Ich bin Vater einer Tochter, die in unserer Heimatstadt eine Krankenpflegeschule besucht. Da sie noch in unserem Haushalt lebt, bekomme ich ständig und live mit, wie die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen der Gesundheits- und Krankenpfleger.sind. Mein Fazit: Einfach erschreckend und Menschen verachtend!
Die Ungerechtigkeit im Vergleich zu jeder anderen Berufstätigkeit in der Freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst beginnt beim Arbeitsbeginn- und Ende. Da die Dienstkleidung nicht außerhalb der Klinik getragen werden darf (auf der Fahrt von bzw. nach Hause) fallen für das tägliche zweimalige Umkleiden mind. 20 Minuten an, die aber nicht als Arbeitszeit gerechnet werden. Dienst- bzw. Arbeitsbeginn ist der Zeitpunkt des Erscheinens auf der Station. Hinzu kommt, dass es den examinierten Schwestern als auch den Schülerinnen so gut wie nie möglich ist, pünktlich Feierabend zu machen. Irgendwie klappt das mit der Dienstübergabe nur selten. Das scheint nun wohl kein spezielles Problem in dieser Klinik zu sein. Vielmehr ist es so, dass je nach Station der Dienst kaum richtig planbar ist. Wenn kurz vor Schichtwechsel auf der oft unterbesetzten Station das Chaos ausbricht, ist eben nichts mit pünktlich Feierabend. Und das ist gar nicht selten, sondern eher die Regel. Schlussendlich kann man sagen, das über das Jahr gerechnet täglich mindestens 45 Minuten über das Soll gearbeitet wird. Über das gesamte Jahr gesehen sind das unter Berücksichtung von Urlaub und freien Tagen mind. 28 Tage Überstunden, die aber nicht geltend gemacht werden können. Eine Stempeluhr, in jedem modernen Betrieb heute selbstverständlich, gibt es in der Klinik nicht. Warum wohl?
Eine besondere Position nehmen in dieser ungerechten Arbeitswelt die Schwesternschülerinnen ein. Für sie scheint überhaupt kein Arbeitsrecht zu gelten. Wenn irgendwo Pflegenotstand herrscht (eigentlich immer und überall), müssen sie ran. Dienstpläne werden kurzfristig umgelegt, jede private Planung zunichte gemacht. Meine Tochter befindet sich jetzt im zweiten Ausbildungsjahr. Sie würde gern einmal mit ihren Freund gemeinsam im Urlaub in den Süden fliegen. Das war im vergangenen Jahr nur mit größten Mühen möglich. Warum? Der Urlaub wird von der Administration geplant, der Zeitpunkt ohne Nachfrage persönlicher Interessen zeitlich festgelegt. Meine Tochter hatte Glück, überhaupt im Sommer Urlaub nehmen zu können. Allerdings nur 14 Tage. Dadurch bedingt war auch nur ein neuntägiger Urlaub mit Freund in der Türkei möglich. Wie es dieses Jahr wird ist noch völlig unklar.
Weihnachten: Alle Examinierten hatten Weihnachten und Neujahr jeweils einen freien Tag. Alle Schwesternschülerinnen des Jahrgangs aber nicht. Meine Tochter musste Heiligabend und an beiden Weihnachtsfeiertagen arbeiten.
Freie Tage: Wegen der 7-Tage Woche gibt’s ja bekanntlich alle 14 Tage einen Tag frei. Theoretisch. Die Praxis sieht allerdings so aus, dass die Schwesternschülerinnen auf der Station unentbehrlich sind. Die Folge ist, dass die freien Tage nicht selten bis Ende der Dienstzeit auf einer Station „geschoben“ werden. Auf der nächsten Station, auf der die Schwesternschülerinnen dann eingesetzt werden, sieht die Pflegedienstleitung es dann aber nicht ein, dass sie die freien Tage, die die Schülerin auf einer anderen Station erarbeitet hat, übernehmen soll. Tja, das war´s dann mit den freien Tagen.
Die eingangs erwähnten 28 Tage unvergüteter Überstunden jährlich stellen somit lediglich das absolute Minimum dar. Real sind es noch mehr.
Und weiter: Welcher Arbeitnehmer ist wohl bereit 21 Tage ohne einen freien Tag durchzuarbeiten? Und dabei noch gar nicht selten an einem Tag Spätschicht bis 21.00Uhr und am nächsten Tag Frühschicht ab 6.00Uhr? Das gibt’s nicht? Doch, das gibt es. Das ist im Pflegeberuf Standard!
