Was ist an den Intensivlern so anders?

electralucy

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Urologie
Hallo an alle Mitglieder.

Mich beschäftigt schon länger die Frage warum die Pfleger/innen auf ITS so anders sind? Ich habe das hier schon öfter gelesen und würde es gerne nun mal genauer wissen da ich bald auf ITS wechsele. Vielleicht können mich ja ein paar genauer aufklären. Das wäre sehr nett.
 
Warum sollen "die" anders sein? Beschreib mal was Du meinst?
 
Vermutung:
Du bist auf ITS näher dran an der Grenze zwischen Leben und Tod. Bedienst abgefahrene Geräte, gibst hochwirksame, aber auch gefährliche Medikamente. Arbeitest enger mit den Ärzten zusammen, was ärztliche Entscheidungen angeht. Das alles kann jemand nicht, der damit nicht arbeitet. Diese Differenz kann auf Dauer eine gewisse Abgehobenheit verursachen. Genau so wie die Abgehobenheit zwischen Krankenpflege und Altenpflege.

Vermutung 2 (weniger vorwurfsvoll):
Ich arbeite seit kurzem auf einer Station mit ITS und IMC Betten, komme aber von ca 3 Jahren auf Normalstation. Und selbst in dieser kurzen Zeit merke ich wie sehr ich bock habe mehr mit den Geräten als mit dem Patienten zu arbeiten. Nicht falsch verstehen, im Zentrum ist der Patient und ich hab wahnsinnig bock drauf meine KBO einzusetzen und den Patienten auch pflegerisch zu versorgen. Aber ich hab lieber einen der nicht alle nase lang abgekabelt und auf Toilette gebracht werden muss, sondern lieber jemanden der z.B. alle nase lang die cica bestückt bekommen muss. Das macht ein anderes Arbeiten und andere Gesprächsthemen mit den Kollegen und verändert vielleicht auch ein bisschen, kann ich zwar so nicht bei mir beobachten, aber wer weiß...
 
Inwiefern empfindest du Intensivkollegen als "anders"?

Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. In meiner Zeit auf Stroke Unit gehörte ich mehr oder weniger zum elitären Team dazu. Eigentlich weniger, denn ich konnte mich nicht mit der dort vorherrschenden Denkart anfreunden, dass man hier härtere Arbeit leiste, nur weil man die "Drecksarbeit" macht, wenn man die Leute aus der Lebensgefahrzone kratzt, und wenn die Patienten fast geheilt und alltagsfit auf Normalstation entlässt, sich dann das dortige Personal lustig die Eier schaukelt, weils allen so gut geht.
Dass zum ordentlichen Arbeiten auf Intensiv ein Plus an Wissen und Kompetenz gehört, das man vielleicht bei einer durchschnittlichen Pflegekraft auf Normalstation vermissen kann, versteht sich. Dass man sich durch diesen Vorsprung aber über andere erhöht und diese das dann auch deutlich spüren lässt, dass man was Besseres ist, hat nichts mehr mit meinem Verständnis von Kollegialität zu tun.

Ich hoffe sehr, dass unsere beiden Intensivstationen damit eine unrühmliche Ausnahme bilden.
 
Ich habe es öfter gelesen und gehört. Ich kann das nicht beschreiben @matras weil wenn ich das könnte, hätte ich die Frage hier nicht gestellt . Ich weiß nicht ob die ITS- Pfleger/innen anders sind, ich hab da keine direkte persönliche Erfahrung gemacht. Ich höre aber andere Pflegekräfte reden und hab hier auch schon öfter gelesen, daß sie eben ein spezielles "Völkchen" sind. Und ich wollte jetzt halt einfach mal genaueres Wissen, deshalb meine Frage hier im Forum
 
Mein Eindruck nach 9 Jahren Intensiv auf diversen Intensivstationen, kleines Haus bis Maximalversorger:
Es kann einen verändern, wenn man da prädisponiert ist. Es gibt sie, die Kollegen, die lieber die Technik bedienen und in Notfallsituationen aufgehen, anstatt sich auf den Menschen einzulassen, der vor ihnen liegt.

Böse gesagt, wenn man gern "kleiner Arzt" ist, dann kann die Intensivstation der ideale "Spielplatz" sein, weil man sich hier eben schön profilieren kann.
Und als Abstufung gibt es diese Kollegen noch extremer bei Maximalversorgern, die am liebsten zwei Patienten mit ECMO oder instabilem Thorax oder mit Hirndruckanstiegen betreuen, Hauptsache "Action".

