Muss man Beschimpfungen und Beleidigungen durch Patienten dulden?

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Erstmal vorweg. Der Patient geht wohl heute nach Hause. Das bringt erstmal Erleichterung, denn mich hat schon wirklich vor diesem Nachtdienst gegraust.

Ich könnte nicht sagen, dass die PDL verständnislos reagiert. Das ist nicht so. Aber es herrscht eben die Devise: Durchhalten, es geht rum!
Stationsleitung war im Urlaub. Stellvertretung bin ich selbst, also nicht so einfach, den Schwarzen Peter weiter zu geben ;) . Die Info an die PDL ging bei der ersten Eskalation mit einer jungen Mitarbeiterin raus.
Der ärztliche Dienst ist auch schon schwer gereizt, bzw. "war" darf ich ja jetzt wohl sagen. Visiten liefen nur sporadisch.

Tja, es ist ja nun davon auszugehen, dass er wieder einmal kommt. Und da wär so die eine oder andere Strategie im Umgang sicher nicht verkehrt.
Vielleicht hat ja einer noch eine Idee hier :)

Dass mit den alten Pflegeberichten sehe ich ähnlich. Wobei ich gestern erst nachgelesen habe - also, nach einer Woche hatte ich genügend eigene Beobachtungen gemacht.
Zudem war die Dokumentation dieser letzten Station wirklich sehr gut... wertfrei geschrieben. Hat mich wirklich positiv überrascht.

LG
Michl
 
Hallo Michl,

es ist natürlich schwer in eurem Rahmen ihn so zu "behandeln", wie es in einer psychiatrischen/psychotherapeutischen Klinik möglich wäre. Wie schon beschrieben, hat er keinen Leidensdruck und wird sich nicht in so eine Behandlung begeben. Das setzt eine gewisse Compliance voraus. Ich gehe bei ihm auch aus von einer Persönlichkeitsstörung welche und in welchem Niveau ..nun ja...das wäre von der Entfernung betrachtet auch reine Spekulation.
Hänge Dir mal was an, vielleicht passt es und Du kannst eventuell was davon nutzen. Auf jeden Fall sollte eure Haltung klar und transparent sein und ihr die Regeln der Kommunikation einhalten.

Liebe Grüße Brady

Hilde Schädle-Deininger, Ulrike Villinger, Praktische Psychiatrische Pflege Arbeitshilfen für den Alltag Psychiatrie-Verlag
 

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mhh interessante Frage. Wie kann/darf man sich in solchen Fällen verhalten? Noch bin ich in der Ausbildung und angeblich bekommen wir noch eine Lerneinheit zu diesen Thema. Bloß ob wir da soviel beigebracht bekommen bezweifel ich leider aufgrund von bisherigen Erfahrungen.

Beleidigt wurden ich und meine Kolleginnen ja schon öfters aber das waren bis jetzt immer demente oder psychisch auffällige Personen.
Was ist aber wenn ein geistig völlig gesunder Mensch das Krankenpflegepersonal zutiefst beleidigt?

Die hier geschilderten Beleidigungen gehen ja teilwiese unter die Gürtellienie und sind meiner Meinung nach zu tiefst demütigend.
Von einer Kollegin wurde mir auch schon mal erzählt das ein Zuhälter auf Station war und dort das weibliche Personal mit Beleidigungen betitelt hat die ich hier gar nicht erwähnen möchte.

Sowas kann man meiner Meinung nach nicht immer mit irgendwelchen Auffälligkeiten abtun die krankheistbedingt sind. Es gibt nun leider Menschen die so sind. Muss man sich sowas bieten lassen?
 
Hallo

Wir sind ein 5-köpfiges Pflegeteam in der Fachrichtung Heimbeatmung.
Leider kommt es bei unserem Patienten immer wieder zu Situationen, wie sie hier beschrieben wurden ( Beschimpfungen, Anschreien ) usw.
Frage: Dürfen wir in solch einer Situation den Arbeitsplatz verlassen ? Es ist immer nur eine Pflegekraft vor Ort, aber der Ehepartner ist da. Pat. wäre also nicht allein. Beatmung findet nur über Nacht statt. Tagsüber ist die Selbstständigkeit in den ATL´s kaum eingeschränkt.
Die psychische Belastung ist enorm. Und bei Gesprächen mit PDL äußert der Patient keine Besonderheiten ... !
 
