News Lauterbach: 30 Prozent mehr Lohn für Pflegekräfte!

Romsen2014

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Nach der Ausbildung krieg ich 1700 Netto und dann fragt man sich, so schön der Beruf ist,

Und jetzt muss man auch hier, ganz klar sagen (ja ich bin nüchtern und der selbe Romsen wie sonst auch). Für einen Ausbildungsberuf sind 1700 Euro Netto OHNE Zulagen nicht schlecht. Sogar weit davon entfernt !

Ob es für die Verantwortung, Komplexität etc. die dieser Beruf mit sich bringt "genug" sind steht auf einem anderen Blatt! Aber darüber wird in diesem Zitat ja nicht Diskutiert. Wenn du mit dem Argument "ich verdiene nach der Ausbildung nur 1,7k Netto ohne Zulagen und weiß nicht ob ich in Hamburg wohnen und dabei ne Familie ernähren kann" kommst, lachen dich Vertreter anderer Ausbildungsberufe (Handwerker etc.) aus.

Und bitte jetzt keine IG Metall Tarife hier verlinken. Ich kenne diese Tabellen.

Ich würde nach bestandener Ausbildung, in meinem Freundeskreis, zu den Spitzenverdienern gehören. Als ich das erste mal darüber gesprochen habe, was ich auf normaler Station an Gehalt erwarten kann, waren diese überrascht, wie viel das doch ist.

Für diegrenzte das schon fast an einem Kulturschock und die Frage kam auf:"Warum beschwert ihr euch überhaupt!"

Wo wir wieder bei der allgemeinen Diskussion sind:" Wie kommuniziert man den pflegeberuf in der Öffentlichkeit." Auch auf seite 1. in dem von Martin H. angesprochenen Artikel zu finden.
 
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Onkel Etsch

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Ich kann Romsen2014 nur absolut zustimmen. 1700 netto sind für einen Ausbildungsberuf gut, die Frage ist halt: Gut genug für einen Job mit so viel Verantwortung und "Drecksarbeit". Ich habe das "Drecksarbeit" bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da in meinem Bekanntenkreis die Inkontinenzversorgung bzw. das "Saubermachen" eines eingestuhlten Patienten so bezeichnet wird. Also von Leuten, die nichts mit Medizin und Pflege zu tun haben. Stört mich das? Nicht wirklich! Ich bin halt kein Typ für nen Bürojob. Auch wenn ich da mehr Kohle bekommen würde. Was mir wieder mal aufgefallen ist: Die GuK-Ausbildung wird permanent als Paradebeispiel für soziale Ungerechtigkeit in Deutschland aufgeführt. Gestern lief eine Sendung im WDR über die sozialen Unterschiede in meinem Heimatland NRW. Da sollten Passanten schätzen, was Bankdirektoren, Lehrer und Krankenpflegerinnen verdienen. Hier die wahren Werte: Der Verdienst des Bankdirektoren lag pro Monat zwischen 15.000 und 6000 Euro. Der Gymnasiallehrer bekam ca. 4700 Euro und die Krankenpflegerin 2500 Euro. Alle Gehälter brutto. Allerdings war auf dem Schild der Krankenpflegerin die 2500 Euro brutto verdienen soll oben ganz gross Altenpflegerin zu lesen. Das Altenpfleger weniger verdienen als Krankenpfleger ist bekannt. So schlecht geht es uns nicht.
 
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Bachstelze

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Das ist mMn die Kernfrage, die aufzeigt, wie idiotisch es ist zu glauben, mit besserer Entlohnung den Pflegemangel lösen zu können.


Aber genau das ist der Punkt.
Ich wohne ländlich. Es gibt wenige, weit auseinanderliegende Krankenhäuser. Die ambulanten Pflegedienste und Heime zahlen unterirdisch. Wenn ich dann dort im Schichtdienst und/oder Nachtdienst genau so wenig Einkommen habe, wie jemand der im Supermarkt Regale einräumt, dann nehme ich die Regale und nicht die 60 Bewohner für eine Pflegekraft im Nachtdienst oder den Schichtdienst im Pflegedienst.
Ich kenne mehrere ehemalige Krankenschwestern, die sich genau dafür oder für andere Hilfsjobs entschieden haben. Blumen mit einem Q-Tip zu bestäuben ist vielleicht nicht sonderlich spannend, aber wenn man dort nur unwesentlich weniger verdient als in der Pflege, ist die Fachkraft für die Pflege verloren. Vor allem, wenn sie "zuverdient" und keine Familie ernähren muss.
 

spflegerle

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...und am Ende führt mehr Gehalt noch dazu das die Pflegekräfte arbeitszeitmäßig kürzer treten...
Ich schließe mich da hyperions Einschätzung an: solange sich an den Arbeitsbedingungen nichts grundlegend ändert, wird mehr Geld nur dazu führen, dass die meisten Pflegekräfte die Arbeitszeit soweit wie möglich reduzieren.

