Braucht eine Stationsleitung fachliche Kompetenz?

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Brady, 19.08.2006.

  1. Brady

    Brady Gast

    Oder reicht es wenns die Leitung Leitungsqualitäten, bzw. die Leitungsweiterbildung hat?

    Es würden mich eure Meinungen dazu interessieren.

    Liebe Grüße Brady
     
  2. alesig

    alesig Poweruser

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    Hallo
    Eine Stationsleitung braucht auf jeden Fall fachliche Kompetenz, nur ein Statonsleitungskurs reicht meiner Meinung nach nicht aus.Die Leitung hat auch Kontroll funktion, wie soll sie etwas kontrollieren von dem sie keine ahnung hat. Wie effizient Personal einteilen, wenn sie den Arbeitsaufwand nicht nachvollziehen kann. Es geht aber auch ohne fachliche Kompetenz, wie ich bei uns auf Station erfahre. Meine Leitung war vor 20 Jahren sich mal sehr kompetent, aber die Zeiten ändern sich, es gibt viel neues. Das ist nur leider an ihr vorbeigegangen. Ersichtlich ist dies an der Dienstplangestaltung, lausige bis falsche Mitarbeitereinarbeitung, wenn sie schon mal in der Pflege mitarbeitet ganz dicht an gefährlicher Pflege (Faulheit und Unkenntnis), Kontrollieren lassen wir uns von ihr nicht, da selbst unsere KPH mehr fachliches Wissen besitzt. Ich bin der Überzeugung eine Leitung sollte in normalem Rahmen Vorbildfunktion besitzen.Wo kein Vorbild sinkt der Respekt. Ist die Leitung faul oder (und) schlampig reißt sie Mitarbeiter mit nach unten, das wirkt sich auf die Pflege und das Team absolut negativ aus.
    Alesig
     
  3. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo Brady,

    sagen wir mal so...., fachliche Kompetenz kann sicher nicht schaden. Ob es für ihre Funktion als Leitung zwingend notwendig ist, bezweifle ich. Das Aufgabengebiet einer Stationsleitung hat sich in den letzten Jahren verändert und in vielen Kliniken gibt es die "klassische" Stationsleitung schon gar nicht mehr. Dort werden Stationen zusammengefasst und es werden Bereichsleitungen eingesetzt, die gar nicht mehr mitpflegen, sondern nur noch Managementaufgaben haben. Über Sinn und Nutzen kann man bestimmt streiten, aber eine solche Stationsleitung braucht sicher pflegerische Kenntnisse, aber ob sie vom entsprechenden Fachgebiet besonders viel wissen muss, glaube ich nicht.

    Um die Qualität der Pflege aufrecht zuerhalten und zu steigern muss man nicht selbst alles am besten wissen. Wenn man gute Mitarbeiter hat, dies auch zu schätzen weiss und gezielt einsetzt, kann man zum Beispiel mit diesen Mitarbeitern gemeinsam entsprechende Maßnahmen ergreifen um Pflegequalität zu steigern.
    Neue Mitarbeiter einzuarbeiten fällt z.B. auch in den Zuständigkeitsbereich von Mentoren und mit diesen könnte man einen Einarbeitungskatalog entwerfen. Die Gespräche mit den neuen Kollegen führt man dann anfangs mit dem zuständigen Mentor gemeinsam......
    Die Liste von Beispielen könnte man hier beliebig fortführen.

    Ich halte es für nicht fair, die Qualität einer Stationsleitung einzig davon abhängig zu machen, ob sie/er in der Pflege die/der Beste im Team ist und dann auch noch gute organisatorische Fähigkeiten hat. Es ist meines Erachtens nicht leistbar eine gewisse Anzahl von Patienten zu betreuen und so ganz nebenher die Dienstpläne zu schreiben(aber bitte unter Berücksichtigung der Mitarbeiterwünsche), Gespräche zu führen, Ansprechpartner für PDL, Chef- oder Oberärzte, Mitarbeiter in Apotheke, Labor usw. zu sein, sich um Bestellungen und Reparaturen zu kümmern und einiges mehr.

