Medikamente vorrichten

bussi-jaz

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GuKP
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interdisziplinäre Intensivstation
Hallo,
also folgende Situation:
Wir sind in der Anästhesie vorübergehend ( einige Monate) stark unterbesetzt,
sind aber auch für das Tische richten und lagern der Patienten zuständig.
Nun meine Frage, mir ist schon klar, dass man Medis nicht vorrichten soll, aber anders kommen wir schier nicht mehr rum. Wie ist es rein rechtlich oder pharmakokinetisch, darf man Infusionen,Zofran, Fortecortin, Atropin und Sufenta 2h rumliegen lassen aufgezogen? Manche tun es in den Kühlschrank?Bringt das was?Oder Nimbex X mal vorrichten im Kühlschrank- erlaubt?
Antibiose und Propofol wird natürlich kurzfristig aufgezogen.
Wie tut ihr das handhaben???
Danke für eure Antworten!

P.s.Frohe Ostern! :-)
 
Wegen der Haltbarkeit kannst du in der Apotheke fragen (oder die Packungsbeilagen studieren). Viele Medikamente sind aufgezogen zumindest einige Stunden haltbar.
 
Zumindest in den Fachinfos steht, wie lange die vorbereitete Lösung unter welchen bedingungen angewendet werden darf. Die Verantwortung (von wegen Zubereitung, Lagerung...) trägt aber der Anwender!
 
Unsere Hygiene hat letztens gesagt, dass die stabilen Medis und Infusionen bis 1 Stunde vor der Verwendung gerichtet werden dürfen. Fettlösungen natürlich ausgenommen!
Ansonsten lässt sich eine Reduktion der "Verkeimung" wohl auch bei Zwischenlagerung im Kühlschrank erreichen.
Einfach mal bei eurer Hygienefachkraft nachfragen.


Gruß
Die Anästhesieschwester
 
Danke schonmal, also in den Fachinformationen werd ich leider nicht fündig. Werd mal mit der Hygienekraft sprechen. Aber wie macht ihr das? Habt ihr soviel Zeit? Grad bei kleinen OPs gerät man doch mit Schleusen, lagern etc... schonmal in Stress- bsp. 9x TVT.....
 
Bei kurzen Eingriffen ist ja dann auch die Standzeit der Medis nicht so lange, wenn ich morgens z.B. für die ersten 3 OPs vorrichte. Nur halt nicht für den ganzen machen...


Gruß
Die Anästhesieschwester
 
Wir richten im vorraus.
Anders ist es bei uns gar nicht mehr machbar.

Die Medikamente für Schockraum und Kreissaal sind komplett aufgezogen und mit einem Stöpsel versehen und werden spätestens alle 24 Stunden erneuert. Das kommt aber nur in Ausnahmefällen vor, weil sie gar nicht so lange liegen.
Gelagert werden sie derweil in einem Kühlschrank, in Absprache mit Hygiene, Chefarzt und Apotheke.

Fettlösliche Medikamente sind davon ausgenommen.

Zeitnah Richten ist bei uns nicht zu schaffen. Wir richten, wenn Luft ist und nicht wenn der Patient kommt. Dafür ist zu wenig Personal da und bei uns ist sowieso den ganzen Tag "Galopp" angesagt.

In Abteilungen mit extrem kurzen Wechseln, richten wir für den ganzen Tag, denn sonst käme man zwischendurch nicht einmal mehr aufs Klo, geschweige denn das man mal in sein Brot beissen kann.
 
Wenn ich mal in der Anästhesie aushelfe, richte ich mir während der laufenden OP immer den Wagen für die nächste.
 
Vorgerichtet, darf nichts werden, was aus einer geschlossenen Ampulle
aufgezogen werden muß...es sei denn, es handelt sich um Katecholaminespritzen, die von der Apotheke vorgerichtet sind und dementsprechend verpackt geschickt und im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Perfusorspritzen oder auch auch Medis die zur Bolusgabe aus der Hand auggezogen werden, müssen innerhalb einer Stunde aufgebraucht werden.

So besagt es unsere KH.-Hygiene.

Habe in noch keinem Haus gearbeitet, indem die Vorschrift anderst war....allerdings wie es tatsächlich gemacht wird und wurde, ist wieder ne andere Sache.

