Zweifel...

Catanurse

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10.11.2024
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1
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Trainee Intensivpflege
Funktion
Einarbeitung
Hallo liebe alle:)

Ich würde mich total über ein paar Worte/ Meinungen/ Tipps am besten von erfahrenen Kolleg*innen aus der Intensivpflege freuen!
Meine Situation ist folgende:
Ich habe im März diesen Jahres mein Examen auf einer anästhesiologischen-chirurgischen Intensivstation gemacht und auch davor einige Intensiv-Einsätze gemacht. Da mir der Bereich am besten gefallen hat, hatte ich auch den Wunsch nach dem Examen direkt auf einer Intensivstation anzufangen.
Da der Bereich natürlich extrem verantwortungsvoll ist und mir einfach noch eine menge Erfahrung fehlt, habe ich mich dafür entscheiden ein Trainee-Programm zu machen (also ein halbes Jahr habe ich nochmal Praktika auf verschiedenen Stationen).
Meine erste Station ist seit vier Wochen eine internistische High-End-Station. An sich läuft es gar nicht so schlecht, aber mich ärgert es, dass ich so schnell überfordert und unsicher bin, wenn es darum geht schnell auf Situationen zu reagieren.
Beispiel: Bei einem Patienten war die Trachealkanüle mit Sekret verlegt. Ich habe schnell meinen Einarbeiter zu Hilfe geholt und dann mit dem Absaugen begonnen (Kanüle war nicht so dicht, dass sie hätte gewechselt werden müssen). Ich weiß nicht, ob man es als Blackout in einer Drucksituation bezeichnen kann, aber ich habe doch tatsächlich ein zeitlupenartiges steriles Absaugen durchgeführt (man bekommt ja in der Ausbildung so eingetrichtert, dass sowas unter keinen Umständen umsteril sein darf) und mich dabei auch noch total doof angestellt. Diese Situation verfolgt mich jetzt echt. Jetzt mal davon abgesehen, dass mein Einarbeiter echt nicht amused war, hätte der Patient durch mich auch ersticken können.
Ich meine, ich habe auf eine krass harte Weise aus dieser Situation gelernt und würde sowas nie nie nie wieder tun. Aber allein, dass ich überhaupt so blöd sein konnte, lässt mich an meiner Eignung für den Beruf zweifeln, obwohl ich eigentlich definitiv kein fahrlässiger Typ bin :(
Was meint ihr dazu?
Mir ist schon klar, dass ich noch frisch und grün bin, aber bestimmte Fehler dürfen nun einmal nicht passieren und ich will niemandem dadurch schaden, dass ich mir nicht eingestehen will, dass ich für das ganze nicht geeignet bin.....
Das hat mich jetzt so ziemlich entmutigt, zumal die Dienste davor ganz gut liefen und ich die Hoffnung hatte, langsam rein zu kommen....
 
Meine Meinung (nachdem bisher noch kein anderer geantwortet hat):
Du bist zu hart zu Dir.

Außerdem bin ich der Meinung, bevor einem jemand erstickt, lieber nicht zwanghaft 100% steril arbeiten.

Ich bin allerdings auch kein Intensivpfleger.
 
Moin.
Joar so zu Beginn (und nicht nur da) kann man schon mal versehentlich im Standby landen. Intensivpflege ist ständiger Mentaler/ Emotionaler Stress.

Ein paar Dinge zum Absaugen.

- Vorweg. So schnell erstickt ein Pat. nicht, wirklich nicht.
- Es ist "NUR" mega unangenehm und beängstigend bei einer Totalverlegung. Das Wiederrum könnte im Nachgang eine PTBS auslösen. Also auch das ist kein Pappenstiel. Passiert aber wirklich eher selten das der Pat. davon alleine eine PTBS bekommt. Fakt ist aber mehr als 60% der ITS Pat. bekommen eine PTBS. aus dem Gesamtkonstrukt und Aufenthalt.
- Eine akute Totalverlegung ist ein Notfall und da ist unsteril besser als steril zu langsam
- kommt auf die Konstellation des Stomas an ist die TK zu sichern. Also darf nicht rausrutschen.
- Im blödesten SELTENEN Fall kollabiert die Trachea in der panischen Inspiration. Hatte ich leider mal, war kein Spaß
- Tip. Wenn du absaugst halte in der Zeit selber die Luft an. Man unterschätzt beim Versuch den blöden Popel einzusaugen sehr schnell wie lang man dem Pat. da den Sauerstoff absaugt.
- Verschaffe dir zu Schichtbeginn eine Übersicht über die TK, welche Größe, wo liegt Ersatz, GREIFBAR in der NÄHE, SPEKULUM nicht vergessen, Führungskatheter (kann ein Absaugkatheter sein) genauso in der Nähe zum Seldingern, Beatmungsbeutel etc. an der Maschine, Cuffdruckmesser und was wirklich wichtig ist.
- !!! Verschaffe dir einen Überblick über die Länge der Kanüle, Tubus. Wirklich das ist wichtig. Miss das mal aus, damit du weißt wann du mit dem Katheter über die Kanüle hinaus bist. Beim Absaugen passiert so häufig DER FEHLER. nämlich das die Carina ständig an gerissen wird und dafür sind die Absaugkatheter zu scharf. Somit kommt es ständig zu traumatischen absaugen, Blutungen und dann erst recht zu Verlegungen. Denn dieses Schnodder-Thrombozyten-Gemisch klebt so richtig am Tubus.