    Wie soll sie die Kontrollfunktion ausüben, wenn sie selbst mit Pflege und all diesen anderen Dingen ausgelastet ist? Und so ganz nebenher muss sie den Druck von Mitarbeitern und PDL aushalten....
    Eien Stationsleitung hat heutzutage eher die Funktion die Fäden in der Hand zu halten. Vielfach bekommen Stationsleitungen heute schon Budgetverantwortung für ihren Bereich, d.h. sie müssen Pläne aufstellen wie sie mit diesem Geld auskommen um ausreichend Personal und die entsprechenden Pflegemittel zu haben und das möglichst auch noch was übrig bleibt, um Fortbildungen o.ä. zu finanzieren.

    Wir erwarten in der Pflege oft, dass unsere Vorgesetzetn solche "Allrounder" sind. Es ist doch vielmehr so, dass von Teamleitern/Chefs anderer Abteilungen oder Branchen auch nicht erwartet wird, dass sie in allen Bereichen ihres Betriebs die Besten sind.
    Ich glaube, was die Stationsleitungen und ihre Aufgaben betrifft müssen wir in Zukunft umdenken....

    Viele Grüße
    Tildchen
     
  4. Lichtenberg

    Lichtenberg Senior-Mitglied

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    Ich finde eine Stationsleitung braucht für dieses wichtige und verantwortungsvolle Amt sowohl fachliche aber auch menschliche Kompetenz, da sie ihr Team zusammenhalten muss.

    Meiner Meinung nach herrscht dann, wenn diese beiden Dinge gegeben sind, eine gute Stimmung im Team.
     
  5. catweazle

    catweazle Poweruser

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    Abgesehen davon, daß Fachkompetenz nötig ist, um MitarbeiterInnen korrekt und adäquat beurteilen zu können, wird eine kompetente Leitung auch eher ernst genommen... Außerdem muß sie mit gutem Beispiel vorangehen können, um zu führen.
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo Tildchen,

    Du bist wohl schon in der Zukunft? Ich sehe immer noch, daß Stationsleitungen mitarbeiten am Wochenende, in allen Schichten. Es gibt leider zuwenig Personal um sich da auszuschließen.

    Die Stationen werden zwar grösser, werden zusammen geschlossen, aber dann um Personal zu sparen.
    Bei uns z.B. sind noch nicht mal genügend 3jährig examinierte um damit alle Dienste abzudecken. Es werden nicht mehr mehr Kollegen...

    Dann die Frage des Personals, die Richtung und die Qualität gibt die Stationsleitung vor. Mentoren haben meist eine Praxisleitungsausbildung, die nicht mit einer Fachweiterbildung gleichzusetzen ist. Da es sich um eine pädagische Fortbildung handelt um Schüler oder neue Mitarbeiter anzuleiten.

    Wenn es nicht nötig wäre fachlich gut zu sein, dann könnte man auch theoretisch einen Manager einsetzen der mit Pflege garnichts am Hut hat, quasie garnicht erst Pflege als Grundausbildung gelernt hat.

    Ich hatte gerade eine Fortbildung, wo dies (Einsatz von Manager) von der Dozentin erwähnt wurde, es hat sich nicht bewährt, da Pflege gerade diese "Kreativität" hat mit Schwierigkeiten umzugehen. Was da genau war, weiss ich leider nicht. Gebe also nur "Gehörtes" weiter.

    Wohin gehen die Kollegen, wenn sie nicht wissen was zu tun ist? Wir haben nicht nur noch qualifizierte Mitarbeiter? Wer soll entscheiden? Wer gibt die Qualität vor?

    Zudem halte ich die Aufgabe der Stationsleitung heutzutage für einen nicht 38,5 Stunden füllende Arbeit...Was aber auch meine Meinung ist, dass sie nicht am Wochenende, in Schicht, Bereitschaft oder auch Nachts arbeiten sollte. Reparaturen, Lagerbestellungen, Apothekenanforderungen, usw sind durchaus von ihr deligirbar, Qualitätsanforderungen oder Beschwerden darüber muss sie sich annehmen.

    Dann noch eine andere Version, man hat einen Mitarbeiter, der fachlich besser ausgebildet ist als die Stationsleitung. Da ist der Ärger schon vorprogrammiert. Braucht man nur noch warten bis es Schwierigkeiten gibt. Weil es dann meistens zu Kompetenzgerangel kommt.

