Praxiseinsatz auf der Diabetologie

UrsFahrbach

Newbie
Mitglied seit
22.03.2019
Beiträge
6
Alter
38
Standort
Stuttgart
Beruf
Schüler Gesundheits- und Krankenpflege
Akt. Einsatzbereich
Allgemein- und Unfallchirurgie
Servus miteinander, das ist mein erstes Posting und ich möchte mal ein freundliches Grüss Euch in die Runde schicken!

Ich habe, nachdem ich einige Zeit als pflegerische Hilfskraft in der Allgemein- und Unfallchirurgie geschafft habe, zum 1.10. meine GKP-Ausbildung angefangen. Der Job in der Aschi / Uschi hat mir immensen Spass gemacht und auch im schulischen Teil fühle ich mich sehr wohl.

Heute sind nun unsere Praxiseinteilungen bekanntgegeben worden und ich bin aus allen Wolken geflogen. Ich bin mir fast sicher, oder vielleicht besser: Ich hoffe, dass ich einem Irrtum aufsitze, aber ich kann mir nichts langweiligeres als eine Diabetologiestation vorstellen. Ich will niemandem zu nahe treten, dessen Herzblut dieses Tätigkeitsfeld ist und lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren : Das ist ja auch der Grund, warum ich diesen Thread gestartet habe. Kann mir jemand meine Befürchtungen und Vorurteile nehmen?

Soweit ich weiss wird die Station als Diabetologie / Endokrinologie bezeichnet. Wie gestaltet sich da der Dienst? Was sind die typischen Krankheitsbilder? Was macht man da den ganzen Tag neben Grundpflege und BZ messen?

Ich werde da zwei Monate verbringen und kann mir gerade nur ein sehr verschwommenes Bild davon machen. Ich fühle mich einfach unter (gesundem) Stress am wohlsten und für mich gibt es nichts Schlimmeres wie wenn man im Dienst dauernd auf die Uhr schaut und die Zeit nicht rum geht.

Ich freue mich auf Antworten und Praxiserfahrungen. :-)
 

Jillian

Poweruser
Mitglied seit
29.10.2013
Beiträge
536
Beruf
GuKP
Akt. Einsatzbereich
Gastroenterologie
Diabetologie und Endokrinologie sind mehr als nur "Grundpflege und BZ messen". Alleine DM kommt in verschiedenen Formen daher und kann sich mit vielen Symptomen äußern, und kann u.U. auch einen Rattenschwanz an Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Beispiele wären neurologische Defizite an Haut, Augen, Hirn; Hautdefekte, Durchblutungsstörungen, Wunden, daraus folgend Wundversorgung; Infektbehandlung; Ernährungsberatung, Schulung der Patienten zu Lebensweise, Ernährung, BZ-Regulierung; und noch so vieles mehr... sind nur einige Dinge, die mir ad hoc einfallen, wenn ich an meine Zeit auf Diabetologie zurück denke und mit meiner heutigen Tätigkeit in der Gastroenterologie/Inneren abgleiche.

Grundsätzlich ist Pflege auch mehr als nur Grundpflege. Das ist leider ein hartnäckiges Klischee in vielen Köpfen, dass Pflege nur "satt, sauber, trocken" bedeutet. Viele Patienten beschweren sich, dass "nichts passiert". Was eine Pflegekraft aber an einem Tag an ihnen ungesehen vollbringt - Krankenbeobachtung, Überwachung, Medikation, Organisation von Diagnostik und Therapie, Prophylaxen - wird häufig nicht als Pflegetätigkeit wahrgenommen, macht aber geschätzt 90% meiner Tätigkeit aus. Grundpflege ist nur ein winziger Teil dessen, was man tut.

