Stabilität von (Corona-)Viren auf Oberflächen

Neuromaus

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Hallo zusammen,
hat jemand irgendwo Angaben zur Stabilität von (Corona-)Viren auf Oberflächen? Beim RKI hab ich nur sehr wenige Angaben gefunden (Aerosol 3h, Pappe 24h, Kunststoffe und Kupfer 3 Tage). Weiß jemand mehr, insbesondere zu:
  1. Wie lange überleben die Viren auf Textilien?
  2. Wie lange überleben die Viren auf der Haut?
  3. Wie lange überleben die Viren auf den Haaren?
  4. Wie wahrscheinlich ist eine Übertragung der Viren zwischen Gegenständen? Gemeint ist der Fall, dass ich Material auf eine kontaminierte Fläche stelle und damit das Risiko eingehe, dass dieses Material nachher ebenfalls kontaminiert ist, z.B. bei etwas so simplem wie dem Abstellen einer Tasche auf dem Sitz im Bus.
  5. Was bedeutet es konkret, dass das Covid 19-Virus 3h im Aerosol stabil ist? Darunter kann ich mir wenig vorstellen. Meine zugegeben sehr naive Vorstellung wäre: Person A atmet aus und befördert dabei Viren in die Luft. Diese treffen nicht direkt auf eine Oberfläche, sind aber in diesem Aerosol stabil. Da die Sinkgeschwindigkeit sehr niedrig ist, verbleiben die Viren also für ca. 3h an fast der gleichen Stelle. Das heißt, wenn nur wenige Sekunden (oder auch Minuten?) später Person B an der gleichen Stelle vorbeigeht, wo zuvor Person A entlanggegangen ist (das ist ja der Normalfall, dass man manchmal da entlang geht, wo unmittelbar vorher jemand anders war), könnte "die Luft kontaminiert sein", also Person B sich anstecken. Richtig??? Oder kann es mir jemand erklären? Ich finde das sehr abstrakt.
 

Martin H.

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Kennst Du das schon?

Zu Frage 5...
Ja, das verstehe ich auch so.
Daher ist das Risiko auch in geschlossenen Räumen deutlich höher als in gut belüfteten oder gar im Freien, wo die Virenpartikel durch den Luftzug schnell verteilt werden.

Siehe
 
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matras

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Die Zeit in der die Viren auf unterschiedlichen Oberflächen stabil und damit ansteckungsfähig bleiben, ist nicht allein von der Oberfläche sondern auch von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Angaben zur Stabilität rangieren dabei nach neueren Untersuchungen auf den unterschiedlichen Materialien von wenigen Stunden bis zu 72. Schmierinfektionen sind nach derzeitigem Wissensstand nicht sicher auszuschließen. Über die Infektionsmenge ist auch noch nichts zu finden. Dass die Viren im Aerosol stabil sind heißt nur dass sie in den Tröpfchen im Allgemeinen infektiös bleiben. Aber ist davon abhängig in welcher Umgebung: im Freien werden sie durch die Luftbewegung schnell vertriftet und ggf. durch die UV-Strahlung rasch inaktiviert. In Räumen sedimentieren sie je nach Größe mehr oder weniger langsam zu Boden und können durch Luftverwirbelung auch wieder in den Aerosolzustand gelangen.
Im Übrigen zählen Viren nicht zu den Lebewesen: sie sind infektiöse Partikel, da sie unter anderem eine Wirtszelle zur Reproduktion brauchen!
 

Neuromaus

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Schwierig...
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Ja, das sind die Angaben, die ich kannte (hab mich oben nur mit dem Kupfer vertan). Interessant ist der Satz: "Angesteckt habe sich laut BfR bislang niemand nachweislich durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen." Nachweislich vielleicht nicht, weil man nicht nachweisen kann, dass die Infektion auf diesem Weg stattgefunden hat. Aber man kann es ja auch nicht ausschließen.
Daher ist das Risiko auch in geschlossenen Räumen deutlich höher als in gut belüfteten oder gar im Freien, wo die Virenpartikel durch den Luftzug schnell verteilt werden.
Das klingt logisch.
 

