Ich bin überfordert - Kann ich auf eine andere Station wechseln?

ThessaK.

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Hallo Leute,

erstmal wünsche ich euch einen angenehmen und herbstlichen Sonntag! :-)
Zu meinem Thema:
Im August diesen Jahres habe ich meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin erfolgreich abgeschlossen. Da ich nicht an dem Klinikum bleiben wollte, an dem ich gelernt habe, habe ich mich deutschlandweit beworben und schlussendlich eine Stelle in einer größeren Stadt erhalten.
Ich entschied mich dazu, nach meiner Ausbildung direkt auf einer Intensivstation anzufangen.
Dort arbeite ich jetzt seit einigen wenigen Wochen und merke immer mehr, dass mir das Fachgebiet wirklich überhaupt nicht zusagt. Deshalb stellt sich mir die Frage: Was soll ich tun?
Innerhalb der Ausbildung hatte ich einen kurzen Einsatz auf einer Intensivstation. Es hat mir total gut gefallen, deshalb wollte ich es nach der Ausbildung, als Berufsanfänger, einfach mal probieren.

Leider merke ich immer mehr, dass ich dem Stress und dem Druck nicht standhalten kann. Nachts kann ich kaum noch schlafen. Die Sorgen und Beschwerden der Patienten nehme ich mit nach Hause. Ich mache mir ständig Sorgen ob ich nicht vielleicht was falsch gemacht habe, oder wie es den Patienten geht. Kurz um: ich bin schlichtweg überfordert und weiß wirklich nicht, was ich jetzt tun soll.
Es ist irgendwie peinlich das zuzugeben. Aber ich habe wohl zu viel von mir erwartet. Ich bin wohl, noch nicht, soweit um auf einer solchen Station zu arbeiten.

Deshalb frage ich euch, ob ihr einen kleinen Rat für mich habt. Ich denke ich sollte meiner Stationsleitung Bescheid sagen. Doch wenn ich ihr eröffne, wie es mir geht. Was passiert dann mit mir? Werde ich entlassen oder einfach "nur" versetzt?
Meinem Lebenslauf tut das auch nicht wirklich gut.
Vielleicht war der ein oder andere von euch auch schonmal in einer solchen Situation. Hat jemand eine Idee was ich tun kann bzw. was ich lieber nicht tun sollte?

Danke schonmal für eure Antworten
beste Grüße
Thessa
 

ludmilla

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Hallo Thessa,

jetzt sind gerade mal 2-3 Monate vergangen, die du dort arbeitest. Manchmal merkt man in dieser Zeit, dass es nicht der richtige Bereich ist! Aber ich würde dir aus meiner Sicht raten erst mal noch einige Wochen durchzuhalten. Du kannst in der bisherigen Zeit noch keine Sicherheit erlangt haben. Das ist völlig normal. Wirst du denn nicht eingearbeitet? Ich kenne Einarbeitungen auf Intensivstationen nur so, dass die mind. 3 Monate, aber je nach Bereich auch 6 Monate dauern, in denen man einen festen Ansprechpartner hat.
Du wirst jetzt damit konfrontiert, als examinierte Kraft nicht mehr immer jemand zu haben, der die Arbeit kontrolliert und einem damit die Sorge nimmt etwas vergessen zu haben, nicht richtig gemacht zu haben.
Ist mir damals auch extrem schwer gefallen und hat mir so manche Nacht den Schlaf geraubt. Ich weiss nicht mehr wie oft ich auf Station angerufen habe, ob ich das Medikamnet eingetragen, einen Perfusor an/abgestellt hatte usw.
Es wird besser werden, kannste mir glauben, wenn du Vertrauen in dich selbst hast. Sprich mit einem Bertrautem auf Station, bitte erfahrene Kollegen mit die am Schichtende mal über deine Arbeit zu gucken um die nötige Sicherheit zu bekommen.
Warum solltest du entlassen werden, wenn du fragst und andere um Hilfe bittest?

Mein Rat...., gib die noch etwas Zeit und check am Ende der Schicht nochmal durch ob alles gemacht, eingetragen ist! Mach dir dann einen entspannten Feierabend, mach was schönes, triff dich mit Freunden......und vergiss die Arbeit.

