HIV-Medikamente mörsern?

iggi

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09.04.2006
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Gesundheits-und Krankenpflegerin
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Häma/Onko
Hallo Leute,

ich hab schon die ganze Zeit im Internet geschaut aber keine klare Antwort gefunden. Wir haben einen Patienten mit Leukämie und HIV bei uns auf Station (der demnächst noch autolog transplantiert werden soll!). Er kann seit Tagen keine Nahrung und auch seine wichtigen HIV-Medikamten wie Isentress und Truvada nicht einnehmen. Des sind ja schon richtig große Tabletten und glaub selbst wenn man die mörsern könnte wäre des schwierig. Aber meine Frage ist eben, kann ich die überhaupt mörsern? Ich weiß ja noch nicht mal ob die der Patient dann einnehmen kann weil er so schlecht ist, den ganzen tag nur schläft und ständig Übelkeit und Erbrechen hat. Wir haben es die letzten Tage auch immer deutlich in die Kurve geschrieben das der Patient keine Tabletten einnehmen kann, ich hab die Ärzte auch schon drauf angesprochen, aber es reagiert ja keiner. Erst als ich fünfmal den Ärzten gesagt hab dass der Patient nur am erbrechen ist (MCP und Vomex wurde von den Ärzten erst reduziert) und mehr Antiemetika brauch haben die mal Dexamethason und wieder 3mal täglich Vomex angesetzt, seit dem ist es etwas besser. Aber sobald er oral Nahrung zu sich nimmt würgt er wieder. Momentan wird er über ZVK mit Struktokabiven ernährt und soll heute einen Port bekommen, bei noch nicht mal mehr 40kg die er auf die Waage kriegt! Aber mal zurück zu meiner frage, kann ich diese HIV-Medikamte zerkleinern?

Gruß
iggi
 
Hallo Iggi,

ob du die Mörsern darfst, habe ich nicht im Kopf, aber warum zieht ihr keinen Infektiologen dazu oder haltet Rücksprache mit der Praxis in der euer Patient für seine HIV-Erkrankung behandelt wird?

Wahlweise würde ich in der Apotheke nachfragen.

lg
Narde
 
Danke für deine Antwort!
Leider interessiert des unsre Ärzte überhaupt nicht. Als ich die Woche zu unsrem Arzt gesagt hab dass der Patient die Medikamente nicht schlucken kann hab ich die Antwort gekriegt: "Naja, wenn er die mal einen tag nicht nimmt is nicht so schlimm...".
Aber mit der Infektiologie haben wir ja guten Kontakt, leider kenn ich da auch keinen Arzt persönlich. Die könnte ich natürlich auch mal fragen. Da werd ich mich morgen mal drum kümmern wenn ich wieder auf der Arbeit bin, außer unsre Ärzte haben sich da heut nach den ganzen Feiertagen mal drum gekümmert.

Nicole
 
Ciao Nicole

Und was kam bei raus?

Habe mir beide Pakungsbeilagen zu Gemüte geführt:

- Truvada: "...Bei Patienten mit Schluckbeschwerden kann Truvada in ca. 100 ml Wasser, Orangensaft oder Traubensaft aufgelöst werden..."
Auf Grund dessen kann man die Dinger wohl mörsern.
- Isentress: keine genauen Angaben.

Denke dass Nachfragen bei der Apotheke am leichtesten ist. Sonst hilft mit Sicherheit auch eine ADIS - Beratungsstelle weiter.

Gruss Jolly
 
- Truvada: "...Bei Patienten mit Schluckbeschwerden kann Truvada in ca. 100 ml Wasser, Orangensaft oder Traubensaft aufgelöst werden..."
Auf Grund dessen kann man die Dinger wohl mörsern.
Sorry, aber wenn da steht, dass es aufgelöst werden kann, dann würd ich auch dabei bleiben und sie NICHT mörsern...
 
Isentress; Quelle: Fachinfo:

Der Einfluss
der Nahrungsaufnahme auf die Resorption
von Raltegravir ist unbestimmt (siehe Abschnitt
5.2). Es wird nicht empfohlen, die
Tabletten zu kauen, zu zerdrücken oder zu
teilen.
 
