Krank/Tourabbruch am Wochenende - (wie) ist das bei euch geregelt?

gewitterhexle

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Wir sind ein Mini-Pflegedienst: PDL plus 3 feste Mitarbeiter plus derzeit zwei Aushilfen im Wechsel (beide übernehmen keine Rufbereitschaft)

Am Wochenende arbeiten wir generell zu zweit (geteilte Dienste plus Rufbereitschaft), aktuell sind derzeit meist eine feste/verantwortliche Mitarbeiterin und eine Aushilfe zusammen geplant.
PDL und alle anderen Mitarbeiter haben frei!

Man stelle sich nun einmal vor, dass die verantwortliche Mitarbeiterin aus gesundheitlichen Gründen plötzlich ausfiele und keinen der im Frei befindlichen Mitarbeiter erreichte.

Was dann?
 

Martin H.

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Man stelle sich nun einmal vor, dass die verantwortliche Mitarbeiterin aus gesundheitlichen Gründen plötzlich ausfiele und keinen der im Frei befindlichen Mitarbeiter erreichte.

Was dann?
... die PDL anrufen.
Es ist die Pflicht der Leitung, für Ersatz für den kranken Mitarbeiter zu sorgen.
 

spflegerle

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Möglich wäre zB, dass sich mehrere Pflegedienste zusammenschliessen und in einer Art Kooperation gemeinsam einen Pool an Pflegekräften unterhalten, der für solche Einsätze rekrutiert werden kann. Kostet halt Geld und ist verwaltungstechnisch/vertraglich sicher kein ganz einfaches Konstrukt.
Aber man geht ja als Pflegedienstleister auch eine vertragliche Vereinbarung mit den Kunden ein und sichert ihnen darüber die Versorgung. Wenn die Versorgung nicht gesichert ist, wird es früher oder später zu Regressforderungen gegen den Pflegedienst kommen. Und das wird dann evtl. auch teuer.

Ein böser Gedanke wäre, wenn der Pflegedienst irgendwo im Kleingedruckten die Kunden unterschreiben lassen würde, dass eine kontinuierliche Versorgung nicht garantiert wird. Aber ob so etwas vor Gericht Bestand haben könnte?

Ein realistisches Szenario: der Pflegedienst verlässt sich darauf, das seine MitarbeiterInnen sich auch völlig arbeitsunfähig noch zum Dienst schleppen, einfach weil sie es nicht ertragen könnten, dass die Kunden leiden müssen. Oder war das jetzt zu zynisch?

Gruß spflegerle

PS: was heisst "RB"?
 

Martin H.

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Ein böser Gedanke wäre, wenn der Pflegedienst irgendwo im Kleingedruckten die Kunden unterschreiben lassen würde, dass eine kontinuierliche Versorgung nicht garantiert wird. Aber ob so etwas vor Gericht Bestand haben könnte?
Zumindest in der ambulanten Intensivpflege ist es so, daß im Extremfall (also wenn kein Mitarbeiter zum Einspringen erreicht werden kann) entweder Angehörige eine Schicht übernehmen oder der Patient schlicht und ergreifend in die Klinik eingewiesen wird.
Ein realistisches Szenario: der Pflegedienst verlässt sich darauf, das seine MitarbeiterInnen sich auch völlig arbeitsunfähig noch zum Dienst schleppen, einfach weil sie es nicht ertragen könnten, dass die Kunden leiden müssen. Oder war das jetzt zu zynisch?
Nö, halte ich nicht für zu zynisch. Sondern realistisch.
Gibt tatsächlich noch genug Kollegen, die tatsächlich so dämlich sind...
PS: was heisst "RB"?
Vermutlich Rufbereitschaft.
 

spflegerle

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...oder der Patient schlicht und ergreifend in die Klinik eingewiesen wird....
Das wäre dann mal wieder das Prinzip "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren". Keine schöne Lösung (aber aus Sicht der betroffenen Klienten wohl das kleinere Übel).

@gewitterhexle: da ihr ja offensichtlich schon eine Rufbereitschaft eingerichtet habt, sollte das doch auch funktionieren. Eine Rufbereitschaft sollte auch immer erreichbar sein, oder?