Ich könnte noch viel mehr schreiben. Nur eins noch, was mich sehr nachdenklich stimmte: Innere Station, ein alter Mensch, noch relativ klar denkend, liegt im Sterben. Angehörige gibt es nicht bzw. sind nicht anwesend. Meine Tochter erhält die Aufgabe zu diesem Menschen zu gehen um ihn bis zu seinem Tode zu begleiten. Dies vollkommen unvorbereitet. Ein Sterbeseminar findet erst in diesem Jahr statt. Kann das sein? Ist das ok, dass ein ganzes Pflegeteam einer Station ihre jüngste Schülerin zur Sterbebegleitung allein zu einem Sterbenden schickt? Sicherlich nicht! Nebenbei: Ich glaube, dass meine Tochter diese Aufgabe gut gemacht hat. Aber es war schon ein kleiner Schock.
Nun frage ich: Wo soll da die Motivation für den dringend benötigten Nachwuchs herkommen? Grundsätzlich ist die Motivation bei jungen Menschen, einen Beruf im sozialen oder pflegerischen Bereich zu ergreifen noch da. Aber wie lange noch? Längst hat es sich an den Schulen herumgesprochen, dass die Schwesterntätigkeit härteste Knochenarbeit bei Niedrigstlohn ist. Nach eigenen Erkundungen ist es bereits so, dass die Krankenpflegeschulen bereits Probleme damit haben, wirklich geeignete Bewerber/Bewerberinnen in ausreichender Zahl zu erhalten. Wer will schon auf so viele Dinge im Leben verzichten, die für jeden anderen Menschen an einem anderen Arbeitsplatz selbstverständlich sind? Es ist schon irgendwie komisch: Jede Klinik wird heute unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Betriebswirtschaftler, Manager und Controller bestimmen knallhart und erbarmungslos den Klinikalltag. Der Mensch ist da längst in den Hintergrund gerückt, der caricative Gedanke vergessen. Seltsam, beim Pflegepersonal wird dies aber wiederum verlangt. Wenn da jemand nach dem Dienst (aber immer noch auf der Station) auf die Uhr schaut, ist das schon ein Verbrechen.
Ich finde es beschämend, wie im Klinikbereich mit Untergebenen, insbesondere mit Schwesternschülerinnen umgegangen wird. Das Arbeitsrecht wird hier geradezu mit Füßen getreten. Welcher Mensch hält das auf Dauer aus? Kann man es verantworten, vollkommen erschöpfte Krankenschwestern Dienst am kranken Menschen leisten zu lassen, wo ständig eine hohe Konzentration und Gewissenhaftigkeit gefordert ist? Wer trägt die Folgen dafür, wenn eine mit den Nerven blank liegende oder total übermüdete Schwester einem Patienten die falsche Injektion, die falsche Infusion oder das falsche Medikament oder auch nur die falsche Dosierung mit u.U. verheerenden Auswirkungen für den Patienten verabreicht? Ich bin davon überzeugt, dass so etwas täglich irgendwo in einer Klinik vorkommt.
Meine Tochter liebt im Grunde genommen die Arbeit in der Klinik. Sie ist allseits beliebt, hat beste Beurteilungen aus den Klinikabteilungen und sehr gute Zeugnisse in der Krankenpflegeschule. Aber es kommen jetzt auch Zweifel. Zweifel dahingehend, ob sie diesen Beruf unter diesen Bedingungen auch auf Dauer ausüben kann. Sie berichtet zu Hause von gestandenen Schwestern mit vielen Jahren Berufserfahrung, die fix und fertig sind. Schwestern, die während der Arbeit mit Schwächeanfällen zusammenbrechen oder unter Weinkrämpfen im Dienstzimmer sitzen, unfähig, überhaupt noch klar zu denken. Das macht den angehenden Schwestern oder neudeutsch „Gesundheits- und Krankenpfleger/in“ Angst. Angst davor, dass es ihnen später genauso ergehen könnte.
Mein Fazit: Der Beruf des/der Gesundheits- und Krankenpfleger/in an sich ein sehr schöner Beruf. Wer die richtige Einstellung zu diesem Beruf hat, sozial engagiert ist und sich gern für kranke und hilfsbedürftige Menschen einsetzt, dem kann dieser Beruf auch viel geben. Leider ist es derzeit nur so, dass die immer schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals und die für diese Tätigkeit geradezu schändliche Entlohnung junge Menschen nicht gerade motiviert, eine Berufsausbildung im pflegerischen Bereich anzustreben. Das wird wohl dazu führen, das wir in der Zukunft in unseren Kliniken neben immer mehr Ärzten aus dem Ausland auch immer mehr fremdländisches Pflegepersonal beschäftigen werden bzw. müssen. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt. Dann können die auch wie polnische oder rumänische Erntehelfer bei Bedarf eingesetzt und vor allen Dingen auch entlohnt werden.