    Die PDL sagt ja schon zu uns....Sie sind die Fachleute in der Abteilung und verlässt sich auf ihre Leute die dann auf der jeweiligen Station Dienst tun....aber wenn es dort nicht mal jemanden gibt....der diese Fachlichkeit hat....Eine PDL kann in keinem Haus in jeder Fachabteilung sich auskennen. Aber auf einer Station erwarte ich eine Leitung die Fachkompetenz hat.

    Die PDL muss sich dann darauf verlassen können, dass alles in Ordnung ist. Wer ist dann da der Ansprechpartner in Sachen Pflegequalität?

    Liebe Grüße Brady
     
    #6 Brady, 20.08.2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20.08.2006
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Fachkompetenz... wie stellt ihr euch das genau vor? Zukünftig wird es in somatischen Kliniken so sein, dass die scharfe Abgrenzung der einzelnen Fachbereiche im Zuge der Wirtschaftlichkeitserhöhung verschwinden werden nur ein belegtes Bett ist ein gutes Bett. Wir haben in unserem Haus bereits die ersten "Pool"stationen.

    Aufgaben einer Leitung? Welche Aufgaben sollte sie denn erbringen? Ist es sinnvoll und realistisch, dass die SL in der Pflege mitarbeitet? Kann man Leistungsaufgaben, wenn man sie ernst nimmt, nebenbei machen?

    Ein möglicher Weg wäre Primary nursing. Die PN übernimmt die Fachaufgaben der SL. Die SL kümmert sich ums Management.

    Aber dies alles sind Zukunfstgedanken. Pflege versucht derzeit krampfhaft an Traditionen festzuhalten trotz massiver Veränderungen in der Krankenhausumwelt. Die Veränderungen werden wir nicht rückgängig machen können... bleibt nur die Anpassung an das System.

    Elisabeth
     
  8. Michl

    Michl Gast

    Fachkompetenz - Leitungskompetenz

    Das hängt natürlich davon ab, ob die Leitung in die Pflege direkt mit einbezogen ist.
    Dann bezieht sich die Vorbildfunktion auch auf ihre Arbeitsweise. Wer lernt und leitet neue Mitarbeiter an? In vielen Häusern noch die Leitung.
    Wer beurteilt die Fachkompetenz der Mitarbeiter? Die Leitung.
    Also, einen gewissen "Level" an Fachkompetenz muss sie mitbringen.

    Aber, fachkompetent sind wir doch alle?! Deswegen sollte sich die Leitung durch ihre Leitungskompetenz hervorheben. Dazu muss ihr klar sein, dass ihre Mitarbeiter zum Teil über mehr Fachwissen verfügen und dies auch zulassen können und sogar fördern, dadurch dass z.B. vorrangig "normale" Mitarbeiter in Workshops oder Arbeitsgruppen gehen.

    Dann werden neue Mitarbeiter eben von fachkompetenten Pflegekräften eingearbeitet und nicht von der Leitung.

    Einer Leitung mit überwiegend Leitungskompetenz wird es gelingen, ihre Mitarbeiter zu fördern und sie "weiter" zu bringen, weil sie die Möglichkeiten dafür bietet.
    Eine Leitung mit überwiegend viel Fachkompetenz, aber wenig Führungskompenz, könnte Dir viel erzählen, wird dies aber dosiert handhaben, damit sie ihre Machtstellung nicht verliert.

    Im Idealfall hat sie beides. Die Gattung stirbt aber aus. Wenn man sich entscheiden muss, sollte man die Sorte mit der Leitungskompetenz deutlich bevorzugen.

    Grüße
    Michl
     
  9. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo Brady (und alle anderen),

    nee ich lebe nicht in der Zukunft, sondern ziemlich gegenwärtig, aber ich sehe auch die Veränderungen im Gesundheitswesen. Die die gerade im Gange sind und die die noch kommen werden. Ich erlebe in meinem Umfeld, dass die Stationsleitungen weder am Wochenende noch im Nacht oder Spätdienst arbeiten. Sie arbeiten in der Kernarbeitszeit (~7°°-15°°) und nur im äußersten Notfall in der Pflege arbeiten. Natürlich können Aufgaben wie Bestellungen oder Reperaturanforderungen delegiert werden, aber das sind doch nicht die einzigen Leitungsaufgaben. Wie Elisabeth schon sagt, die ersten zusammengelegten Stationen gibt es schon und nicht nur in ihrer Klinik und eine solche Station zu leiten, braucht mehr als Fachkompetenz. In erster Linie ist hier Führungsqualität (als was auch immer jemand das bezeichnen mag) gefragt.

