Dürfen Bewohner/Patienten mithelfen?

bkh-brothers

Junior-Mitglied
Registriert
06.08.2007
Beiträge
31
Ort
Ansbach
Beruf
Auszubildender in der Gesundheits- und Krankenpflege
Hallo Zusammen,
Ich komm in meinem Alltag öfters mal zu Situationen in denen Patienten/Bewohner bei kleinen Tätigkeiten mithelfen könnten. Zum Beispiel beim Zusammenlegen von Handtücher... Ist das Hygienisch vertretbar? Ich denke doch schon! Natürlich hat das Einverständnis des Pat./Bew. oberste Priorität.
Mir wollte neulich eine Mitbewohnerin bei der Ganzkörperwaschung einer Bewohnerin helfen. Dies hab ich abgelehnt, da ich die Beziehung deren beider zueinader nicht kenne, und ihre Privatsphäre schützen möchte. Aber wo fängt die Unterstützung an oder hört sie auf... Ich möchte ja auch schliesslich nicht das sich die Pat./Bew. als "billige Arbeitskraft " verstehen!!

Natürlich gibt es hierzu kein Rezept, aber mich würde es mal interessieren wie ihr mit diesen Situationen umgeht?
 
Hey .. glaub mir ich kenne das Problem ich denke blos das die Bewohner Tätigkeiten des Alltags und im Haushalt gut unterstützen können dies beschäftigt und fördert ja zugleich wenn es aber um andere Bewohner geht (oder deren Intimsphäre) würde ich das trennen wie du schon sagst schutz des Bewohners ..
 
Hallo bkh-brother!

Das Problem kenne ich auch ganz gut aus der Zeit als ich im Altenheim gearbeitet habe. Bewohner die noch fitter sind, ihr Leben lang gearbeitet haben und jetzt auf einmal nichts mehr tun können langweilen sich, fühlen sich unnütz und bauen dadurch auch schneller ab.

Ich würde sagen Wäsche zusammenlegen und Spülmaschiene einräumen (falls ihr sowas tun müsst) ist in Ordnung, aber nur gemeinsam mit dir und achte darauf dass sich der bewohner vorher gründlich die Hände wäscht. Rollstuhl schieben beim gemeinsamen Spazieren gehen ist auch okay. Auch da solltest du dabei sein, z.b. in dem du nen anderen Bewohner in unmittelbarer Nähe schiebst oder führst.

Mehr solltest du meiner Meinung aber auf gar keinen Fall zulassen!

Viele Grüße,
es
 
Ich war in einem Altenheim, da gehörte das Wäsche legen zur Beschäftigungstherapie dazu.:lol1:
 
Auch ich kenne dieses Thema. Bei uns in der Einrichtung möchten auch manche Bewohner helfen. Besonders im Küchenbereich.

Das finde ich immer nicht so "schön" weil es ja auch hygenisch sein soll. Naja aber das sollte jede Einrichtung selber wissen. Bei uns legen die Bewohner auch die Wäsche zusammen.

Da wir in unserem Haus ("nur 60 Bewohner") die Wäsche selber waschen, helfen unsere Bewohner immer beim zusammen suchen der Socken. Es wird sich dann an eine großen Tisch gesetzt und zusammen gesucht.

Ich finde das immer ganz nett.
:klatschspring:
 
Hi,
Hört sich ja echt ganz witzig an, eure Socken-Such Runde.
Aber ich geb dir Recht, in der Küche ist des vllt. unangebracht net weil es eklig ist sondern wirklich nur weil es hygienisch zugehen soll.

Glaubt ihr es würde Sinn machen jeden Bewohner feste Tätigkeiten zuzusprechen die dann so zusagen seine Schuldigkeit in der Gemeinschaft sind. Meinetwegen einen Tagesplan z.b.Fr. Meyer Tische abwischen...

weiß nicht ganz, aber klingt immer a bisschen wie MUSS
und des soll es ja auch net
 
Hallo bkh-brothers,

die Idee Bewohner/Patienten mit Aufgaben zu beauftragen, bzw. eine Verantwortung zu übergeben ist erstmal keine schlechte Sache.

Nur sollte dies nicht so sein, dass es als erstes der Gedanke unserer Entlastung ist, sondern eine Maßnahme die dem Patienten auch nutzt.
Diese Vorteile brauche ich wohl nicht zu nennen.

Natürlich ist dies auch ein Nebenprodukt, es entlastet uns auch.
Aber wir, die die Verantwortung haben sollten, sollten auch die Nachteile im Auge haben, die entstehen könnten.

In noch nicht so langer Vergangenheit wurden psychiatrische Patienten eingesetzt zu arbeiten. Mehr oder weniger freiwillig. Patienten übernahmen Dienste, hatten eine andere Rolle als andere Patienten, die dies nicht übernehmen konnten.

