Das Gefühl von Versagen.

InetNinja

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24.01.2017
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Hallo zusammen.

Es ist soweit, ich sitze heulend zuhause. (Hab ich mit gerechnet, fühlt sich trotzdem Mies an)

Heute sagte ein Angehöriger zu mir ich müsste ja nicht so unfreundliche zu ihm sein.
Der Mann kam mit einer Überweisung für einen Niedergelassenen Gastroenterologen zu einer ÖGD für seinen Vater in der Hand, zu uns in die ZNA. Ich hatte ihn noch angesprochen ob ich ihm helfen kann und erklärte ihn darauf das dass eigentlich nichts für die Notaufnahme ist und die Überweisung für einen Ambulante Behandlung beim Niedergelassenen Facharzt wäre. Er sagte dann nur zu mir das er das wüsste, aber wegen der Arbeit keine Zeit dazu hätte. Auch da erklärt das auch das kein Grund für die Notaufnahme ist.

Nun ja ein Wort ergab das andere, bums hat es geknallt. Und ich muß zu geben ich hätte wirklich souveräner Reagieren können. Ich war wirklich unfreundlich. Ich konnte einfach nicht mehr. Dann hat mir der Typ in meinen Augen auch noch subtil gedroht. Er sagte das er auch Ärzte kenne und das er meinen Namen haben will. Unsere Spätdienste sind die Hölle. Ich konnte auch nicht nachgeben. Ich hätte nur kurz sagen müßen. "Sorry ich bin mega gestresst das geht nicht gegen sie". Ich habs nicht hinbekommen. Ich hab in der Situation den Chefarzt um Hilfe gebeten.

Ich fühl mich schrecklich.
- Ich bin überfordert
- ich kann nichts
- wie soll ich das lernen?
- Das konnte ich doch alles mal besser, wo ist mein Know How hin?
- Ich brauche Anlehnung und Führung
- Ohne Führer bin ich mein eigener Führer, das passt nicht jedem, ich Ecke an. Bzw. Ich hab das Gefühl anzuecken.
- was halten die anderen von mir?
- Was denkt der Chef, muß ich morgen schon wieder Stellung nehmen? Hätte ich das mit freundlicherem Verhalten vermeiden können?
- Bekomme ich ärger obwohl ich versuche irgendwie klar zu kommen?
- Verdammt wo ist meine Erziehung, Empathie, Mitgefühl und vor allem Diplomatie hin?
- ich kann nicht jeden Abend meinem Mann die Ohren voll heulen
- 1 Jahr mache ich voll, dann hab ich was im Lebenslauf
- Ich hab doch auch noch ein Privatleben
- Unter dem Stress hab ich keine Zeit für meine eigenen Sorgen
- Ich hab auch Angst um meine Gesundheit
- Ich kompensiere
- Ist das Normal?
- Versage ich?
- BIN ICH FÜR DEN JOB GEMACHT???

Ich bin erschrocken über mich. Ja ich hab ein feste Auftreten. Aber so unfreundlich und patzig war ich echt noch nie... Und das ist das was mich zum Weinen bringt.

Am liebsten würde ich jetzt heimlich meine Kündigung in den Briefkasten werfen und einfach verschwinden. Ich schäme mich richtig.

Die letzten male hab ich einfach "Morgen ist ein neuer Tag, da machst du es besser" gemacht.
Heute will mir das nicht gelingen.

Ich frag mich wirklich ob ich für den Job gemacht bin?
Und irgendwie hab ich das Bedürfnis mich bei dem Mann zu entschuldigen.


Wie ging's, geht es euch?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hey,

zunächst einmal, kann ich keinen direkten Fehler bei dir sehen. Natürlich habe ich keine Ahnung, welche Worte gefallen sind und wie die Situation war. Aber du hast dieser Person nur die Fakten dargestellt. Sein Vater sollte zum niedergelassenen Facharzt!

Du hast dir nichts vorzuwerfen! Aber es ist heutzutage nun einmal Realität, dass die Menschen einen Anspruch im Krankenhaus haben der zum einen komplett unrealistisch ist und sich selbst zusätzlich als den Nabel der Welt halten.

Und ich muß zu geben ich hätte wirklich souveräner Reagieren können.

Was hat doch den unsouverän wirken lassen?

Er sagte das er auch Ärzte kenne und das er meinen Namen haben will.

