Wehende Frauen

ludmilla

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Mag euch kleinlich erscheinen, aber ich hätte es besser empfinden, wenn man dann von Frauen schreibt, die ihren Wehenschmerz lauter verarbeiten.

Dass das für andere Patienten störend sein kann, verstehe ich voll und ganz.
Meinst du mich auch, ich habe nur versucht etwas neutral darzustellen und das ausschließlich in dem einen Beitrag.
Ich finde jetzt auch dass du etwas empfindlich reagierst. Von der
Wortwahl könnte man vielleicht das ein oder andere anders ausdrücken, aber ich denke dass das hoer noch bei weitem besser ist als so manches Stationsgespräch unter Kollegen.
 

Jillian

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Hier treffen auch - um noch einmal das Thema kurz aufzugreifen - kulturelle Gegensätze aufeinander. Im südöstlichen Raum ist es Usus, seinen Schmerz (körperlich und seelisch) laut wehklagend darzustellen, es gehört zum guten Ton und ist Teil des Selbstverständnisses dieses Kreises von Menschen. Schmerz und Leid werden von den Betroffenen und den Angehörigen mit jammern, weinen und schreien geäußert. In den Herkunftsländern stört sich daran wahrscheinlich niemand.
Deswegen ist es durchaus verständlich, wenn wir, denen so eine Schmerz- und Leidenskultur völlig fremd ist, darauf mit Verstörung, Ablehnung, Abwendung und hernach auch mit Agression reagieren.

Zugegeben tue auch ich mich schwer mit einem Zimmer, in dem zwei frisch per Sectio entbundene Mittzwanzigermädels liegen, die schon beim Entfernen eines Pflasters schreien, als würden sie lebendig gehäutet. Man fragt sich, wie diese Frauen ein Kind auf normalem Wege zur Welt gebracht hätten. Sind südländische Kreißsäle eigentlich schallisoliert?
Und auch wenn Oma und Opa, Ehemann und Schwiegermutter, Tante 1-2-3 und 4, jeweils 1. bis 3. Grades, sowie die 5 Geschwister und 7 Cousins und Cousinen zeitgleich zu Besuch kommen und das Zimmer einem Bahnhof gleicht und wohl auch einer Mülldeponie, und abends der Wachdienst kommen muss, um die Nachtruhe zu gewährleisten und den Besuch zur Türe zu befördern (ein Beispiel, das ich nahezu 1 zu 1 so erlebt habe): Es ist mir fremd - es macht mir Angst - ich bin unsicher, wie ich reagieren soll. Ich behelfe mir damit mir zu sagen, dass sich die Patienten wohl ebenso fremd fühlen, eine ähnliche Angst empfinden wie ich. Läge ich in einem ihrer heimischen Krankenhäuser, in ähnlicher Lage, was würde ich mir wünschen, was man mir tut und sagt?

Vielleicht ist mein kleiner Exkurs auch am Thema vorbei, soll aber etwas sensibilisieren für die Unterschied zwischen bewusster Provokation und kulturell bedingtem Verhalten. Stichwort - und damit schließt sich der Kreis - Morbus Mediteranné.
 

ludmilla

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Zugegeben tue auch ich mich schwer mit einem Zimmer, in dem zwei frisch per Sectio entbundene Mittzwanzigermädels liegen, die schon beim Entfernen eines Pflasters schreien, als würden sie lebendig gehäutet. Man fragt sich, wie diese Frauen ein Kind auf normalem Wege zur Welt gebracht hätten. Sind südländische Kreißsäle eigentlich schallisoliert?

Das ist jetzt aber auch nicht so politisch korrekt! Wobei ich sagen muss Pflaster kann man sehr schonend und schmerzfrei entfernen. Iss zwar off label, aber mit Sterilium geht das sehr leicht auch auf behaarten Körperstellen. Da muss dann keiner schreien. Sag ich jetzt mal so als gelernte Kinderkrankenschwester....
 

Jillian

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Freilich nicht politisch korrekt, aber so erlebt wie es da steht, und laut Aussage der betreuenden Hebammen und Kinderkrankenschwestern eher Alltag denn Ausnahme.

PS(ssssst): Das Pflaster war bereits angeweicht. Daher ging mir für solch ein Geschrei jegliches Verständnis abhanden.
 

Isidor

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Sorry aber ich kringle mich gerade vor lachen :knabber:
Das mit dem Pflaster kenne ich!
So sind sie halt, die kulturelle Unterschiede :wink:
 

malu68

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ab 01.10. wieder ZNA
Dass das dies nun ins Lächerliche gezogen wird, wundert mich nicht.

Danke! Jetzt weiß ich wieder, warum ich hier nur noch selten mitwirke.
Ich finde es faszinierend, wie hier mal wieder (mutwillig?) aufgrund eines vielleicht etwas "unbedachten" Wortes hitzige Grundsatzdiskussionen entfacht werden....
 

kölscheschwester

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Bei uns liegen Schwangere und Wöchnerinnen auch zusammen auf einer Station, manchmal sogar zusammen in einem Zimmer. Es ist ja schließlich nicht immer vorherzusehen wann das Kind letztendlich da sein wird.
Bei uns sind Frauen die noch nicht in absehbarer Zeit gebären werden auch auf Station oder laufen im Haus/ Garten umher. Wenn die Gebärende aber, so wie du es beschreibst, bereits lautstark ihre Wehen veratmet, dann bleibt sie bei uns auch im Kreißsaal. Ich denke da ist sie persönlich dann auch besser aufgehoben, weil sie vermutlich in diesem "Zustand" auch Schmerzmittel oder eine PDA wünscht.
 

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