Erfahrung mit VRE im Analbereich?

M!aren

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Wir haben eine Patientin mit VRE Keim im Analbereich aus dem Krankenhaus bekommen. Sie ist ausserdem dialysepflichtig und hat einen meist schlecht verpflasterten Zugang am Schlüsselbein.Ich ziehe doppelte Handschuhe und 1x Schürze an um sie mit tgl wechselnden Waschlappen und Handtüchern im Intimbereich im Bett zu waschen. Die Schüssel wird von mir desinfiziert, ebenso der Toilettenstuhl. (Für die weitere Pflege verwerfe ich dann Schürze und "oberes" Paar Handschuhe.)
Problem ist, dass die Patientin auch selbst auf Toilette und Toilettenstuhl geht, es mit der Hygiene aber nicht so genau nimmt. Im Haushalt sind die Enkel im Kleinkindalter, die auch gern mal mit dem Toilettenstuhl oder der netten grünen Schüssel spielen...
Ich habe den Angehörigen schon mehrfach ins Gewissen geredet, aber ohne Erfolg.
Irgendwie finde ich keine richtigen handfesten Angaben für den Umgang im häuslichen Bereich mit VRE. Auch nicht vom RKI.
Anscheinend kann man den ja nicht sanieren und er hält sich wohl lange...

Hat jemand Erfahrungen, Tipps... ?
 
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Gelöschter User 54276

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Ich habe nicht viel Erfahrung mit VER Keimen im häuslichen Bereich, aber eins finde ich bedenklich "schlecht verpflasterte Eintrittsstelle" des Dialysekatheters. Hier können schnell Keime eindringen und entweder den für die Patientin lebenswichtigen Katheter infizieren oder auch zu einer Sepsis führen.
Hast Du eine Art "Verbindungsheft" mit dem Zentrum? Wie ist der Katheter versorgt?
Wir verwenden wasserundurchlässige Transparentverbände, damit der Patient sich waschen/duschen kann (wobei man allerdings trotzdem das Wasser nicht direkt drüberlaufen lassen sollte).
Schreib das dem Zentrum mal. Die sollten auch ein Interesse daran haben, den Katheter ordentlich zu versorgen, damit er sich nicht infiziert.
Ich weiss, das beantwortet Deine Frage nach dem Keim nicht. Aber ich halte es trotzdem für wichtig.
 
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matras

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Grundsätzlich ist der Umgang mit VRE kein anderer als mit anderen MRE. Auch die Vancomycin-Resistente-Enterokokken sind nicht krankmachender als andere Keime. Insofern ist es wichtig bei der Versorgung des Zentralen Zugangs an der Clavicula die notwendige hygienische Sorgfalt zwingend zu beachten! Hygienische Händedesinfektion und umsichtige Asepsis, Non-touch-Technik und penible Sorgfalt sind hier ausschlaggebend! Die Keime "kriechen" nicht in die Eintrittspforte, können aber durch Unvorsichtigkeit schnell nach dort verbracht werden und dann muss der Katheter leider entfernt werden!
Die Übrigen von Dir beschriebenen Maßnahmen sind bis auf die doppelten Handschuhe nicht unbedingt falsch. Jedoch sind die doppelten Handschuhe übertrieben, hier ist es wichtiger die Indikationen zur hygienischen Händedesinfektion nach der ASH zu kennen und durchzuführen, als sich auf die Handschuhe zu verlassen!
 
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Gelöschter User 54276

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Grundsätzlich ist der Umgang mit VRE kein anderer als mit anderen MRE. Auch die Vancomycin-Resistente-Enterokokken sind nicht krankmachender als andere Keime. Insofern ist es wichtig bei der Versorgung des Zentralen Zugangs an der Clavicula die notwendige hygienische Sorgfalt zwingend zu beachten! Hygienische Händedesinfektion und umsichtige Asepsis, Non-touch-Technik und penible Sorgfalt sind hier ausschlaggebend! Die Keime "kriechen" nicht in die Eintrittspforte, können aber durch Unvorsichtigkeit schnell nach dort verbracht werden und dann muss der Katheter leider entfernt werden!

Das meine ich auch nicht. Aber es geht darum, dass offenbar das Dialysezentrum den Katheter nachlässig verbindet nach der Dialyse. Das geht gar nicht. Alle möglichen Keime (alle voran die in Nase und Rachenraum) können dann eindringen und zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Daher mein Vorschlag, dass @M!aren diesbezüglich mit dem Zentrum Kontakt aufnimmt, damit die den Katheter ordnungsgemäss verbinden. Wir ziehen uns beim Anschliessen und Abnehmen von Patienten mit solchen Kathetern sogar steril an (Haube/Mund/Naseschutz/Kittel/Handschuhe, und Maske auch für den Patienten) und arbeiten zu zweit, mit einer "unsterilen" Kollegin maschinenseitig. Man kann das gar nicht ernst genug nehmen.
 
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Moin M!aren !

Dokumentiere sorgfältig :
- Wen hast Du zum Thema "Hygiene bei VRE" beraten ?
- Inhalte der Beratung ? (ausführlich / Punkt für Punkt / ggf. Merkblatt anheften)
- Ort & Datum
- (ganz wichtig) Unterschrift des Beratenen !