Sehr schön, dass er sie kennt. Kann er gerne ja von dir grüßen und nebenbei. Diese können ihm dann auch direkt sagen, dass er auf das Pflegepersonal a) keinen Einfluss hat b) ihm seine Geschichte nicht interessiert und c) er gefälligst einen niedergelassenen Facharzt aufsuchen sollte.

Ich hab in der Situation den Chefarzt um Hilfe gebeten.

Was hat er denn zu der Situation gesagt?

Zu den anderen dingen die du aufgezählt hast, kann dir denke ich keiner was sagen. Dies musst du selber rausfinden. Fest steht aber, dass du direkt nach dem Examen in die ZNA gegangen bist. Hut ab, dass hätte nicht jeder gemacht. Ein Bereich mit durchaus großer Verantwortung und einem meistens konstant hohen Stresslevel. Du bist Jung und das merkt man dir an. Ob du es willst oder nicht. Mir geht es nicht anders. Auch ich bin relativ früh nach dem Examen auf diesen Speziellen Bereich der KMT (IMC) gewechselt. Viel meiner unwissenheit und unerfahrenheit, kann ich überspielen (Mein Mundschutz erleichtert die Aufgabe ungemein). Aber auch dies klappt nicht immer, da man einfach schneller in Stress und im unglücklichsten Fall ins Chaos kommt.

Ich schreibe dir, wenn gewünscht, heute Nachmittag mal eine PN über eine Situation welche ich falsch gehandhabt habe und ich drauf und dran war den Beruf zu verlassen. :D

Was sagen denn deine Kollegen dazu bzw. wie sehen sie deine Arbeit. Geben sie dir Rückendeckung?
 
Laß es nicht so nah an dich dran.
Immer mehr Leute glauben die ZNA ist ein Kaufhaus (und wir wären Dienstleiter ohne Ablehnungsrecht ((Dienstboten))), in dem sie sich Leistungen einfach spontan abholen können, bezahlt wird von der Kasse.
Versuche einen Ausgleich/Stresslevelherunterbring für dich zu finden - bei mir funktioniert joggen als einziges
Versuche, nichts mit nach Hause zu nehmen.
Denke daran, du bist nicht Superwoman, du hast aber eine Würde, Fachwissen,professionelles Auftreten - dies klappt , mal besser und mal schlechter, du/wir sind ganz normale Menschen mit Fehlern, Überforderungen, Ängsten in einem Gesundheitssystem das am kollabieren ist
Du bist grundsätzlich gut! freundlich! kompetent! - vergiß dies nicht
 
Es ist, denke ich, auch eine Frage der Erfahrung. Heute bin ich fähig, in solchen Situationen einfach mit den Schultern zu zucken und die Leute stehen zu lassen.
Wir haben öfter mal Angehörige hier, die meinen auch, wir wären das Selbstbedienungszentrum für alles, sind wir aber nicht. Da gibt es auch schon mal Ärger, weil die nicht verstehen, dass für irgendein Problem nicht wir, sondern die Hausärzte zuständig sind - es ist ja viel bequemer, unsere Ärzte um irgendein Rezept für ein Medikament gegen Fusspilz zu bitten, als in eine Praxis zu laufen und da zu warten...
Das lernt man mit der Zeit. Wichtig ist wirklich, gerade zu Anfang, wenn man lernt, damit umzugehen, die Hilfe von Kollegen. Wende Dich an die, ruf notfalls einen an, wenn Du jetzt fix und fertig zu Hause sitzt.
 
Solche Situationen hat wohl schon jede Pflegekraft mal erlebt, und das je nach Berufsjahren sicher auch öfter.
Mir geht es da nicht anders.
Nutze das Erlebte doch, um deinen Umgang mit Stress zu reflektieren und zu schauen, wo du selbst etwas ändern kannst. Mit der Zeit schleifen sich auch bei dir schöne Formulierungen ein, mit denen du auf eine freundlich-distanzierte und bestimmte Art solche Situationen meistern kannst. Das Erlebte hilft dir letztendlich dabei.
Und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, dann findest du sicher auch viele Erinnerungen, die die Dankbarkeit von Patienten/Angehörigen dir gegenüber belegen und die belegen, dass du eben doch so eine Pflegekraft bist, wie du gerne sein willst. Ein einzelnes Erlebnis aus einer stressigen Situation heraus sollte dich nicht zu so drastischen Konsequenzen wie das Verlassen des Berufes treiben.