Allerdings kann ich Martin nur beipflichten. Du gehst mit dir ins Gericht. Ob das zu hart ist weiß ich ehrlich gesagt nicht. Denn das zeigt deinen Respekt und der ist NOTWENIG in diesem Bereich. Ich habs leider schon oft genug gesehen das so einige die Situation unterschätzen und sich sehr riskant verhalten. Und auch schon wie es in die Hose gegangen ist.

Und auch mir sind schon derbe Dinge passiert. Du kannst schlichtweg nicht überall gleichzeitig sein etc. Und manchmal hängt sich auch die Software auf. Vor allem zu Anfang.

Hier mal mein erster Tag nach der Einarbeitung auf einer High End ITS
Pat. älter, mit Tubus, auf ITS um nach der OP kontrolliert extubiert zu werden.
Leider ist der Stress auf der ITS enorm. So eine Extubation MUß von abstellen der Sedativa bis zum Tubus entfernt min von einem Pfleger und Arzt begleitet werden. Die Regel ist aber iwer stellt iwann die Sedierung aus, hat kein Bock zu warten und verlässt wieder das Zimmer. Da der Pat. ja noch sooooo weeeiiiit weg ist. Dann wird das vergessen, der nächste Blöde geht rein, setzt einen Reiz (Licht an, ein Geräusch etc.) der Pat. wird schlagartig wach, bekommt Panik und zieht sich den Rüssel raus.
End vom Lied. Pat. zog sich, unbemerkt, wach geworden den Tubus, welches erst bei O2 Abfall auffiel. Reintubation war nicht möglich, so kam es zur Koniotomie. Ich stand heulen im Zimmer, war mein Pat. Heute weiß ich, war nicht mal meine Schuld. Sondern die des Arztes der einfach mal die Sedierung ausstellt, raus geht und nichtmal mit mir redet. Ich hab mich aber wochenlang schlecht gefühlt. Der Pat. hatte keine Schaden genommen außer das der jetzt ne Narbe im Hals hat.

Auch ist in meiner Pause mal fast einer pat. erstickt, weil die Kollegen lieber zu 3. ein Laken eingezogen haben als mal auf meinen Alarm zugehen. ein anderer hatte die Trachea kollabiert und die Docs sind im Hyperfokus nicht darauf gekommen das die Trachea Kollabiert ist. Bis ich iwann im Zimmer wirklich rumgebrüllt hatte das sie endlich mal gucken sollen das ihre Bebeutelung absolut ineffektiv war. etc. Mir wurde höchst offiziell verboten eine Insulinmischung 1/1 1IE Insulin auf 1ml NaCl zu erstellen weil die Kollegen damit nicht umgehen können und viele andere Dinge. Auch sind die Verdächtigungen das du Schuld bist sehr schnell bei dir. Das liegt daran das der Job eben höchst verantwortungsvoll ist und die wenigsten wirklich damit umgehen können. So werden Fehler verschwiegen und die Schuld beim andern gesucht.


Ich kann dir nur sagen: Diese Gefühl ist normal und wird dich noch einige male ereilen. JEDEM in dem Job ist das schon passiert und passiert es noch. Viele reden nur nicht darüber. Weil es eben so unangenehm ist. Das ist mit die große Herausforderung der Intensivpflege. Denn wir alle machen Fehler, wir werden da nicht drumherum kommen. Und gerade diese Situationen und unangenehmen Gefühle halten uns wachsam.

und dieses "Fehler dürfen NICHT passieren..." gewöhnst du dir mal ganz schnell ab.

Solchen Fehler SOLLEN bestmöglich nicht passieren, sie lassen sich aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer verhindern.

Du bist im Trainee und ich finde dieses Konzept super. Um eben auch genau solche Erfahrungen zu machen ohne gleich knallhart verantwortlich zu sein. Wenn der Trainer da komisch guckt etc. hat eher der seinen Job nicht richtig verstanden. Was auch eher die Regel ist.

Ich hatte damals das Glück mich mit dem Stationsleiter sehr gut zu verstehen. Der eine unfassbare Fairer und gute Fehlerkultur gelebt hat. Ich war mit meiner Ehrlichkeit selten und bin auch wirklich nur zu ihm. Er alleine hat mein Selbstvertrauen auf der ITS aufgebaut. Durch das wir meine Fehler durchgegangen sind. Ich konnte so sehr viel lernen. Aber hat er mir auch klar aufgezeigt wo andere Mist gemacht hatten und mir in die Schuhe geschoben wurde. Ich hoffe du findest eine solche Person als Mentor.

Ein mir wirkliches Anliegen "Mach dich bei deinem Gegenüber nicht so klein" Du bietest dich an in diesem Hexenkessel der Sandsack zu werden.
Denn deine Einarbeiter hat selber genauso seine "Leichen im Keller" und weiß das du das nicht mit Absicht gemacht hast, er selber ist aber genauso verantwortlich für das "Überleben" des Patienten und kommt nun selber nicht mit dem Stress/ Druck/ Verantwortung zurecht ;)
Sachliches anerkennen des Fehlers,
Einsicht, selbstreflektion sind vollkommen ausreichend diesen Job zu lernen. Dur mußt dich nicht vor den anderen auf Knien bücken. Versuch dich nicht über "das hätte nie passieren dürfen..." zu regulieren und im Team auf Gnade zu hoffen. Du schaufelst dir so dein soziales Grab. Du hast wie jeder andere Anspruch auf eine Erwachsene Fehlerkultur und Kritik. Will dir jemand für sowas den kopf abreißen etc. verbitte dir diesen Umgang. Dann dein Kollege aber verkniffen guckt weil's auch um seinen Hintern geht. Das wird er dir nur mit großer Wahrscheinlichkeit niemals so sagen. Das mußt du Wiederrum aushalten.
 
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