Bei uns latscht aber auch ständig die Hygiene rum.

Selbst Trägerlösungen wie Nacl, dürfen nur noch aus 10 ml Ampullen aufgezogen werden, wenn ein Medikament damit gelöst oder verdünnt werden muß vor Verabreichung.

Damit soll verhindert werden, daß 100 ml - Flaschen ewig bis zum letzten Tropfen rumstehen und immer wieder angezapft werden.
 
Ich würde nicht die Hygiene fragen, weil die Dir sonst garantiert mit irgendwelchen dramatischen Verkeimungsstatistiken kommen.
Für mich wäre die Auskunft des Apothekers maßgebend. Und das am besten schriftlich, damit man den Hygienefrauen was entsprechendes zeigen kann.
 
Was machst wenn beide an einem Strang ziehen?
 
Ist schon so, daß die Apotheke eben auf die Absprache hin mit der Hygiene angefangen hat, die gerichtet Spritzen zu schicken.

Die Apotheke könne sie unter hygienischeren Bedingungen richten, als wir auf Station.
 
Nun als ich früher mal angefangen habe in der Anästhesie, haben wir morgens für den kompletten Tag aufgezogen (ist aber schon lange her)!
Wieso müsst Ihr denn alles Richten, wir waren eine ganze Zeit lang auch unterbesetzt, da haben dann auch die Anästhesisten mitgemacht! Wenn es nicht anderst ging, haben wir auch mal die nächsten OPs auch mal später bestellt, damit einfach genügend Zeit war!

lg manlein
 
Aus der AWMF-Leitlinie: Hygieneanforderungen in Anästhesie und Intensivmedizin

1.4 Medikamente (Hypnotika, Sedativa, Muskelrelaxantien)

- Für eine Narkose notwendige Medikamente sind erst unmittelbar vor Applikation vorzubereiten. (1)
- Für einen Patienten aufgezogene Medikamente verbleiben bei diesem Patienten. Keine "Resteverwertung" beim nächsten Patienten! Restmedikamente müssen verworfen werden.· Mehrdosisbehälter müssen bei Erstverwendung mit Datum und Uhrzeit des Erstanbruchs beschriftet und vor jeder Entnahme (entweder Punktion des Gummistopfens oder über sog. Spikes) desinfiziert werden (Einwirkzeit beachten!). Bei jeder Entnahme muss eine neue sterile Spritze/ Kanüle verwendet werden. Eine Mehrfachentnahmekanüle mit Filter ("Spike") sollte ohne Deckel und maximal eine Schichtlänge eingesetzt werden. Mehrdosisbehälter sind schon bei Verdacht auf Kontamination sofort zu verwerfen.
http://www.awmf.org/uploads/tx_szle...rderungen_Anaesthesie_und_Intensivmedizin.pdf

Elisabeth
 
Die Zeiten, in denen Patienten "einfach" später bestellt werden, weil noch gerichtet werden muß, sind lange vorbei.
In manchen Häusern kann man froh sein, wenn man überhaupt erfährt, was für eine Narkose der Patient bekommt, der als nächstes kommt, und das er jetzt abgerufen worden ist.
 
Ich würde nicht die Hygiene fragen, weil die Dir sonst garantiert mit irgendwelchen dramatischen Verkeimungsstatistiken kommen.
Für mich wäre die Auskunft des Apothekers maßgebend. Und das am besten schriftlich, damit man den Hygienefrauen was entsprechendes zeigen kann.


Genau - eigentlich würd ich gerne gar niemand fragen, es könnten sonst unbequeme Antworten kommen....:kloppen:

Aus hygienischer Sicht gibt es tatsächlich nix: RKI Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Und der Apotheker weis ja alles......:up:

Jedoch, - die Lösung ist woanders:
Es gibt allerdings ein BGH-Urteil wonach die Medis eben "unmittelbar vor Verabreichung, jedoch maximal 1 Std. vorher" (BGH vom 03.11.1981 – V/ZR 119/80 ) gerichtet werden dürfen.

Matras
 
Und es gibt die Leitlinie, auf die sich im Schadensfalle bezogen wird.

Elisabeth
 

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