    Wie kommst du darauf, dass die Aufgaben einer SL nicht eine 38,5h -Woche füllen? Hast du Erfahrung damit? Ich sehe das völlig anders, aber es mag auch abhängig von der Stationsart und Größe sein. Meines Erachtens kommt man mit 38,5h noch nicht mal aus, zumindest dann nicht wenn ich meine Ansprüche an eine SL sehe.
    Vielerorts werden bereits Pflegekräfte in Managerfunktion als SL eingesetzt. Die haben nicht unbedingt im Fachgebiet der jeweiligen Station Erfahrung (zugegeben es ist leichter, auch weil die Akzeptanz größer ist) und können trotzdem eine Station führen. Ein ärztlicher Direktor ist auch nicht Internist, Chirurg, Kardiologe, Orthopäde, Gynäkologe usw gleichzeitg. und trotzdem wird er als Chef all dieser Fachbereiche akzeptiert und dass obwohl er viele Mitarbeiter hat, die im jeweiligen Gebiet deutlich fachkompetenter sind. Das Problem hat hier eindeutig der Pflegebereich....!

    Wenn jemand einen Betrieb hat und als Chef die Mitarbeiter führt muss er doch nicht zwangsläufig in allen Gebieten der fachlich Kompetenteste sein um zu sagen wo es lang geht.
    Wo liegt denn das Problem, wenn ich in meinem Team einen Mitarbeiter habe der mehr Erfahrung und fachliches Wissen hat. Ich würde mich als Chef freuen und ihn weiter fördern und sein Wissen für das Team zu nutzen. Das nagt keine Sekunde an meinem Selbstverständnis als Stationsleitung und ich wüsste nicht warum da Ärger vorprommiert sein sollte.
    Natürlich brauche ich entsprechend ausgebildetes Personal, fachlich erfahrene und ausgebildete Praxisanleiter, Leute mit der entsprechenden Fachweiterbildung (Intensiv, Onko, Psych. usw.), aber auch hier müssen nicht alle fürs gleiche geeignet sein. Jeder im Team hat seine Funktion und die SL die managt, hält die Fäden in der Hand und fügt alles ineinander.

    Wir Pflegenden werden umdenken müssen, da führt kein Weg dran vorbei, denn die Strukturen werden von"oben" vorgegeben und wenn wir dann nicht ganz blöd aus der Wäsche gucken wollen, müssen wir damit anfangen....

    Gruß
    Tildchen
     
  10. Brady

    Brady Gast

    Hallo Tildchen,

    ich erlebe es noch nicht in meinem Umfeld, wird wohl auch in nächster Zeit nichts dergleichen in Gang kommen. Da es nicht genügend Personal in den Bereichen gibt um einer Leitung es zu ermöglich am Wochenende, Feiertags, nachts, nicht zu arbeiten. Wir haben noch nicht mal genügend Personal um mit 3jährigen jeden Dienst abdecken zu können. Dies ist nicht nur in meinem Hause so. Es wird ständig darüber gesprochen, dass es so laufen sollte, aber dies würde bedeuten, mehr Personal, mehr 3jährig-Examinierte.

    Bei uns wäre dann jedesmal Notfall, denn alle Leitungen arbeiten am Wochenende...zumindest jedem 2ten, arbeiten mit in der Pflege, usw....Müssen sich quasie für Leitungsaufgaben rausziehen. Was auch immer zusätzlichen Stress bedeutet.

    Wäre es so, würde es mich freuen, hätte aber auch nichts dagegen wenn eine Stationsleitung mit Kompetenz dies übernehmen würde. Aber so sehe ich uns noch lange nicht und deshalb halte ich es für so wichtig, daß eine Stationsleitung auch Fackompetenz hat. Ich sehe nur, dass an allen möglichen Dingen gespart wird auf Kosten der Qualität.