Im Pflegebericht :
- Ergebnis der Beratung
Ggf. erneute Beratung (Doku s.o.)
(Falls sinnvoll) Hausarzt hinzuziehen.

L.G. Frieda
 

M!aren

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Vielen Dank für eure Hilfe !
Mit dem Dialysezentrum Kontakt aufnehmen habe ich mir auch schon überlegt, das werde ich morgen gleich machen. Es gehört zu dem KH aus dem sie den VRE mitgebracht hat... aber ob die davon wissen ist natürlich ungewiß.
2 Handschuhe ziehe ich übereinander damit ich während der Pflege nach dem Intimbereich nur ein Paar ausziehen muss und gleich ohne desinfizieren weiter pflegen kann. OK, wenn der Handschuh undicht wäre ... usw...
Frieda, das stimmt, ich muss meine Beratung noch einmal wasserdicht dokumentieren.
Nicht dass die mir am Ende noch was anhängen.
Die Möglichkeit der Keimverschleppung vom Analbereich zum Zugang halte ich bei dem Umgang mit Hygiene der Patientin für fast unausweichlich.
 
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Gelöschter User 54276

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Hier mal ein Bild, wie ungefähr ein solcher Verband im Idealfall aussehen könnte (wir machen sie ungefâhr so, wir sind nicht dafür, die Katheter direkt mit der Folie anzukleben, dann kriegt man letztere kaum noch ab und riskiert es, den Katheter zu beschädigen). Das Ganze ist auf Niederländisch, aber wenn Du runterskrollst auf Seite 4 hast Du ein Bild:http://patinfo.uzbrussel.be/folder/nefro/dialysekatheter.pdf
Und was den Keim betrifft: Wenn das Dialysezentrum zu einem Krankenhaus gehört dann haben die auch ein Labor und wahrscheinlich auch die Krankenakte der Patientin. Wenn nicht: schick eine Stuhlprobe, denn die können das analysieren. Eigentlich muss ein solcher Patient isoliert werden während der Dialyse.
Dialyse-Katheter sind Vorhofkatheter. Eine Infektion mit so einem Keim kann bis zur Endokarditis führen.
 
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Sosylos

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Du weißt aber, daß die Handschuhe kein Schutz vor Kontaminatonen sind?
 

M!aren

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@Sosylos Ja.... weiß ich... desinfiziere mich ja danach auch gründlich...
@DieFranzösin :habe heute im Dialysezentrum angerufen, gefragt ob Sie von dem Keim wissen und auch drum gebeten, den Zugang sicherer und haltbarer zu verbinden. Die Kollegin hat sich sehr bedankt und versprochen, dies weiter zu geben.
Wenn ich den Link eingebe, komme ich leider nirgendwo hin.
@frieda: habe heute noch einmal eine wasserdicht dokumentierte Schulung mit schriftlich niedergelegtem Inhalt abgehalten und beide Töchter unterschreiben lassen. Nur - ich hatte den Eindruck dass die das aber mal so gar nicht interessiert hat - tja - ich habe getan was ich konnte...
 

Jillian

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Du weißt aber, daß die Handschuhe kein Schutz vor Kontaminatonen sind?
@Sosylos Ja.... weiß ich... desinfiziere mich ja danach auch gründlich...
Es geht in Sosylos' Frage wohl weniger um eine Ansteckung deinerseits, als vielmehr um eine Keimverschleppung. Es ist spielend einfach für VRE, durch ein von dir unbemerktes Loch im äußeren Handschuh oder beim Ausziehen auf den inneren Handschuh zu gelangen. Und damit gehst du dann an den Dialysekatheter... und schon ist es passiert.

Lieber einmal mehr, vor aseptischen Tätigkeiten sowieso, Hände desinfizieren und Handschuhe wechseln, das sind lebenswichtige 30 Sekunden, die jeder von uns haben sollte!
 
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M!aren

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Hast du recht, aber ich gehe nicht an den Dialysekatheter... nur normale Pflege... und die Patientin ist mit ihren nicht gewaschenen oder desinfizierten Händen sowieso da schon überall gewesen...
 
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Gelöschter User 54276

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Versuchen wir es nochmal mit dem Link:http://patinfo.uzbrussel.be/folder/nefro/dialysekatheter.pdf

Wenn es nicht klappt: in Goolge bilder findest Du was, wenn Du Dialyse-Katheter Verband eingibst.

Du musst auch nicht unbedingt mit der Hand am Katheter sein für eine Keimverschleppung, wenn der Keim auf die Hautumgebung gelangt, reicht das, dass das Personal in der Dialyse, wenn es nicht streng aseptisch und antiseptisch arbeitet (wieso muss man die erst auf das korrekte Anlegren eines Verbandes nach der Dialyse hinweisen???) den Keim zum Katheter bringt. Das ist dann auch nicht Deine Schuld. Die müssen sauber arbeiten und so verbinden, dass zwischen Dialysen nichts - auch die Hand der Patientin nicht - an den Katheter gelangt. Das geht. Ich bin seit sechzehn Jahren in dem Job und mache täglich solche Verbände.
 
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Gelöschter User 54276

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Wenn die weiter schlampig verbinden, mach Fotos und dokumentiere das für Dich selbst, zu Deiner eigenen Absicherung. Katheterinfektionen können böse ausgehen.
 

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