Auf der Geriatrie hab ich auch schon 10-12 Patienten alleine versorgt. 3 Waschungen sind da ja nicht das Problem. Aber was ist wenn die Hälfte der Patienten inkontinent ist, Insuline gegeben werden müssen, Toilettentraining durchgeführt werden muss und 2 Patienten nicht kooperativ sind. Außerdem möchte der Arzt noch irgendwas von dir und es passieren noch ein paar andere ungeplante Dinge.
Während meiner letzten Zeit im stationären Bereich durfte ich mir immer wieder mal anhören: du weiß ja gar nicht was hier abgeht... 9 Zugänge fast täglich.
Irgendwann hats mich gewurmt und ich war der Meinung: da muss geholfen werden. Die PDL braucht Informationen über das Problem. Und Informationen sind Fakten.
Also hab ich 3 Monate rückwärts alle Aufnahmen aufgeschlüsselt nach Tagen und Diensten: Es gab fast tägl. Zugänge. Pro Schicht war das Maximum 4 Patienten. Es gab keinen Tag mit 9 Pat..
Bei meinen PPR Kontrollen begegneten/ begegnen mir Stationen, bei denen es viele Pflegefälle gibt. In meinen Seminaren bekomme ich immer wieder zu hören: das geht nicht, dafür haben wir keine Zeit.
Irgendwann hats mich gewurmt und ich war der Meinung: da muss geholfen werden. Die PDL braucht Informationen über das Problem. Und Informationen sind Fakten.
Also hab ich die PPR Zeiten genommen und gegen gerechnet. Von 10 Stationen waren nach dieser Rechnung bei 3 Stationen bis zu 3 Arbeitskräfte zu viel, bei 4 Stationen 2 Arbeitskräfte zu viel und bei 2 Stationen 1 Arbeitskraft zu viel. Eine Station hatte einen zu wenig. Arbeitskräfte sind übrigens
alle, die auf der Station arbeiten und nicht nur die examinierten Kräfte. Gerade "Pflegestationen" haben oft viel Hilfspersonal.
Großer Aufschrei: du weißt ja gar nicht, was wir alles nebenbei machen müssen. z.B. die ganzen Transporte am Tag. ... Wie jetzt? Alle Stationen transportieren den ganzen Tag fast alle Patienten von A nach B? Das dürfte ein reges Gedränge bringen am Fahrstuhl. Wenn man dies bezweifelt, kommt prompt das nächste "unlösbare" Problem. Das Spiel kann man endlos fortführen.
Woran liegen diese Fehlwahrnehmungen von Zeit?
Wir arbeiten in einem Beruf, in dem die Arbeitszeit selten genau vorher planbar ist. Flexibilität ist gefragt. Prioritäten müssen gesetzt werden: was ist jetzt wichtig. Damit tun wir uns sehr schwer. Etwas weglassen - undenkbar. Unsere Strukturen geben uns Sicherheit... dieses "Sicherheitsbedürfnis" erweist sich mittlerweile als Problem.
Des weiteren gibt es in unserem Beruf stets Zeiten mit viel Arbeit gefolgt von Zeiten die ruhiger laufen. Auch das ist nicht planbar. Ich habe noch keine Station erlebt, die 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag "unruhige" Zeiten hatte - nicht mal im Intensivbereich.
Gespräche müssen nicht endlos sein. Es reichen oft wenige Worte aus. Endlose Gespräche führen wir häufig in unseren Jammerrunden: dieses ist nicht und jenes ist nicht. An Veränderungen wird wenig gearbeitet. Dann würde das Jammern wegfallen und wer beachtet uns dann noch?
Das Problem "Schnittstelle Arzt" gehört bearbeitet. Da gibt es so einiges aufzuarbeiten. Dafür muss sich das Team aber einig sein, was es will. Und es braucht eine PDL, die hinter den Mitarbeitern steht.
Elisabeth