Aber ob man so wird oder werden will, liegt an jedem selbst.
Genau so gibt es viele großartige Kollegen, die sich eben "intensiv" um den Menschen kümmern, der ihnen anvertraut wurde, auf medizinischer, aber auch auf menschlicher, pflegerischer Ebene.
Die Leute, die einfach "ihren Job machen", weil sie das Geld brauchen, oder weil sie ihn eben schon ewig machen.

Ich kann nicht mitreden, ob sich das unterscheidet zu den Kollegen auf Normalstation, weil mir der Vergleich fehlt...
 
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Jaja, die Elitäre Intensiv Pflege gegen den Pöbel auf den Peripheren Stationen. Aber immer noch besser als die langweilige und unterfordernde Arbeit im Ambulanten Dienst oder Altenpflege...

Erkennt das jemand wieder? Was stimmte davon bisher?

Ob die ITS Kollegen ein besonderes Völkchen sind? Kann sein. Aber sind das nicht auch die Palliativkräfte? Oder die typisch "Chirurgischen Schwestern" auf der UCH?
 
Oder das OP-Volk....?
 
Fangen wir erst gar nicht von denen auf der ZNA an...
 
@Bumblebee2 mooooment. Nur weil ich action haben will, heißt das nicht, dass ich mich profilieren will. Nur weil ich bei den Ärzten mitreden will, heißt nicht, dasss ich meine Kompetenzen überschreite. :)

Ansonsten:
Ich hab ja oben Vermutungen aufgeschrieben, warum es so sein könnte, dass itsler etwas anders sind, aber eigentlich ist sowas schwachsinn. Und wenn dass dein größtes Problem mit dem Wechsel auf its ist, na denn steht dir zumindest nix im wege.
 
Jetzt mal wieder auf die Sachebene kommen: es ist wohl kaum so, dass ITSler "gerne" Aktion haben wollen und daher auf ITS arbeiten. Oder gerne "Arzt" spielen! Das finde ich einfach zu platt und zu sehr in "Schubladen-denken". Die Gründe sich für einen Fachbereich zu entscheiden sind bestimmt so vielseitig wie die Personen die es tun! Und dabei ist der Fachbereich nicht so entscheidend, wie vielleicht die Erfahrungen die man z.B. in der Ausbildung in dem Fachbereich machen konnte oder die Schilderungen von anderen Personen die einem vertraut und/oder sympathisch sind. Oder auch andere positive "Verstärker" die die Entscheidung für den Fachbereich begünstigt haben oder, oder , oder....
Daher finde ich es Wert die Frage an sich schon etwas einzugrenzen um eher auf die Intention des Fragestellers eingehen zu können. Aber wenn es nur um "Hörensagen" geht....!
 
Ich habe das doch differenziert durch: "Es gibt Kollegen, die so ... sind."
"Es gibt aber Kollegen, die anders sind."
"Und es gibt Kollegen, die ganz anders sind."
Natürlich sind das alles Schubladen, aber die Frage an sich zielte doch darauf ab...
 
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Hallo @ all!

Meine Meinung zu diesem Thema ist:
Die Pflegekräfte, die in den Funktionen oder Intensivstation arbeiten unterscheiden sich von den anderen Pflegekräften dadurch, das sie sich auch mit dem medizinischen Aspekten des Patienten auseinandersetzen und mehr im Team mit den Ärzten und anderen Berufsgruppen zusammengearbeitet wird. Das Wissen (z.b. Krankheitsverläufe, medizinische Sprache) ist auf einem höherem Niveau als bei dem Rest der Pflegekräfte. Sie können mit den anderen Berufsgruppen
"auf Augenhöhe" kommunizieren. Beispiel hierfür aus meiner Praxis: Weißt Du ohne nachzuschauen was "distal" oder
"medial" bedeutet?
Selbstverständlich hat jede Pflegekraft die Möglichkeit in einen solchen Bereich zu wechseln. Meine Erfahrung ist:
Viele Pflegekräfte auf den Allgemeinstationen trauen sich gar nicht, den Schritt auf Intensiv oder in meinem Fall Dialyse zu wagen.
Hier höre ich oft die Angst, "es nicht zu schaffen."
Diese halte ich zunächst einmal für unbegründet, da die erfahrenen Kolleginnen wissen, wie es ist in einem neuen Bereich zu wechseln. Sowohl Technik, als auch Krankheitsbilder werden schrittweise erklärt und geübt. Von leicht bis schwer.
Aus meiner Erfahrung von 2 Wechseln (Intensiv und Dialyse) muss ich sagen, das es ca. 1 Jahr braucht, bis man "angekommen" ist. Und: Es lohnt sich!
Und wenn Frau/Mann feststellt, "ne, das ist nichts für mich" wurde es wenigstens versucht.
Und als nächsten Schritt gibt es die Fachweiterbildungen, die vertiefenden Einblick in das medizinisch/ pflegerische der Station geben.
Übrigens nicht nur für Intensiv und OP, auch Onkologie, Rehabilitation, Geriatrie, Nephrologie und Notaufnahme.
Ich hoffe, das ich jetzt keine vergessen habe!
 