Ich denke, auf Diabetologie/Endokrinologie ist man im Ersteinsatz nicht grundsätzlich verkehrt aufgehoben. Wenn man will, kann man dort sehr viel lernen.
 

niesreiz

Stammgast
Mitglied seit
30.05.2008
Beiträge
249
Standort
Mittelfranken
Beruf
GuK für Notfallpflege, Student Berufspäd.
Akt. Einsatzbereich
Interdisziplinäre Notaufnahme
Funktion
Praxisanleiter, MPG-Beauftragter
Woher kommt deine Voreingenommenheit gegenüber einer internistischen Fachstation? Vielleicht ist das die wichtigste Frage in dieser Beziehung. Erlaube dir doch eine gewisse Offenheit gegenüber dem Neuen und Unbekannten, anstatt aus allen Wolken zu fallen. Da gibt es echt viel essenzielles für deine berufliche Zukunft zu lernen.
 

UrsFahrbach

Newbie
Mitglied seit
22.03.2019
Beiträge
6
Alter
38
Standort
Stuttgart
Beruf
Schüler Gesundheits- und Krankenpflege
Akt. Einsatzbereich
Allgemein- und Unfallchirurgie
Danke für Eure Antworten, Jillian und niesreiz! Ich habe das natürlich auch ein bisschen provokativ formuliert. Natürlich ist mir klar, dass Pflege mehr ist als "sauber, satt, ruhig", auch von meiner Tätigkeit auf der A-/U-Chirurgie. Was mir dort sehr gut gefallen hat war der Abwechslungsreichtum: der unterschiedlichen Erkrankungen bzw. Verletzungen und dem Altersspektrum der Patienten.

Hinsichtlich der Arbeit auf der Diabetologie / Endokrinologie hab ich mir eben nicht viel mehr vorstellen können, wie das Einstellen auf Medikamente und GP - natürlich mit allem was dazugehört, wie Beobachtung, Medikamentengabe, Seelenmassage und die anderen Punkte, die Du oben aufgezählt hast, Jillian. Diese Arbeit schätze ich und sie macht mir Spass. Nur darüber hinaus habe ich mit dem Bereich nicht viel Anfangen können. Die ganzen Aufgaben, die ich aus meinem vorigen Einsatzbereich kenne, und die mir Spass machen, wie Wundversorgung und Verbände, Stomapflege, Lagerungen und Mobilisierung, postoperative Überwachung, ..., hab ich einfach in diesem neuen Bereich, der mich jetzt erwartet, nicht richtig verorten können. Was mich abgeschreckt hat, war die Vorstellung, dass die Tätigkeit zu einseitig ist und einfach nicht genug los ist, um acht Stunden Dienst zu füllen. :wink:

Zu dem "aus allen Wolken fallen" sollte ich vielleicht noch dazu sagen, dass wir uns im Vorfeld auf einer Liste eingetragen haben, die einen Überblick über unsere Vorerfahrungen gegeben hat: War hat schon ein FSJ absolviert? Wer hat schon einmal auf Station gearbeitet? Das Ziel war, dass jene, die noch über keine Vorerfahrungen verfügen (der Grossteil), auf "einfache" Stationen kommen, wo der Stationsalltag es auch zulässt, mehr grundlegende Dinge zu erklären und den Umgang mit Patienten zu schulen. Deshalb war meine Erwartungshaltung eine etwas andere.

Was Du schreibst, Jillian, versöhnt mich aber: Ich freue mich darauf, verschiedene Krankheitsbilder zu sehen. Und Wundversorgung ist definitiv eines der Themen, die mich am meisten interessieren.

@niesreiz: Die Offenheit, Neues zu lernen ist bei mir definitiv vorhanden. Nur hätte ich mir eben, im ersten Moment rausgesucht, dieses "Neue" auf der Onko oder der Gefässchirurgie zu lernen. :mryellow:

Aber ich lasse es jetzt einfach mal auf mich zukommen. Ich will nicht in die Watzlawicksche Falle des Mannes treten, der sich einen Hammer hat leihen wollen.

