Nur nach langer Praxis eine gute Lehrkraft?

Southpaw

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Hallo Community,

erst einmal entschuldigen, dass ich hier sicher in den falschen Bereich poste. Sehe grad nicht, in welchen Bereich das besser passen könnte.

Wem das zu viel Text ist, bitte nur das Fettgedruckte lesen.

Der häufigste Satz den ich von Pflegekräften über Lehrkräfte höre: "Der/Die ist zu lang aus der Praxis draußen."

Ich habe diesen Satz nie verstanden in Anbetracht dessen, dass es zwischen schulischer Ausbildung und der Praxis ohnehin so große Unterschiede gibt (gleichzeitig höre ich von Pflegekräften häufig den Satz: "So wie ich das jetzt mach ist es nicht schulisch. Bloß nicht in Prüfungen machen!").
Einstimmige Meinung ist zudem, dass frisch examinierte auf dem Höhepunkt ihres Pflegewissens sind. Wäre doch ideal, das sofort im Unterricht an Schüler weiterzugeben? Die machen schließlich auch irgendwann ihr Examen.

Mal abgesehen davon, dass Schüler vom Erfahrungsschatz einer langjährigen Pflegekraft natürlich profitieren können: Was hat eurer Meinung nach eine Lehrkraft, die 10-20 Jahre am Bett war, allen anderen Lehrkräften voraus?

Was empfiehlt ihr einer frisch examinierten Pflegekraft zu tun, bevor sie eine lehrende Funktion an einer Pflegeschule übernimmt?

Die letzte Frage wär mir die Wichtigste. Schon jetzt Danke für eure Beiträge.


Hintergrund: Meine Erfahrung aus dem Kampfsport ist, dass die besten Trainer, die ich hatte, nie etwas im Ring gerissen haben, auch nicht in jungen Jahren. Die konnten teilweise nicht mal Seilspringen, geschweige denn den Sandsack für mehr als 30 Sekunden bearbeiten, ohne umzufallen. Aber doch gaben sie ihren Schülern das komplette Rüstzeug, um sich im Chaos eines Kampfes (mit oder ohne Regeln) zu behaupten. Das hat mich zur Überlegung gebracht: Muss ein guter Pflegepädagoge eine gute Pflegekraft gewesen sein?
 
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Martin H.

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Sehr kontrovers diskutiertes Thema. :ccol1:
Im Prinzip wäre man zwar als Pflegekraft direkt nach dem Examen vom Fachwissen her am fittesten; aber nur in der Theorie, die langjährige Praxis und die daraus resultierende Erfahrung sind m. M. n. nicht zu ersetzen.
Des weiteren verlangt normalerweise jede Hochschule vor Beginn des Studiums der Pflegepädagogik 1-2 Jahre Praxis mindestens, und genau das würde ich auch empfehlen.
Dabei wäre übrigens Erfahrung z. B. in Innerer Medizin oder Chirurgie oder etwas ähnlichem gut, denn damit deckt man viel ab... für eher nicht so geeignet halte ich persönlich Erfahrung in der ambulanten Pflege oder Psychiatrie, da dies einfach Nischenfächer sind. Es sei denn, man peilt eine spätere Tätigkeit an einer BFS an, die einer psychiatrischen Klinik angegliedert ist.
Außerdem benötigt man vor allem pädagogisch-didaktische Fähigkeiten, wer sagt dass eine Pflegekraft die hat??

So, jetzt noch ein paar allgemeine Worte, da mich das blöde Geschwätz vieler Pflegekräfte tierisch ankotzt::x
„Der ist zu lang aus der Praxis draußen.“
Wird gern mal hochnäsig behauptet, wenn der Lehrer nicht genau das macht, was die siebengescheiten Praktiker als das einzig Richtige ansehen. Dabei wird übersehen, dass die Lehrkraft gezwungen ist - egal wieviel Praxis in der Pflege sie mal HATTE - sich über den neuesten Stand der Pflege zu informieren, bevor sie ungefiltert ihr Wissen weitergibt. Außerdem ist es ja auch möglich, dass die Praktiker es ganz einfach falsch machen!
„So wie ich es jetzt mach, ist es nicht schulisch, bitte nicht nachmachen.“
Gut, es gibt manchmal auch ein paar Kniffe oder Handgriffe, die so schulisch nicht gelehrt werden und nicht falsch sind (in der Schule ist die Zeit begrenzt, manches fällt hinten runter oder wird nur angeschnitten).
Aber falsches Wissen sollte auch von Praktikern nicht den Schülern gezeigt werden!
Im übrigen halte ich den Unterschied zwischen Theorie und Praxis der Pflege für bei weitem nicht so groß wie oft behauptet, wenn stets korrekt gearbeitet würde.
 

