Warum bei ECMO Arterie in der rechten radialis?

Lala456

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Hallo,

ich bin noch relativ neu auf der Intensivstation und musste letzte Woche wegen Personalmangel das erste Mal eine Patientin mit einer va-ECMO betreuen.
Diese Patientin lag bereits seit mehreren Stunden auf der Station, bevor ich sie übernehmen musste und wirklich viel Hilfe habe ich seitens meiner Kollegen nicht erhalten.
Bei der Übergabe an den nachfolgenden Dienst hat mir die Kollegin in einem relativ genervten Ton mitgeteilt, dass die arteriellen Kanülen doch immer rechts liegen müssen (sie lag links) und warum wir das noch nicht geändert haben.

Ich wüsste jetzt gerne, wieso das so sein muss, da ich nicht wirklich eine Antwort auf meine Frage bekommen habe.
Das Team auf dieser Station ist leider eher etwas schwierig.

Liebe Grüße
 

Fachidiot

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"Durch die ECMO-Therapie wird zum einen die Oxygenierung sichergestellt, aber auch eine erhebliche Reduktion von kardialemSauerstoffverbrauch und Vorlast erreicht. Essentiell ist, dass der extrakorporale Blutfluss die retrograde Füllung der Aorta sicherstellt, so dass auch kritische Endstrecken, insbesondere
die Karotiden und die Koronararterien ausreichend mit oxygeniertem Blut versorgt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn deren Oxygenierung durch das körpereigene HZV nicht mehr sichergestellt werden kann. Um dies zu überwachen wird empfohlen, regelmäßige Blutgasanalysen aus der rechten
Arteria radialis zu entnehmen. Die adäquate Oxygenierung der durch retrograden Blutfluss erreichten Organe kann damit überprüft werden."
 
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Dirk Jahnke

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Moin LaLa456 ,

immer re Rad ist nur bedingt richtig, hängt von der Position der art ECMO Kanüle ab. Liegt die in der art. femoralis macht es Sinn die BGA am entferntesten Or, mit der maximalen Durchmischung mit dem Rest-HZV abzunehmen.

Liegt die art Kanüle der ECMO, wie bei uns häufiger, in der re subclavia, macht es keinen Sinn die re radialis zu nutzen. Da bläst die ECMO voll rein und man könnte dann auch einfach eine post Oxy BGA abhnehmen. Bester Ort ist dann die art. femoralis für die BGA´s.

Die Sicherste BGA in Sachen Oxygenierung ist übrigens bei VA ECMO die zentralvenöse. Die ist immer wahr und sagt einiges über die Sauerstoffversorgung des Patienten aus. Liegt die bei >65% macht man vieles richtig :-)
 
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Lala456

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Vielen Dank für eure Antworten, das hat mir schon sehr geholfen :-)
 

Kardionaut

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Der Thread ist zwar schon ein paar Tage alt, ich will hier aber Mal einhaken, da die Antworten teilweise nicht korrekt sind, bzw. den eigentlichen Grund nicht erfassen. Bei einer veno-arteriellen ECMO sollte man zur Druckmessung die rechte Arterie benutzen (soweit möglich), da der gemessene arterielle Druck in der Radialarterie dem arteriellen Druck im Kopf entspricht. Der Truncus Bracheocephalicus geht vom Aortenbogen ab und teilt sich in die Carotis communis rechts und der rechten Arterie Subclavia, welche den rechten Arm versorgt. Daraus folgt, das der Druck in der rechten Radialarterie, dem Druck in der rechten Carotis entspricht. Man kann also eine Aussage über den Perfusionsdruck im Kopf treffen. Das ist nicht irrelevant, weil der Körper ja durch die ECMO über die Femoralarterie retrograd versorgt wird. Das oxygenierte Blut kommt ja von unten nach oben und besonders, wenn das Herz selbst noch Blut auswirft, konkurrieren die zwei Flussrichtungen. ECMO von unten nach oben (retrograde Blutflussrichtung), Herz pumpt von oben nach unten (antegrad), man weiß dann nicht wirklich was im Kopf ankommt. Bei einer Art. Druckmessung links wäre das nicht möglich, da die linke Art. Subclavia und die Art. Carotis links jeweils separat aus dem Aortenbogen entspringen. Das gilt selbstverständlich nur für eine veno-arterielle Kanülierung, für veno-venös ist das unerheblich.

Grüße
 

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