Wenn Euch noch Beispiele für den Tagesablauf oder Krankheitsbilder auf einer Diabetes- / Endokrinologiestation habt würde ich mich aber trotzdem freuen, wenn Ihr die teilen würdet! :-)
 
  • Like
Reaktionen: niesreiz

Jillian

Poweruser
Mitglied seit
29.10.2013
Beiträge
536
Beruf
GuKP
Akt. Einsatzbereich
Gastroenterologie
Es ist ja auch selten so, dass ein Patient mit einer singulären Erkrankung wie DM auf Station aufschlägt. Der Großteil der Patienten ist, je älter er ist, tendenziell multimorbide. Ich bin mir sicher, dass du quasi "nebenher" viele andere Krankheitsbilder zu sehen bekommst, die den DM begleiten, die Pflege aber nichtsdestotrotz fordern. Dinge wie
Wundversorgung und Verbände, Stomapflege, Lagerungen und Mobilisierung
werden dir mit Sicherheit auch auf Diabetologie begegnen.

Bereiche wie Onko würde ich nicht als Ersteinsatz empfehlen. Solche sensiblen Bereiche heben sich viele Häuser erst für den Mittel- und Oberkurs auf. Berufsanfänger würde ich persönlich dort nicht hinschicken. Mein Ausbildungshaus weigerte sich standhaft, Unterkursschüler aufzunehmen, und als ich dort meinen Einsatz hatte, wusste ich auch warum.

Ich wünsche dir viel Erfolg und gutes Gelingen bei deinem Einsatz auf Diabetologie. Wäre schön wenn du uns ab und an an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
 
  • Like
Reaktionen: UrsFahrbach

UrsFahrbach

Newbie
Mitglied seit
22.03.2019
Beiträge
6
Alter
38
Standort
Stuttgart
Beruf
Schüler Gesundheits- und Krankenpflege
Akt. Einsatzbereich
Allgemein- und Unfallchirurgie
Ich wünsche dir viel Erfolg und gutes Gelingen bei deinem Einsatz auf Diabetologie. Wäre schön wenn du uns ab und an an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
Danke! Das werde ich mit Sicherheit machen. :-)
 

Neuromaus

Poweruser
Mitglied seit
23.12.2018
Beiträge
573
Beruf
Ges.- u. Kinderkrankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Neuropädiatrie mit ganz besonderen Kindern ♥
Und möglicherweise liegen ja auch nicht nur Patienten mit bekanntem Diabetes dort. Ein frisch diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 1, der erstmal eingestellt werden muss, kann auch ausreichend "Action" bedeuten. BZ-Entgleisungen in beide Richtungen (Hyperglykämie oder Hypoglykämie) und die entsprechenden Folgen und ihre Behandlung zum Beispiel. Das ist ganz sicher nicht langweilig. Und ansonsten hast du bei solchen Pat. natürlich ganz viel Beratung und Anleitung zum BZ-Messen, zum s.c.-Spritzen, zum Umgang mit dem Insulinschema, zum Ausrechnen von KE usw. Die Typ 1-Diabetiker sind ja meistens jüngere Patienten (bei Manifestation), also grundpflegerisch meist Selbstversorger (außer sie sind gerade so massiv entgleist, dass sie es nicht können, aber dann liegen sie häufig auf Intensiv oder IMC zur Überwachung). Und trotzdem hast du da gut was zu lernen und zu arbeiten. Solche Kinder habe ich bei uns in der Allgemeinpädiatrie immer sehr gerne betreut (in meinem Ausbildungskrankenhaus gab es keine kinderdiabetologische Station, die Kinder lagen bei uns auf der allgemeinpädiatrischen Station). Die Manifestation und Diagnose erfolgt ja nicht immer schon im Kindesalter, es gibt auch genug Patienten, wo sich das erst zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr manifestiert, und die kommen dann eben auch in die Diabetologie, nicht nur die älteren Herrschaften mit bekanntem Diabetes Typ 2.
 