Mein persönlicher Weg, mir den Stress der Arbeit von der Seele zu schütteln und nicht nach Hause mitzunehmen ist, immer mit dem Rad zur Arbeit und zurück zu fahren (jeweils ca. 12km). Nach der Fahrt ist auch eine noch so große Wut heruntergestrampelt auf einen sanften Ärger :-) .

Gutes Gelingen wünscht
spflegerle
 
Ich wohne ewig weit weg vom Arbeitsplatz - Klinik ist im Städtchen, ich wohne im Hinterland im Grünen - ist wie Urlaub. Da kann ich die Arbeit im Städtchen lassen und den Ärger auch. Alle fragen dauernd, ob ich nicht mal näher ziehen will - nein. Der Abstand ist notwendig!
Ansonsten kann ich spflegerle nur zustimmen. Lass Dich nicht entmutigen.
 
In der Tat kann tatsächlich der Fahrtweg zur Arbeit als Filter o.ä. genutzt werden. Ich bin z.B. nun in eine Großstadt umgezogen um näher bei der Arbeit zu sein (ich musste davor ca. 1 Stunde fahren). Aber ich frage mich auch zunehmend, ob das wirklich die richtige Entscheidung war. Ich überlege zunehmend wieder "raus" zu ziehen. So konnte kommen was wollte auf der Arbeit (außer wirklich drastische Situationen). Aber nach der Stunde fahrt war alles anders. Ich war entspannt und konnte "abschalten". Ich habe auf der Rückfahrt mit meiner Arbeit "abgeschlossen". Nun wohne ich 10 Minuten entfernt und brauche an manchen Tagen immer noch 1-2 Spaziergänge um den Block.
 
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Die anderen haben ja schon einiges dazu geschrieben, dem kann ich mich im Großen und Ganzen nur anschließen.
Aber grundsätzlich:
Es ist überhaupt nicht verwunderlich, wenn es auf Station oder auch Notaufnahme "knallt", und zwar regelmäßig! Muß man sich denn wundern, wenn die Arbeitsverdichtung immer mehr steigt, es immer weniger Pflegepersonal gibt, der Pat.-Durchlauf immer höher wird, die Leute mit immer größerem Anspruchsdenken ankommen??
Klar sollte man sich so "professionell" wie möglich verhalten, aber andererseits sind auch wir Profis alle nur Menschen!
Klar gewinnt man mit den Jahren auch mehr Erfahrung und Selbstsicherheit, auf der anderen Seite sind aber (bei mir jedenfalls) über die Jahre die Zustände auch derartig mies geworden, daß ich einfach nicht mehr konnte - Rückendeckung gab es bei mir damals durch praktisch niemanden - so daß man solcher aufdringlicher und unverschämter Pat. bzw. Angehörigen nur durch "eine klare Ansage" Herr wurde. Ob diese dann "empört" über mein Verhalten waren, das war und ist mir so herrlich sch***egal. :lol1::zunge: Beschwerden (auch mal schriftlich) gab´s genug, so what...
Dann hat mir der Typ in meinen Augen auch noch subtil gedroht. Er sagte das er auch Ärzte kenne und das er meinen Namen haben will.
Absolut lächerlich, siehe dazu Romsens Beitrag. :mrgreen: Bei mir ging damals die Beschwerde schriftlich an den Chefarzt, Konsequenzen natürlich: Keine. :ccol1:
Ich hab in der Situation den Chefarzt um Hilfe gebeten.
Ist schon mal nicht verkehrt, gut wäre aber auch, direkte Vorgesetzte (SL) mit ins Boot zu holen und über den Vorfall zu informieren, ggf. auch PDL wenn nötig.
Wenn´s gar nicht anders geht, evtl. doch woanders hin gehen bzw. versetzen lassen.
Kopf hoch!
 
