Kollegin bestellt für sich Medikamente als Stationsbedarf

Neuromaus

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Eigentlich steht die Frage schon in der Überschrift. Meine Kollegin hat gestern im Nachtdienst ein Rezept bzw. eine Bestellung geschrieben über ein Medikament, das sie nehmen wollte. Natürlich muss das vom Arzt unterschrieben werden, aber da wir dieses Medikament öfter da haben, wird der Arzt das tun. Ich weiß aber, dass sie es für sich selbst haben will. Sie hat den Schrank aufgemacht, gesucht und dann gesagt: "Haben wir kein XY da?" und dann eben das Medikament bestellt. Das ist natürlich nicht erlaubt. Jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll.
Es ist kein teures Medikament, also dem Haus wird dadurch kein großer wirtschaftlicher Schaden entstehen, und das Medikament ist auch nicht verschreibungspflichtig, also sie könnte es auch in der niedergelassenen Apotheke selbst kaufen. Das ist also nicht das Problem, sondern halt die Tatsache, dass sie Medikamente für die Station bestellt, um sie dann selbst zu nehmen. Viele Kollegen nehmen ab und zu mal eine Schmerztablette aus dem Stationsbestand, wenn sie sonst nicht weiter arbeiten könnten. Ist natürlich auch nicht erlaubt, aber irgendwie doch nochmal was anderes (und wird von unserem Pflegedienstleiter auch wissend akzeptiert). Ich will sie nicht melden, weil ich a) nicht will, dass sie Ärger bekommt und b) nicht als Petze dastehen will und es c) eben "nur" um dieses relativ kostengünstige und rezeptfreie Medikament geht. Aber ich mache mir Sorgen, wenn es herauskommt und eben auch herauskommt, dass ich davon gewusst habe, dass wir dann beide großen Ärger bekommen und Abmahnung und so weiter.
Jemand einen Tipp zum Vorgehen?
 

Bachstelze

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Warum solltest du deshalb eine Abmahnung bekommen?
 

ludmilla

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Warum solltest du deshalb eine Abmahnung bekommen?
Das frage ich mich auch!
Deine Kollegin hat kein Unrechtsbewusstsein! Ich würde sie auch nicht verpetzen, aaber ich würde ihr in einer ruhigen Minute sagen, dass du das nicht korrekt findest und dass du nicht gegen dein Gewissen zum Stillschweigen gezwungen werden willst..., so im Sinne der Kollegialität! Dann kann deine Kollegin sich überlegen was sie zukünftig macht. Entweder sie lässt es ganz, was gut wäre oder sie lässt wenigstens dich aus dem Spiel!
 

spflegerle

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Jetzt würde ich am liebsten schreiben: heul doch.
Mein Arbeitgeber profitiert in sehr erheblichem Maße daran, dass sich Mitarbeitende quasi gesund-medizieren, um die nächsten Dienste zu überstehen (und vor allem den gerade anstehenden). Da werden Antazida, Schmerzmittel, Mittel gegen Regelbeschwerden, PPis uva wie Smarties konsumiert, nur um arbeitsfähig zu bleiben.
Wohl jeder Arbeitgeber weiss das und nimmt es stillschweigend hin, dass mal die eine oder andere Packung Ibuprofen uä in der privaten Tasche landet. Hier ein Faß aufzumachen und die Mitarbeitenden an den Pranger zu stellen, kann sich wohl kaum ein Arbeitgeber im Krankenhaus leisten, denn sonst würden die Mitarbeitenden eben noch schneller zum gelben Schein greifen und einfach mal ausfallen.
Jetzt mag ein unbedarfter Mitlesender anmerken, das sei doch Diebstahl.... was solls, es kommt letztendlich dem Arbeitgeber zu Gute und er fährt damit immer noch weit besser, als mit einem höheren Krankenstand. Und genau deshalb wird es geduldet. Und - jetzt geht der Schelm mit mir durch - vielleicht will der Arbeitgeber dieses wohlwollende Dulden auch zielgerichtet nutzen, um ungeliebte Mitarbeiter ganz gesetzeskonform los zu werden, wenn er solcherlei Selbstbedienung dann bei eben jenem bestimmten Mitarbeitenden doch mal zur Anzeige bringt... Weiss mans?
 

Leander

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Vielleicht hat sie als Mitarbeiter auf ein privates Rezept bestellt? Gibt genug Kliniken, die das ihren AN ermöglichen im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht.
 
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Vielleicht hat sie als Mitarbeiter auf ein privates Rezept bestellt? Gibt genug Kliniken, die das ihren AN ermöglichen im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht.

Stimmt, die Möglichkeit hatten wir auch, war auch preiswerter. Ist aber mit der neuen Apotheke vorbei
 
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ludmilla

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Es ist Diebstahl! Wo zieht man denn da die Grenze? Wenn das Medikament nicht viel kostet, warum kauft man es sich dann nicht selbst? Bedient man sich dann auch an anderen Dingen (Pflaster, Verbandmaterial usw.) für den privaten Gebrauch.
wenn der AG das nicht toleriert ist das streng genommen ein Grund für ne fristlose Kündigung, wird in heutiger Zeit wahrscheinlich niemand machen, aber weiß mans!
 
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-Claudia-

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Es gibt bei uns einen Werksverkauf, bei dem Mitarbeiter (nicht-rezeptpflichtige) Medikamente über die Klinikapotheke bestellen können, zu deren reduziertem Preis. Dafür hatten wir die entsprechenden Formulare. Das ist in Ordnung.

Die beschriebene Vorgehensweise ist dagegen ganz klar Diebstahl und wäre damit ein fristloser Kündigungsgrund - wenn der AG den Diebstahl herausfindet.
 