Vielleicht denken die Verantwortlichen einmal darüber nach!
Die Ungerechtigkeit im Vergleich zu jeder anderen Berufstätigkeit in der Freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst beginnt beim Arbeitsbeginn- und Ende. Da die Dienstkleidung nicht außerhalb der Klinik getragen werden darf (auf der Fahrt von bzw. nach Hause) fallen für das tägliche zweimalige Umkleiden mind. 20 Minuten an, die aber nicht als Arbeitszeit gerechnet werden. Dienst- bzw. Arbeitsbeginn ist der Zeitpunkt des Erscheinens auf der Station. Hinzu kommt, dass es den examinierten Schwestern als auch den Schülerinnen so gut wie nie möglich ist, pünktlich Feierabend zu machen. Irgendwie klappt das mit der Dienstübergabe nur selten. Das scheint nun wohl kein spezielles Problem in dieser Klinik zu sein. Vielmehr ist es so, dass je nach Station der Dienst kaum richtig planbar ist. Wenn kurz vor Schichtwechsel auf der oft unterbesetzten Station das Chaos ausbricht, ist eben nichts mit pünktlich Feierabend. Und das ist gar nicht selten, sondern eher die Regel. Schlussendlich kann man sagen, das über das Jahr gerechnet täglich mindestens 45 Minuten über das Soll gearbeitet wird. Über das gesamte Jahr gesehen sind das unter Berücksichtung von Urlaub und freien Tagen mind. 28 Tage Überstunden, die aber nicht geltend gemacht werden können. Eine Stempeluhr, in jedem modernen Betrieb heute selbstverständlich, gibt es in der Klinik nicht. Warum wohl?
Eine besondere Position nehmen in dieser ungerechten Arbeitswelt die Schwesternschülerinnen ein. Für sie scheint überhaupt kein Arbeitsrecht zu gelten. Wenn irgendwo Pflegenotstand herrscht (eigentlich immer und überall), müssen sie ran. Dienstpläne werden kurzfristig umgelegt, jede private Planung zunichte gemacht. Meine Tochter befindet sich jetzt im zweiten Ausbildungsjahr. Sie würde gern einmal mit ihren Freund gemeinsam im Urlaub in den Süden fliegen. Das war im vergangenen Jahr nur mit größten Mühen möglich. Warum? Der Urlaub wird von der Administration geplant, der Zeitpunkt ohne Nachfrage persönlicher Interessen zeitlich festgelegt. Meine Tochter hatte Glück, überhaupt im Sommer Urlaub nehmen zu können. Allerdings nur 14 Tage. Dadurch bedingt war auch nur ein neuntägiger Urlaub mit Freund in der Türkei möglich. Wie es dieses Jahr wird ist noch völlig unklar.
Weihnachten: Alle Examinierten hatten Weihnachten und Neujahr jeweils einen freien Tag. Alle Schwesternschülerinnen des Jahrgangs aber nicht. Meine Tochter musste Heiligabend und an beiden Weihnachtsfeiertagen arbeiten.
Freie Tage: Wegen der 7-Tage Woche gibt’s ja bekanntlich alle 14 Tage einen Tag frei. Theoretisch. Die Praxis sieht allerdings so aus, dass die Schwesternschülerinnen auf der Station unentbehrlich sind. Die Folge ist, dass die freien Tage nicht selten bis Ende der Dienstzeit auf einer Station „geschoben“ werden. Auf der nächsten Station, auf der die Schwesternschülerinnen dann eingesetzt werden, sieht die Pflegedienstleitung es dann aber nicht ein, dass sie die freien Tage, die die Schülerin auf einer anderen Station erarbeitet hat, übernehmen soll. Tja, das war´s dann mit den freien Tagen.
Die eingangs erwähnten 28 Tage unvergüteter Überstunden jährlich stellen somit lediglich das absolute Minimum dar. Real sind es noch mehr.
Und weiter: Welcher Arbeitnehmer ist wohl bereit 21 Tage ohne einen freien Tag durchzuarbeiten? Und dabei noch gar nicht selten an einem Tag Spätschicht bis 21.00Uhr und am nächsten Tag Frühschicht ab 6.00Uhr? Das gibt’s nicht? Doch, das gibt es. Das ist im Pflegeberuf Standard!
