Infusion läuft nicht - was nun?

Tubus bitte

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Hallo, ich würde gerne wissen, wie ich mich "examensgerecht" verhalte, falls ich eine Infusion anschließe und diese nicht läuft. Normalerweise bewege ich in einem solchen Fall zuerst den Arm, an dem sich die Venenverweilkanüle befindet, um eine bessere Position zu finden. Dann bewege ich die VVK selbst ein klein wenig.

Jetzt habe ich gehört, dass man auch die Rollklemme wieder schließen kann und man dann den patientennahen Teil des Infusionsschlauches so stark zusammendrückt, dass die VVK "durchgespült" wird. Ist das erlaubt? Wie sollte ich mich in der Prüfung verhalten?

Vielen Dank!
 
Nein, das ist nicht erlaubt, dann könnte man die VVK auch gleich anspülen. Erlaubt sind nur Deine bisherigen Maßnahmen und der Versuch Blut zu aspirieren. Wenn die Infusion dann nicht läuft, informiert man den Arzt, zieht die VVK raus und richtet eine Neue.
 
Ich würde die Kanüle nicht gleich rausziehen, sondern belassen. Die meisten Ärzte spülen einfach nur an - in den meisten Fällen ist das erfolgreich und der Patient muss nicht erneut gestochen werden. Wenn dem Arzt das Risiko beim Anspülen zu groß ist, dann wird er die alte Kanüle schon selbst ziehen (oder es dann an dich delegieren).
Liegt die Kanüle allerdings sichtbar para, dann natürlich ziehen!


Gruß
Die Anästhesieschwester
 
"Examensgerecht" hast Du es schon beschrieben und genau so sollte man es machen.

In der Praxis jedoch nehm ich z.B. das System kurz vor der Flexüle in eine Schlaufe und drehe diese zusammen,somit wird die Flexüle angespült und man erspart sich meistens das Durchspülen mit ner Spritze NaCl.
Im Bedarfsfall gibt's eben ne neue,machen wir allerdings alles selber.
 
Examensgerecht kann auch sein:


  1. Patient/in über Maßnahme informieren
  2. Hände desinfizieren
  3. Richten einer 5 ml Spritze mit 2,5 ml NaCl 0,9% zum aspirieren und ggfs. anspülen.
  4. Handschuhe anziehen (unsterile), darüber ist durchaus auch noch mal ein desinfizieren erlaubt (das würde ich allerdings abklären mit der Fachkraft für Hygiene + Begründung einfordern).
  5. Diskonnektion der Infusionsleitung von der Viggo + Stöpsel auf die Leitung setzen.
  6. Dann Desinfektion des Viggokonus und 30 sec. warten, dann die 5 ml Spritze ansetzen unter sterilen Kautelen und versuchen zu aspirieren (wenn möglich, dann anspülen). Dann einen Mandrin in die Viggo schieben.
  7. Dann die Infusionsleitung nehmen und über z.B. einem Abfallbehälter oder in eine Nierenschale auf dem Nachttischschrank durchspülen. Bitte Alles mit Handschuhen. Ggfs. vorher über einen Wechsel nachdenken und natürlich zwischen jeder Maßnahme Hände desinfizieren. In diesem Falle lieber einmal zu viel die Handschuhe gewechselt, als zu wenig. Denn in der Wirtschaftlichkeit Punktabzug zu erhalten ist wesentlich besser, als in der Hygiene. (Hygieneskandale u.a.).
  8. Dann die Infusionsleitung am Konus desinfizieren: 30 sec. warten und dann wieder an die Viggo anschließen. Wenn es dann nicht läuft, dann nochmal ggfs. nach der Fixierung schauen. Ggfs. auch unter den Verband schauen. Dabei allerdings immer bedenken: Sich immer Alles im Vorfeld richten und den Patienten/in über jegliche Maßnahme informieren.
Wenn es dann ziemlich geknickt, gerötet oder dick ausschaut, dann die Viggo umgehend ziehen und den Arzt umgehend informieren. Dafür schon wieder Alles herrichten, so dass er ohne Zeitverlust eine neue Viggo legen kann.

P.S.: Frage bitte nochmal nach, ob Du eine neue Infusionsleitung verwenden musst, damit es Examensgerecht bleibt.
 
...
Handschuhe anziehen (unsterile), darüber ist durchaus auch noch mal ein desinfizieren erlaubt (das würde ich allerdings abklären mit der Fachkraft für Hygiene + Begründung einfordern). ...

Einmalhandschuhe dürfen nicht desinfiziert werden. Es kann zu Mikroläsionen führen.
 