Warum sollte man bestimmte Medis nicht mörsern?
Neben der Veränderung der Galenik und der damit ev. verbundenen Veränderung der Wirkstoffaufnahme können die auftretenden Stäube (läßt sich nicht verhindern) denjenigen schädigen, der da eifrig den Mörser nutzt. Das betrifft u.a. besonders die Zytostatika.

Wenn der Hersteller also auflösen angibt, dann auflösen. Ansonsten möchte ich nochmal auf die DoccheckPasswort- geschützte Seite Pharmatrix.de hinweisen. Hier bekommt die Fachfrau/ der Fachmann einen schnellen Überblick, was geht und was nicht.

Ich bin übrigens immer wieder erstaunt, wie wenig Kenntnisse in Pharmakologie offensichtlich an den Schulen vermittelt wird.

Elisabeth
 
Ansonsten möchte ich nochmal auf die DoccheckPasswort- geschützte Seite Pharmatrix.de hinweisen. Hier bekommt die Fachfrau/ der Fachmann einen schnellen Überblick, was geht und was nicht.
Alternativ rote-liste.de
Dasselbe wie im Buch + FACHINFO Service.
Auch Doc-Check-geschützt.
PW mit Examen anzufordern...
 
Warum sollte man bestimmte Medis nicht mörsern?

Ich bin übrigens immer wieder erstaunt, wie wenig Kenntnisse in Pharmakologie offensichtlich an den Schulen vermittelt wird.

Elisabeth

Hallo Elisabeth,

ich muss zugeben, in meiner Ausbildungszeit und die ist noch nicht all zulange her, haben wir sehr wenig in Sachen Pharmakologie gehabt.
Nur solche schlauen Sachen, wie räume ich am besten den Apothekerschrank auf Station ein.
Einiges war schon sehr hilfreich, aber solche Dinge, wie, was darf man mörsern, was nicht, was passiert im Körper nach der einnahme von Medikamenten usw ist irgendwie untergegangen.
Soviel zu den vermittelten Schulstoff.....

lg anne
 
ich muss zugeben, in meiner Ausbildungszeit und die ist noch nicht all zulange her, haben wir sehr wenig in Sachen Pharmakologie gehabt.
Nur solche schlauen Sachen, wie räume ich am besten den Apothekerschrank auf Station ein.
Einiges war schon sehr hilfreich, aber solche Dinge, wie, was darf man mörsern, was nicht, was passiert im Körper nach der einnahme von Medikamenten usw ist irgendwie untergegangen.
WAS man mörsern darf usw; also spezifische Sachen, hatten wir auch nicht. Aber grundätzliche Dinge ala Galenik/Pharmakokinetik haben wir schon angerissen...
Weiterdenken musste man dann selbst ;)
 
Also, ich hab unsre Ärzte nochmal drauf angesprochen weil der Patient die tabletten gar nicht (noch nicht mal gemörsert oder aufgelöst) einnehmen will. Der Patient nimmt gar nichts mehr zu sich, noch nicht mal mehr nen schluck wasser. Wegen den Tabletten war dann gestern nachmittag anscheinend ein Infektiologe da. Hat sich aber anscheinend trotzdem nicht´s geändert außer das er jetzt Diflucan und sein Cotrim forte i.v. angesetzt bekommen hat. Unsre Ärzte wollen sich des noch zusammen mit den Infektiologen überlegen was sie da machen sollen. Auch das er gar keine Flüssigkeit mehr zu sich nimmt is denen relativ egal, schließlich reichen ja die 1600kcal Struktokabiven was rund um die Uhr läuft. Da bin ich echt mal gespannt wie des die nächste Woche weiter geht. Aber jetzt hab ich erstmal des Wochenende frei.

Gruß,

iggi
 
Sorry, aber wenn da steht, dass es aufgelöst werden kann, dann würd ich auch dabei bleiben und sie NICHT mörsern...

Rein aus Interesse: Warum nicht?
Denke wenn man die Tablette auflösen kann, hat sie als Trinklösung die selben Eigenschaften wie als Pulver, bzw. den selben Resorptionsort - oder mach ich einen Denkfehler?
Klar wäre bei einer Trinklösung die Verlustmenge geringer.