Romsen2014

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Was hat eurer Meinung nach eine Lehrkraft, die 10-20 Jahre am Bett war, allen anderen Lehrkräften voraus?
Aus eigener Erfahrung mit einer Lehrkraft mit "weniger" Praxis Erfahrung
Konkrete Beispiele aus der eigenen Erfahrung zu haben. Man merkt Lehrkräften schon an, ob sie 20 Jahre selber tätig waren, da sie viele Sachen die sie unterrichten selber schon einmal "erlebt" haben. Wir hatten z.B. eine Lehrerin die war ungefähr 5 Jahre im Beruf (hat glaube ich ihren Master Vollzeit gemacht). Man merkte es an manchen stellen schon, dass ihr konkrete Beispiele fehlten bzw. sie sich manche Dinge nicht genau vorstellen konnte bzw. selber sagte "solch einen Patienten hatte ich noch nie". Ist bestimmt ein gutes "Add-on", aber obs zwingend notwendig ist, weiß ich nicht. Aber den Unterschied zu meiner Kursleitung merkte man schon. Vor allem im Bereich der Neurologie, hatte sie zu eigentlich jedem Krankheitsbild Erfahrungsberichte, da sie ungefähr 15 Jahre in der Neurologie und Neurochirurgie tätig war.

Letzte Frage kann ich nicht beantworten.

Ich für meinen Teil, bezweifle auch, dass ich am "höhepunkt" meines Theoretischen Wissens bin. Ich weiß von allem etwas (von einigen Sachen mehr, von anderen weniger) aber nichts so Richtig. Aber ich denke, dass auch dies ansichtsache ist.
 

Bachstelze

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Ich halte es in jedem Lehrberuf für sinnvoll, wenn die Lehrkraft in ihrem Leben für eine Zeit aus dem Biotop Schule rausgewesen ist und sich mit der Lebensrealität auseinandersetzen musste. Das bringt nämlich Lebenserfahrung, die einen zu einem besseren Lehrer werden lässt.
 

Southpaw

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Hi Martin!
Sehr kontrovers diskutiertes Thema. :ccol1:
Im Prinzip wäre man zwar als Pflegekraft direkt nach dem Examen vom Fachwissen her am fittesten; aber nur in der Theorie, die langjährige Praxis und die daraus resultierende Erfahrung sind m. M. n. nicht zu ersetzen.
Des weiteren verlangt normalerweise jede Hochschule vor Beginn des Studiums der Pflegepädagogik 1-2 Jahre Praxis mindestens, und genau das würde ich auch empfehlen.
Empfinde ich auch so, dass man die Praxis einfach mal in all seinen Höhen und Tiefen durchlaufen haben muss. Es verschafft einen anderen Blickwinkel, hoffentlich auch mehr Empathie in Bezug auf seine Schüler/Schützlinge.
Mich überrascht dennoch, dass die Pflegepädagogik hier nur 1-2 Jahre verlangt. Es gibt eine Lehrerin bei uns, die ist nach einem Jahr praktisch aus der Pflege geflüchtet. Man merkt ihr an, dass sie gar keine Parallelen herstellen kann und man im Grunde nur Wikipedia-Beiträge und das Pflege Heute bei ihr durchnimmt.

Dabei wäre übrigens Erfahrung z. B. in Innerer Medizin oder Chirurgie oder etwas ähnlichem gut, denn damit deckt man viel ab...
Innere Medizin ist ein weites Feld, wohl wahr. Bei Chirurgie kann ich nicht ganz folgen. In der Unfallchirurgie wäre ich bspw. ja wieder sehr stark begrenzt, vom Fachwissen her.

für eher nicht so geeignet halte ich persönlich Erfahrung in der ambulanten Pflege
Kein Witz: meine grundpflegerische Arbeit hat von meinem Einsatz in der Ambulanten Pflege enorm profitiert. So viel wie mir dort in zwei Wochen beigebracht wurde, hatte ich im ganzen vorherigen Jahr auf Stationen nicht. Vielleicht ein Einzelfall. Auf meinen Touren waren aber auch sehr viele "schwierige" Patienten, was viel Austausch mit Ärzten benötigte.

