Am Ende und kein Ausweg?

Jolinchen

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Guten Abend, ich brauche generell mal euern Rat.
Ich bin seit September examiniert, seitdem im Bereich IMC unterwegs. Zum 1.12. habe ich einmal meine Arbeitsstelle gewechselt (raus aus dem Ausbildungskrankenhaus, unter anderem wegen ungenügender Einarbeitung und totale Überlastung der Station). Jetzt bin ich gerade aus der Einarbeitung heraus und habe so viele persönliche Probleme (kein Abschalten nach der Arbeit, ständig Angst davor Fehler zu machen, kraftlos durch die Arbeitsbelastung, sodass kein Ausgleich mehr in der Freizeit möglich ist). Generell bin ich an dem Punkt, dass ich fast Tag für Tag total am Ende bin und eigentlich nur noch am heulen bin. Normalerweise bin ich ein total ausgeglichener Mensch, das hat sich leider seit der Ausbildung geändert.
Ich bin jetzt total ratlos, wie es in Zukunft weitergehen soll. Eigentlich möchte ich nicht aus der Pflege raus. Aber irgendwie auch nicht schon wieder die Stelle wechseln, ist auch doof. Vor allem, wohin?
Ein paar Möglichkeiten wären:
- Wechseln in die Heilerziehungspflege (Wohngruppe, wo auch viel im pädagogischen Bereich gearbeitet wird).
- Wechsel in die Kinderkrankenpflege (Hat jemand die Erfahrung, wie es ist, das Patientenklientel zu wechseln? Generell komme ich schon gut mit Erwachsenen klar, hatte aber schon vor der Ausbildung vor, mit Kindern zu arbeiten, wurde aber leider nicht genommen, da ich zu jung war. Als ich einen pädiatrischen Einsatz hatte, habe ich schon festgestellt, dass vor allem die körperliche Belastung nicht so enorm ist, wie in der Erwachsenenpflege.
- Komplett neue Ausbildung

Ich freue mich über eure Gedanken/ Erfahrungen.
Danke im Vorraus
Jolinchen
 

alesig

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kein Abschalten nach der Arbeit, ständig Angst davor Fehler zu machen,
Das sind 2 Punkte die wirst du überall mit hin nehmen. Wenn du mit Menschen arbeitest, dann trägst du Verantwortung, je nachdem in welchem Berich du tätig sein wirst, können Fehler gar nichts ausmachen , oder schlimmstenfalls jemanden umbringen.
Abschalten von der Arbeit, konnte ich lange Zeit gar nicht. Ich musste das erst lernen.
Bedenklich wird es ,wenn du dauererschöpft bist, und auch bei längeren Freiphasen keine Erholung mehr findest.
Wenn ich das richtig verstehe, bist du auf einer IMC tätig. Hier kann das Stresslevel, dauerhaft hoch sein.
Überwachung, Notfälle, ständiges piepsen irgendwelcher Geräte bzw. Monitore. Wahrscheinlich auch noch mehr Tätigkeiten, die in den ärztlichen Bereich gehen. Für einen Berufsanfänger ein sehr anspruchsvoller Einstieg.
Vielleicht wäre eine Versetzung auf eine "Normalstation", erst mal eine Lösung.
Man hat dort nicht weniger Arbeit oder Stress, aber dieser Stress ist ein anderer wie auf IMC, jedenfalls kam es mir so vor.
Fürs Erste, würde ich ein Gespräch mit dem Hausarzt suchen, und ihm deine Probleme schildern.
Auf längere Sicht, wäre eine psychologische Unterstützung nicht schlecht.
Man kann Abschalten lernen. Auch die Angst vor Fehlern im Beruf, kann auf ein gesundes Maß reduziert werden.
Wenn du gerne in der Pflege arbeitest, solltest du auch dabei bleiben.
Außer du hast noch einen zweiten "Traum"Beruf, dann solltest du evtl. noch eine Ausbildung machen.
In die Pflege kannst du immer zurück.
Halt die Ohren steif und hole dir professionelle Hilfe, sonst läufst du Gefahr ernsthaft krank zu werden.
 

-Claudia-

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Ganz ernsthaft: Wenn jeder Mensch, der nach zwei Monaten noch Schwierigkeiten in einem neuen Arbeitsbereich hätte, gleich wieder die Stelle wechseln würde, müssten wir ständig von Station zu Station hüpfen.

Bis zu einem gewissen Grad ist das, was Du gerade erlebst, völlig normal und der Situation geschuldet. Es braucht Jahre, bis man sich einigermaßen sicher fühlt. Als ich (nach fast 20 Jahren!) von der Onkologie und Palliativpflege auf die Viszeralchirurgie wechselte, ging es mir ganz genauso: Ich kam nie pünktlich raus, konnte nächtelang nicht schlafen und war sicher, niemals mit dem Tempo der Kolleg:innen mithalten zu können. Die sahen mich allerdings ganz anders: "Am Ende der Schicht noch alle Patienten am Leben? Na also - der Rest kommt auch noch!" ;)

Hol Dir Rückmeldung von Kollegen, mit denen Du Dich gut verstehst. Wie ging es ihnen als Frischling? Und welche Ressourcen zu Deiner Unterstützung sind vorhanden? Gibt es Angeboten bei Deinem AG? Psychologische Beratung, Supervision...
 

aquarius2

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Wo arbeitest du denn und wie lange war deine Einarbeitung?
 
N

NN

Gast
Wo arbeitest du denn und wie lange war deine Einarbeitung?
Ich lese aus dem ersten Post heraus, dass sie zwischen 9/20 und 11/20 auf der IMC ihres Ausbildungshauses war und seit
12/20 bis jetzt auf der IMC eines anderen Hauses arbeitet.

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Um Abläufe so zu verinnerlichen, dass man nicht mehr drüber nachdenken muss und sich so sicher zu sein, alles korrekt erledigt zu haben, dass man die Arbeit aus dem Kopf hat, sobald die Kliniktür hinter einem zufällt, brauchten minimum 6-12 Monate , je nach Fachbereich und Vorerfahrung.

Wenn du jetzt "laufen gehst", fängst du woanders wieder bei Null an und bist zusätzlich geplagt von Versagensängsten.

Wie stehen deine Kollegen und deine Stationsleitung denn zu deinem Wissensstand?
Oft schätzt man sich selbst deutlich schlechter und unsicherer ein als andere das tun. Such doch mal das Gespräch mit deiner Mentorin (falls vorhanden) und ansonsten deiner SL.

Du bist jetzt keine Schülerin mehr sondern Examinierte. Man traut dir damit mehr zu und du musst natürlich auch mehr eigenverantwortlich leisten. An den neuen Status muss man sich gewöhnen.
Wenn das Team und sonst der Rest auch stimmt, gib dir noch ein bißchen Zeit....und sei geduldig mit dir selbst.
 
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