Neuromaus

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Was mich auch sehr irritiert, sind die Aussagen, die die Allgemeinbevölkerung über die Medien zu hören bekommen. Wenn man einen Stoff-MNS getragen hat, muss man beim Ausziehen aufpassen, dass man die Außenseite nicht berührt, und man muss ihn dann sofort waschen. Aber was ist mit den anderen Kleidungsstücken, die ich trage? Warum sollten die Viren sich gezielt auf den MNS setzen, aber nicht auf ein T-Shirt oder eine Hose? Das erschließt sich mir nicht.
Ich weiß, dass der MNS hauptsächlich zum Fremdschutz geeignet ist und nur wenig zum Eigenschutz, also bitte nicht wieder Hinweise auf diese Tatsache, das ist mir durchaus klar. Es geht mir um die Logik der Aussagen, die Laien aufgetischt bekommen.
 
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Wenn man einen Stoff-MNS getragen hat, muss man beim Ausziehen aufpassen, dass man die Außenseite nicht berührt, und man muss ihn dann sofort waschen. Aber was ist mit den anderen Kleidungsstücken, die ich trage? Warum sollten die Viren sich gezielt auf den MNS setzen, aber nicht auf ein T-Shirt oder eine Hose? Das erschließt sich mir nicht.
Wie ich mir das erkläre: Beim Ein- und Ausatmen schleust du mit viel Druck eine enorme Menge Luft durch den MNS. Das kann man ähnlich wie beim Luftfilter im Auto oder Staubsauger sehen, auch der ist irgendwann verschmutzt. Kein Shirt und keine Hose wird einen so hohen Durchsatz an Luft haben wie dein MNS. Daher empfinde ich es durchaus als logisch, dass man ihn nach dem Benutzen so wenig wie möglich anfasst und sofort reinigt.
 
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matras

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Ein Filter (also auch MNS) reichert an seiner Oberfläche alles an was sich beim Einatmen in der Luft befindet. Also auch Staub, Schmutz, Viren und Bakterien. Diese befinden sich dann konzentriert auf der äußeren Filterschicht. Beim Abnehmen oder beim Zurechtrücken des MNS gelangen diese dann an die Hände und können, falls keine Desinfektion oder kein Händewaschen erfolgt, von den Händen in Augen, Mund oder anderswo hin verbracht werden. Durch die übrigen Kleidungsstücke atmet Mensch in aller Regel nicht. Daher erfolgt hier keine Anreicherung. Eine Kontamination kann trotzdem stattfinden, aber eben nicht in der Konzentration wie beim MNS.
 

Neuromaus

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Danke. Das leuchtet mir ein.

Aber zur Ursprungsfrage hat auch keiner bessere Quellen als ich?
 

Neuromaus

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Darin sind die gleichen Oberflächen untersucht worden wie in den Studien, die @Martin H. und ich schon hatten. Offenbar scheinen Kupfer und Co für die Forscher interessanter zu sein als die Alltags"materialien" wie Haut, Haare und Textilien, die permanent mit allem, was durch die Luft fliegt oder sich auf Oberflächen befindet, in Kontakt kommen.:weissnix: Sehr schade.:rolleyes:
 

-Claudia-

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Weder Haut, Haare noch Textilien sind "Oberflächen".

Das Virus geht wie alle anderen Viren beim Kontakt mit Seife, Shampoo oder Waschmittel kaputt. Damit sollten vernünftige Hygienemaßnahmen für eine recht kurze Stabilität sorgen. Ich denke, dass Du nicht vorhattest, tagelang auf Wasser und Seife zu verzichten. In punkto gründliches Händewaschen sind sich ausnahmsweise so ziemlich alle Fachleute einig.
 

Martin H.

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@Neuromaus
Tut mir leid, was anderes weiß ich auch nicht. :weissnix:
Da scheint‘s nix zu geben.
 

Neuromaus

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Ich denke, dass Du nicht vorhattest, tagelang auf Wasser und Seife zu verzichten.
Da hast du Recht ;)
Allerdings ist es natürlich so, dass ich normalerweise nicht jedes Mal, wenn ich das Haus verlassen habe und zurückkomme (also unter Umständen auch mehrfach pro Tag) sofort alle Klamotten in die Waschmaschine werfe und duschen gehe und die Haare wasche. Das müsste ich aber tun, wenn ich davon ausgehen muss, dass die Viren tagelang auf textilen Oberflächen stabil sind. Denn wenn ich das nicht tue, kann ich die Viren vom Wartezimmerstuhl oder dem Sitz im Bus über meine Bekleidung auf mein Sofa transportieren, auf dem ich nachher vielleicht draufliege und evtl. auch das Gesicht ablege.