    Ich arbeite seit langer Zeit in der Leitung und meine Kollegen auf den Stationen lachen nur darüber keinen Dienst zu übernehmen am Wochende, Feiertags, usw....Die Kernarbeitszeit wurde ihnen auch von 7.00 bis 15.00 Uhr vorgeschlagen, wird auch teilweise so gearbeitet....aber meistens gehts dienstplanmässig nicht. Das gilt nicht nur für ein Haus ....bin in einem Verbund und habe zur Zeit mit Kollegen Managementfortbildung aus vielen verschiedenen Häusern.

    Ein ärztlicher Direktor? Wenn man es so sieht, siedel ich mich mal in der Führungsstufe des Oberarztes an. Pdl dann in der Stufe des ärztlchen Direktors.

    Natürlich gebe ich Dir unumwunden Recht, wenn es so laufen sollte wäre es in Ordnung. Kann mir sehr gut vorstellen, dass dies dann auch sehr gut laufen kann. Es es ist aber in der Realität noch lange nicht so weit. Es wäre ein Fortschritt wenn es so kommen würde, wie Du es beschreibst.
    Gruß Brady
     
  11. sigjun

    sigjun Gast

    Meine Frage wäre wozu braucht eine STL denn fachliche Kompetenzen? Und welche fachlichen Kompetenzen braucht sie? Wie Elisabeth schon sagt, kann sich diese fachliche Kompetenz kaum auf das medizin. Fach beziehen, in dem sie arbeitet, sondern ich gehe mal davon aus, dass damit die Pflege im Allgemeinen und auch Speziellen gemeint ist.
    Mit fachlichen Kompetenzen würde ich aber auch die Kompetenzen bzgl. Leitung mit einbeziehen.
    Was Tildchen beschreibt mag in einigen Häusern Zukunftsmusik sein, aber die Entwicklung geht m.E. genau dorthin. Weniger Häuptlinge, sprich PDL, dafür flache Hierarchien und auf den Stationen einen Ansprechpartner. Ich kenne Häuser, die genau das gerade umsetzen.
    In der Literatur wird die STL in den nächsten Jahren als eine immer wichtiger werdende Funktion/Schnittstelle angesehen, da sie das Bindeglied sein wird und zwar zwischen Geschäftsführung und den Mitarbeitern.
    Die Station als Cost-Center, Controlling, Budgetverantwortung, Statistiken, strategisches Denken...ect, alles in einer Hand und die Infos werden an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Da heißt es sich rechtfertigen für die Ausgaben.
    Dann die MA-Führung, Personalentwicklung mit allem was dazu gehört...ect
    Zugegeben, das ist jetzt wirklich Zukunftsmusik, kam ein bisschen in einen Rausch....:flowerpower:

    M. E. muss sie keine Vorbildfunktion bzgl. pflegerischen Wissens haben, dennoch sollte sie sich über Neuerungen informieren. Ich muss nicht alles wissen, aber ich muss die Leute haben, die spezialisiert sind. Wenn eine STL Ängste hat jemand ihrer MA könne fachlich mehr wissen, der ist falsch auf dem Platz. Ein Team lebt nicht von dem Wissen eines Einzelnen.
    Was sie aber haben muss sind gute Führungsqualitäten zum Fördern und Fordern ihrer Leute, zum Delegieren, zum Steuern und Leiten der Station.
     
  12. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo Brady,

    wie gesagt, genau das von mir beschriebene Procedere ist in so manchen Häusern keine Zukunftsmusik, sondern Realität mit der sich die Stationen auseinandersetzen müssen.
    Was ich noch nicht verstehe, wieso brauche ich dazu mehr Personal? In einem mir bekannten Fall hat man mehrere Stationen (ähnliche Fachbereiche) rein führungmässig zusammengelegt. 4 Stationen und bis zur Umstrukturierung je nach Größe 1 SL und je 1-2 stllvertr. SL. Das bedeutet ~10 Leute mit Führungsaufgaben. Das bedeutet aber auch für diese Leute Teilnahme an Besprechungen mit PDL, Besprechungen untereinander um sich abzustimmen usw.. Nach der Umstrukturierung bleiben ganze 2 SL für alle 4 Stationen, keine weitere Vertretungen mehr. Die "übriggebliebenen" ehemaligen Sls gehen ganz normal zurück ins Team und pflegen. Ausserdem werden viele Sachen, die vorher allein die SL erledigt hat (fand ich auch Quatsch) wie Bestellung u.ä. Alltagskram an andere Mitarbeiter delegiert. Ich habe es auch vorher nicht geglaubt, aber es funktioniert zunächst mal. Ob es gut funktioniert auch über mehrere Jahre und ob diese neuen SL-Manger auch wirklich den einzelnen Mitarbeiter in den Teams im Blick haben, weiss man sicher noch nicht endgültig.