Aber die Krux des Ganzen bleibt am Ende doch nur, dass sich die Finanzierung des Gesundheitssystems grundlegend ändern muß. Solange sich das Personal ausschliesslich aus den Erlösen finanziert, wird es kaum merkbaren Personalzuwachs geben können. Mittlerweile dürften alle Krankenhäuser Prozesse soweit optimiert haben, dass kaum noch Einsparpotential vorhanden ist. Ein Mehr an Personal müßte also durch Erlössteigerungen finanziert werden, dazu bräuchte man aber wieder mehr Personal, was dann an der Gesamtsituation kaum was ändert.
Das zeigt sich gerade am laufenden Streik in der Charité. Schaut man sich den Jahresbericht 2016 der Charité (Zahlen auf Seite 17ff) an, dann kann sich jeder selbst ausrechnen, was los ist:
- stationäre Fälle +3,2%
- ambulante Fälle +4,6%
- Pflegedienst (VK) +3,2%
- Fkt.dienst (VK) +0,6%

Unterm Strich ist also kein toller Zuwachs an Pflegekräften erfolgt, wie es der Tarifvertrag Gesundheitsschutz eigentlich verlangt, es wurde lediglich der Leistungszuwachs kompensiert. Das ändert dann an den Arbeitsbedingungen leidlich wenig. Und das ist auch der Grund, warum die Pflegekräfte an der Charité erneut im Streik sind.

Wenn also Lauterbach wirklich etwas sinnvolles für die Pflege erreichen will, dann sollte er das DRG-System und die Finanzierung des Gesundheitssystem gründlich neu überdenken.

Gruß spflegerle
 
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hyperion87

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Wobei ich ein Lohnniveau begrüßen würde was Arbeitszeitverkürzung ermöglichen würde
Und das die 1700 im Vergleich zum Handwerk, Gastro und leichten Schreibkraft Jobs nicht schlecht sind will ich gar nicht bestreiten (wobei bei uns im ländlichen Raum die selbständigen Handwerksmeister auffallend oft Porsche fahren, klar im Angestelltenverhältnis und ohne Schwarzarbeit sieht's im Handwerk düster aus.
aber wenn wir uns jetzt in die Situation von Herrn Jorde versetzen(1,8 Abi , körperlich fit, jung) würde mir Dutzenden Bereiche einfallen wo er ein Teils erheblich höheres Einkommen erzielen könnte auch ohne Studium. Industrie, Bundeswehr, Polizei, gehobener Verwaltungsdienst, IT etc. oder halt nach ein paar Wartesemester doch Medizin studieren.
 
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mein einstiegsgehalt nach dem examen waren seinerzeit 1400 netto (auf ner großen IPS, privater träger).

angeblich war der lohn damals an den tvöd "angelehnt".. hab da dann aber auch nur knapp 2 jahre gearbeitet.
 

Martin H.

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Romsen2014

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:up: Besonders der 1. Link ist super und sehr lesenswert - geht sehr in die Tiefe. 8-)

Dem kann man nur beipflichten !

Da sieht man wirklich gut dargestellt, wie schwer und komplex das alles ist und vor allem, dass man bei komplexen problemen nicht mit einfachen Lösungen antworten kann.
 
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hyperion87

Stammgast
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Da sieht man wirklich gut dargestellt, wie schwer und komplex das alles ist und vor allem, dass man bei komplexen problemen nicht mit einfachen Lösungen antworten kann.

Das Problem am politischen Diskurs ist aber das spätestens beim Wort "Komplex" die Öffentlichkeit weg ist und wo die Öffentlichkeit weg ist regiert der Lobbyismus aka bpa
 

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Deshalb benötigen wir Lobbyarbeit des DBfK und der Pflegekammer
 
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