransplantationsvorschläge.
Ich kenne diese Patienten zur genüge - die gehen mit O2 Geräten zum rauchen und klingeln dann bei Wiederankunft auf Station Alarm wegen Luftnot. Aber meine Wünsche sind nicht ausschlaggebend - es ist der Patientenwille.
Der Pat spricht eher davon dass weder Arzt noch Pflegepersonal ihn verstehen - die sind Incomplient
 
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Luna-lunera

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Hallo, vielen Dank für Ihre Antworten.
Es ist genau wie Sie sagen, die Patientin hat einen reduzierten Allgemeinzustand und ich habe diesen Fall als Beispiel genommen, weil er sehr interesant ist. Wir haben in der Schule Pneumonieprophylaxe und andere Prophylaxen gelernt. Deswegen würde ich gern eine Acapella oder eine Lippenbremse empfehlen. Aber User Resigniert hat einen Punkt gebracht, den ich nicht im Kopf hatte.
Wer fragt denn den Patienten ernsthaft, was ER möchte, bei Null Heilungsaussicht.
Aber als Schüler (wir sind nervig) wollen wir alle Skalen und Prophylaxen anwenden aber ich glaube auch das es wäre zu viel für diese Patientin.
Die Körperpflege ist eine Herausforderung, sie will nicht (selbstverständlich) einfach. Aber es ist ein Muss.
 

Resigniert

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Die Körperpflege ist eine Herausforderung, sie will nicht (selbstverständlich) einfach. Aber es ist ein Muss.
Ist die Patientin unter gesetzlicher Betreuung? Darf sie nicht mehr über den eigenen Körper verfügen?
Wenn sie nicht unter Beteuung steht, sie sich nicht waschen/waschen lassen will: soll sie gezwungen werden?

Gehört dies nicht in den Rechtskundeunterricht?
Inwieweit darf eine Pflegeperson über einen anderen Menschen, hier von mir vermutet nicht unter Betreuung stehend, bestimmen? Meiner Meinung nach eher nicht.
Selbstbestimmung ist ein juristischen Recht jedes Menschen
 

Neuromaus

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Inwieweit darf eine Pflegeperson über einen anderen Menschen, hier von mir vermutet nicht unter Betreuung stehend, bestimmen? Meiner Meinung nach eher nicht.
Selbstbestimmung ist ein juristischen Recht jedes Menschen
Das ist natürlich eine wichtige Frage, aber sie ist etwas off topic. Ursprünglich ging es ja mal um die Frage nach Atemtherapie für diese Patientin.
Sorry, soll nicht heißen, dass die Frage nicht berechtigt ist, denn das ist sie durchaus. Aber wenn jetzt alle darauf eingehen, kommen wir sehr weit vom Thema ab.
 

-Claudia-

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Wer fragt denn den Patienten ernsthaft, was ER möchte, bei Null Heilungsaussicht.
Oh, ich hoffe, das tut man, v.a. im Palliativbereich.

Welchen Effekt hätte die Atemtherapie? Die Krankheit wird man nicht mehr heilen können. Aber gibt es belastende Symptome, die dadurch gelindert werden könnten? Dann fände ich eine Empfehlung angebracht.
 
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MedCo61

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chronisch Kranke, über viele Jahre krank ... das wirkt sich auch auf die Psyche aus
schau dir mal diese beiden links an

Psycholog.Faktoren

psych.Auswirkungen

deine Patientin würde ich wohl in den F17... + F54... Bereich einsortieren

wir haben in unserem Hause keine Psychiatrie, dafür dürfen wir die psych. Folgen chronischer Krankheiten u.a. auch in der Pneumologie, Gastroenterologie, Onkologie, ... eigentlich in fast allen Bereichen, hautnah miterleben

Ist der Pat einsichtig und motiviert, machen Inhalationen (Schleimlösend + Bronchien erweiternt), Atemtherapie, Atemgymnastik - besonders bei COPD zur Stärkung der Atemmuskulatur und somit Erleicherterung der Atmung echt Sinn,

aber man kann niemanden zwingen das zu wollen, was sinnvoll wäre ? (ich setze Orientiertheit jetzt mal voraus)

und ich denke ihr Krankenhausarzt / ihr Hausarzt wollen sicherlich auch das sie ein möglichst erträgliches,
symptomarmes Ende vor sich hat. ... Aber erzwingen kann man nichts.

und jetzt mal meine persönl. Meinung als alter Pfleger:

wie soll die letzte Zeit deiner totkranken Pat aussehen? möglichst glücklich, zufrieden, schmerzfrei .... ?

oder mit nervigem Personal das Sachen aufdrängen möchte, was Sie viell. einfach nicht möchte,

Ist doch auch legal und erlaubt, wenn ein Mensch in dieser Situation sich selbst aufgibt, den Lebenswillen verliert, den gibt es ja nicht als Tablette / Spritze ...
Sollten wir uns nicht überlegen wie wir die restliche Zeit ein wenig schöner/angenehmer gestalten können, ob wir in der Lage sind im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas dazu beizutragen

ist doch eine Überlegung wert, oder ?
ich sehe häufig das Karzinompatienten, COPD- , Asthmapatienten usw. mind. 1 Antidepressivum / Stimmungsaufheller bekommen,
ist doch kein Wunder bei solchen Diagnosen und deren Auswirkungen, z.B. anstrengende Atmung bei COPD/Asthma ... usw.

liebe Grüße und ein schönes Wochenende
MedCo :lamer:
 
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