    Einige SLs habe ich erlebt, die sich irgendwann das "Recht heraus genommen" haben eben kein Schicht- und Wochenenddienst mehr zu machen, meist auf Druck der PDLs, die "ihre Leitungen" zur Kernarbeitszeit als Ansprechpartner haben wollten. Es gab fast immer mehr oder weniger lautes "Grummeln" in den Teams frei nach dem Motto und den häufig in der Pflege üblichen "Argumenten".... Wie soll das denn gehen?, Das kann doch nicht klappen? Oder das haben wir doch noch nie gemacht?
    Und was ist passiert, eben auf den Druck der PDLs haben sich die SLs durchgesetzt und es ist nun völlig normal und wird keineswegs mehr in Frage gestellt.

    Es ist keinesfalls "nur" Zukunftsmusik, sondern einige Kliniken haben sich seit Jahren auf den Weg gemacht und setzen veränderte Strukturen in die Tat um.....! Es geht halt im Gesundheitswesen nur langsam und dauert leider viele Jahre bis sich was bewegt

    Sigjun beschreibt es treffend. Zunehmend wird die Aufgabe sein Bindeglied zwischen Station und Geschäfstführung zu sein mit Budgetverantwort, Qualitätssicherung nach den gesetzl. Vorgaben, strategischem Denken und MA- und Teamentwicklung. Bis es dann endgültig soweit ist, dass ist dann nun wirklich Zukunftsmusik und SLs müssen geschult werden für die wachsenden Aufgaben.
    Viele liebe Grüße
     
  13. Toa

    Toa Junior-Mitglied

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    Hallo,

    auf jeden Fall braucht eine Stationsleitung fachliche sowie soziale Kompetenz.
    Da es in Zukunft Mitarbeitergespräche geben wird, welche die SL durchführen muss, hat sie auch die Qualitäten der MA zu kennen, und sinnvolle Ziele zu vereinbaren.

    :deal:
     
  14. Brady

    Brady Gast

    Hallo Tildchen,

    ich hoffe, Du hast Recht. Wobei ich skeptisch bin, verzeihe mir.
    Ich arbeite seit langem in der Psychiatrie, war damals Feuer und Flamme wegen der Psychiatrie-Enquete. Kleinere Stationen, individuellere Betreuung, weg von den Landeskliniken, keine Massenabfertigungen.

    Das war 1975 ich bin in den 80igern als Schülerin angefangen...es war gut, nur irgendwo war plötzlich ein Stop. Zuwenig finanzielle Mittel.

    Jetzt kommt es mir vor, als ob alles rückwärts läuft, wieder hin zu dem....und nur die Verantwortlichen wechseln....die sollen wir dann wohl wir sein....
    Ich bin skeptisch und halte meine Augen und Ohren offen, da ich ja auch selber Leitung bin.

    Bezugspflege die wir eigentlich leisten sollen, ist meiner Meinung nicht mehr möglich....wird zwar immer gesagt....aber ich nenne es bezugsnahe Betreuung.

    Bei dem Personalstand und mit dieser Kontinuierlichkeit an Personal ist kaum eine Bezugspflege mehr möglich. Das A und O eigentlich in der Psychiatrie.
    Aber wir werden sehen, wie es sich entwickelt...