oder Psychiatrie, da dies einfach Nischenfächer sind. Es sei denn, man peilt eine spätere Tätigkeit an einer BFS an, die einer psychiatrischen Klinik angegliedert ist.
Die psychiatrische Klinik bei uns hat so ziemlich den gleichen Lehrplan wie wir. Der Anteil an Somatik und Psychiatrie scheint annähernd gleich (habe Ordner mit einer Kommilitonin verglichen).
Meine Einsicht als Zweitkursler in die Psychiatrie, die ein Lehren auch in der Somatik rechtfertigt (bitte korrigiert oder ergänzt man mich): Umgang mit Schmerzpatienten, Betreuung in Lebens- und Endphasen (Entwicklungspsychologie, Sterben ...), Salutogenese, Patientenedukation (Informieren, Schulen, Beraten), Geriatrie mit allem drum und dran (sind ja doch multimorbide), Reha (bei uns Neuro-Reha), Pflegeprozess gleich, Deutsch & Kommunikation, Deeskalation, Umgang mit Gewalt, Ernährung, sämtliche psychiatrische Erkrankungen (bei uns in einer somatischen Klinik recht ausführlich behandelt), krankheitsunabhängige Grund- und Behandlungspflege ... richtig krankheitsspezifisch (Herz, Gefäß, Lunge, Gastro etc.) kann man natürlich nicht aus dem persönlichen Erfahrungsschatz schöpfen, wenn man nur in der Psychiatrie zugange ist. Aber ich entdecke da so viel mehr, dass ich "Nischenfächer" von meiner Warte aus nicht unterschreiben könnte.

Außerdem benötigt man vor allem pädagogisch-didaktische Fähigkeiten, wer sagt dass eine Pflegekraft die hat??
:daumen: Korrekt. Seh ich Tag für Tag auf Station, dass es da gehörige Defizite gibt.

„So wie ich es jetzt mach, ist es nicht schulisch, bitte nicht nachmachen.“
Gut, es gibt manchmal auch ein paar Kniffe oder Handgriffe, die so schulisch nicht gelehrt werden und nicht falsch sind
Nee, nee, es sind schon Sachen gemeint, die einem in der Prüfung derben Punktabzug verschaffen.

(in der Schule ist die Zeit begrenzt, manches fällt hinten runter oder wird nur angeschnitten).
Bei uns haben die Lehrer den rhetorischen Kniff: "Es geht nicht darum es schulisch zu machen, sondern richtig." :flowerpower: Ich mag diesen Spruch, weil er so entlarvend ist, dass sich die Theorie niemals selbst genügen kann.

Im übrigen halte ich den Unterschied zwischen Theorie und Praxis der Pflege für bei weitem nicht so groß wie oft behauptet, wenn stets korrekt gearbeitet würde.
Womit wir ganz schnell bei dem Thema Zeit und Personalschlüssel liegen. Das Fass will ich jetzt doch nicht aufmachen, hahaha. :D
 

Southpaw

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Hallo Romsen!
Wir hatten z.B. eine Lehrerin die war ungefähr 5 Jahre im Beruf (hat glaube ich ihren Master Vollzeit gemacht). Man merkte es an manchen stellen schon, dass ihr konkrete Beispiele fehlten bzw. sie sich manche Dinge nicht genau vorstellen konnte bzw. selber sagte "solch einen Patienten hatte ich noch nie". Ist bestimmt ein gutes "Add-on", aber obs zwingend notwendig ist, weiß ich nicht.
Ist halt jetzt die Frage: Ist das schlimm? Bereitet es Schüler weniger gut auf die Praxis vor, wenn die Lehrkraft nie einen bestimmten Patienten hatte, aber z.B. den aktuellen Stand der Pflege gut recherchiert vermittelt? Allein vom Gefühl her meine ich, dass praktische Erfahrungen glaubwürdig machen. Aber auf alle Eventualitäten muss man auch nicht gefasst sein. Ich fand es im Unterricht umso schöner, wenn Schüler ihre Erfahrungen teilen konnten, wo ein Lehrer keine hatte.