Es ist schon einige Jahre her, da hatte ich ähnliche (lange nicht so schlimme) Probleme mit einem Patienten. Nephrologie, etwa 25 Pflegefälle und noch 20 weiter Patienten und diesen eine Privaten, der alle 5 Minuten geklingelt hat und unverschämt war. Ich habe ihm nach ungefähr 10 x Klingeln klipp und klar gesagt, dass er sich mit der Klingelei zurückhalten soll, da er nicht der einzige Patient sei und es vielen anderen deutlich schlechter gehe als ihm. Da hat er getönt, dass er sich über mich beschwerern werde. Daraufhin gab ich ihm meinen Namen und Vornamen, damit er sich nicht über die falsche Schwester beschwert. Das hat ihm zu denken gegeben, er hat deutlich weniger geklingelt und wurde fast schon freundlich. Allerdings glaube ich nicht, dass das bei Michls Patient helfen würde.
 
Ich würde auch den Arzt dazuholen, wenn der Patient so richtig schön loslegt. Aber solche Leute haben auch raus, mit wem sie es machen können. Patienten die so ticken darf meistens ich betreuen, ich arbeite mit positiver Verstärkung, ich beachte nur das erwünschte Verhalten, benimmt sich der Patient unverschämt und beleidigend, lasse ich ihn gegen eine Wand reden und dokumentiere Wort für Wort. Das Protokoll geht zur PDL, zum ärztlichen Leiter und zum Betriebsrat!
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Mitarbeiter vor Gewalt (die auch verbal oder in Form von sexuellen Übergriffen erfolgen kann) zu schützen. Informiere dich mal bei der Berufsgenossenschaft.
Eine Freundin von mir arbeitet in der Psychiatrie, da nennt man das glaube ich "Talking down" man ermuntert den Patienten zum reden, lässt ihn gewähren, solange er nicht handgreiflich wird. Dann merkt er irgendwann, dass seine Aggressionen ins Leere laufen. Wird er handgreiflich sofort die Polizei rufen.
Ich persönlich werde niemals
-ironisch-sarkastisch
-unterwürfig
-aggressiv
 
Usn wurde von unseren Ärzten in solchen Fällen mitgeteilt, dass es zu unserer Professionalität gehören worde, mit solchen Sitautionen umgehen zu können. Ich galube, sie haben genau das Richtige gesagt. Man kann sich die Pat. nicht backen.

Es gibt immer mal Pat. die nicht adäquat reagieren. Und wenn Pat. dann noch merken, dass sie ins Schwarze treffen gehts meist erst richtig los.

Die Beschreibung des Pat. lässt eindeutig ein Problematik bei dem Pat. erkennen. Ob eine Persönlichkeitsstörung (z.B. maligner Narzisumus) vorliegt kann nur der Psychiater diagnostiezieren. Persönlcihkeitsveränderungen werden gewöhnlich erst dann zum Problem, wenn der Betroffene selbst oder seine Umwelt darunter leidet. Und leider gibst keine Tablette, die dies sofort heilt. Die Pat. sind auich nicht in der Lage ihr Verhalten sofort zu korrigieren.

Was macht Pflegekraft? Klare und eindeutige Grenzen setzen. Keine Diskussionen, eindeutige Ansagen ggf in Gegenwart von Zeugen- hier macht sich der Doc gut, weil höhere Instanz.
Talking down. Du gehst hier von der Faktenebene in die Emotionsebene. Das braucht Zeit. Zeit die du leider nicht hast auf einer chirurgischen station.
Notizen machen, fallsBeschwerde ins Haus kommt. Noch besser agieren statt reagieren- meint PDL von Problem in Kenntnis setzen.

Elisabeth
 

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