Ich könnte noch viel mehr schreiben. Nur eins noch, was mich sehr nachdenklich stimmte: Innere Station, ein alter Mensch, noch relativ klar denkend, liegt im Sterben. Angehörige gibt es nicht bzw. sind nicht anwesend. Meine Tochter erhält die Aufgabe zu diesem Menschen zu gehen um ihn bis zu seinem Tode zu begleiten. Dies vollkommen unvorbereitet. Ein Sterbeseminar findet erst in diesem Jahr statt. Kann das sein? Ist das ok, dass ein ganzes Pflegeteam einer Station ihre jüngste Schülerin zur Sterbebegleitung allein zu einem Sterbenden schickt? Sicherlich nicht! Nebenbei: Ich glaube, dass meine Tochter diese Aufgabe gut gemacht hat. Aber es war schon ein kleiner Schock.
Nun frage ich: Wo soll da die Motivation für den dringend benötigten Nachwuchs herkommen? Grundsätzlich ist die Motivation bei jungen Menschen, einen Beruf im sozialen oder pflegerischen Bereich zu ergreifen noch da. Aber wie lange noch? Längst hat es sich an den Schulen herumgesprochen, dass die Schwesterntätigkeit härteste Knochenarbeit bei Niedrigstlohn ist. Nach eigenen Erkundungen ist es bereits so, dass die Krankenpflegeschulen bereits Probleme damit haben, wirklich geeignete Bewerber/Bewerberinnen in ausreichender Zahl zu erhalten. Wer will schon auf so viele Dinge im Leben verzichten, die für jeden anderen Menschen an einem anderen Arbeitsplatz selbstverständlich sind? Es ist schon irgendwie komisch: Jede Klinik wird heute unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Betriebswirtschaftler, Manager und Controller bestimmen knallhart und erbarmungslos den Klinikalltag. Der Mensch ist da längst in den Hintergrund gerückt, der caricative Gedanke vergessen. Seltsam, beim Pflegepersonal wird dies aber wiederum verlangt. Wenn da jemand nach dem Dienst (aber immer noch auf der Station) auf die Uhr schaut, ist das schon ein Verbrechen.
Ich finde es beschämend, wie im Klinikbereich mit Untergebenen, insbesondere mit Schwesternschülerinnen umgegangen wird. Das Arbeitsrecht wird hier geradezu mit Füßen getreten. Welcher Mensch hält das auf Dauer aus? Kann man es verantworten, vollkommen erschöpfte Krankenschwestern Dienst am kranken Menschen leisten zu lassen, wo ständig eine hohe Konzentration und Gewissenhaftigkeit gefordert ist? Wer trägt die Folgen dafür, wenn eine mit den Nerven blank liegende oder total übermüdete Schwester einem Patienten die falsche Injektion, die falsche Infusion oder das falsche Medikament oder auch nur die falsche Dosierung mit u.U. verheerenden Auswirkungen für den Patienten verabreicht? Ich bin davon überzeugt, dass so etwas täglich irgendwo in einer Klinik vorkommt.
Meine Tochter liebt im Grunde genommen die Arbeit in der Klinik. Sie ist allseits beliebt, hat beste Beurteilungen aus den Klinikabteilungen und sehr gute Zeugnisse in der Krankenpflegeschule. Aber es kommen jetzt auch Zweifel. Zweifel dahingehend, ob sie diesen Beruf unter diesen Bedingungen auch auf Dauer ausüben kann. Sie berichtet zu Hause von gestandenen Schwestern mit vielen Jahren Berufserfahrung, die fix und fertig sind. Schwestern, die während der Arbeit mit Schwächeanfällen zusammenbrechen oder unter Weinkrämpfen im Dienstzimmer sitzen, unfähig, überhaupt noch klar zu denken. Das macht den angehenden Schwestern oder neudeutsch „Gesundheits- und Krankenpfleger/in“ Angst. Angst davor, dass es ihnen später genauso ergehen könnte.
Mein Fazit: Der Beruf des/der Gesundheits- und Krankenpfleger/in an sich ein sehr schöner Beruf. Wer die richtige Einstellung zu diesem Beruf hat, sozial engagiert ist und sich gern für kranke und hilfsbedürftige Menschen einsetzt, dem kann dieser Beruf auch viel geben. Leider ist es derzeit nur so, dass die immer schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals und die für diese Tätigkeit geradezu schändliche Entlohnung junge Menschen nicht gerade motiviert, eine Berufsausbildung im pflegerischen Bereich anzustreben. Das wird wohl dazu führen, das wir in der Zukunft in unseren Kliniken neben immer mehr Ärzten aus dem Ausland auch immer mehr fremdländisches Pflegepersonal beschäftigen werden bzw. müssen. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt. Dann können die auch wie polnische oder rumänische Erntehelfer bei Bedarf eingesetzt und vor allen Dingen auch entlohnt werden.
Vielleicht denken die Verantwortlichen einmal darüber nach!