Danke für die Antwort
 
Durch das Zerreiben im Mörser kannst du wahrscheinlich den Wirkstoff bzw. die Binung des Wirkstoffes an den Hilfsstoff verändern. Oder der Hersteller geht davon aus, dass auftretende Stäube für dich schädlich sind. Hersteller denken sich durchaus etwas dabei, dass sie ein Mörsern nicht empfehlen.

Elisabeth
 
Ich denke mal, grundsätzlich ist gemörsert immer noch besser wie gar nicht eingenommen. Und was den Staub angeht, ich würde mir bei der Gefahr nen Mundschutz überziehen und mit Handschuhen arbeiten.

Und wer jetzt sagt, das viele Gemörserte Tabletten die Wirkung verlieren, das mag ja sein, aber dann kann ich doch schlimmstenfalls nichts erreichen, aber es nicht verschlechtern, oder?

Das sich ne Wirkung durch Mörsern ändert, hab ich übrigens noch nie gehört, bin da aber jetzt auch nicht die Expertin.
 
Warum soll ich ein Medikament mörsern wenn ich es in Saft auflösen darf?
 
Rein aus Interesse: Warum nicht?
Denke wenn man die Tablette auflösen kann, hat sie als Trinklösung die selben Eigenschaften wie als Pulver, bzw. den selben Resorptionsort - oder mach ich einen Denkfehler?
Klar wäre bei einer Trinklösung die Verlustmenge geringer.
Es gibt Medikamente, die sich nach AUFLÖSEN, zu einer Menge Micropellets auflösen, die man dann eben trinken kann.
Das Med gemörsert, zerstört die Pellets und du hast keine Wirkung.

Und wer jetzt sagt, das viele Gemörserte Tabletten die Wirkung verlieren, das mag ja sein, aber dann kann ich doch schlimmstenfalls nichts erreichen, aber es nicht verschlechtern, oder?
Sehr sinnvoll. Was soll das dann?
Man wiegt sich in trügerischer Erleichterung, der Pat nimmt es ja gemörsert, in Wirkluchkeit bekommt er aber seine Medis nicht - und geht daran zugrunde.

Außerdem bist du dann ein schlechtes Vorbild für deine Schüler, die das dann auch grundsätzlich so machen und sich noch weniger Gedanken darum machen als du...
 
Und wer jetzt sagt, das viele Gemörserte Tabletten die Wirkung verlieren, das mag ja sein, aber dann kann ich doch schlimmstenfalls nichts erreichen, aber es nicht verschlechtern, oder?
Du kannst sogar sehr viel damit falsch machen. Die Begleitstoffe in einer Tablette dienen der Steuerung der Aufnahme des Wirkstoffes, also z.B. Retardwirkung. Wenn du solche Tabletten mörserst, bekommt der Paitent im ungüsntigen Fall die komplette Dosis sofort anstatt das sich die Aufnahme über Stunden verteilt.
 
Man lernt halt nie aus...
 
Warum sollte man bestimmte Medis nicht mörsern?
Neben der Veränderung der Galenik und der damit ev. verbundenen Veränderung der Wirkstoffaufnahme können die auftretenden Stäube (läßt sich nicht verhindern) denjenigen schädigen, der da eifrig den Mörser nutzt. Das betrifft u.a. besonders die Zytostatika.

Wenn der Hersteller also auflösen angibt, dann auflösen. Ansonsten möchte ich nochmal auf die DoccheckPasswort- geschützte Seite Pharmatrix.de hinweisen. Hier bekommt die Fachfrau/ der Fachmann einen schnellen Überblick, was geht und was nicht.

Ich bin übrigens immer wieder erstaunt, wie wenig Kenntnisse in Pharmakologie offensichtlich an den Schulen vermittelt wird.

Elisabeth

was sich lösen lässt darf man aber wirklich mörsern. die zerkleinerung hat keinen negativen einfluss auf die wirkung. allerdings halte ich auflösen trotzdem für die bessere variante, da geht einfach weniger wirkstoff bei verloren.
 

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