Aber den Unterschied zu meiner Kursleitung merkte man schon. Vor allem im Bereich der Neurologie, hatte sie zu eigentlich jedem Krankheitsbild Erfahrungsberichte, da sie ungefähr 15 Jahre in der Neurologie und Neurochirurgie tätig war.
Gerade stell ich mir die Frage, ob Erfahrungsberichte auf einmal abreißen müssen, nur weil man Lehrkraft geworden ist. Lehrkräfte sind ja auch auf Station unterwegs, nicht? Ich sehe da bei uns viel Austausch mit Pflegekräften. Als Lehrkraft lernt man weiterhin durch Pflegebegleitungen und Praxisprüfungen eine Menge Patienten und deren Fälle kennen (man bekommt ausführliche Übergaben der Schüler, sieht Pflegepläne etc). Nur weil man nicht mehr am Bett ist, muss man nicht mit geschlossenen Augen durch die Station gehen. Darüber lässt du mich grad grübeln, Romsen. Danke dir. :-)
 

Southpaw

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Servus Bachstelze!
Ich halte es in jedem Lehrberuf für sinnvoll, wenn die Lehrkraft in ihrem Leben für eine Zeit aus dem Biotop Schule rausgewesen ist und sich mit der Lebensrealität auseinandersetzen musste. Das bringt nämlich Lebenserfahrung, die einen zu einem besseren Lehrer werden lässt.
Schöner Gedanke, Lebenserfahrung ist immer gut. An was genau denkst du dabei? Wäre es genug Lebenserfahrung in einem völlig anderen Beruf eine Ausbildung gemacht und gearbeitet zu haben, einen Beruf, wo man auch mit Menschen zu tun hat (Büro mit Kundenkontakt)? Oder kann nur Pflege einem die nötige Lebenserfahrung für Pflegepädagogik geben? Vielleicht hast du ein Beispiel.
 

Martin H.

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@Southpaw
Du kannst gern mal googeln; zwar kocht jede Hochschule ihr eigenes Süppchen, aber diese 1-2 Jahre Erfahrung im Beruf fordern die meisten als Minimum vor Beginn des Studiums.
Das mit Innerer und Chirurgie war jetzt nur meine Meinung, auch weil diese Fachbereiche in der Ausbildung den meisten Raum einnehmen. Natürlich sind auch Erfahrungen in anderen Bereichen wertvoll, aber ich sag mal so, wenn die Lehrkraft selber nur in der Augenklinik war, bevor sie Lehrkraft wurde, dann hat sie damit ein sehr spezielles und wenig breitgefächertes Wissen.
 
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Southpaw

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Das mit Innerer und Chirurgie war jetzt nur meine Meinung, auch weil diese Fachbereiche in der Ausbildung den meisten Raum einnehmen.
Chirurgie sammelt sich dann bei uns wohl im dritten Lehrjahr. Bin zwar schon im zweiten Einsatz auf einer chirurgischen Station, aber bekomme da leider nicht wirklich viel mit, auch in der Schule nicht.
Großer Schwerpunkt bei uns ist Anatomie und das finde ich richtig gold wert. Man kann sich so unfassbar viel ableiten. Ich bilde mir ein, dass ein sehr vertieftes anatomisches Wissen mangelnde Patientenerfahrung einer Lehrkraft sehr gut quersubventioniert. Man ist dadurch ziemlich breit aufgestellt.

Natürlich sind auch Erfahrungen in anderen Bereichen wertvoll, aber ich sag mal so, wenn die Lehrkraft selber nur in der Augenklinik war, bevor sie Lehrkraft wurde, dann hat sie damit ein sehr spezielles und wenig breitgefächertes Wissen.
:up:

Hat noch jemand Input? Die Fragen:

Was hat eurer Meinung nach eine Lehrkraft, die 10-20 Jahre am Bett war, allen anderen Lehrkräften voraus?

Was empfiehlt ihr einer frisch examinierten Pflegekraft zu tun, bevor sie eine lehrende Funktion an einer Pflegeschule übernimmt? (Wichtigere Frage)
 

Bumblebee2

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Als Studentin und Pflegekraft mit fast 10 Jahren Berufserfahrung habe ich darüber schon öfter nachgedacht.
Ich glaube nicht, dass man mit mehr Berufserfahrung zwingend etwas voraus hat. Man hat eine andere Perspektive auf die Unterrichtsinhalte, wenn man viel praktische Erfahrung hat.
Andererseits lehrt das Studium den Unterschied zwischen Alltagswissen und Wissenschaft - mit mehr Praxis ist das schon spannend.