Solltest du dann nach reiflicher Überlegung doch einen anderen Arbeitsplatz suchen, ist das kein Beinbruch und deinem Lebenslauf wird das auch nicht schaden. Ich habe auch 2x nach 3 Monaten wieder das Weite gesucht und trotzdem immer problemlos eine Stelle bekommen. Da ist noch nicht mal nach gefragt worden. Und zu diesen Zeiten war es deutlich schwerer für Kinderkrankenschwestern auf dem Arbeitsmarkt, es gab keinen Pflegenotstand.
Das muss dir heutzutage keine Sorge machen, du findest immer und überall einen Arbeitsbereich, der dann beseer zu dir und deinen Fähigkeiten passt!
Liebe Grüße
Ludmilla
 

ThessaK.

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Hey Ludmilla,

danke für deine tolle Antwort. Ich habe nicht direkt im Anschluss an die Ausbildung angefangen. Zwischen Ausbildung und neuem Job bin ich nochmal auf Reise.
Meine Einarbeitungszeit beträgt sechs Wochen. Und morgen beginnt meine vierte Woche Einarbeitung. Wenn ich daran denke, dass ich das, was ich jetzt mit meinem Betreuer mache, in zwei Wochen selbständig machen soll wird mir übel. Soweit ich das beurteilen kann, ist die Personalbesetzung auf dieser Station nicht die Beste. Weswegen es schwierig werden könnte, meine Einarbeitungsphase zu verlängern. Neben mir sind noch andere in der Einarbeitungsphase und irgendwie stecken die da viel besser weg als ich.
Ich habe eher "Angst" davor entlassen zu werden, wenn ich meiner Stationsleitung "beichte", dass ich die Arbeit nicht leisten kann und mich überfordert fühle.
Danke nochmal für deine lieben Worte!
 

ludmilla

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6 Wochen sind auf einer Intensivstation meines Erachtens viel zu wenig, meiner Erfahrung nach besonders bei frisch Examinierten, die noch keinerlei Berufserfahrung haben.
Wie beurteilen denn deine Kollegen deine Arbeit? Gab es mal ein Zwischengespräch?
Wenn du mehr Zeit brauchst sprich mit deinem Mentor und deiner Stationsleitung.
Die Reaktion wird dir zeigen, ob man dich unterstützen und halten will oder ob man dir Druck macht. Das wird dann sicher auch helfen zu beurteilen, ob du es weiter versuchen willst oder ob du erst mal woanders dein Glück versuchst, was wie gesagt kein Beinbruch ist....
 
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ThessaK.

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Ein Zwischengesprach gab es noch nicht. ich bekomme jedoch manchmal, wahrend der Schicht, ein kleines Feedback.
Ich bin, leider, noch etwas langsam. Oft brauch ich einfach nur etwas mehr Zeit.

Manchmal frage ich mich wirklich ob ich in meiner Ausbildung überhaupt was gelernt habe. :D
 

ludmilla

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Du und vielleicht auch deine Kollegen, stellen zu hohe Ansprüche an dich selbst. Du brauchst die Zeit, weil du noch nicht sicher bist und es kann niemand nach nur 3 Wochen sicher sein!
Frag doch mal nach einem Gespräch, da kannst du auch deine Sorgen und Probleme benennen!

Und du hast keinen Grund nach so kurzer Zeit an dir zu zweifeln und an dem was du gelernt hats. Es ist nicht immer einfach wo ganz anders neu zu beginnen, manchmal werden Sachen ganz anders gehandhabt, man hat zudem damit zu tun sich an andere Menschen, neue Umgebung zu gewöhnen...., alles nicht so einfach und dafür braucht man Zeit und Geduld mit sich selbst!
 

verenalgo6

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Oh Thessa, deine Selbstzweifel, schlaflose Nächte und das Gefühl der kompletten Überforderung erinnern mich irgendwie an meinen eigenen Hilferuf hier im Forum vor ungefähr sieben Jahren...
Und ich hab damals nichtmal auf ner Intensiv begonnen...
Deine Zweifel sind ok, nachvollziehbar, vielleicht sogar "normal"... Mir hat man damals geraten noch etwas durchzuhalten, die Gefühle auszuhalten- und ein Jahr später war ich so dankbar für diesen Rat, denn auch wenn ich es mir kaum habe vorstellen können, irgendwann war da ein bisschen Sicherheit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Schalte einen Gang zurück, erwarte keine "Wunder" von dir selbst und sei so mutig deine Sorgen anzusprechen, ich wüsste nicht wieso die das negativ ausgelegt werden sollte...
Alles Gute für dich!
 