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Meinen Vorrednern ist im Grunde nichts hinzuzufügen, dem schließe ich mich vorbehaltlos an. Ich selbst bin ja auch nun noch nicht so furchbar lange examiniert, etwas über 2 Jahre jetzt. Manchmal fühle auch ich mich noch wie ein totaler Anfänger und zweifle an mir selbst. Das hab ich doch mal gelernt und gewusst? Das muss ich doch nach der Zeit längst können?
Inzwischen gelingt es mir zunehmend besser, gelassen mit Stresssituationen umzugehen. Ich sage mir: Ich bin ein Mensch, keine Maschine. Auch ich habe Gefühle, gute und schlechte Tage, passende und unpassende Momente. Wenn man mich auf dem falschen Fuß erwischt, dann kracht es auch bei mir. Ich ertappe mich hin und wieder, dass ich unprofessionell werde, Beleidigungen persönlich nehme, meine Kompetenz infrage stelle, und auch am liebsten nur nach Hause will. Aber das sind alles nur Momentaufnahmen. Die meisten eskalierenden Situationen nehme ich mit stoischer Gelassenheit. Der Patient will sich beschweren? Ich erkläre ihm, wo er die Beschwerdeformulare findet. Er will mit dem Arzt über mich sprechen? Kann er gerne tun, denn der Arzt ist nicht mein Chef. Er findet das ganze KH sch***e? Darf er gerne tun, niemand zwingt ihn, genau dieses Haus aufzusuchen.
Es gibt Tage, da werde ich von allen Seiten angemotzt und belöffelt, als ob ein Virus in der Luft läge, der alle Anwesenden wuschig und aggressiv macht. Mir macht das zu 99% nichts aus. Ich habe genau zwei Arme, zwei Beine und einen Kopf, und zerteilen kann ich mich nicht. Ich tue das, was ich kann, nach bestem Wissen und Gewissen. Wem das nicht passt, der muss woanders hingehen, wo es besser ist (weil es ja natürlich nur bei uns so dramatisch ist, höhö).

Ich muss aber auch sagen, dass ich mit meinem Team eine tolle Truppe um mich habe. Manchmal muss man wirklich aus einer Situation raus und den Raum verlassen, um sich abzukühlen. Dann geht halt jemand anderes. Und wenn keiner mit den angehörigen Unruhestiftern kann, dann werden sie halt der Tür verwiesen und bekommen Hausverbot. Da halten wir alle zusammen und stärken uns den Rücken. Über Vorgefallenes sprechen wir sofort, so nimmt niemand etwas mit Hause, was dann vor sich hin gärt. Ein Team aus verständnisvollen Kollegen ist das A und O. Mir hilft es über viele brenzlige Situationen hinweg. So kann ich souverän und routiniert Situationen deeskalieren und dabei abends noch in den Spiegel blicken.
 
doch nicht so toll der job ne??
wilkommen im alltag, nur noch 35 jahre bis zur rente, kriegst du hin.
 
Sehr konstruktiver Beitrag, Respekt.
 
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Keine Angst vor diesen Drohungen mit Briefen an bekannte Ärzte etc. Wir bieten das sogar an, denn wir wissen, dass diese Leute das zur Genüge kennen und solche Beschwerden in den Papierkorb werfen...
 
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„Notfallpatienten sind Personen, die körperliche und psychische Veränderungen im Gesundheitszustand aufweisen, für welche der Patient selbst oder eine Drittperson unverzüglich medizinische und pflegerische Betreuung als notwendig erachtet.“ - Definition der notfallmedizinischen Fachgesellschaften von Deutschland, Österreich und Schweiz: Notfall- und Rettungsmedizin 2013​

Seitens der Pflege schickt bei uns niemand einen Patienten fort oder sagt ihm, dass er, aus welchem Grund auch immer, hier nicht richtig ist. Das fällt in die ärztliche Zuständigkeit. Eine Erstsichtung und Notfallanamnese im Rahmen einer Traige, hier jedoch schon durch die Pflege- bzw. entsprechend weitergebildete Triage-Pflegekraft (Cave: Delegation nötig) macht das aber nicht überflüssig. Wird ein Patient vorstellig wird, muss er gesehen (und dokumentiert) werden, egal was ist und früher oder später einen Arztkontakt erfahren. Tatsächlich ist es im rechtlichen und fachgesellschaftlichen Einverständnis so, dass das subjektive Empfinden des Patient ausreichend ist, dass er in erster Konsequenz als "Notfallpatient" angesehen werden muss (siehe Zitat oben). Welche Wartezeit ihm nach der Ersteinschätzung zumutbar ist, ist eine andere Frage.

Es scheint in deinen Schilderungen so zu sein, dass das Missverständnis aufgekommen ist, dass du, stellvertretend für das Krankenhaus bzw. deine ZNA, den Patienten wegen eines falschen Zettels nicht behandeln möchtest... wie gesagt, missverständlicherweise.

