Patienten-Screening auf MRE

Wann gibt es bei euch ein MRE-Screening?

  • gar kein Screening

    Stimmen: 0 0,0%
  • nur Eingangsscreening für alle Patienten

    Stimmen: 4 26,7%
  • Eingangs- und Ausgangsscreening für alle Patienten

    Stimmen: 1 6,7%
  • Eingangs-, Ausgangs- und Zwischenscreenings (z.B. einmal pro Woche) für alle Patienten

    Stimmen: 0 0,0%
  • nur Eingangsscreening für bestimmte Patientengruppen

    Stimmen: 7 46,7%
  • Eingangs- und Ausgangsscreening für bestimmte Patientengruppen

    Stimmen: 2 13,3%
  • Eingangs-, Ausgangs- und Zwischenscreenings (z.B. einmal pro Woche) für bestimmte Patientengruppen

    Stimmen: 1 6,7%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    15

Neuromaus

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Bei uns wird bei Aufnahme ein Aufnahmescreening durchgeführt, d.h. für alle Patienten ein Nase-Rachen-Abstrich auf MRSA, bei entsprechenden Indikationen/Risikofaktoren auch weitere Abstrichorte und weitere Erreger.
Zudem werden vor Entlassung alle Patienten erneut gescreent, d.h. bei allen Patienten erneut Nase-Rachen-Abstrich auf MRSA, falls wegen Indikation andere Abstriche erfolgt sind und positiv waren, werden diese natürlich auch nochmal gemacht. Ziel ist, sicherzugehen, dass kein Patient bei uns eine nosokomiale MRSA-Besiedelung erworben hat.
Hatte letztens Gespräche mit Kolleginnen aus verschiedenen Häusern, wir sind irgendwie auf das Thema gekommen und haben festgestellt, dass dies sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Natürlich ist nicht alles in jedem Bereich sinnvoll. Beispielsweise macht es bei einer Verweildauer <48h keinen Sinn, Eingangs- und Ausgangsscreening zu machen.
Daher reine Interessensfrage, wie es bei euch so gehandhabt wird (siehe Umfrage).
 

matras

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Das Eingangsscreening auf MRE ist bei bestimmten "Risikopatienten" (Patienten >60, Voraufenthalte in ausländischen Süd-osteuropäischen Krankenhäusern, Antibiotikaanamnese, MRE-Anamnese...) vom RKI vorgegeben (also eigentlich vorgeschrieben!).
Eingangsscreening <48h Std. macht sehr wohl auch Sinn, - Patient könnte ja wiederkommen und eine Dekolonisation kann schon eingeleitet/erfolgt sein oder Isolierung schneller eingeleitet werden....
Ausgangsscreening ist sehr ambitioniert.
 
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Neuromaus

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Eingangsscreening <48h Std. macht sehr wohl auch Sinn,
Natürlich. Ich meinte, dass es wenig Sinn macht, bei einer Verweildauer von <48h beides zu machen. Eingangs- und Ausgangsscreening. Eingangsscreening macht meines Erachtens immer Sinn.
"Risikopatienten" (Patienten >60, Voraufenthalte in ausländischen Süd-osteuropäischen Krankenhäusern, Antibiotikaanamnese, MRE-Anamnese...)
Eigentlich müsste man Pflegekräfte auch zu den Risikogruppen zählen...
 

InetNinja

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Eigentlich müsste man Pflegekräfte auch zu den Risikogruppen zählen...

Pflegekräfte gehören soweit ich weiß grundsätzlich zur Risikogruppe. genauso wie Mitarbeiter aus Mastbetrieben.
Aber stell dir mal vor die würden abgestrichen werden. bei uns wurde das vor kurzem gemacht da wir nen Fiesen Erreger auf Station hatten. 10% der Mitarbeiter waren besiedelt und durften keinen Dienst tuen.
 

Leander

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Pflegekräfte gehören soweit ich weiß grundsätzlich zur Risikogruppe. genauso wie Mitarbeiter aus Mastbetrieben.
Aber stell dir mal vor die würden abgestrichen werden. bei uns wurde das vor kurzem gemacht da wir nen Fiesen Erreger auf Station hatten. 10% der Mitarbeiter waren besiedelt und durften keinen Dienst tuen.
Und genau aus diesem Grund wird es nicht getan.
 
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matras

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Pflegekräfte gehören soweit ich weiß grundsätzlich zur Risikogruppe. genauso wie Mitarbeiter aus Mastbetrieben.
Aber stell dir mal vor die würden abgestrichen werden. bei uns wurde das vor kurzem gemacht da wir nen Fiesen Erreger auf Station hatten. 10% der Mitarbeiter waren besiedelt und durften keinen Dienst tuen.