    Hoffe, ich irre. Es wird alles gut*gg*

    Liebe Grüße Brady
     
    #14 Brady, 20.08.2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20.08.2006
  15. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo Brady,

    allein um den sich ändernden Strukturen gerecht zu werden, wird sich einiges gerade in unserem Berufsbild ändern müssen.
    Es ist sicher schwierig die Aufgaben der SL den aktuellen Begebenheiten anzupassen, wenn man schlechte Rahmenbedingungen hat. Da geht es mir im päd. Intensivbereich doch etwas besser, aber auch dort wird häufig gejammert, nicht immer aber doch manchmal auf hohem Niveau, wenn man ehrlich ist. Aber das schwankt natürlich auch je nach Klinik!!!

    Wie gesagt, wir haben noch die eindeutige Bezugspflege und in allen Bereichen in denen ich in den letzten 10 Jahren gearbeitet habe, hatte die SL entweder weniger Patienten als die Kollegen zu betreuen oder gar keine und hat sich meist "ihren Aufgaben" widmen können. Die SLs waren alle pflegerischfachlich auf hohem Niveau tätig, aber die Führungsqualität liess doch das ein oder andere Mal zu wünschen übrig. Deshalb denke ich, dass dies eigentlich der Hauptaspekt bei der Besetzung solcher Stellen sein sollte....., weil es immer wichtiger werden wird.

    Wirklich spannende und interessante Diskussion! :daumen:
    Liebe Grüße
    Tildchen
     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Zusammenlegen mehrerer Stationen mit nur einer Leitung.
    Vorteil: Die Leitungsarbeit wird konzentriert. Die Leitungsperson kann sich voll und ganz auf diese Arbeit konzentrieren. Und je nach Anzahl der Stationen werden Arbeitskräfte für den vollen Einsatz in der Pflege frei.
    Nachteil: Die Oberaufsicht in der Pflege durch eine anwesende "Oberschwester" entfällt. Es gibt niemanden mehr, der am Schreibtisch sitzt und jederzeit ansprechbar ist für die Ärzte. Der Anspruch vieler Ösen über alle Pat. detailliert bescheid zu wissen entfällt- Verantwortung muss abgegeben werden. Und das größte derzeitige Problem: Pflegekräfte müssen selbst die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen- es gibt keine schützende Hand der SL mehr.

    Es muss sich noch viel ändern- dem ist nur zuzustimmen. Ich befürchte nur, wir werden es nicht ändern- sondern wir werden per Anweisung aus nichtpflegersichen Bereichen verändert. Pflege wehrt sich mit Händen und Füßen gegen jegliche Art der Veränderung. Warum???


    Elisabeth
     
  17. Michl

    Michl Gast


    Aus Angst.
    Das ist aber kein spezielles Problem der Pflege.
    Die wichtigste Emotion in Veränderungsprozessen

    Grüße
    Michl
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Cool, noch jemand der meine Lieblingsseite zum Thema Changemanegement kennt. *ggg*

    Ich habe bloß den Eindruck, wir sind wahre Meister in dieser Disziplin. Die Ausbildung und Schürung der Ängste wird virtuos beherrscht in vielen Leitungsetagen, z.B. durch eine unzureichende Kommunikation*grummel*

    Elisabeth
     
  19. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Fachliche Kompetenz ist wichtig aber auch gefährlich! Wie in vielen Beiträgen schon geschildert, übernimmt die Stationsleitung auch fachlich- pflegerische Arbeiten. Doch wo ist die Grenze? Wann ist noch Zeit für Leitungstätigkeit? Wie kompetent kann man leiten, wenn vorwiegend Pflege angesagt ist? Noch ein Wort zum PN: Ich kann das nicht mehr hören. Die Ami`s haben das teuerste Gesundheitswesen der Welt und wir machen alles nach. So graben wir uns selbst das finanzielle Wasser ab. Viel ist es eh nicht mehr.
     
  20. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Im internationalen Vergleich wird in Deutschland – nach
    den USA und der Schweiz – der drittgrößte Anteil am
    Bruttoinlandsprodukt für die Gesundheitsversorgung
    aufgewendet.
    Und die Ausgaben reichen immer noch nicht. Neue medizinische Möglichkeiten lassen weitere Kosten erwarten.

    Was weißt du über Primary nursing. Dieses Konzept ist nicht primär zum Einsparen gedacht, sondern eigentlich um die Pat. versorgung zu optimieren.

    Elisabeth
     
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