Wenn sich mir eine solche Situation stellt, dass ein Patient oder stellvertretend ein Angehöriger für den Patienten mit einem unpassenden Zettel vorstellig wird, nehme ich den Zettel trotzdem, erkläre ihm, welchen Zweck dieser Zettel tatsächlich hat und biete ihm aber eine Notfallbehandlung mit weiterer Einschätzung des weiteren, nötigen Vorgehens an. Denkbar, dass die Behandlung tatsächlich keinen Aufschub bekommen sollte - für diese Einschätzung ist aber eine Triage bzw. Notfallanamnese nötig - und keine Entscheidung über einem Papierstück, respektive einem Überweisungsschein. Wenn die Patienten sehen, dass man sich mit ihnen und ihrer "Not-"Situation auseinandersetzt entstehen in den allermeisten Fällen keine solche Eskalationen.

Wenn der Arzt / die Ärztin dann später feststellt, dass die Behandlung nicht unmittelbar und/oder stationär erfolgen muss, kann das immer noch im Gespräch zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin (+ evtl. Angehörigen) passieren - hier dann vielleicht auch mit Option auf erneuter, geordneter Terminvorstellung oder der entsprechenden Beruhigung der "Notfall"-Situation bzw. dem subjektiven Empfinden dieser.

Die Fragen welche sich mir nun stellen sind:
  • Ist die Struktur eurer ZNA evtl. unzureichend, um auch solchen Patienten (im Sinne der Beschreibung oben) gerecht werden zu können?
  • Ist eine systematische Ersteinschätzung mit erster Notfallanamnese rund um die Uhr fest in eurer ZNA etabliert?
  • Habt ihr ein, nach Außen hin bekanntes Beschwerdemanagement, welche sich solcher Fälle, sollte es zu einer expliziten Beschwerde kommen, annehmen? (Wenn ja, dann würde ich mich, über meine Stationsleitung/Bereichsleitung mit dieser Stelle in Verbindung setzen und den Fall vorläufig schildern und thematisieren)
  • Bedarf es einer abteilungsspezifischen Regelung, wie eure ZNA mit solchen Patienten bzw. Problemstellungen einheitlich umgeht, damit solche Eskalationen in Zukunft vermieden werden können?

Grundsätzlich hat dein Arbeitgeber bzw. dein Team sicher kein Interesse daran, dass du nun weinen zurückbleibst. Thematisiere den Vorfall mit mehreren, vertrauenswürdigen Kollegen, welche dir vielleicht sogar als Vorbild dienen und lerne auch anhand deren Worte hierzu. Auch mir sind richtig dumme Fehler und Fehleinschätzung in meiner bisherigen Tätigkeit passiert - salopp gesagt... gehört - shit happens - eben dazu. Doch die Abteilungsorganisation bzw. das riskmanagement (CIRS) und/oder das crew resource management sollten solche Vorfälle für die Zukunft mit lediglich einer historischen Bedeutung versehen. ;) Die Zweifel, ob du wirklich so falsch in der ZNA sein könntest sollten sich im Verlauf dieser Auseinandersetzungen sicher legen.

Zusatz... ...das Thema der "ungerechtfertigten Erwartungen" an Krankenhaus/Pflege/Ärzteschaft/Gesundheitssystem/etc. hat, meines Erachtens, hiermit nicht zwingendermaßen etwas zu tun.
 
Ich fühl mich schrecklich.
- Ich bin überfordert
- ich kann nichts
- wie soll ich das lernen?
- Das konnte ich doch alles mal besser, wo ist mein Know How hin?
- Ich brauche Anlehnung und Führung
Und die - das weißt Du auch - kannst Du Dir holen. Zum einen von Deinen direkten Kollegen, zum anderen von Fachleuten zu dem Thema. Es gibt professionelle Beratung und Unterstützung. Schulungen, Supervision, Coaching, Deeskalationstraining usw.

Ein einmaliger Ausraster ist selbstverständlich noch kein Hinweis darauf, dass Du für unseren Beruf untauglich bist. Aber egal in welchem Bereich: Es wird immer wieder mal zu ähnlichen Situationen kommen, weil auch das Verhalten des Angehörigen "menschlich" ist. Deshalb wirst Du lernen müssen, damit besser umzugehen. Schau also mittelfristig mal, was bei Dir im Haus oder im Umkreis angeboten wird.