Jillian

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Es ist Diebstahl! Wo zieht man denn da die Grenze? Wenn das Medikament nicht viel kostet, warum kauft man es sich dann nicht selbst? Bedient man sich dann auch an anderen Dingen (Pflaster, Verbandmaterial usw.) für den privaten Gebrauch.

Wer frei von Schuld, der werfe den ersten Stein. Ich glaube niemandem, der behauptet, sich noch nie an den Vorräten bedient zu haben.
 
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Neuromaus

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Vielen Dank für eure Antworten. Ich denke, ich schließe mich dann der Mehrheit hier an, dass ich nichts davon wusste.:engel:

Vielleicht hat sie als Mitarbeiter auf ein privates Rezept bestellt? Gibt genug Kliniken, die das ihren AN ermöglichen im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht.
Nein, hat sie nicht. Die Möglichkeit gibt es bei uns auch. Aber es war ein Rezept für den Stationsbedarf.
Warum solltest du deshalb eine Abmahnung bekommen?
Weil ich es wusste und nichts gesagt habe. Aber mit der o.g. Variante wäre ich dann ja raus. :weissnix:
 
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ludmilla

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Wer frei von Schuld, der werfe den ersten Stein. Ich glaube niemandem, der behauptet, sich noch nie an den Vorräten bedient zu haben.
Dann lass es! Und außerdem, hier wirft niemand einen Stein. Steine werfen würde in dem Fall bedeuten, jemand zu verpetzen. Aber ich würde ungern das Ganze mittragen wollen. Wenn ihr das moralisch vertreten könnt, ok. Aber haltet dann die anderen Leute raus!
 

Neuromaus

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Na ja, nennt mich von mir aus naiv und was weiß ich, aber ich mache mir nunmal Gedanken über sowas. Und ich gehe tatsächlich nicht an die Stationsschränke, um für mich selbst was zu nehmen. Ich bring mir meine Sachen einfach von zu Hause mit. Das Einzige, was ich mitnehme, sind Sachen, wo das Verfallsdatum überschritten ist, aber da haben wir vom AG schriftlich, dass wir das dürfen.
 

Ubique

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Ich würde ihr sagen, dass sie sowas nicht in meinem Beisein einstecken soll, sondern wenn ich mal um die Ecke gehe, Also wenn ich du wäre. Ich selbst würde nur bei bedenklichen Medis wirklich Anstoß daran finden. Ofc würde ich sie auch nicht verpetzen lol.
 

ludmilla

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Was sind denn in deinen Augen bedenkliche Medikamente? Und was hat das damit zutun ob man daran Anstoß nimmt?
 

InetNinja

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Die meisten Vorgesetzten lassen sowas durchgehen eben wie oben schon beschrieben, "lieber was nehmen als krankmelden"

Sowas darf erstens nicht überhand nehmen und zweitens man macht sich angreifbar. Niemals wird man einen schriftlichen Freibrief dafür bekommen und wenn man auf den Kieker ist wird das selbstverständlich als Diebstahl ausgelegt.

Bei meinem AG habe ich zu Anfang gefragt ob ich mir etwas nehmen darf. Der hat mich wirklich sehr verdutzt angeschaut und mir klar gemacht das ihn das nicht juckt solange ich nicht übertreibe und das selber nicht an die Glocke hänge.

Wenn ich dran denke wie oft ich schon ne Cystitis erstens ins Labor gegeben habe und mir anschließend die Antibiotika raus genommen habe. Das war irgendwie immer so... "du nimmst dafür arbeitest du weiter" Es war einerseits nachvollziehbar das ich krank war, aber ich war trotzdem immer im Dienst weil ich mir eben die Medikamente genommen habe und weiter gearbeitet hatte. Zudem haben die mieserabelen Arbeitsbedingungen erst zu den Cystitis geführt. Mein AG hat dadurch jedenfalls profitiert. Die paar Pillen waren weniger wert als einen Tag auf der Arbeit fehlen. (Funfact seit dem ich nicht mehr auf dieser Station arbeitet hatte ich keine Cystitis mehr ;) ) Wenn ich dran denke für das Labor musste ich immer mein KKKarte einlesen lassen. Genau genommen wäre es kein Diebbstahl, ich war ja Patientin.

Auf dieser Station gab es übrigens einen Typen der für sowas ein riesen Fass aufgemacht und gerne gepetzt hat. Den mochte keiner und es hatte nie eine Konsequenz.

Ich will damit nicht dafür plädieren ständig in den Med.Schrank zu greifen. Aber eben erläutern warum AG das dulden.

Ich persönlich finde es dreist ein ganzes Paket auf die Station zu bestellen. Das würde ich nicht tuen. Nicht nur das ich angst vor ärger hätte, es wäre mir peinlich. Was ich wohl tuen würde, ein bereits von meinem HA ausgefülltes Rezept mit in die Bestellung geben damit ich nicht zur Apotheke nach Feierabend muss. Aber ich brauche selten was. Demnach kam das bisher auch noch nicht vor. Und ohnehin nicht verschreibungspflichtiges, hol ich mir ggf. selber. Kein bock für ein paar IBUs beim Arzt rumzuhocken.

Anders sieht es bei BTM und teuren Sachen aus. Damit bringt man nicht nur sich sondern auch andere in Schwierigkeiten. Sollte man ein BTM wirklich brauchen und dennoch damit Arbeitsfähig sein, dann bekommt man das ja locker von seinem Arzt. In den BTM Schrank greifen ist ein klares Indiz für Missbrauch.
 
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