Kurz vorm Examen rausgeschmissen?

Inania

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Hallo zusammen,
bin recht verzweifelt und hoffe mir kann jemand helfen. Mein Freund war in seiner Ausbildungszeit zum Gesundheits- und Krankenpfleger oft krank und wurde nicht zum Examen zugelassen weil er die Mindestanzahl der Stunden nicht erreicht hatte. Er bekam einen neuen Vertrag für ein halbes Jahr um seine Stunden nachzuholen und dann sein Examen zwischen November und Februar in einer Nachprüfung zu machen. Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer war noch nie das beste. In den 3 Jahren gab es auch 3 Abmahnungen wegen zu spät kommen (er fährt mit dem Zug zur Arbeit und der kam nicht).
Nun wurde ihm heute ein Aufhebungsvertrag vor die Nase gesetzt, mit der Drohung der fristlosen Kündigung falls er ihn nicht unterschreibt. Die fristlose Kündigung soll aus dem Grund erfolgen das er am 14 Oktober wieder zu spät kam (wieder Zugausfall) und weil er das Klassenziel nicht erreicht hätte.
Nun kam heute raus, dass die anderen Nachprüflinge die die Prüfung nicht bestanden hatten schon schriftlich über den Prüfungstermin am 22.11. benachrichtigt wurden. Er hat aber nie etwas bekommen und auf Anfrage wird ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.
Was kann er nun tun?
Kann er kurzfristig in ein anderes Krankenhaus wechseln und dort sofort die Prüfung machen?
Soll er einfach zum Prüfungstermin auftauchen ohne das er benachrichtigt wurde?
Dürfen die ihn überhaupt jetzt noch fristlos kündigen? Er hat doch seit der Verlängerung durchgängig gearbeitet und war nicht mehr krank. Also müsste er seine Stunden locker aufgeholt haben.
Ich hoffe wirklich jemand kann uns helfen.
 

-Claudia-

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Mehrfache Abmahnungen aus demselben Grund sind ein Kündigungsgrund.

Dein Freund sollte sich an einen Anwalt wenden. Eine andere Lösung sehe ich nicht.
 

Inania

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Die Möglichkeit einen Anwalt hinzuzuziehen haben wir natürlich auch schon bedacht, allerdings wäre das erstens sicher eine teure Angelegenheit und zweitens fördert das sicher nicht das Wohlwollen der Lehrer in der mündlichen Prüfung.

Natürlich kümmert sich mein Freund auch darum, aber wir sind ein Paar und sind füreinander da und helfen uns wo es geht.

Kann man überhaupt irgendwann mitten im Jahr den Betrieb wechseln oder geht das nur zum Halbjahr?
 

-Claudia-

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Kann man überhaupt irgendwann mitten im Jahr den Betrieb wechseln oder geht das nur zum Halbjahr?
Geht alles, wenn der neue Arbeitgeber mitspielt, aber sicher nicht auf die Schnelle. Er hat schließlich noch keine Zulassung zum Examen.
 

Inania

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Und was genau heißt "das Klassenziel nicht erreicht"? Er hatte immer Top Noten und ist wie gesagt auch nicht mehr krank gewesen.
 

Vanilly

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Und was genau heißt "das Klassenziel nicht erreicht"? Er hatte immer Top Noten und ist wie gesagt auch nicht mehr krank gewesen.
Gute Frage, ich kann mir vorstellen, dass dies eventuell mit den 3 Abmahnungen zusammenhängt. Er soll den Aufhebungsvertrag aber keinesfalls unterschreiben! Sonst bekommt er erstmal eine 3 monatige Sperre bezüglich Arbeitslosengeld.

Letztendlich würde ich deinem Freund auch dringend raten, sich juristische Unterstützung zu suchen.
 

renje

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Grundsätzlich - wenn jemand die Ausbildung regelgerecht durchlaufen hat, hat er das Recht die Prüfung abzulegen.

Warum die Schule so blockiert kann ich mir aus deinem Beitrag auch nicht erklären

Ich glaub da ist mehr im Busch.
Den Eindruck habe ich auch.
3 Abmahnungen obwohl nachweislich der Zug nicht kommt, also unverschuldet? Sehr ungewöhnlich, dass ein AG darauf so reagiert, wenn sonst nichts im Busch ist.

Wenn die Nachprüfung schon am 22.11 stattfindet, warum ist eure/seine Reaktion so spät?
Warum lässt er das einfach so laufen, da gehts doch um SEINE ZUKUNFT!