Du kommst doch ursprünglich aus dem Einzelhandel, oder verwechsele ich dich da? Hast Du noch Tricks drauf, wie Du mit unzufriedenen Kunden umgehst?
 
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Auch schon so was in der Art erlebt.... Geh zu deiner Leitung und lass Sie wissen dass sich ggf in nächster Zeit ein Herr x über Dich beschweren wird, weil..... Dann weiß sie Bescheid falls sie tatsächlich mit einer Beschwerde konfrontiert wird und kann gleich besser intervenieren.

Zu deiner Beruhigung: damals kam natürlich keine Beschwerde.
 
Hallo.

Vielen vielen Dank für eure Worte. :flowerpower::flowerpower::flowerpower:

Ich möchte erst was zu @niesreiz Beitrag sagen.
All das was du schreibst, das sind Dinge die ich grob weiß, die ich bisher beherzigt habe und gestern nicht mehr geschafft habe. Mir sind die Sicherungen durch geknallt.

Ja ich darf keinen weg schicken, will ich auch gar nicht machen, Leid ist subjektiv, ZNA ist ein hoch gespannter Gefühlsraum. Nur das was der Mann erstmal mir entgegen gebracht hat, hat einfach das echt schon aufgewühlte Wasser zum Kochen gebracht. Und deswegen hatte ich den Chefarzt mit dazu geholt. Ich hatte die Befürchtung das dass in eine Weise abdriftet die schädlich hätte werden können. In jegliche Richtung. Das Gespräch wurde übrigens nur hitzig. Keine Beleidigungen etc.
Und da sind die Zweifel gekommen, noch nicht zu 100% ausgeräumt ob ich für diesen Job gemacht bin. Weil ich eine Kompetenz an mich gerissen hab die nicht meine ist.

Zu den Weiteren Fragen.
Der Chefarzt hat mir den Rücken gestärkt, hat dem Mann gesagt das ich mit meiner Einschätzung Recht habe, er sich aber anmelden kann um das nochmal anzugucken. In einem 4 Augen Gespräch sagte er mir auch das er das genauso sieht wie ich, nur das er erwartet das der Mann sich beschwert und er etwas in der Hand haben will. Hat auch die Oberärzte drauf angesetzt und mich aus der Schußlinie genommen. Ich habe gestern im Stress nicht mehr mitbekommen was draus geworden ist. Bin dem heute nochmal nachgegangen, der Mann ist nicht mehr zur Aufnahme trotz Angebot aufgetaucht. Klar in dem Moment hätte ich mir gewünscht der stielt dem Mann mal ordentlich einen ein. Aber auch er schickt so einen nicht weg, gerade wenn er erwartet das eine Beschwerde kommt. Das sehe ich ambivalent.

Ich bin vom Chefarzt auch nicht wegen meiner Kompetenzüberschreitung gemaßregelt worden.

Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen und bin mit echt dicken Augen zur Arbeit.
Erst dachte ich behalte es für mich.

Heute war ich auf der IMC Seite eingesetzt. Dort waren wir heute gut besetzt 3 für 12.
Wir haben uns aufgeteilt und ich konnte in voller Ruhe um meine 4 Pat. rum drödeln. Ich hab mir Zeit gelassen, hab meine Arbeit gewissenhaft gemacht und gemerkt wie ich mich über die Stunden langsam entspannte. Heute gab es auf der IMC auch wirklich keine besondere Vorkommnisse.

Es gab dann auch mal einen kurzen Moment wo wir 3 zusammen saßen und sind ins Gespräch gekommen.
Und da konnte ich dann nach einem Moment auch offen zugeben wie es mir gestern ergangen ist und welche Zweifel ich hatte/ habe.
Mir wurde viel Verständnis, eigenen Erfahrungen entgegen gebracht, sogar von unserem Stationsrumpel, von dem ich eher erwartet hätte das ich mich damit aufzieht.
Irgendwann trollten sich auch immer mal ein Kollegen aus dem MTS Bereich dazu der mal zum Verschnaufen kam und steuerten dem Gespräch auch bei. Selbst die Stellvertretenden SL.

