Warum Heimbeatmung?

Dieses Thema im Forum "Außerklinische Intensivpflege" wurde erstellt von AdVitamAeternam, 20.01.2011.

  1. Jeder hat so seine eigenen Beweggründe, warum ausgerechnet ambulant und dann auch noch mit Menschen, die beatmet sind. (Meist reduziert es sich ja nicht darauf - unser Aufgabengebiet umfasst so vieles mehr)

    Was hat euch bewegt, euch da zu bewerben, wo ihr jetzt arbeitet? Geht es euch gut damit? Was vermisst ihr? Wie ist der Austausch mit Kollegen? Tun euch eure Dienstzeiten gut?

    Ich persönlich bin eher durch Zufall "reingerutscht" und hab sofort Feuer gefangen. Ich habe 1 Jahr als Teamleitung bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Meine Hauptversorgung war eine kurdische Familie mit einem Mädchen, Z.n. hypox. Hirnschaden. Die medizinischen Aufgaben waren das eine - die viel größeren Herausforderungen bestehen bis heute in der Angehörigenarbeit, Teampflege, einheitliches Arbeiten usw.

    Derzeit bin ich wieder bei Erwachsenen (die Kleinen fehlen mir ehrlich gestanden).

    Ich habe zwar noch lange nicht alles erlebt, aber schon einiges gesehen - von 12h auf dem Flur sitzen über die Integration in eine Familie, wo das Verhältnis Distanz und Nähe schon hart auf die Probe gestellt wird.


    Mir fehlt oft der Austausch mit Kollegen - wir sehen uns kurz zur Übergabe... es gibt Tage, wo Kollegen und auch ich tw. 1h länger bleiben um zu reden - sei es fachlich oder privat.

    Wo es immer wieder hadert: 400 EuroKräfte, die 3 Nächte im Monat kommen und die Abläufe natürlich nicht so intus haben, wie die Festangestellten... vieles muss nachgearbeitet werden. Manchmal fehlt es einfach auch an Kommunikation. Ein Übergabebuch für Organisatorisches und die Pflegeberichte reichen oft nicht aus, um umfassend in Austausch zu gehen über den Klienten.


    Das Thema WB ist glaub ich in den Firmen jeweils rotes Tuch oder offenes Buch - wie man will... bei uns muss viel erkämpft werden. Zumindest ist das mein Eindruck. Dafür stimmt die Entlohnung, wenngleich in anderen Firmen mehr bezahlt wird... ich glaub wir liegen gut im Schnitt :-)



    So - ich hab genug gequasselt - schießt los
     
  2. Bubenmama

    Bubenmama Senior-Mitglied

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    Niederbayern
    Akt. Einsatzbereich:
    Heimbeatmung
    Hallo!
    Wir sind eine ambulant betreute Wohngruppe mit 4 Beatmungspat. und einem Pat mit TK.
    Also, wir sind pro Schicht Tag und Nacht mit 2 Krankenschwestern besetzt.
    Also arbeiten wir nicht alleine.

    Ich war vorher bei einem ambulten Intensivpflegedienst.
     
  3. zu zweit klingt gut... wir sind, wie es die breite Masse kennt, in den häuslichen Umgebungen... meine Schwester arbeitet seit Kurzem auch in einer Wohngruppe mit beatmetem Klientel. Sie ist sehr glücklich dort... das was ich mache, könnte sie laut ihrer Aussage nicht.

    Es ist schon genau das, was mir ein bisschen zusetzt - der Kontakt zu anderen fehlt einfach, Rückversichern geht nur über Telefon, Absprachen ebenso... Hand in Hand arbeiten is nich drin - zum. was so Sachen wie Lagern u.ä. angeht
     
  4. iwiede

    iwiede Newbie

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    Da ich auch in einer Wohngruppe arbeite und dort Dauernachtwache bin bin ich auch immer alleine, aber ich sehe meine Kollegen vor und nach dem Dienst 1/2 h zur Übergabe und manchmal bleibt man auch ein paar Minuten länger. Mir fehlt der Kontakt nicht aber ich bin eh ein Mensch der bei der arbeit nicht so viel redet. Ich habe in meiner Gruppe 7 Patienten zu betreuen, davon sind 4 an der Beatmung und 1 ner am Sauerstoff. Mir macht die arbeit großen spass auch wenn ich eher durch Zufall da rein gerutscht bin, denn vorher habe ich 12 Jahre in einer Reha Klinik gearbeitet.
    Wenn sich die möglichkeit ergibt würde ich auch gerne bei Kindern arbeiten, na mal sehen was noch wird.
     