Die Klassenkameraden Wissen das doch bestimmt schon einige Wochen?

Nun wurde ihm heute ein Aufhebungsvertrag vor die Nase gesetzt, mit der Drohung der fristlosen Kündigung falls er ihn nicht unterschreibt.
Wenn er das Beweisen kann, würde ich als Nötigung bewerten.
Was sagt denn der BR/PR/JAV zu dem gesamten Vorgang und diesem insbesonders?

Er hat aber nie etwas bekommen und auf Anfrage wird ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.
Auch eher ungewöhnlich, das kann doch nicht ausschlieslich aufgrund des verspäteten Zuges die Konsequenz sein? Meiner Meinung nur der Tropfen der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Ich hoffe wirklich jemand kann uns helfen.
Tja wie oben schon geschrieben, wenn der AG und die Schulleitung kein entgegenkommen zeigen, wirklich nur ein Anwalt mit einer einstweiligen Verfügung für die Zulassung zur Prüfung. Aber das wird verdammt knapp.

Wie oben schon geschrieben, andere Schule suchen die einen aufnimmt, alle Unterlagen zusammensuchen, Stundennachweise, Fehlzeiten etc. muss laut Gesetz jedes Schulverwaltungsprogramm auf Knopfdruck ausspucken, sollte also kein Problem sein.



Drüfen die ihn überhaupt jetzt noch fristlos kündigen?
Theoretisch ja, praktisch nein. Einen Schüler kurz vor Ausbildungsende zu kündigen ist so gut wie unmöglich, es sei denn er lässt sich was wirklich schwerwiegendes zu Schulden kommen und selbst dann hätte er das Recht die Prüfung abzulegen. Wir haben sogar schon mal eine Prüfung in der JVA durchgeführt, nach Bankraub.



Kann er kurzfristig in ein anderes Krankenhaus wechseln und dort sofort die Prüfung machen?
Nein natürlich nicht, warum sollten die ihn nehmen und ausserdem warum sollten die den großen Aufwand für ihn betreiben für die Vorbereitung und Durchführung einer Nachprüfung?
Evtl. im Frühjahr an einer Schule die dann sowieso eine Prüfung durchführt.

Soll er einfach zum Prüfungstermin auftauchen ohne das er benachrichtigt wurde?
Kann er schon, wird ihm aber nichts nützen, da er keine Prüfungszulassung hat.

Kann man überhaupt irgendwann mitten im Jahr den Betrieb wechseln oder geht das nur zum Halbjahr?
In dem Falle egal, da er die Ausbildung regelgerecht durchlaufen hat und da er ja nur in der Warteschleife sitzt bis zum nächsten Prüfungstermin. Eine weitere Ausbildung bräuchte er ja gar nicht mehr - nur noch die Prüfung.

das erstens sicher eine teure Angelegenheit
Ja billig wirds nicht. Aber 3Jahre ohne Abschluss auch nicht.
Verstehe immer wieder nicht, dass man bei einer solchen länger andauernden Konstellation nicht in Berufsverband oder Gewerkschaft ist oder einen Arbeitsrechschutz abgeschlossen hat. Nach so "läppischen" Abmahnungen sollte einem doch die Idee kommen, dass da was im Busche ist - ich verstehs nicht :gruebel:

und zweitens fördert das sicher nicht das wohlwollen der Lehrer in der mündlichen Prüfung.
und ohne Anwalt findet die Prüfung gar nicht statt so wie du schreibst!

Ich sehe 2 Möglichkeiten
1. Anwalt und Prüfung durchdrücken - wird zeitlich verdammt eng.
2. neue Schule suchen, die im Frühjahr die Prüfung durchführt und dort entweder anfangen, oder als externer zumindest die Prüfung ablegen. Ist das überhaupt eine Option mit dem ganzen Hintergrund?

und vor allem
Selbstreflektion, Selbstreflektion, Selbstreflektion
was ist MEIN Anteil (deines Freundes), dass es zu so einer Eskalation kommen konnte, dass man sich scheinbar so unversöhnlich gegenüber steht.
Ich behaupte Mal - der verspätete Zug wars sicher nicht.
 
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Inania

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Vielen, vielen Dank für die Antworten und die schnelle Hilfe.
Er wird am Montag ganz normal zum Schulblock gehen, natürlich nicht den Aufhebungsvertrag unterschreiben und sich an den Betriebsrat und gleichzeitig an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden. Jetzt heißt es abwarten und schauen was raus kommt.
 

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