Vllt. ist es nur ein gewolltes Gefühl, irgendwie kam es mir vor das die OÄrzte das auch mitbekommen haben das wir Pfleger da so ne Auskotz- und gegenseitig-stärken-Runde gestartet hatten. Da liefen heute Gespräche mit der FW-Leitstelle (Waren stellenweise "abgemeldet"), PDL etc. Kann ein Zufall sein, hat auch nicht wirklich viel gebracht. Die ZNA ist Fußläufig wieder überrannt worden und die RTW kamen aus den Nachbarstädten.

Ich hatte später auch nochmal ein 4 Augengespräch mit der Stellver.SL. Sie versteht mich, ihr geht es nicht anders, ich soll nicht so hart zu mir sein und mal öfter auf der IMC Seite arbeiten um auch mal halbwegs runter zu kommen.

Heute fühle ich mich deutlich besser. Ich hatte 8h Zeit für 4 Pat. die sich bei mir für die Betreuung bedankt haben. Ich hatte gute und schöne Gespräche mit meinen Kollegen. Die Stellver.SL nimmt mich ernst.

Am besten war heute die Zeit die ich für die 4 Pat. hatte und die Gespräche mit den den Kollegen. Das war aufbauend.
Den Rest zeigt die Zeit. Die ein oder andere Sache sehe ich nach wie vor ambivalent. Natürlich hackt die Stell.SL nicht auf mir rum, die will nicht das ich gehe. Aber mir kam sie ehrlich vor. Auch der Chefarzt will nicht das ich gehe. Das könnte/ wird wohl Wogen glätten gewesen sein. Ob die ZNA was für mich ist, das entscheide ich später. Finde ich noch gesunde Möglichkeiten zum Ausgleich oder macht es mich kaputt etc.?

Danke Schön
 
...
Ein einmaliger Ausraster ist selbstverständlich noch kein Hinweis darauf, dass Du für unseren Beruf untauglich bist. Aber egal in welchem Bereich: Es wird immer wieder mal zu ähnlichen Situationen kommen, weil auch das Verhalten des Angehörigen "menschlich" ist. Deshalb wirst Du lernen müssen, damit besser umzugehen. Schau also mittelfristig mal, was bei Dir im Haus oder im Umkreis angeboten wird.

Du kommst doch ursprünglich aus dem Einzelhandel, oder verwechsele ich dich da? Hast Du noch Tricks drauf, wie Du mit unzufriedenen Kunden umgehst?


Ach darauf wollte ich noch Antworten.

Ich bezweifle nicht das ich dem Beruf nicht gewachsen bin. Nur eben ob die ZNA mich nicht doch zu sehr kaputt macht. Ich würde ggf. innerhalb der Pflege wechseln. Hatte ja noch die Dialyse als Alternative im Blick.

Die Notfallpflege interessiert mich sehr. Die Arbeit mache ich auch gerne. Ich mag meine Kollegen. Es würde mir sehr weh tuen wenn nur der Umgang seitens der Pat. und Angehörigen mit mir, mir so sehr zusetzen würde das ich die Reisleine ziehen muss.

Ja ich hab auch im direkten Kundenkontakt gearbeitet. Mit den Bulligsten Bauarbeitern, Schnöseln etc. Sogar Nachtschichten am WE bei McDonalds geschoben. Allerdings ein solches Verhalten welches ich in der ZNA erlebe, hab ich noch nie zuvor gesehen. Da muß ich mich dran gewöhnen, wenn ich es kann.
 
Die Patienten und ihre Familien befinden sich in einer kritischen Situation. Sie haben belastende Beschwerden, Schmerzen, Schuldgefühle, (Todes-)Angst. Da reagiert man anders als auf die Auskunft, dass der Lieblingsburger beim Goldenen Doppelbogen gerade ausverkauft ist.

In der Notaufnahme werden kritische Situationen häufiger vorkommen als in manchen anderen Bereichen, aber ganz vermeiden können wirst Du sie nie. Von daher wirst Du so oder so eine bessere Umgangsform damit entwickeln müssen.

Ich lasse mir von Patienten und Angehörigen sicher nicht alles gefallen. Ich setze Ihnen Grenzen. Aber es hilft mir öfters, mich in ihre Rolle hineinzuversetzen, mir klar zu machen, dass sie gerade auf dem Zahnfleisch gehen und sich deshalb entsprechend verhalten. Und ich auch nicht immer ruhig und gelassen bleiben könnte, wenn meine Mutter oder mein Kind betroffen wären.
 

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