Es hat auch in dem Fall nichts damit zu tun, dass es psychiatrische Patienten waren. Abhängigkeit ist immer vorhanden als Patient oder Bewohner.

Es entstand noch mehr Hierarchie; Patienten untereinander. Dies wurde in dem System auch genutzt. Jeder der irgendwas tun konnte, hatte eine bessere Situation.

Selbst das Pflegepersonal war erpressbar, bevorzugte Patienten welche für sie "Arbeiten" übernahm. Schlimmer noch, motivierte Patienten die andere Patienten reglementierten, anschwärzten.

Es muss klar sein, dass diese Patienten es nicht für uns tun, für das Personal, sondern für die Gemeinschaft.

Es würde auch nichts gegen einen Küchendienst sprechen, nur braucht es genaue Vorgaben. Hygienevorschriften, die allen verständlich sein sollten. Es braucht Begleitung.

Ein Konzept diesbezüglich wäre von Vorteil. Denn Milieugestaltung ist nicht nur in der Psychiatrie wichtig, sondern überall.

Unsere Haltung muss klar sein. Es kann nicht angehen, dass ein Patient dies macht, weil er uns eine Gefälligkeit erweisen will.

Selbst Socken raussuchen, braucht eine Einstellung. Was macht ein Schüler plötzlich, wenn jemand fragt: "Warum soll ich jetzt hier Socken suchen?" Oder noch eine provokantere Aussage zu Angehörigen plötzlich: "Ich muss hier Socken raussuchen".

Das ist jetzt keine Überlegung alleine um uns zu schützen, sondern klar zu haben, warum machen wir das?
Die Hinterfragung/Auseinandersetzung von Dingen, egal wie banal sie sind, ist immer wichtig.

Das ist jetzt meine Meinung dazu.

Liebe Grüße Brady
 
In Deutschland werden die Kartoffeln in der Regel vor dem Verzehr gekocht- was spricht gegen Kartoffel schälen? Gleiches gilt für Gemüse.
Ein Kuchen wird gebacken- was spricht gegen Teig anrühren und Obst hierfür schneiden?

Hände waschen wird wohl im Vorfeld möglich sein... sozusagen als Vorbereitung. Und nicht vergessen: die Hausfrau trug früher eine Schürze in der Küche.

Elisabeth
 
Hi,
richtig! Das mit Gemüse schnippeln und Kartoffelschälen kenne ich auch und wird auch super angenommen (auch vom Koch)
Diese alltäglichen Tätigkeiten sind z.B. für demenziell abbauende Personengruppen einfach hervorragend.

Gruß
Synapse
 
Kleinere Haushaltstätigkeiten sind völlig OK. Unsere Bewohner legen mit die Wäsche oder helfen mit beim abtrocknen.
Eine Demenzkranke Bewohnerin hat mir auch schon Hilfe bei der GKW ihrer Mitbewohnerin angeboten. Sowas muss man natürlich ablehnen. ( Mitbewohnerinn ebenfalls Demenzkrank aber nicht mehr zu willensäußerung in der Lage ) .:gruebel:
 
Naja so Gemüseschnippel finde ich auch ganz okay. Wir haben in unserer kleine Dementengruppe immer die möglichkeit das die nur für sich Kochen. Also max. 10 Personen.

Was ich nicht so gut finde ist ein "Haushaltsplan". Finde auch das dass sehr nach muss klingt. Obwohl das natürlich nicht so gemeint ist.

Was auch gut ankommt ist: die Handläufe zu wischen.

Die sind bei uns immer blize blank :sdreiertanzs:
 
Mh, wir versuchen auch unsere BW so oft wie möglich in den Stationsablauf mit einzubeziehen.
Eine Dame z.B. fühlt sich zuständig fürs Abräumen nach dem Essen und wischt anschliessend die Tische ab. Macht sie schon von sich aus und hat auch immer ihre eigene Rüschen-Schürze mit dabei, gg.
Andere Damen fühlen sich für die Wäsche zuständig, Beziehen auch ihre Betten selbst (manche mit Unterstützung, manche mit Anleitung, andere selbständig). Habe z.B. schon ein paarmal Knöpfe an meine Arbeitskittel annähen lassen oder kleine Löcher in den Taschen stopfen lassen.
Es ist meiner Meinung nach kein Ausnutzen der BW, solange die das auch freiwillig machen. Bevorzugt werden diese BW eigentlich auch nicht, durch deren Mithilfe habe ich mehr Zeit mich um die zu kümmern, die eben nicht mithelfen können, also durchaus sinnvoll für die Gemeinschaft!
Ganz beliebt ist übrigens der "Tierpflege-Dienst", wir haben einen grossen Vogelkäfig mit 5 Wellensittichen, der regelmässig geputzt werden muss. Da sind immer auch BW dabei, die nicht helfen können (irgendwer muss ja aufpassen, dass die Vögel nicht ausbüchsen...gg)