Gruß spflegerle
 

gewitterhexle

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Das wäre dann mal wieder das Prinzip "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren". Keine schöne Lösung (aber aus Sicht der betroffenen Klienten wohl das kleinere Übel).

@gewitterhexle: da ihr ja offensichtlich schon eine Rufbereitschaft eingerichtet habt, sollte das doch auch funktionieren. Eine Rufbereitschaft sollte auch immer erreichbar sein, oder?

Gruß spflegerle
RB hat die verantwortliche Pflegekraft, d.h. diejenige, die krankheitsbedingt ausfällt.
 

gewitterhexle

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Zumindest in der ambulanten Intensivpflege ist es so, daß im Extremfall (also wenn kein Mitarbeiter zum Einspringen erreicht werden kann) entweder Angehörige eine Schicht übernehmen oder der Patient schlicht und ergreifend in die Klinik eingewiesen wird.

Nö, halte ich nicht für zu zynisch. Sondern realistisch.
Gibt tatsächlich noch genug Kollegen, die tatsächlich so dämlich sind...

Vermutlich Rufbereitschaft.

Deshalb die Frage: was machen die, die NICHT so dämlich sein wollen *g*
 

Martin H.

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Das wäre dann mal wieder das Prinzip "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren".
Nicht unbedingt; nur wenn der ambulante Intensivpflegedienst einen privaten Träger hat.
Die PDL ist - wie die beiden anderen festen MA - im Frei und nicht erreichbar.
Das kann nicht sein.
Es muß immer eine Leitung erreichbar sein.
Es ist auch nicht Aufgabe einfacher Mitarbeiter, einen Ersatz herbeizutelefonieren.
 
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gewitterhexle

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Das kann nicht sein.
Es muß immer eine Leitung erreichbar sein.
Es ist auch nicht Aufgabe einfacher Mitarbeiter, einen Ersatz herbeizutelefonieren.
So weit die Theorie *bitter lach*
Es hat tatsächlich fast 2 Stunden gedauert, bis ich eine Kollegin erreicht habe - so lange wurden die Patienten nicht versorgt :(

Sich auf die Hinterbeine stellen und für ihre Rechte kämpfen?
Und nicht nur immer wieder einknicken?
Ich habe vor 2 min den Termin fürs Schnupperarbeiten beim (hoffentlich) neuen Arbeitgeber vereinbart ;)
 

gewitterhexle

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Möglich wäre zB, dass sich mehrere Pflegedienste zusammenschliessen und in einer Art Kooperation gemeinsam einen Pool an Pflegekräften unterhalten, der für solche Einsätze rekrutiert werden kann. Kostet halt Geld und ist verwaltungstechnisch/vertraglich sicher kein ganz einfaches Konstrukt.
Aber man geht ja als Pflegedienstleister auch eine vertragliche Vereinbarung mit den Kunden ein und sichert ihnen darüber die Versorgung. Wenn die Versorgung nicht gesichert ist, wird es früher oder später zu Regressforderungen gegen den Pflegedienst kommen. Und das wird dann evtl. auch teuer.
Ist es zynisch zu sagen, dass genau dieses Versprechen uns zum Wechsel zu einem anderen Träger bewegt hat... ?
Ein böser Gedanke wäre, wenn der Pflegedienst irgendwo im Kleingedruckten die Kunden unterschreiben lassen würde, dass eine kontinuierliche Versorgung nicht garantiert wird. Aber ob so etwas vor Gericht Bestand haben könnte?

Ein realistisches Szenario: der Pflegedienst verlässt sich darauf, das seine MitarbeiterInnen sich auch völlig arbeitsunfähig noch zum Dienst schleppen, einfach weil sie es nicht ertragen könnten, dass die Kunden leiden müssen. Oder war das jetzt zu zynisch?

Gruß spflegerle
Das scheint seitdem leider unsere neue Realität zu werden.
 

spflegerle

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Ist es zynisch zu sagen, dass genau dieses Versprechen uns zum Wechsel zu einem anderen Träger bewegt hat... ?
Und mit "uns" meinst du...?
Klingt so, als ob dein kleiner Pflegedienst bald ganz ohne Mitarbeiter dastehen würde.
Möglicherweise ist so eine Dienstleistung eben nicht mit einer beliebig kleinen Zahl an Mitarbeitern/Klienten organisatorisch führbar. Also für deinen jetzigen Arbeitgeber wäre eben so eine Kooperation oder schnelles eigenes Wachstum eine mögliche Lösung. Denn wenn bei nur einer Krankmeldung gleich 30% der Belegschaft fehlen, ist das einfach schwierig...