Hast Du denn keinen Mentor oder nen PA,den Du nochmal löchern kannst ?
Is jetzt nicht böse gemeint,aber ich war immer der Meinung,daß solche Dinge theoretisch wie praktisch gelehrt werden :gruebel: ?
Ich persönlich bin keine PA oder Mentorin,deswegen kann ich da nicht wirklich was zu sagen,aber der Vorschlag von pericardinchen liest sich erstmal gut...wenn's auch zeitraubend ist und im Notfall zu lange dauert.
 
Vielen Dank für die, teils sehr ausführlichen, Antworten! Ich habe Mentor und PA, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es doch noch einige Unterschiede gibt, zwischen dem, was ein Mentor bzw. PA verlangt und dem, was "die Schule" verlangt.

@pericardinchen: Warum sollte man noch anspülen? Angenommen, ich aspiriere tatsächlich einen Thrombus, dann wäre es doch fatal, mit der gleichen Spritze wieder zu spülen, oder?
 
Nein, das ist nicht erlaubt, dann könnte man die VVK auch gleich anspülen.

wieso ist das nicht erlaubt? wegen der gefahr einen thrombus evtl. zu lösen? ich bin selbst noch schüler, hatte das thema noch nicht in der schule und erlebe das nur in der praxis.
 
wieso ist das nicht erlaubt? wegen der gefahr einen thrombus evtl. zu lösen?

Korrekt. Die Schulen haben ganz panische Angst davor. Bei gefühlten 10000 durchgespülten Zugängen ist bei mir allerdings noch nie was passiert. Was natürlich nicht heißen soll, dass man das tun soll. Vor allem Schüler nicht! ;)
 
Vielen Dank für die, teils sehr ausführlichen, Antworten! Ich habe Mentor und PA, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es doch noch einige Unterschiede gibt, zwischen dem, was ein Mentor bzw. PA verlangt und dem, was "die Schule" verlangt.

@pericardinchen: Warum sollte man noch anspülen? Angenommen, ich aspiriere tatsächlich einen Thrombus, dann wäre es doch fatal, mit der gleichen Spritze wieder zu spülen, oder?

Ja dann natürlich wegschmeissen!
 
Einmalhandschuhe dürfen nicht desinfiziert werden. Es kann zu Mikroläsionen führen.

Wird unterschiedlich gelehrt und es gibt unterschiedliche Meinungen darüber. Wo steht das geschrieben, dass man das nicht darf? Vielleicht meintest Du damit Empfehlung z.B. durch das RKI o.ä.?

Grundsätzlich ist eine Desinfektion eines unsterilen Handschuhs nicht verkehrt. Mikroläsionen können immer entstehen. Auch durch schlechte Produkte und ebenso durch unsachgemäßen Umgang.
Ein unsteriler Handschuh leidet nicht gleich darunter, denn dann dürfte man keinerlei Flächendesinfektionsmittel mehr mit unsterilen Handschuhen anpacken. Das wäre ja fatal für die eigene Haut. Mikroläsionen entstehen dabei garantiert, da es sich um wesentlich aggressivere Desinfektionslösungen handelt, als die normalen Handdesinfektions- oder Hautdesinfektionsmittel.
 
Vielleicht sollte man sich an die Vorgaben des Herstellers halten? Einfach nachguggen was der sagt.
 
Wir dürfen unsere Desinfektionsmittel gar nicht mit normalen Handschuhen anfassen. Da gibts extra Handschuhe für.
 
wie jetzt... ihr spült viggos wirklich nicht selbst, wenn die infusion nicht weiterläuft??

oder ist das nur die offizielle version, an die sich eh keiner hält?
 
wie jetzt... ihr spült viggos wirklich nicht selbst, wenn die infusion nicht weiterläuft??

oder ist das nur die offizielle version, an die sich eh keiner hält?

Es geht um Schüler im Allgemeinen und um Prüfungssituationen im Besondern.
Geht aus dem Thread auch eindeutig hervor...:roll:
 
Ich habe in den vergangenen 6 Jahren an drei verschiedenen Schulen in drei verschiedenen Bundesländern gearbeitet. Die VVK anzuspülen war an keiner Schule erlaubt. Es geht dabei tatsächlich um das Risiko einen Thrombus zu lösen.
An einer Schule war es den Schülern noch nicht einmal erlaubt, eine Infusion alleine umzustecken oder anzuhängen, das durften sie nur unter der Aufsicht einer Fachkraft. Ob das praxisgerecht ist, steht auf einem anderen Blatt.
 
Wir haben das Mandrain System gar nicht mehr. Wir arbeiten jetzt mit diesem System BD Q-Syte™ Luer Access Split Septum Da schreibt der Hersteller vor das man vor dem Anhängen und nach dem Abstöpseln einer Infusion die Viggo mit NaCl spült
 

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