Es geht aber nicht nur um die Lehrkraft. Man muss den Schülern Raum lassen können für ihre eigenen Erfahrungen und nicht nur selbst für alles einen Beispielpatienten kennen. :-)

LG
 

Southpaw

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Hi Bumblebee2,
Ich glaube nicht, dass man mit mehr Berufserfahrung zwingend etwas voraus hat. Man hat eine andere Perspektive auf die Unterrichtsinhalte, wenn man viel praktische Erfahrung hat.
Stimmt! Wenn wir jetzt mal Schüler außen vor lassen, dann hilft es einer Lehrkraft natürlich ungemein bei der Unterrichtsgestaltung (+ Recherche, Arbeitsblatt-Erstellung etc.), wenn sie mal erlebt hat, was sie lehren soll. Wir haben leider Lehrer, da kann ich den gesamten Unterricht und die Arbeitsblätter haargenau nachstellen, wenn ich alle Google-Suchergebnisse von Seite 1 überflieg. Das kann es nicht sein.

Andererseits lehrt das Studium den Unterschied zwischen Alltagswissen und Wissenschaft - mit mehr Praxis ist das schon spannend.
Find ich auch! Studiere Pflegewissenschaft und es macht schon richtig Spaß. Meine erste Studienarbeit ohne Praxis und meine letzte Studienarbeit mit Praxis - spürbare Entwicklung drin. Nur schade, dass es danach keine Früchte in der Praxis tragen wird, weil es bei uns noch keinen eigenen Platz für die Absolventen gibt.

Es geht aber nicht nur um die Lehrkraft. Man muss den Schülern Raum lassen können für ihre eigenen Erfahrungen und nicht nur selbst für alles einen Beispielpatienten kennen. :-)
Super! :up: Die eigene Erfahrung wäre dann also eine Art "Lückenfüller" (nicht negativ zu verstehen), dort, wo Schüler nichts beisteuern können/wollen. Unterstützt die Unterrichtsdynamik und ich glaube, das wäre ganz im Sinne der Pädagogik.

Vielen Dank für deinen Beitrag und viel Erfolg im Studium!
 
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Was empfiehlt ihr einer frisch examinierten Pflegekraft zu tun, bevor sie eine lehrende Funktion an einer Pflegeschule übernimmt? (Wichtigere Frage)
Habe über deine Frage jetzt einen Zeit lang nachgedacht und für mich folgende Schluss gezogen:
Wer direkt nach der Ausbildung eine lehrende Funktion übernehmen will sollte:
1. Sicher sein, dass er anderen etwas vermitteln will
2. NIEMALS aufhören, auf andere zu hören.

Will damit sagen: nur wer alles was er vermittelt hinterfragt und offen für Alternativen ist, kann auf Dauer anderen Menschen Wissen weiter geben und aktuell bleiben.

Also ist es schlußendlich egal, wann man den Weg einschlägt. Die Grundeinstellung muss stimmen. Leider ein Problem in allen Bereichen, in denen unterrichtet wird.

Direkt nach dem Examen dürfte es sowieso schwierig sein, eine lehrende Stelle zu übernehmen, wenn man nicht schon vor der Ausbildung ein Studium abgeschlossen hat.

LG Einer
 
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Southpaw

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Habe über deine Frage jetzt einen Zeit lang nachgedacht und für mich folgende Schluss gezogen:
Das freut mich, dass du diesen Thread damit wertschätzt. :-)

Wer direkt nach der Ausbildung eine lehrende Funktion übernehmen will sollte:
1. Sicher sein, dass er anderen etwas vermitteln will
Wohl essentiell. :daumen: Merkt man einer Lehrkraft an, dass sie über das Studium einfach nur langfristig erwerbstätig bleiben wollte mangels Alternativen (im schlimmsten Fall arbeiten sie dann nur noch spürbar auf die Rente hin), verschlechtert das eine Menge.

2. NIEMALS aufhören, auf andere zu hören.
Meine Erfahrung - auch aus früherem Berufsleben - ist, unbedingt auch mal weghören. Gerade Arbeitskräften in sozialen Berufen hängt man ja sehr gute Menschenkenntnisse an. Meine Empfindung ist, dass viele (die ihre Meinung besonders laut vertreten) nur in einem gut sind: Im Schnellschuss. Was man nicht weiß, wird hineininterpretiert. Wie störanfällig das Bauchgefühl ist, weiß man nicht erst seit Cialdini und Kahneman. Es scheint einem nur selten was gegönnt. Oft ziehen sich andere an einem hoch, indem sie etwas schlechtmachen. Dieses Schlechtmachen findet man dann leider auch auf perfide Weise in Form von "schlechten Ratschlägen" (z.B. "Mach das nicht so und so" oder "Lass das, da gehst du doch unter ...").