Aber du arbeitest ja offensichtlich bereits an einer Lösung für dich selbst.
Das ist heutzutage auch die beste und sinnvollste Lösung in unserer Branche: mit den Füßen abstimmen, wenn die Umstände nichts anderes mehr zulassen.
Mögest du nicht vom Regen in die Traufe kommen.

Gruß spflegerle
 

gewitterhexle

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Und mit "uns" meinst du...?
Klingt so, als ob dein kleiner Pflegedienst bald ganz ohne Mitarbeiter dastehen würde.
Möglicherweise ist so eine Dienstleistung eben nicht mit einer beliebig kleinen Zahl an Mitarbeitern/Klienten organisatorisch führbar. Also für deinen jetzigen Arbeitgeber wäre eben so eine Kooperation oder schnelles eigenes Wachstum eine mögliche Lösung. Denn wenn bei nur einer Krankmeldung gleich 30% der Belegschaft fehlen, ist das einfach schwierig...

Aber du arbeitest ja offensichtlich bereits an einer Lösung für dich selbst.
Das ist heutzutage auch die beste und sinnvollste Lösung in unserer Branche: mit den Füßen abstimmen, wenn die Umstände nichts anderes mehr zulassen.
Mögest du nicht vom Regen in die Traufe kommen.

Gruß spflegerle
Unser kleiner Pflegedienst ist im Laufe der letzten 40 (?) Jahre ganz natürlich daraus erwachsen, dasss die Arbeit für eine einzelne (Ordens-)Gemeindeschwester nicht mehr zu schaffen war. Wir waren ein eingeschworenes Team mit sieben Mitarbeitern, direkt der Kirche unterstellt, und haben hervorragende Arbeit geleistet. Das war sicher auch der Tatsache geschuldet, dass wir keinen Gewinn erwirtschaften durften...

Leider blieben auch wir vom Fachkräftemangel nicht verschont und fanden nicht immer Ersatz für ausscheidende (Rente, Umzug, Familiengründung) Kolleginnen, also gingen wir die Kooperation ein ... und dann wurde auch noch irgendeine Vorschrift im Kirchenrecht geändert, woraufhin der Träger unseres Kooperationspartners uns mit übernahm.
Seitdem geht es rapide abwärts :cry:
 

malu68

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Akt. Einsatzbereich
mal sehen....
Ich habe vor 2 min den Termin fürs Schnupperarbeiten beim (hoffentlich) neuen Arbeitgeber vereinbart ;)
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber... ich denke, dass ist das einzige, was wirklich Sinn macht.

Was sich gerade in so kleinen Pflegediensten abspielt, finde ich unglaublich. Ich war auch 2 Wochen in einem kleinen Pflegedienst angestellt - Gott sei Dank nur für Büroarbeiten - und was ich da mitbekommen hab, spottet jeder Beschreibung.
Arbeitszeitgesetze ? Was ist das?
korrekte Arbeitszeitabrechnung der Mitarbeiter? Wie geht das?
Und dann wundert sich die PDL, dass reihenweise die MA abwandern, weil sie seltsamerweise auch rechnen können und nicht selten auf eine Diskrepanz von 20 - 40 Stunden zu ihren Ungunsten kommen.... schon seltsam das....
Viele Tage durcharbeiten... Rückruf aus dem Urlaub... Arbeiten bei Krankheit aus falsch verstandener Loyalität zum Patienten.... und das für einen Hungerlohn, der als TOP-Gehalt ausgewiesen wird.
Aber mit Pflegehelfern kann man es ja machen.... nee, einfach widerlich, fast schon mafiös....
In solchen Diensten dürfte niemand mehr arbeiten wollen.... Ich finde es unfassbar, dass da vom MDK, von KK und von der Politik kein Riegel vorgeschoben wird.
 

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