  5. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Hallo
    also ich habe direkt nach der Ausbildung in der Heimbeatmung bei einem damals knapp 3 jährigen Kind (mit apallischem Syndrom von Geburt an)gearbeitet. Ich bin auch nur durch Zufall da rein gerutsch. Als ich zum Vorstellungsgespräch zu der Familie ging, hab ich zuerst gedacht: Oh mein Gott, das schaffe ich nie! Ich durfte dann da anfangen und es zwar die schönste Zeit in meinem Arbeitsleben! Leider war ich dort nicht lange, da die kleine nach etwas mehr als 3 Monaten nachdem ich angefangen hab, verstorben ist :( Die Familie dort war einfach Klasse. Sie haben zu dieser Zeit grad ihr Haus fertig gebaut, wir haben den Umzug ins Haus miterlebt, waren in der Familie mit integriert und wenn man gesagt hat: Ich brauch das und das für die Pflege, dann ist die Mutter noch am selben Tag los und hat es besorgt.
    Danach war ich bei einer Erwachsenen mit ALS. Dort war es die Hölle! Der Mann Alkoholiker, hat seine Launen und Agressionen an uns ausgelassen, die Frau war einfach nur extrem nervig, alles musste perfekt sein, beide waren nur am maulen und meckern. Dort bin ich dann weg, hab mich versetzen lassen.
    Die nächste Patientin war ebenfalls eine Dame mit ALS, dort war es sehr schön.Wir waren mit in der Familie integriert, es gab jeden Mittag auch für uns kostenlos Mittagessen alle waren super nett. Nach längerer Zeit dort ist sie dann verstorben.
    Als letzten Heimbeatmungspatient war ich bei einem 17 jährigen Jungen. Der war von Geburt an geistig behindert, konnte aber laufen. Bei einem Unfall verletzte er sich so schwer, das er Querschnittgelähmt war/ist. Zudem war er ein Authist. Die Familie dort war etwas schwierig, wir hatten nicht so viele Freiheiten und haben oft die Streitigkeiten der Eltern mitbekommen. Das war nicht sehr angenehm. Am liebsten will man in so einem Moment in der Erde versinken. Der Junge aber war ein ganz toller und lieber :-)
    Letztendlich hab ich dann aber mit Heimbeatmung aufgehört, weil es mir einfach zu langweilig wurde. Oft Stundenlang nur rumsitzen, vor allem Nachts.
    Weiter Nachteile waren auch die langen Schichten (meist 12 Stunden), wenn ein Pat verstorben ist muss man den Arbeitsplatz wechseln und eben in manchen Familien die Probleme. Es gibt Dinge, die muss ich nicht haben und dazu gehören zum Beispiel von einem besoffenen Angehörigen angeschrien zu werden.
    Vorteile aber ganz klar, es ist ruhiger! Im Krankenhaus gehts viel turbulenter zu. Man hat Zuhause mehr Zeit für alles, kann genauer sein, den Pat.besser kennen lernen. In manchen Familien ist es auch sehr schön. Man erlebt tolle Dinge, bekommt alles mit wie ein weitere Familieangehöriger. Und was auch nicht ausser acht zu lassen ist, ist der Verdienst. Ich hab wesentlich mehr verdient als jetzt. Hatte in guten Monaten Netto soviel wie jetzt grad mal Brutto :deal:
    Alles in allem finde ich Heimbeatmung eine tolle Sache und ich würde auch jederzeit wieder Stundenweise so was machen. Aber nicht dauerhaft!
     
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