Später sagst du ja auch, man sollte hinterfragen was man vermittelt und offen für Alternativen sein. Also meinst du mit "niemals aufhören, auf andere zu hören", dass man auf andere Lehrkräfte hören soll? Selbst recherchieren? In die Tiefe gehen? Vielleicht hast du ein paar Beispiele, auf wen konkret man bei was hören soll.

Direkt nach dem Examen dürfte es sowieso schwierig sein, eine lehrende Stelle zu übernehmen, wenn man nicht schon vor der Ausbildung ein Studium abgeschlossen hat.
Das stimmt. Bei mir war es kurzzeitig im Gespräch, weil ich ein Präsentationstalent und aus einem vorherigen Beruf schon Erfahrungen habe. Einziges Problem scheint die Abrechnung zu sein, wo ich für das Geben von Unterricht am besten auch noch selbst Geld bezahle. ^^
 

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Hallo Southpaw,

2. NIEMALS aufhören, auf andere zu hören.

Will damit sagen: nur wer alles was er vermittelt hinterfragt und offen für Alternativen ist, kann auf Dauer anderen Menschen Wissen weiter geben und aktuell bleiben.
Damit wollte ich nur Ausdrücken, dass Lehrkräfte, die nicht offen für neues sind und diese Neuerungen in Ihren Unterricht mit einbringen auf Dauer unglaubwürdig werden. Natürlich sollen sie ihre eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen. Grundsätzlich bleibt immer der Grundsatz: Ich muss hinter den Informationen stehen, die ich weiter gebe!

Im meinem oben genannten Satz kannst du den Teil "..., auf andere zu hören" ersetzen durch: .., anderen zuzuhören.

LG Einer
 
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Southpaw

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Ah, jetzt habe ich es verstanden, tut mir Leid. ^^

Ich mag wie fruchtbar dieser Thread jetzt schon ist. Immer weiter mit den Beiträgen, wenn noch jemand Input/Denkanstöße hat.
 

Lillebrit

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Ich glaube nicht, dass man mit mehr Berufserfahrung zwingend etwas voraus hat. Man hat eine andere Perspektive auf die Unterrichtsinhalte, wenn man viel praktische Erfahrung hat.
Andererseits lehrt das Studium den Unterschied zwischen Alltagswissen und Wissenschaft - mit mehr Praxis ist das schon spannend.
Das sehe ich ähnlich...man hat durch die Ausbildung den Beruf grundlegend gelernt und sich dann vielleicht im Idealfall noch "eine Weile in der Rolle als Pflegekraft zurechtgefunden".
Mit 10 Jahren Berufserfahrung(die ja meistens doch in einem Fachbereich absolviert wird), hat man imho keinen Vorteil ...sicher hat man spezifisches Wissen in diesem EINEN Bereich (z.B. Neurologie oder Chirurgie). Die Fähigkeit des Lehrer ist aber, sich in JEDEN Bereich hineinzuarbeiten und dieses zu Unterrichten! Es macht also absolut keinen Unterschied, ob man nun 2 oder 10 Jahre auf Station war. In der aktuellen Ausbildung schicken wir die Schüler durch rund 30 Fachgebiete/Einsatzbereiche...ich selber habe z.B. nie in der Dialyse, Physikalischen Therapie, Psych. TK oder in einer Rehaklinik gearbeitet. Das ist auch nicht notwendig!

Mit der Generalistik wird diese Tatsache noch deutlicher! Egal welche Grundausbildung man selber hat (GUKP, GuKKP, AP)- man muss seinen Unterricht auf alle Lebensphasen und Settings beziehen können.

Im Bereich der Fachweiterbildung ist es sicher etwas anders gelagert- da macht der Anspruch Sinn, dass die Dozenten neben dem Master auch selber die FWB in der jeweiligen Richtung absolviert haben.

Es geht aber nicht nur um die Lehrkraft. Man muss den Schülern Raum lassen können für ihre eigenen Erfahrungen und nicht nur selbst für alles einen Beispielpatienten kennen. :-)
Und das ist der entscheidende Punkt: erfahrungsbezogener Unterricht knüpft an den Erfahrungen der Schüler an ;)
 
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