Das ist (mit Verlaub) Quatsch! Die meiste Pflegekräfte sind gesund und bekommen nicht häufiger als andere aus der Bevölkerung Antibiotika. Also woher soll ein Selektionsdruck für MRE bitteschön kommen? Nur dadurch, dass pflegender Umgang mit Patienten mit MRE hat, kann allenfalls eine temporäre, selbstlimitierende Kolonisation nach sich ziehen. Diese begründet aber kein Screening sondern eine professionelle Händehygiene!
Wer soll denn das Personalscreening bei Euch angesetzt haben? Hat der Betriebsrat dazu überhaupt zugestimmt? Und hat was für ein "fieser Keim" soll denn das Procedere überhaupt ausgelöst haben???
Verschwörungstherorien sind ja manchmal ganz nett, aber um Mitarbeiteruntersuchungen zu begründen müssen zu Recht hohe Barrieren überwunden werden!
 

Jillian

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Ich lese das beispielhaft für MRSA anders:
Die Prävalenz von MRSA-Trägern bei Beschäftigten im Gesundheitswesen und in Pflegeeinrichtungen (mit direktem Patientenkontakt) wurde in einer internationalen Studie von Albrich and Harbarth 2008 mit 0,3–7,9% angegeben und damit höher als für die Allgemeinbevölkerung berichtet [147]. Für Deutschland lagen die Besiedlungsraten in verschiedenen Untersuchungen bei ca. 0,4–5,3% des Personals in medizinischen Einrichtungen.
https://www.rki.de/DE/Content/Infek...ownloads/MRSA_Rili.pdf?__blob=publicationFile S. 704

Zu den Risikogruppen zählen laut diesem Paper auch
Patienten, die regelmäßig (beruf-lich) direkten Kontakt zu MRSA haben,
Sollte eine Pflegekraft also einmal Patient sein, zählt sie als Risikopatient. Ich sehe allerdings keinen Grund, mich nicht zur Risikogruppe zu zählen, auch wenn ich noch kein Patient bin, denn:

Trotz der umfangreichen Evidenz, die für die Implementation von MRSA-Screenings spricht, haben einige Studien keine Effektivität dieser Maßnahme dokumentieren können [274–278]. Mögliche Ursachen für nichteffektive Screeningprogramme sind die Umsetzung zusätzlicher Hygienemaßnahmen erst bei vorliegendem Befund und langer Zeitspanne zwischen der Aufnahme und dem Vorliegen des Ergebnisses (>4Tage), (...)
Insbesondere Pflegende und Ärzte akquirieren während der Tätigkeit am Patienten MRSA auf ihren Händen, auf ihrer Kleidung und ggf. auf den Schleimhäuten ihrer Nase oder ihres Rachens

Es erscheint logisch, dass nicht jeder Patient, der ein Krankenhaus betritt und gescreent wird, bis zum Endergebnis prophylaktisch isoliert werden kann. So wissen wir zwar nach 48h, dass er MRSA mit sich trägt, aber bis dahin wurden nur Maßnahmen der Basishygiene betrieben. Bei einer Besiedlung im Na-Ra-Bereich erhöhe ich als Pflegekraft also mein Risiko, mich mit MRSA anzustecken, solange ich nicht konsequent Schutzausrüstung trage. Wer macht das schon ohne konkreten Verdacht?
 

matras

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Zunächst einmal sollte Infektion = Ansteckung nicht mit der Besiedelung = Kolonisation vermischt werden!
Es geht um dem Unterschied von vorrübergehender und dauerhafter Kolonisation, sowie um die Infektion durch MRE. Klar hat medizinisches Personal eine größere Möglichkeit jede Art von MRE im Sinne einer Kolonisation zu aquirieren. Aber da der Selektionsdruck durch häufige Antibiotikagaben (meist) nicht vorhanden ist, sind diese Besiedelungen überwiegend selbst limitierend. Die Keime haben keine Überlebensvorteile und werden von den "normal" sensiblen Keimen verdrängt. Kommt Med.-Personal als Pat. ins KH sollte abgefragt werden, ob häufig instensiver Kontakt zu MRE besteht, dann ja = Risikopat.
Screeening zum Beginn des KH-Aufenthaltes macht nur Sinn, wenn bis zum Vorliegen des Befundes auch eine Isolierung stattfindet! Daher werden zur Detektion von z.B. MRSA überwiegend PCR eingesetzt, die ein vorläufiges Ergebniss innerhalb von 4 Std. erlauben können. Die letztentliche Bestätigung des PCR-Ergebnisses (hohe Sensitivität/niedrige Spezifität) muss dann leider durch die klassische Mikrobiologie in 24 Std. (chromogener Agar) - 48 Std. erfolgen!
Dein Risiko ist als KH-Mitarbeiter latent immer erhöht (nicht nur MRSA) zu aquirieren, da auch Deine Kollegen MRE verteilen können. Kommt dann dazu, dass ggf. eine schlechte Händehygienecompliance besteht, ist das Risiko (auch bei Gebrauch) von PSA, erhöht!
 