Ach, und noch was zur Hygiene-Frage: Solange es um Lebensmittel und Mithilfe in der Küche geht: ok, sollte schon hygienisch laufen.
Bei allen anderen Arbeiten kann ich nur sagen: bei meiner Arbeit bin ich bei den BW zu Hause. Ich putze nicht hygienisch einwandfrei in meiner Wohnung! Es muss ordentlich aussehen und einigermassen sauber sein, mehr nicht! Für die hygienische Reinigung im Haus ist unser Reinigungspersonal zuständig. Wir sollten aufhören, unsere BW "hygienisch einwandfrei" zu züchten, das waren sie nämlich zu Hause auch nicht!

Gruß Schreiberling
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

ich arbeite nur geringfügig und seit kurzem in einem Altenheim, habe aber langjährige Erfahrungen in einem Behindertenheim sammeln können/dürfen.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht! In beiden Heimen leben "Bewohner" und ich denke herrschen hygienische Standarts und daher verstehe ich es nicht, dass im Seniorenheim die Menschen rumsitzen und bedient werden. Gerade für Demente und in ihrem Bewegungsradius stark eingeschränkte (die keine sozialen Bande mehr nach "draussen" haben zB) ist dies doch ein Stück Normalität. Aber nichtmal ans Buffett sich selbst ihr Essen holen sollen die Omas...ich stellte auch die Frage, ob man nicht einfach die Wurst/Käsetabletts/das Brot auf den Tisch stellen kann und mit den Bewohnern essen kann, dann hat man ja auch im Blick, ob jmd vielleicht zu sehr zu schlägt...nein, geht nicht...im Behindertenheim ist das ganz anders, da sind die Bewohner, die dazu fähig sind, zu regelmäßigen Küchendiensten eingeteilt und helfen beim Kochen und sind stolz wie Oskar, wenn sie mal selbst eine Salatsoße gezaubert haben, das hat was mit Fähigkeiten erhalten und Gemeinschaft fördern zu tun. Mit sich nützlich tun dürfen... Es ist übrigens eine behinderte Seniorengruppe...wir sitzen gemeinsam am Tisch und trinken mit ihnen zusammen, so werden auch die Trinkpläne geführt nicht um die Tische gelaufen und gedroht "sie müssen trinken, sonst gibts eine Infusion!"

LG v Alex (die selbst nur Mensch auch nicht hygienischer ist, als ein Bewohner...)
 
Hallo Wandera

was Du beschreibst, wäre auch im Altenpflegebereich wünschenswert.

Leider scheitert es oft an (meiner Meinung nach hirnrissigen) Vorgaben durch Prüfbehörden!

Es ist völlig undenkbar, dass ein Senior in der Altenheimküche "mitmischt". Die harmloseste Vorgabe von Heimaufsichten:

Das was von Bewohnern in einer Gruppe an Essbarem hergestellt wird, muss auch in dieser Gruppe verzehrt werden. Leider gibts auch andere Versionen: Bewohner haben an Lebensmitteln nichts verloren.

Macht natürlich besonders viel Sinn, wenn demenzkranke Menschen beschäftigt werden sollen, denen die Fähigkeit, Neues zu erlernen, nicht mehr gegeben ist. Worauf willst dann zurückgreifen, wenn nicht auf alt- eingelernte Ressourcen der Haushaltsführung.

Irgendwie sehr sehr schade- einerseits soll ein Altenheim die ""Wohnung" des alten Menschen sein; nur in dieser Wohnung muss alles den Hygienestandards entsprechen, die einer Intensivstation Ehre machen würden.....

Gruß Dino
 
Ich finde, der Bewohner sollte schon mithelfen dürfen, wenn er das gerne möchte. Wenn Frau K. heute Lust hat, mir z.B. beim Geschirrspüler aus-/einräumen zu helfen, dann mach ich das doch sehr gerne mit ihr zusammen. Das heisst aber nicht, das ich das als selbstverständlich ansehe und nun vorraussetze, das die Bewohnerin nun immer mit hilft.

Kleinere Aufgaben, finde ich, sollten aber auf Bewohner, die noch dazu in der Lage sind, verteilt werden. Wäsche zusammenlegen, Tische abräumen und abwischen, Geschirr spülen, Gläser nachfüllen und so weiter können Bewohner übernehmen. Sie sind im Altenheim Zu Hause und Zu hause hätten sie das auch selbst gemacht, oder?

Gruss missie
 

Ähnliche Themen