Schwieriges Thema...
Ich versuche mich gerade zu entscheiden, ob ich nun tatsächlich mal selber Mobber gewesen bin oder nicht.
Ein Team in einem Altenheim. Ca 30 Pflegekräfte, 25 davon weiblich.
Überfordert waren alle. Zuviel Arbeit, zuviel Unzufriedenheit. Die PDL hat in 8 Jahren 5x gewechselt. Teilweise wurde das Team von einer stellvertretenden PDL "geleitet", bis wieder eine PDL gefunden war.
Es hat nichts funktioniert. Die Absprachen wurden nicht eingehalten, man hat sich nicht geholfen, jeder hatte seinen Dreck alleine wegzumachen und wehe, wehe, einer hat die Kaffeetasse des anderen aus Versehen ausm Schrank geholt und benutzt!
Das Ganze nahm sehr perfide Formen an.
Eine Kollegin (die später Suizid begangen hat), ging mit schweren grippalen Infekt inkl. Fieber und Schüttelfrost arbeiten, weil sie Angst hatte um ihren Job.
Kommentar ausm Team: selber schuld.
Eine PDL versuchte wirklich, den Karren ausm Dreck zu ziehen. Sie half, wo sie konnte, sie schob Schichten zwischen ihren PDL-Pflichten, sie blieb am Wochenende im Haus, um nachts diverse Dinge zu erledigen und dann frühmorgens einen Frühdienst zu laufen, weil wir kein Personal hatten.
Reaktion vom Team: selber schuld
Als mein Vater starb und ich zur Beerdigung wollte, hab ich mit der PDL ausgemacht, dass ich das WE raustausche, weil ich Dienst gehabt hätte.
Natürlich hätte ich mich auch einfach krank melden können.
Ich wollte es nicht, weil ich wusste, wie knapp die Besetzung war.
Ich versuchte den Dienst zu tauschen.
Ich fragte 3 MA, die alle wussten, worum es geht.
Kommentare:
Puuhhhh, also ich weiß nich.... neee, eigentlich wollt ich das Wochenende endlich mal wieder ausschlafen und shoppen gehen.
Tauschen? Wegen ner Beerdigung? Ist doch nicht mein Problem!
Dein Wochenende übernehmen? Neee, du hast Frühdienst, ich will lieber Spätdienst machen, damit ich abends weggehen kann. Kino und Disco und so.
Die PDL musste es regeln. Sie verfügte per Dienstanweisung, wer mein Wochenende zu übernehmen hatte.
Irgendwann machte ich mit. Ich hatte die Schnauze voll. Keiner war nett, keiner half, wenn man Schwierigkeiten hatte, jeder lästerte über den anderen.
Ich hielt mich lange raus - dagegen angehen konnte ich nicht, ich wusste nicht wie.
Dann fing ich auch an zu lästern. Ich war unglücklich und unzufrieden. Eine Kollegin hatte ich besonders im Auge. Wenn sie mit mir Dienst hatte, habe ich boykottiert. Ich hab mich nicht an Absprachen gehalten, ich hab ihr Informationen vorenthalten, sie angeschwiegen, mich auf keine Diskussion eingelassen und mich regelrecht gefreut, wenn ich gemerkt habe, dass ich ihr das Leben schwer gemacht habe.
Entschuldigt habe ich es vor mir selber mit "wie du mir, so ich dir"
Es verselbständigt sich irgendwann. Das ist ein Kreislauf, aus dem man nicht mehr rauskommt, weil die Fronten sich immer mehr verhärten.
Hilfe von "oben" war nicht zu kriegen. Das Team ging auch gegen die PDL vor und hat sich viel Mühe gegeben, ihr das Leben schwer zu machen.
Zumindest da hab ich nicht mitgemacht.
Klingt wie ne Rechtfertigung.... Ist es wohl auch.
Ich hab mich auf die eine Kollegin "beschränkt" Ich denke, sie hatte irgendwann Angst vor mir und wir beide versuchten zu verhindern, dass wir zusammen arbeiten müssen.
Ich bin wenige Wochen später gegangen. Ich hab es nicht mehr ausgehalten. Ich hab mich selber nicht im Spiegel angucken können und ich war nur unzufrieden. Alles in mir hat sich gesträubt, zur Arbeit zu gehen.
Rückblickend würde ich sagen, ja - in diesem Haus wurde gemobbt und wird wahrscheinlich immer noch gemobbt, weil sich keiner wehren kann oder will, weil keiner weiß, wie er sich wehren könnte, außer den Arbeitgeber zu wechseln.
Das Einzige, wie man das aufhalten könnte, wäre eine Veränderung der Teamzusammensetzung und vor allem eine Aufstockung des Personalschlüssels. Solange man weiterhin Schichten schieben muss, wo man mittags halb 2 noch Bewohner waschen muss, weil man es vorher nicht geschafft hat, keine Pausen machen kann, geteilte Schichten schieben muss und Überstunden ansammelt, sich nicht mehr ans Telefon traut, weil man davon ausgeht, dass es der Arbeitgeber ist, der mal wieder einen freien Tag wegnimmt....
...solange wird dort weitergemobbt, weil es zumindest in diesem Team die einzige Möglichkeit scheint, seinen Frust loszuwerden.