wurde mir von meiner Praxisanleiterin so gesagt...
Moin, moin!
Traue niemanden...
Also, .... niemals, und schon gar nicht in der Ausbildung, solltest Du eine Information einfach so akzeptieren, weil dies Dir jemand gesagt hat!
(Warum wird der Gedanke der Evidenz basierten Pflege an der Schulen nicht mehr unterrichtet? Oder warum wird in der Schule nicht wenigsten mehr Wert darauf gelegt, Informationen kritisch zu hinterfragen? Es ist zum Verzweifeln... Aber das ist ein anderes Thema...)
Wenn Dir jemand so etwas sagt, solltest Du immer fragen, warum es das weiss, (Literatur, Studien usw.) Wenn Du die Leute mit dieser Nachfragerei nicht allzusehr nerven willst (denn in den Pflege ist es wichtiger zu funktionieren, als zu denken...) solltest Du Dir zumindest selber überlegen, ob diese Information glaubwürdig ist, kann dies tatsächlich so sein, wie passt das mit den Dingen überein, die Du schon weisst, welche Beobachtungen, die Du bereits gemacht hast, stützen oder widerlegen, diese Behauptung? usw
Aber ich fange schon wieder an zu dozieren...
Zurück zum Thema.
Die erwähnten 20 Minuten muss man erst einmal hinterfragen. Wieviel Sondennahrung wurde dem Patienten denn verabreicht? Es macht sicher einen Unterschied, ob er 100ml oder 1000ml bekam. Kannst Du die Verweildauer irgendwie abschätzen? Neuere experimentielle Studien (1) zeigen zum Beispiel, bei Personen mit einem BMI von >32 - eine Verweildauer von 23 min (+/- 11min) von 50 ml Wasser im Magen. Die Sondenkost hat maximal die gleiche Verweildauer (es ist eher von eine längeren Dauer auszugehen), zudem wird der Patient nicht nur 50ml bekommen haben. Die Studie zeigte bei 300ml eine Magenverweildauer von 32min (+/- 15min).
Wie realistisch sind die 20 min Deiner Praxisanleiterin?
Ein weitere Punkt, den Du beachten musst ist der BMI Deines Patienten. Übergewicht kann eine längere Magenverweildauer provozieren (2). ist Dein Patient eher dünn, wird der Magen eher schneller entleert, als bei übergewichtigen Personen.
Darüberhinaus kann die Temperatur - und das könnte für die pflegerische Praxis interessant sein - einen Einfluss auf die Verweildauer im Magen haben. Experimentelle Studien (3) zeigten beispielsweise dass 250 ml Wasser mit einer Temperatur von 5 Grad C im Durchschnitt 15,91 min (+/- 10.04) im Magen verweilt. Bei 20-25 Grad C, sind es schon 48.18+/-28.97 min und bei 45 Grad C 71.42+/-37.08 min. Also, es kommt immer darauf an. In dr Praxis scheint es also besser zu sein, die Sondenkost gekühlt zu geben, zumindest und diesem Gesichtspunkt.
Fazit:
Die 20 min Deiner Praxisanleiterin erscheinen mir zu kurz.
Sinnvoll wäre es, die Magenfüllung durch Auskultation oder einem Aspirationsversuch zu testen.
Gruss Hartwig
Literatur
(1) Wong CA et al.: "Gastric emptying of water in obese pregnant women at term" in Anesth Analg. 2007 Sep;105(3):751-5.
(2) Wisen O et al.:"Gastrointestinal motility in obesity" in J Intern Med. 1995 Apr;237(4):411-8.
(3) Ritchel WA et al.:"The influence of temperature of ingested fluid on stomach emptying time" in Int J Clin Pharmacol Biopharm. 1977 Apr;15(4):172-5