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renje

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Ja natürlich kann man die Station wechseln.
Wenn ich an meine Anfangszeiten zurückdenke, waren die ersten 6 Monate auf Intensiv sehr stressig, bis ich endlich mal etwas Land gesehen habe.
Lass dir Zeit und fordere diese auch ein.
Ich habe eher "Angst" davor entlassen zu werden, wenn ich meiner Stationsleitung "beichte", dass ich die Arbeit nicht leisten kann und mich überfordert fühle.
Erstens ist entlassen werden kein Beinbruch, denn du findest sofort wieder was. Evtl. bieten sie dir sogar im eigenen Haus was an, nur dass du dieses nicht verlässt.
Natürlich formulierst du das diplomatischer - natürlich kannst du die Arbeit leisten, selbstverständlich, aber du brauchst noch etwas mehr Zeit.
Du fühlst die auch nicht generell überfordert, sondern formulierst ganz konkret die Überforderungssituationen.

Nach 6 Wochen auf Intensiv, zumal kurz nach dem Examen fühlt sich keiner sicher - alles andere ist völlige Selbstüberschätzung.

Neben mir sind noch andere in der Einarbeitungsphase und irgendwie stecken die da viel besser weg als ich.
Na ja - schaut auch vielleicht nur so aus!
 

ThessaK.

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Hallo Leute,

ich antworte nun nach einigen Wochen mal wieder. Jetzt ist schon etwas Zeit vergangen und mir gehts noch immer wie vor drei Wochen. Wenn nicht sogar noch "schlechter". Ich habe bei mehreren Kollegen mal nachgefragt, bezüglich der Probezeit. Hab auch mal im Dienstplan nach gezählt. Laut Dienstplan habe ich nicht einmal einen ganzen Monat Einarbeitung.
Keine Ahnung ob ich da anspruchsvoll bin, aber vier Wochen? Ich komme direkt aus der Ausbildung und habe noch nie vorher in diesem Haus gearbeitet. Anscheinend bin ich eine der wenigen, die sich quasi "blind" auf diese Stelle beworben hat und vorher noch nie was mit dem Klinikum zutun hatte. Neben mir ist noch eine andere in der Einarbeitung. Sie hatte als Schüler mal einen 8 wöchigen Einsatz auf dieser Station. Sie wird 6 Wochen eingearbeitet.
Weil mich das doch etwas belastet und ich mir nicht vorstellen kann, dass ich nach vier Wochen alleine arbeiten kann habe ich nachgefragt. Meine Antwort war ernüchternd. Laut oberster Stelle, soll die Einarbeitungszeit soweit gekürzt werden wie nur möglich. Wieso ich überhaupt gefragt habe, verwundert die meisten. So hat dort jeder angefangen, ich solle mich nicht so anstellen. Es ist nach wie vor noch soviel für mich. Jeden Tag lern ich so viele neue Dinge dazu. Zeit diese zu verarbeiten habe ich nicht. Ich bin oft so kaputt von der Schicht, dass ich nach der Arbeit mich nicht mal mehr aufraffen kann um mir irgendwelches fachspezifische Wissen anzueignen. Permanent bin ich unter Druck. Ständig, wirklich ständig wird mir gesagt "wenn du alleine bist, musst du das selbst regeln." "wenn du alleine bist, wirst du überhaupt keine Pause mehr haben" "Du musst schneller werden". So kann ich selbstverständlich am besten arbeiten. Ich komm mir vor, wie der größte Idiot. Wie konnte ich nur durch die Ausbildung kommen? :D
So muss es sich also anfühlen, dass letzte Glied in der Kette zu sein.
So viel dazu.

Gesundheitlich gehts mir ebenso schlecht. Ich leide immer mehr an Angst- und Panikattacken. Nachts kann ich kaum noch schlafen. Es vergeht kein Tag an dem ich kein Krisengespräch mit einem meiner Freunde führe. Auf der Arbeit fange ich nun auch fast täglich das weinen an. Ich war so verzweifelt, dass ich zu meinem Hausarzt gegangen bin und gesagt habe, dass ich vollkommen am Ende bin und einfach nicht mehr weiter weiß.
Nun wollte ich noch einmal euch fragen. Kennt ihr meine Problematik? Wart ihr selbst schonmal in einer solchen
Situation? Bin ich zu zimperlich oder empfindlich? Was sagt ihr dazu?

Schönen Dienstag euch noch :-)
 

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