Ich habe keine Panik, mich anzustecken. Ich bin nur jemand, der Dinge hinterfragt, und in diesem Fall frage ich mich, ob man das Infektionsrisiko verringern könnte, wenn man o.g. Übertragungsweg ausschließen würde, z.B. indem man Bekleidung sofort wechselt und wäscht, wenn sie außerhalb der eigenen vier Wände war und mit potenziell kontaminerten Gegenständen in Berührung gekommen ist und Gegenstände wie Taschen mit Spülmittel abwischt oder desinfiziert. Eine Schmierinfektion ist ja laut RKI nicht ausgeschlossen.
 

Neuromaus

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Danke! :-)

"Laut Rachel Graham, Epidemiologin an der Universität von North Carolina, können Viren auf porösen Oberflächen – Geldscheine, Haare, Stoffe – nicht sehr lange überleben, sie „verfangen“ sich in den winzigen Zwischenräumen und können nur schlecht übertragen werden. " Der Satz ist interessant. "Nicht sehr lange" ist zwar keine besonders präzise Angabe, aber zumindest hat mal eine Forscherin was zu dem Thema gesagt.

Die Studie, die in dem Artikel verlinkt ist, ist auch interessant. Es wird die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmittel (Wirkstoffe) untersucht. Ethanol ist je nach Erregertyp (es wurden verschiedene Coronaviren untersucht) auch in "geringer" Konzentration von knapp über 60% schon sehr wirksam. Also wer kein Desinfektionsmittel mehr zu kaufen bekommt, weiß ja dann, an welche Regale im Supermarkt man sich halten muss.
 

matras

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Zitat RKI:
Aerosole: In einer Studie mit experimentell hergestellten, mit SARS-CoV-2-Viren angereicherten Aerosolen waren vermehrungsfähige Viren bis zu drei Stunden in Aerosol nachweisbar (siehe Punkt „Übertragungswege“) (3).


Oberflächen: In derselben Studie wurde auch untersucht, wie lange vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren auf verschiedenen unbelebten Oberflächen nachgewiesen werden können: Unter allen experimentellen Bedingungen nahmen die Mengen nachweisbarer Viren exponentiell ab. Auf Kupfer konnten nach vier und auf Karton nach 24 Stunden keine Viren mehr nachgewiesen werden, während diese auf Edelstahl (bis zu 48 Stunden) und Kunststoff (bis zu 72 Stunden) deutlich länger nachweisbar waren (3). Die untersuchte Viruslast war in diesen Untersuchungen jedoch relativ gering (104). In ähnlichen Untersuchungen mit höheren Virustitern von SARS-CoV-1 blieben die Viren bis zu sechs Tage vermehrungsfähig (87).


Die unterschiedlichen Inaktivierungskinetiken auf verschiedenen Materialien entsprechen auch früheren Erfahrungen mit SARS-CoV-1, die auf Papier, Baumwollgewebe oder Einwegschutzkitteln 24 Stunden bis zwei Tage bei hoher Viruslast (106) infektiös blieben, bei geringeren Titern (104) nur wenige Minuten bis eine Stunde (88). Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit von SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 ist für SARS-CoV-2 eine ähnliche Tenazität plausibel. Eine andere Studie wies SARS-CoV-2-RNA auf unterschiedlichsten Flächen im Krankenzimmer eines COVID-19-Patienten nach (nach vermehrungsfähigen Viren wurden hier jedoch nicht gesucht) (89).


Prinzipiell gilt, dass die Dauer der Vermehrungsfähigkeit von Viren von vielen Einflussfaktoren abhängt, wie z.B. von der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit (87, 90, 91).
 

Neuromaus

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Danke, den zweiten Teil vom Bereich Oberflächen kannte ich noch nicht.:up:
Die unterschiedlichen Inaktivierungskinetiken auf verschiedenen Materialien entsprechen auch früheren Erfahrungen mit SARS-CoV-1, die auf Papier, Baumwollgewebe oder Einwegschutzkitteln 24 Stunden bis zwei Tage bei hoher Viruslast (106) infektiös blieben,
Oh, das ist aber dann doch noch krass lang. So lange kann man ja nicht mit seinen Klamotten vor der Haustür stehen bleiben. ;)
Aber da geht es auch um hohe Viruslast.
bei geringeren Titern (104) nur wenige Minuten bis eine Stunde (88)
Das dürfte also (hoffentlich) auf die Sachen, die beim Sitzen und Anlehnen im Bus oder im Wartezimmer getragen werden, zutreffen. Die Tasche aus Kunststoffmaterial dagegen sollte wohl tatsächlich mal gründlich abgewischt werden.
 

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