  • Like
Reaktionen: UrsFahrbach

UrsFahrbach

Newbie
Mitglied seit
22.03.2019
Beiträge
6
Alter
38
Standort
Stuttgart
Beruf
Schüler Gesundheits- und Krankenpflege
Akt. Einsatzbereich
Allgemein- und Unfallchirurgie
Und möglicherweise liegen ja auch nicht nur Patienten mit bekanntem Diabetes dort.
Ja, ich hab mich mal ein bisschen kundig gemacht und da gibt's schon noch ein Spektrum von interessanten Erkrankungen. (Morbus Simmonds - wohl eher selten - oder Nebenniereninsuffizienz...)
Zum Thema Schilddrüsenkrebs (oder generell nach OPs der Schilddrüse oder des Pankreas): Kommen die Patienten postoperativ typischerweise auf die Endokrinologie?

Ein frisch diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 1, der erstmal eingestellt werden muss, kann auch ausreichend "Action" bedeuten. BZ-Entgleisungen in beide Richtungen (Hyperglykämie oder Hypoglykämie) und die entsprechenden Folgen und ihre Behandlung zum Beispiel. Das ist ganz sicher nicht langweilig. Und ansonsten hast du bei solchen Pat. natürlich ganz viel Beratung und Anleitung zum BZ-Messen, zum s.c.-Spritzen, zum Umgang mit dem Insulinschema, zum Ausrechnen von KE usw.
Das hört sich gut an. Wie sieht es eigentlich mit s.c. Spritzen aus? Je nach Besetzung hab ich in meiner Tätigkeit als pflegerische Hilfskraft Fragmin und auch Insulin gespritzt, was ja rechtlich ein bisschen fragwürdig ist. Bin ich als Schüler ganz offiziell dazu berechtigt zu spritzen?

Die Typ 1-Diabetiker sind ja meistens jüngere Patienten (bei Manifestation), also grundpflegerisch meist Selbstversorger (außer sie sind gerade so massiv entgleist, dass sie es nicht können, aber dann liegen sie häufig auf Intensiv oder IMC zur Überwachung). Und trotzdem hast du da gut was zu lernen und zu arbeiten. Solche Kinder habe ich bei uns in der Allgemeinpädiatrie immer sehr gerne betreut (in meinem Ausbildungskrankenhaus gab es keine kinderdiabetologische Station, die Kinder lagen bei uns auf der allgemeinpädiatrischen Station). Die Manifestation und Diagnose erfolgt ja nicht immer schon im Kindesalter, es gibt auch genug Patienten, wo sich das erst zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr manifestiert, und die kommen dann eben auch in die Diabetologie, nicht nur die älteren Herrschaften mit bekanntem Diabetes Typ 2.
Ich gehe gerne mit älteren Patienten um und habe, glaube ich, auch einen Draht zu Demenzpatienten. Aber auch hier macht es eben die Mischung. :wink:
 

Jillian

Poweruser
Mitglied seit
29.10.2013
Beiträge
536
Beruf
GuKP
Akt. Einsatzbereich
Gastroenterologie
Zum Thema Schilddrüsenkrebs (oder generell nach OPs der Schilddrüse oder des Pankreas): Kommen die Patienten postoperativ typischerweise auf die Endokrinologie?
Bei uns kommen Patienten aus dem OP anschließend auf Chirurgie.
 

Neuromaus

Poweruser
Mitglied seit
23.12.2018
Beiträge
573
Beruf
Ges.- u. Kinderkrankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Neuropädiatrie mit ganz besonderen Kindern ♥
Wie sieht es eigentlich mit s.c. Spritzen aus?[...] Bin ich als Schüler ganz offiziell dazu berechtigt zu spritzen?
Wenn du das Thema Injektionen in der Schule hattest und in der Praxisstelle die Injektion mit einer examinierten Pflegekraft zusammen korrekt durchgeführt hast und abgesprochen hast, dass du es machen darfst. Sonst nicht!
 

Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 15 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!