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Das Wissen (z.b. Krankheitsverläufe, medizinische Sprache) ist auf einem höherem Niveau als bei dem Rest der Pflegekräfte. Sie können mit den anderen Berufsgruppen
"auf Augenhöhe" kommunizieren. Beispiel hierfür aus meiner Praxis: Weißt Du ohne nachzuschauen was "distal" oder
"medial" bedeutet?
Ja stell Dir mal vor... und das, OBWOHL ich nur ein saudummer, kleiner "normaler" Krankenpfleger bin! :roll:
Unglaublich...
 
viele kollegen im Funktionsbereich besitzen eine fachweiterbildung A/I. der weg dorthin ist steinig und sehr lange (Minimum 7 jahre!). danach ist man fachlich vielen kollegen die "nur" die dreijährige haben einfach überlegen. das ist einfach fakt.. das muss man einfach auch mal Respektieren und neidlos anerkennen (können). ohne dass jetzt böse oder eheblich, abwertend oder was auch immer zu meinen.

auf normalstation sind viele kollegen mit dingen überfordert, die auf ips zum 1x1 gehören und worüber man schon gar nicht mehr nachdenken muss.

(wie funktioniert ein perfusor, dreiwegehahn, bilanz, Sauerstoffgabe usw.)
 
Ich fand dieses Gegeneinander schon immer sehr schade.
Die Kolleginnen und Kollegen von den peripheren Stationen erlebe ich zB bei Reanimationseinsätzen in ihren Bereichen regelmäßig als hervorragend arbeitende Fachpflegekräfte, die solche Akutsituationen kompetent beherrschen und sich gegenüber einer ITS-Pflegekraft nicht verstecken müssen. Trotzdem treten sie, sobald man als Rea-Team ankommt, bescheiden zurück, um uns das Feld zu überlassen.
Ich habe als ITS-Pflegekraft höchsten Respekt vor den Pflegekräften auf den peripheren Stationen die jederzeit den Überblick über 30-35 Patienten behalten und diese oftmals durchaus aufwändigen Patienten gut versorgen können. Wir ITSler sind dagegen so an unsere Überwachungsgeräte gewöhnt, dass uns jeder frei laufende Patient regelrecht Angst macht :-)

Also: nur Miteinander stemmen wir das..

Gruß spflegerle
 
@Bumblebee2 mooooment. Nur weil ich action haben will, heißt das nicht, dass ich mich profilieren will. Nur weil ich bei den Ärzten mitreden will, heißt nicht, dasss ich meine Kompetenzen überschreite. :-)

Ansonsten:
Ich hab ja oben Vermutungen aufgeschrieben, warum es so sein könnte, dass itsler etwas anders sind, aber eigentlich ist sowas schwachsinn. Und wenn dass dein größtes Problem mit dem Wechsel auf its ist, na denn steht dir zumindest nix im wege.
Ich hab doch gar nicht gesagt, geschweige denn geschrieben, dass ich damit ein Problem habe oder denke dass ich eins haben werde. Mich hat lediglich Eure Meinung dazu interessiert. Ich verstehe nicht ganz warum aus einer harmlosen Frage ohne jeden Hintergedanken so ein Tumult daraus gemacht wird
 
OBWOHL ich nur ein saudummer, kleiner "normaler" Krankenpfleger bin!

Komme mal ganz schnell von Deinem Holzweg herunter!
Du bist weder saudumm, noch klein.
Du bist ein gut ausgebildeter Krankenpfleger.

Spflegerle stimme ich zu. Jeder Fachbereich hat seine Daseinsberechtigung (ist wichtig, für die Patienten).
 
@Werner Rathgeber vielen Dank für deine Meinung sehr hilfreich!

Um nochmal meine Frage klar zu stellen!:
Ich will hier niemanden etwas vorwerfen, ich selber habe absolut keine Vorurteile, ganz im Gegenteil, ich hab nie eine negative Erfahrung mit den ITS'lern gemacht.
Als ich gesagt habe , zu diversen Kollegen, dass ich auf ITS wechseln will, hab ich gleich abwertende Bemerkungen bekommen, wie z.B.die arroganten, bist wohl was besseres, etc.
Und diese Meinung vertritt so ziemlich die Hälfte vom Betrieb und jetzt wollte ich, rein Interesse halber, eure Meinung dazu hören.
 

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