Jillian

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Screeening zum Beginn des KH-Aufenthaltes macht nur Sinn, wenn bis zum Vorliegen des Befundes auch eine Isolierung stattfindet!

Ganz meine Meinung, aber: Findet sowas denn irgendwo statt? Kein KH dürfte dadurch schwarze Zahlen schreiben, zu viele Betten gehen verloren.
(Mit Influenza ist es ja ähnlich. Viele Häuser tun sich schwer, im Winter unklare fieberhafte Atemwegsinfekte bis zum Vorliegen des Ergebnisses prophylaktisch zu isolieren. Ich kann gar nicht zählen, wieviele Mitpatienten sich so bei uns unnötig angesteckt haben, weil sie mit influenza-erkrankten Patienten in der Latenzphase zusammen lagen.)
 

Neuromaus

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Prophylaktische Isolierung bis zum Vorliegen des negativen MRE-Befunds wird bei uns auch nicht betrieben. Außer wenn es einen positiven Befund in der Anamnese gab, selbst wenn danach nochmal ein Negativ-Befund vorlag. Dann wird isoliert bis zum Vorliegen des Negativ-Befunds (kulturell, nicht PCR).

Bei Atemwegsinfekten in der Influenzasaison wird jedoch sehr großzügig isoliert und direkt abgestrichen. Ebenso wird bei Durchfall und Erbrechen großzügig isoliert und die Mikrobiologie bemüht.
 

WildeSchwester

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Ganz meine Meinung, aber: Findet sowas denn irgendwo statt? Kein KH dürfte dadurch schwarze Zahlen schreiben, zu viele Betten gehen verloren.
(Mit Influenza ist es ja ähnlich. Viele Häuser tun sich schwer, im Winter unklare fieberhafte Atemwegsinfekte bis zum Vorliegen des Ergebnisses prophylaktisch zu isolieren. Ich kann gar nicht zählen, wieviele Mitpatienten sich so bei uns unnötig angesteckt haben, weil sie mit influenza-erkrankten Patienten in der Latenzphase zusammen lagen.)

Bei Hoch-Risikopatienten MRSA isolieren wir bis zum Vorliegen des Abstrichergebnisses. Verdachtsiso halt.
Bei Verdacht auf Influenza ebenso. Wir haben Schnelltests für Influenza, wo das Ergebnis innerhalb weniger Stunden vorliegt.
 

matras

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Gescreente Patienten nicht zu isolieren geht nur so lange gut, bis es zur ersten Häufung kommt: dann muss diese als Ausbruch an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Das hat zur Folge, dass nach dessen Ursache gesucht wird.....
Wird der Ausbruch nicht gemeldet, vergrößert sich das Problem des Hauses (insbesondere der Geschäftsführung)....!!!
 

Jillian

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Dann scheint mein Haus ein grundsätzliches Verständnisproblem zu haben, was Vermeidung von Masseninfekten und Prävention angeht. In den 2 Jahren, die ich dort schon arbeite, sind schon mehrere Meldungen ans Gesundheitsamt gegangen wegen gehäufter Ausbrüche. Wir durften nicht schutzisolieren. Aber man lernt nicht dazu. Hauptsache alle Betten sind belegt. 8O
 

Neuromaus

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Wir durften nicht schutzisolieren.
Wie dumm ist das denn? Klar kann eine Schutzisolierung nicht immer jegliche Keimübertragung zwischen Patienten verhindern, aber das Risiko wird doch deutlich geringer.
Gerade bei V.a. Gastroenteritis haben wir sehr gute Erfahrungen mit Schutzisolation gemacht. Wenn "der Noro umgeht" haben wir in der Regel 1-2, max. 3 von über 30 Patienten, die davon betroffen sind.
Bei Influenza ist es natürlich etwas schwieriger, da ja auch vor Beginn der Symptomatik bereits Ansteckungsgefahr besteht und Kinder naturgemäß engeren Körperkontakt untereinander haben als Erwachsene, wodurch die Übertragung noch leichter stattfindet als sowieso schon. Da hatten wir leider im Extremfall auch bis zu 7 Patienten erkrankt und isoliert.
 

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